Martin Perscheid im Interview :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
11.12.2017, 02:50 Uhr
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geschrieben von Maqz am Freitag, 06. April 2012 (27628 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Wenn die Kanzlerin von hinten genommen wird



Perscheid Angeber der KaribikIn seinem neuesten Buch "Angeber der Karibik" zieht der Cartoonist Martin Perscheid wieder gekonnt vom Leder. Von kleiner-Pimmel-Witzen über Tittenmäuse-Gags bis hin zum Denkmal für den gelungenen Atomkompromiss bleibt beim Leser (und auch bei mir) kein Auge trocken. Perscheid steht für mich mit an der Spitze der genialen-Ein-Bild-Geschichten-Erfinder. Darum war ich so begeistert, dass er mir die Zusage für eine Interview gegeben hat. Oh Mann, was soll ich nur fragen? Mal sehen, was geht...

ComicRadioShow: Hallo, Herr Perscheid, nach einer kurzen Rundumsuche im Internet und ohne gründliche Rechereche bleibt erst einmal der Eindruck, dass einer der erfolgreichsten Cartoonisten der Republik Mitte der Nuller Jahre Fans mit Schadensersatzprozessen überzogen hat. Gibt's da nichts Besseres, was dem geneigten Bewunderer im Gedächtnis haften bleiben sollte?

Hier wäre zunächstmal festzustellen, daß die Klagewelle von Bulls ausging und
nicht mit mir abgesprochen war. Der Heise-Artikel eines anonymen Autors erschien lustigerweise wenige Tage, nachdem unser erster Sohn geboren wurde, wodurch mich die Welle von Hassmails zu einem ungünstigen Zeitpunkt traf und ich nicht alle beantworten konnte.
Was dem geneigeten Bewunderer im Gedächtnis haften bleiben sollte, sind hingegen meine Erfolge bei der Jagd auf Babyrobben sowie mein Einsatz für die Förderung der Hundemast.

CRS: Was haben Sie eigentlich vor der Veröffentlichung Ihrer ersten Cartoon-Publikation gemacht und hat es diese Cartoonflut irgendwie ausgelöst, oder inspiriert?

Meine erste Cartoonveröffentlichung war eine Kinderzeichnung von mir, die mein Vater in unsere Tageszeitung geklebt hat (das war nicht ganz das, was ich mir vorgestellt hatte, aber er hatte es gut gemeint). Was ich davor gemacht hatte, weiß ich nicht mehr.

CRS: Was haben wir als devote Fans von Ihrem neuen Band "Angeber der Karibik" zu erwarten? Was hat Sie hier auf Ideen gebracht? Etwa der ähnlichnamige Film?

Damit der Titelcartoon funktioniert, war es notwendig, einen dunkelhäutigen Mann auf einer Kokospalme zu zeichnnen. Diese Kombination findet man am ehesten in der Karibik. Anzumerken wäre noch, daß sich der Buchtitel ausschließlich auf den Titelcartoon bezieht, inhaltlich wird das Thema Karibik nicht mal angeschnitten. Auch Angeber und Negerhoden werden in dem Buch nicht weiter thematisiert.

CRS: Was ist das eigentlich für ein Gefühl, wenn man in unzähligen Wohnungen auf dem Gäste-Klo, oder in der Küche in den letzten zwei Jahrzenten seine eigenen Zeichnungen in Postkarten, oder Bücherform wiederfindet?

Man sagt, es wäre so. Da ich aber in den wenigsten der unzähligen Wohnungen gewesen bin, ist dieser Umstand zu abstrakt, um dafür Gefühle zu entwickeln.

CRS: Und ärgern Sie sich, wenn sie dort nur die "Konkurrenz" entdecken?

Sowas wie "Konkurrenz" gibt es nicht unter Cartoonisten!

Perscheid

CRS: Viele vergleichen Sie ja mit dem amerikanischen Cartoonisten Gary Larson. Ein Kompliment, oder eine Beleidigung?

Ich sehe das als großes Kompliment. So wie sich Gary Larson auch geschmeichelt gefühlt haben dürfte, wenn man ihn immer wieder mit Gahan Wilson oder Charles Addams verglich.

CRS: Haben Sie es über diese Ähnlichkeit im Zeichenstil leichter zu Bulls Press und Lappan geschafft?

Von welcher Ähnlichkeit reden wir? Ich habe immer bei Diddl abgemalt.

CRS: Wurde in Wesseling schon ein Denkmal (oder wenigstesn eine Plakette am Haus) für Sie angebracht?

Es werden schon mal Zettel an meinem Auto angebracht, um mich auf Verstöße gegen die StVO aufmerksam zu machen.

CRS: Was hilft Ihnen Ihr Ruhm im täglichen Leben? Ein Rädchen Fleischwurst an der Metzgerstheke extra, oder etwa ein Kölsch für umsonst?

Mitunter werde ich von Heilpraktikerinnen mit kostenlosen Globuli beworfen,
weil ich ihre homöopathischen Gefühle verletzt habe.

CRS: Gary Larson und auch Bill Watterson haben irgendwann mit ihren Serien aufgehört. Fühlen Sie sich auch schon auf dem Höhe- und Zielpunkt Ihrer Humoristen-Karriere? Sind alle Witze erzählt, oder fängt's jetzt erst richtig an bei Ihnen?

Sagen wir mal so: Wer es in Amerika als Cartoonist geschafft hat, kann es sich
leisten, nach 10 Jahren aufzuhören. Ich werde wohl weitermachen, solange ich den Bleistift noch halten kann, bin aber freilich auch in der beneidenswerten Situation, daß mir meine Arbeit Spaß macht. Zudem ist nicht zu erwarten, daß in unserer immer verrückter werdenden Welt die Quellen der Inspiration versiegen werden.

CRS: Um den Neidfaktor bei mir rchtig einstellen zu können: Reicht die ganze Geschichte mit den Postkarten, den Büchern und den regelmäßigen Veröffentlichungen in diversen (hundert?) Zeitungen für einen Zweit-Porsche, oder muss der 13 Jahre alte Opel-Astra noch zwei Jahre halten?

Ich habe gute Hoffnung, daß der 20 Jahre alte Saab auch die nächsten 20 Jahre durchsteht, das hat aber eher mit Idealismus als mit Geiz zu tun. Das Einkommen unterliegt starken Schwankungen, reicht aber unterm Strich, um der Familie ein einigermaßen komfortables Leben zu bieten.

Perscheid

CRS: Hängen Sie eigentlich an ein paar Lieblings-Cartoons, die Sie für besonders gelungen halten, oder sind immer die neuesten Geschichten Ihre Lieblinge?

Da sich auch die Besten Carrtoons mit der Zeit abnutzen, sind es doch ständig
neue Lieblinge, welche mein Herz erobern.

CRS: Besteht eigentlich die Möglichkeit einen echten Perscheid in Öl oder Acryl von Ihnen zu bekommen, so wie Ralf König es zum Beispiel in der letzten Zeit auf seiner Webseite anbietet?

Ganz im Gegenteil habe ich meinen Arbeitsaufwand im Lauf der Zeit reduziert.
Für aufwendige Maltechniken wird Zeit sein, wenn die Kinder mal aus dem Haus sind.

CRS: ...oder wenigstens eine signierte Kaffetasse (oder T-Shirt)?

Nein, Zeug zu verkaufen überlasse ich den Profis. Prinzipiell können Sie sich aber alles von mir signieren lassen, soweit es sich nicht um männliche Körperteile handelt.

CRS: Gibt es eigentlich auch eine Chance in der nächsten Zeit Martin Perscheid persönlich bei der Frankfurter Buchmesse, dem Comicsalon in Erlangen, oder bei einer der nächsten Buchpräsentationen zu treffen und um ein Signatur zu bitten?

Die Frankfurter Buchmesse ist fest eingeplant, Erlangen eher nicht (zu weit weg).

CRS: Welchen deutschen Cartoonisten würden Sie denn um ein Autogramm bitten?

Eigentlich habe ich von fast allen ein Autogramm.

CRS: Gibt es eigentlich in Wesseling (oder Köln) so eine Art Cartoonisten-Stammtisch, bei dem sich die alten Hasen gegenseitig die neuesten Witze auf den Bierdeckel kritzeln?

In Wesseling schon mal gar nicht. In Köln existiert eine Splittergruppe um
Dirk Meissner, aber da habe ich keinen Zutritt.

CRS: Um nochmals etwas an meiner Neid-Schraube zu drehen: Wie sieht Ihr Arbeitstag aus: Aufstehen um halb 10, Kaffee bis 12, Cartoon zeichnen bis 1 und dann Freizeit bis zur Schlafenszeit?

So war das früher. Heute stehe ich um 8:00 auf, mühe mich gemeinsam mit meiner Frau redlich, die Kinder zur Eile anzutreiben, fahre die kleinen Sonnenscheine in den Kindergarten, aber dann: Kaffee, Zigarillo, zeichnen bis 12.

CRS: Sind Sie eigentlich schon mal wegen eines zu heftigen Cartoons verklagt worden? Wenn ja, welcher wäre das denn gewesen?

Gemeinerweise hat sich inzwischen herumgesprochen, daß man mit Klagen die
Popularität eines Künstlers eher steigert - leider hat mir das bis jetzt noch niemand gegönnt. Gelegentlich ernte ich Kritik von Leuten, die ihre religiösen Gefühle verletzt sehen, aber ich renne ja auch nicht in die Kirche und sage: Ihr verletzt meinen Verstand.


Perscheid

CRS: Wie hält eigentlich die Moderne im Haushalt Perscheid Einzug? Gibt's ein Riesen-WACOM-Board, gibt's die Perscheid-App, die Kindle-Version der Bücher, haben Bleistift und Ratzefummel ausgedient?

Nein, Bleistift und Radiergummi sind nach wie vor die wichtigsten Arbeitsutensilien. Der alte Rechner kommt beim Colorieren der Cartoons und zum Ignorieren von Emails zum Einsatz. Ansonsten bin ich eher ein Techniknostalgiker, mein Mobiltelefon z.B. ist alles andere als smart, kommt aber auch nur zum Einsatz, wenn pannenbedingt mal wieder der Abschleppdienst zu rufen ist.

CRS: Braucht's heutzutage, in Zeiten der immer einfacher werdenden Selbstvermarktung im Internet noch einen Partner wie Bulls-Press?

Ob die Selbstvermarktung heute einfacher geworden is, sei mal dahingestellt - dazu muß man ja auch erstmal Talent und Zeit haben. Da mein Einkommen grösstenteils aus Veröffentlichungen in Tageszeitungen resultiert, ist Bulls auch heute noch ein guter Partner.

CRS: Frage 21: Was machen Sie eigentlich sonst so, ausser Zeichnen? Sport?

Sie meinen, was ich mache, wenn ich gerade nicht zeichne oder die Kinder erziehe? Ich schaffe es 2-3 mal im Jahr, das alte Motorrad aus der Garage zu holen und ein wenig Gummi auf die Strassen der Eifel zu reiben. Wenn es die Kinder zulassen, setze ich mich gelegentlich ans Klavier und komponiere Stücke, welche exakt so klingen, als hätte Gary Larson sie komponiert, wenn er komponieren würde. Wenn die Kinder im Bett sind, bemühe ich mich, Kunststoffe, Metalle und Hölzer so in Form zu bringen, daß sie im Endergebnis großen Vorbildern aus den Bereichen Zweirad und Schiffahrt ähneln.


CRS: Überwältigt von der Ehre diese Fragen gestellt zu haben und in freudiger Erwartung über die Antworten, danke ich für Dieses Gespräch und möchte nur nochmal betonen: ...!...
 
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