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geschrieben von M.Hüster am Montag, 29. August 2011 (2503 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

"Es wimmelt gerade von aufregenden Projekten..."


Die Graphic Novel-Highlights der neuen Süddeutschen Zeitung Bibliothek Anfang März 2011 wurde von der “Süddeutsche Zeitung” eine Graphic-Novel-Edition veröffentlicht. Die zehn Titel umfassende Reihe läuft unter dem Motto “Literatur trifft Illustration”. Darunter sind schwerpunktmäßig Titel mit biografischem und autobiografischem Inhalt. Die wohl bekanntesten Titel sind „Ein Vertrag mit Gott“ von Will Eisner, „Persepolis“ von Marjane Satrapi, „Vertraute Fremde“ von Jiro Taniguchi und „Cash – I see a darkness“ von Reinhard Kleist.

Hier das Statement von Reinhard Kleist zum Thema Graphic Novels:

Worauf könnte das gestiegene Medieninteresse an GN zurückzuführen sein? Oder liegt dieses einfach am Wandel des Medienmarktes und deren Berichterstattern, die für solche Themen offener sind?

R. Kleist: Es ist ja nicht so, dass es nicht schon vor dem Erfolg von GNs ähnliche Bücher gegeben hat. Sie wurden nur nicht so wahrgenommen. Jetzt setzt sich langsam das Bewusstsein durch, dass es im Comic durchaus interessante Geschichten zu entdecken gibt. Dazu war lange Entwicklungsarbeit nötig, wie z.B. die Seite graphic-novel.info, die den Buchhändlern mitteilt was in dem Sektor los ist und ihnen die Berührungsängste nimmt, die diese noch mit dem Begriff Comic haben.
Was auch eine grosse Rolle spielt, ist der Trend der Künstler, Themen anzusprechen, die auch vom Feuilleton angenommen werden. Eine Fantasy Reihe oder Superhelden werden eher übergangen, aber Themen wie Iran, tragische Liebesgeschichten, Musikerbiografien, Historisches oder Ähnliches finden auch dort Anklang und damit auch bei den Lesern.
Und wir wissen nun mal: Ohne eine breite Presse läuft es nicht.

Die Graphic Novel-Highlights der neuen Süddeutschen Zeitung Bibliothek


Auffällig häufig erscheinen im Bereich Graphic Novels Adaptionen bekannter Buchwerke. Eine Erfolg versprechende Variante?

R. Kleist: Sicher. Wie bei Verfilmungen. Aber auch hier wird sich zeigen, ob das Medium Comic dem Stoff etwas Neues hinzufügen wird, oder einfach nur der Geschichte Bilder gegeben werden, was ich sehr schade finden würde. Die Faszination von geschriebener Literatur liegt ja hauptsächlich in den Bildern, die dabei im Kopf entstehen. Wenn einem das nun schon von einem Künstler vorgesetzt wird, und so die Chance auf eigene Bilder genommen wird, sollte doch dazu etwas kommen, was den Stoff erweitert, neu interpretiert, aufbricht.



Insgesamt ist die Qualität, die deutsche Künstler abliefern, international schon länger konkurrenzfähig. Auch die Themenauswahl trifft mehr den Zeitgeist. Könnte das deiner Meinung nach auch ein Grund für die Aufmerksamkeit sein?


R. Kleist: Auch vorher hat es schon extrem talentierte Zeichner und Autoren gegeben. Nur haben sich viele in Projekte verstiegen, die ihnen lukrativer vorkamen, weil sie nach Frankreich und Amerika geschielt haben. Ich sag nur mal Christian Gorny, wenn der weitergemacht hätte, wo er mit Haarmann aufgehört hatte, wäre das jetzt einer der ganz Grossen.
Aber nun setzt sich eine neue, eigene Generation durch. Eigene Geschichten, historische Stoffe, autobiografische Geschichten, die aber einen Aspekt haben, der die breite Leserschaft anspricht oder auch Stoffe, die speziell die deutsche Geschichte betreffen. Das hat sich vor zehn, zwanzig Jahren kaum mal jemand getraut. Und dann blieben die Bücher in einer Ecke liegen, weil sich Leser, die potenziell Interesse hätten, sich nicht in die schmuddelige Comicecke getraut haben.

Castro

Deine Werke haben auch internationale Anerkennung erhalten. Die Cash-Nominierung in den USA war da ein Beispiel. Setzt du bewusst auf internationale Themen? Oder sind das Themen, die dich ganz persönlich interessieren? Cash, Havanna, Castro …


R. Kleist: Beides. Cash war einfach ein Muss, da ich so ein grosser Fan bin. Havanna und das Folgeprojekt Castro waren Ideen, die mich künstlerisch und ideologisch herausgefordert haben. Und gerade bei Castro ist viel von mir persönlich eingeflossen. Da ist die Figur des schwulen Revolutionärs Carlos, Karl als Deutscher und seine naive weltverbesserliche Einstellung und allgemein das Hadern mit den Konsequenzen der Umsetzung revolutionärer Ideale. Und ja, ich schiele schon darauf, dass meine Bücher auch international einen Markt finden. Dazu ist die Verlockung einfach zu gross...

Havanna

Wie siehst du die Zukunftschancen für die GN?


R. Kleist: Ganz gross. Es wimmelt gerade von aufregenden Projekten und die Resonanz wird immer besser.
Wenn die deutschen Zeichner weiterhin auf diesem Niveau arbeiten, wird es mit dem Comic weiter bergauf gehen.

(Ha,ha, erinnert sich noch jemand an die Katerstimmung auf dem Comicsalon in Erlangen vor 12 Jahren? Das hätte sich keiner vorstellen können, dass man so einen Satz heute schreiben wird...)





Ein Überblick zu den Titeln der SZ-Edition mit Rezensionen der ComicRadioShow:

Peer Meter und Barbara Yelin: “Gift” (Reprodukt)
Marjane Satrapi: “Persepolis” (Edition Moderne)
Will Eisner: “Ein Vertrag mit Gott” (Carlsen)
Guy Delisle: “Shenzhen” (Reprodukt)
Joe Sacco: “Palästina” (Edition Moderne)Die Graphic Novel-Highlights der neuen Süddeutschen Zeitung BibliothekAlison Bechdel: “Fun Home” (KiWi)
Jiro Taniguchi: “Vertraute Fremde” (Carlsen)
Leo Malet & Jacques Tardi: “Blei in den Knochen” (Edition Moderne)
Reinhard Kleist: “Cash – I see a darkness” (Carlsen)
Ari Folman & David Polonsky: “Waltz with Bashir” (Atrium)



(c) Abbildungen: SZ + genannte Verlage + Autoren


 
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