Flix Schöne Töchter unter Druck :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
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geschrieben von Maqz am Mittwoch, 15. Juli 2015 (3144 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Online/Zeitungs-Serie Ende Juli zwischen Buchdeckeln zu haben

Schöne TöchterSeit ich die Serie 2010 online gelesen habe (im Berliner Tagesspiegel jeden Monat großformatig+ganzseitig zu bewundern) konnte ich nicht mehr von Flixens „Schöne(n) Töchter(n)“ lassen. Ab Episode Vier war ich völlig hin und weg. Dramatisch, schön, traurig, mitreißend, und nicht zu vergessend einfach unterhaltend. Jetzt kommen die (2012 beim Max und Moritz Preis in Erlangen als "Bester Comic-Strip" ausgezeichneten) Episoden als wohlfeines (HC, ca. 128 S., 4farbig, ca. 30x30 cm) Buch in den Handel. Die Comicradioshow nutzt noch schnell die Gelegenheit Flix ein paar Fragen zu stellen, bevor Denis Scheck es macht…

ComicRadioShow: Lieber Felix, auch als 5jähriger Fan der Serie, würd ich natürlich doch gerne für mich (und für die noch-nicht-Fans) nochmal wissen, wie es zu dieser Serie ursprünglich gekommen ist?

Flix: Als ich 2010 meine Serie „Da war mal was…“ im Berliner Tagesspiegel beendet habe, wünschte sich die Redaktion eine neue Reihe von mir. Sie sollte irgendwas mit Berlin zu tun haben. Zunächst hatte ich die Idee, eine Fortsetzungsgeschichte zu machen, eine Liebesgeschichte. Und als wäre ein monatlicher Abstand zwischen den Folgen nicht schon Herausforderung genug, wollte ich die Geschichte rückwärts erzählen. Also vom Ende aus. Und jede Folge sollte enthüllen, was davor passiert ist. Der Titel der Reihe: „Kurz davor“. Als ich die erste Folge gezeichnet hatte, zeigte ich sie meinem Freund und Kollegen Ralph Ruthe. Und der sagte mir: „Flixi, ganz ehrlich: Das funktioniert nicht. Das ist zu kompliziert.“ Ich war enttäuscht. Und verzweifelt. Denn der Abgabetermin der ersten Folge stand vor der Tür. Also habe ich die „Kurz davor“-Seite, die erst in stummen Bildern eine leere Wohnung zeigt und dann zwei Männer, die auf einer Brücke stehen und in eine ungewisse Zukunft schauen, genommen und einfach den Titel geändert. So dass er zu dem kurzen Dialog passt, den die Männer im letzten Bild führen: Andere Mütter haben auch…- Halt die Fresse. Also stand über der Geschichte nicht mehr „Kurz davor“, sondern „Schöne Töchter“. Und so ist diese Reihe entstanden, in der sich jeden Monat ein anderes Personal auf verschiedenste Weise mit dem ewigen Thema der Menschheit beschäftigt: Der Liebe.



CRS: Natürlich könnte es wichtig sein zu wissen, wieviel „echtes Leben“ in den einzelnen Geschichten steckt.


Nein, das ist egal. Wichtig ist nur, ob sich die Geschichten beim Lesen nach echtem Leben anfühlen.

Schöne Töchter(c) Flix


CRS: Noch interessanter für mich ist es jedoch, ob es für Dich überhaupt wichtig ist, ob Geschichten wirklich so passiert sind und ob für Dich nicht genauso viel „wert“ sind, wenn sie ganz fiktional sind.


Ich bin Autor, kein Reporter. Ich erfinde Dinge. Manchmal sind reale Erlebnisse der Anlass, über bestimmte Themen nachzudenken. Manchmal höre ich Sätze in der S-Bahn, die eins zu eins von meinen Figuren gesprochen werden könnten. Ich sammele Eindrücke in der Welt. Aber ich verdichte sie zu Geschichten. Und wenn das gelingt, bin ich sehr glücklich.


CRS: Wie gehst Du an Deine Geschichten heran, um ihnen den dramaturgischen Kick zu geben. Intuitiv, grübelst Du mehr als eine Stunde oder kommt es eher spontan zu Dir?


Das ist unterschiedlich. Manchmal setze ich mich mit einer klaren Idee an den Schreibtisch. Manchmal ist die Idee vage und ich spüre bloß, dass sie einen guten Kern hat. Ich kann ihn aber noch nicht greifen. Dann setze ich mich hin und fange einfach an. Ich vertraue dem Prozess. Ich hoffe darauf, dass ich beim Machen das finde, was die Geschichte gut werden lässt. Manchmal gelingt es. Und manchmal schmeiße ich zwei Tage Arbeit weg, weil es nicht funktioniert.


CRS: Neben den Geschichten fasziniert mich auch die grafische Umsetzung der „Schönen Töchter“. Angefangen von der Darstellung der Protagonisten (z.T. schön überzogen in diversen Traumsequenzen) über die thematische Colorierung, bis hin zu solchen Kapriolen, wie z.B. in Episode Fünf oder in Episode Siebenundvierzig. Reizt Dich hier der große Platz im Tagesspiegel, um mal zeichnerisch so richtig auf die Kacke zu hauen?

Schöne Töchter(c) Flix

Das Format, das der Tagesspiegel zu Verfügung stellt, ist spitze. Rund 30 mal 30 cm stehen mir das jeden Monat zur Verfügung. Es gibt keine andere Zeitung mit einer größeren, zusammenhängenden Comicfläche. Da drängt es sich ja formlich auf, mit dem Format zu spielen!!! Allerdings habe ich auch ein paar Jahre gebraucht, um das zu begreifen und mich das zu trauen. Denn es verlangt dem Leser ja einiges an Zutrauen zum Zeichner, wenn er sich auf ungewohnten Wegen über die Seite und durch die Geschichte führen lässt.

Schöne Töchter(c) Flix

CRS: Meist kommen Deine Fans ja eher aus der Comic-Szene. Wie haben zu Anfang die Zeitungsleser auf Deine Geschichten reagiert?


Die Reaktionen der Zeitungsleser waren am Anfang sehr spärlich. Aber nicht ablehnend. Sie fühlten sich scheinbar nicht von mir gestört. Was schon mal viel wert ist.


CRS: Und wie entwickelte sich das Feedback mit der Zeit?


Die Reaktionen werden deutlich mehr. Kommen aber meistens via Email oder die sozialen Medien direkt bei mir an.


CRS: War der Deal mit dem Tagesspielgel eigentlich (monetär) lohnenswert, oder ging dies mehr über die Schiene: „Wir können Dir nur wenig geben, aber das ist ja eine riesige Werbung für Dich“?


Der Tagesspiegel zahlt, was er zahlen kann. Dass das eigentlich zu wenig für eine aufwändige Comicreihe wie „Schöne Töchter“ ist, ist allen Seiten klar. Und so versuchen sie, mir die Arbeit so einfach wie möglich zu machen. Es gibt keine thematischen Eingrenzungen, kaum Beschränkungen. Ich muss keine Rücksprache halten, wenn ich eine Idee habe. Die Redaktion vertraut darauf, dass ich es gut machen werde. Und es gibt keine Forderungen, dass die Comicseite so detailliert ausgearbeitet sein muss. Ich habe alle gestalterische Freiheit. Das ist schon sensationell. Und zu Weihnachten schickt die Redaktion seit einigen Jahren eine Kiste Wein.

Schöne Töchter(c) Flix

CRS: Was erwartet mich eigentlich mehr bei der Buchausgabe? Schließlich konnte ich doch alle Episoden schon online bewundern! J


Das stimmt. Viel mehr gibt es im Buch nicht. Alle Folgen sind natürlich hochaufgelöst in Farbe auf gutem Papier gedruckt. Es gibt einen Haufen extra angefertigter Vignetten, dazu zwei Episoden, die es online nicht gibt. Ein Nachwort von Andreas Platthaus und Lobesworte von Ralf König, Lewis Trondheim und Dendemann.


CRS: Du hast den zukünftigen Besitzern ja versprochen, dass Du bei jedem bestellten Buch über Deine Seite eine Signatur beisteuerst. Ohne Begrenzung. Klingt aber Angesicht der vielen Bestellung bisher wie eine Sehnenscheidenentzündung mit Ansage! ;-) Ab wann ist Schluß, oder signierst Du direkt die gesamte erste Auflage durch?


Alle Bestellungen werden signiert. ALLE. Denn zum einen haben meine Leser mich 5 Jahre lang begleitet und auf das Buch gewartet. Und zum anderen ist jedes im Flix-Shop bestellte Buch ein Buch, das nicht über Amazon bestellt wird. Das ist jeden Einsatz wert.


CRS: Wie sind eigentlich Deine Erfahrungen der Selbstvermarktung und Verlagsbetreuung u.a. bei Carlsen. Was taugt Dir mehr?


Ich mag die Kombination. Es ist schön, direkten Kontakt zu den Lesern zu haben. Es motiviert mich zu sehen, wer meine Sachen liest und schätzt. Es motiviert mich und macht mich ein Stück weit unabhängig. Carlsen funktioniert nochmal anders. Als Verlag haben sie ganz andere Kanäle und Kapazitäten und erreicht so Leute, die meine Sachen vielleicht noch nicht kennen. Den Druck der Bücher und den Vertrieb, den könnte ich selber niemals so stemmen, wie ein Verlag es kann. Da muss man seine eignen Grenzen anerkennen. Ich bin Autor. Meine Aufgabe ist es, die Werke zu schaffen und als Künstler präsent zu sein. Das ist mein Teil. Und der Verlag kümmert sich um den anderen Teil.

Schöne Töchter(c) Flix

CRS: Sind schon fremdsprachige Ausgaben der „Schönen Töchter“ geplant, oder sind die Geschichten nicht international verständlich?


Ich denke, dass die Geschichten international verständlich sind. Aber bisher gibt es keine offiziellen Übersetzungen.


CRS: Wo kann man Dich demnächst persönlich zum Signieren treffen?


Für den Herbst sind einige Termine geplant. Frankfurt, Köln, Nürnberg, Hamburg, Oberhausen, Erfurt und Leipzig sind dabei. Details folgen in Kürze!


CRS: Da Du jetzt endlich umgezogen bist, was machst Du als nächstes (im Leben und beim Zeichnen)


Mittag.


CRS: Könnte es einen Film zu „schöne Töchter“ geben?


Das wurde ich schon öfters gefragt. Ich kann es mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen. Aber wenn ein Regisseur oder ein Drehbuchautor eine schlaue Idee hat, wie man es machen könnte, bin ich da sehr offen.


CRS: Lieber Felix, danke für das Gespräch!

Schöne Töchter(c) Flix



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