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geschrieben von Micha am Freitag, 02. April 2010 (4508 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Gesche Gottfried gibt gern Gift

Gift „Mäusebutter“ klingt ziemlich nett und niedlich für eine so tödliche Substanz, mit der die Bremer Giftmörderin Gesche Gottfried in ihrer 15 Jahre währenden Laufbahn auf ebenso viele Opfer kam, ein Amoklauf in Zeitlupe. Gottfried bekam die Mischung aus Schmalz und Arsen als Insektengift von ihrer Mutter geschenkt und ehrte diese damit, ihr zweites Opfer zu werden. Auch ihren Vater, ihre drei Kinder, ihren Bruder, zwei Ehemänner und einen Verlobten tötete sie so. Als ihr die Verwandten ausgingen, dehnte sie ihr Tätigkeitsfeld auf Freunde und Bekannte aus. Während dieser Zeit war sie in Bremen aufgrund ihrer Mildtätigkeit hoch angesehen, bis eins ihrer potentiellen Opfer die tödliche Zutat in seinem Salat entdeckte.

Gift Allerdings ist nicht die enigmatische Persönlichkeit der Gesche Gottfried zentrale Figur dieses Comics, sondern eine junge Schriftstellerin, die 1831 zufällig am Vortag von Gottfrieds Hinrichtung nach Bremen kommt. Sie gerät in Verdacht, ein Buch über die Giftmörderin schreiben zu wollen, und bekommt es mit den Honoratioren der Stadt zu tun. Denn die wollen auf jeden Fall verhindern, dass die Stadt ein negatives Bild erhält, und drangsalieren die Schriftstellerin massiv. Sie begegnet verschiedenen Personen, die im Zusammenhang mit dem Kriminalfall mit der Gottfried zu tun hatten, und die sich widersprüchlich verhalten.

Gift

Autor Peer Meter versucht, mehr Aufmerksamkeit auf die bürgerliche Gesellschaft zu legen, die so lange weggesehen hatte und sich anschließend nicht ihrer Mitverantwortung stellt. Eigentlich ein interessanter Ansatz, der sich von anderen Bearbeitungen des Stoffes – die Geschichte der Gesche Gottfried ist bereits dreimal verfilmt worden – unterscheiden soll. Leider wird die Erzählung dadurch ein bisschen blutarm, denn die Schriftstellerin fesselt als Figur kaum. Es gibt auch keinen echten Konflikt, denn die Stadthonoratioren wollen verhindern, dass sie ein Buch über die Gottfried schreibt, aber das hat sie ja ohnehin gar nicht vor. Ihre emotionale Aufwühlung und ihre widersprüchlichen Gefühle angesichts der unglaublichen Taten reichen nicht aus, um die Schriftstellerin interessant genug zu machen, dass sie die Geschichte tragen könnte. Der Leser will eigentlich mehr über die rätselhafte Giftmörderin wissen, die aber nur am Rande auftaucht. Die Passagen, in denen die Gottfried auftaucht und spricht (ihre Worte wurden exakt aus den Prozessprotokollen übernommen), sind die stärksten und fesselndsten des Buchs, aber leider dünn gesät.

Die mit weichem Bleistift ausgeführten Zeichnungen von Barbara Yelin sind ausdrucksstark und strukturreich und heben sich stilistisch von der Masse der im Comic üblicherweise verwendeten Zeichenstile angenehm ab. Leider reißen sie das Manko des Erzählkonzepts aber nur zum Teil wieder heraus.

Wie diese im Internet vorab veröffentlichte Seite zeigt, scheint zeitweise auch die zusätzliche Verwendung einer Schmuckfarbe angedacht gewesen zu sein:
Im Buch selbst ist nicht nur die Schmuckfarbe weggelassen, sondern auch der Pastor geht in eine andere Richtung weg.

Gift
Gift
Zurzeit arbeitet Szenarist Peer Meter übrigens an einer weiteren Comic-Biographie über einen Massenmörder (die haben's ihm offenbar angetan), nämlich den Hannoveraner Haarmann, diesmal in Zusammenarbeit mit Isabel Kreitz.


Gift
von Peer Meter (Text) und Barbara Yelin (Zeichnungen),
200 Seiten, Klappenbroschur
Reprodukt Verlag, 20,-Euro


Gift kann man auch gerne hier kaufen.


LESEPROBE zu Gift

(c) der Abb.: Reprodukt & Autoren
 
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