Abenteuer: XIII
Marketingrummel um eine gewinnträchtige Serie Im Oktober erschien bei Carlsen zeitgleich zur französischen Ausgabe der neue Band des Politthrillers " XIII", der im Original 'Le jugement' (bei Dargaud) genannt wurde.
Seit dreizehn Jahren fristet die Serie ein eher unauffälliges aber ungemein erfolgreiches Dasein, wenn man sich die Entwicklung der Verkaufszahlen (der französischen Ausgabe) ansieht:
Aus dieser Entwicklung leitet Dargaud für den 12. Band als Ziel 300.000 ab und hat das Budget zur Vermarktung der Serie entsprechend hoch veranschlagt. Dabei wurde der Erfolg anfangs ganz ohne Werbung geschafft, nur durch Flüsterpropaganda. Für den Band 8 wurde dann aber erstmals ein Kinospot (nur 16 Sekunden!) eingesetzt. Dieser - Dargaud zufolge - 'kürzeste und billigste Werbespot der Kinogeschichte', eine Signiertournée und die Pressearbeit verdoppelte - wie man oben sieht - die Anzahl der verkauften Alben nahezu!
1995 steckte man etwa DM 450.000 in die Vermarktung des 11. Bandes und kam unter anderem auf die gute Idee, Album 1 in der ersten Klasse des TGV (franz. Schnellzug) auszulegen. Dadurch erreichte man eine neue Klientel, die sich durch die Ruhe/Langeweile der Zugfahrt zum Lesen eines Comics verleiten ließ, mit Erfolg. Und nicht nur ein aktuelles Album verkauft sich durch solches Marketing deutlich besser; auch die Nachfrage nach bereits erschienenen Alben steigt erheblich. So sagt ein Dargaud-Chef Claude de Saint Vincent, dass zum Beispiel der (ur-) alte Titel 'Das Gelbe M' der Serie "Blake und Mortimer" wieder auf den Bestsellerlisten aufgetaucht sei, weil das neue Album 'Die Affäre Francis Blake' kürzlich herauskam. Zu Lebzeiten habe Edgar Jacobs nicht so viele Alben verkauft wie jetzt durch den neuen Titel (der gar nicht von ihm stammt). Um Marketingstrategien für die neuen Bände von "XIII" zu entwickeln, beauftragte der Verleger ein Marktforschungsinstitut (Ipsos) mit einer Studie zur Bekanntheit von Comicserien. Dabei schnitten "Asterix", "Die Schlümpfe" und "Boule et Bill" am besten ab (90% Bekanntheitsgrad), aber erstaunlich war schon, dass nur 10% der 15- bis 44-jährigen (und 15% der 15- bis 24-jährigen) "XIII" kannten, trotz des Verkaufs von mehreren hunderttausend Alben pro Ausgabe. Der Experte schließt daraus, dass es noch große, bisher nicht erreichte Kreise an Käufern für die Serie "XIII" gibt. Und diese Leserschichten versuchte man durch gezielte Werbemaßnahmen in der Presse, im Fernsehen und im Internet zu gewinnen. So wurde das Album in drei Tageszeitungen (Libération, Le Soir, De Morgen) seit dem 30. Juli 1997 vorveröffentlicht (täglich eine Planche) bis zum 13. September, dem Tag, an dem das Album dann mit großem Tamtam erschien. Libération vorveröffentlichte die Planches auch im Web (in schwarzweiss). Außerdem veranstaltete man mit der Presse große Gewinnspiele, mit Kinos wurde kooperiert, im und mit einem Fernsehsender (M6) wurde ein
Spiel auf CD-ROM herausgegeben ('Das Geheimnis XIII', 120.000 Exemplare), "XIII"-Notizbücher, "XIII"-T-Shirts, ... Insgesamt kann man das, was Dargaud da an Marketing für ein Comic-Produkt aufgezogen hat, als sehr geglückt bezeichnen. Und in die gleichen Fußstapfen tritt bei uns in Deutschland in annähernd gleichem Ausmaß offenbar nur die Achterbahn AG, die mit ihrer W-Aktie und den "Werner"-Filmen jetzt eine gewisse Medienpräsenz erreicht hat und beispielsweise in den letzten Tagen mehrfach im Fernsehen vorgestellt wurde. Nun warte ich gespannt auf kuuuhle Fernsehspots zu "Asterix", "Spirou", "Elfenwelt" und "Sandman". Es wäre auch nicht übel, wenn man ein wenig "Dragon Ball" und "Lobo" und Bilal großformatig auf die Plakatwände klebte! Oder wenn es bei Ed*scho und Tch*bo statt güldener Pfannkuchenhalter (sülberne) "Tarzan" und "Tim und Struppi"-Alben gäbe. Oder Gratisexemplare von "Bitchy Bitch" aufm Kirchentag? Oder "Morbus Gravis" aufm Bahnhofsklo? Ihr seht, ich habe Marketing schon voll kapiert! (äh, Andreas, die Leute schauen schon... - aks) Trotz schlichter Einstiegsidee (Mann wacht am Strand ohne Erinnerung an seine Identität auf), die man zum Beispiel auch schon von "Hans" kennt (Rosinski/Duchâteau), wird das Erscheinen jedes Bandes von immer mehr Lesern (40% weiblich, 60% männlich) ungeduldig erwartet.
Das mag daran liegen, dass es nicht nur um ein einfaches Agentenabenteuer geht, sondern dass Jean Van Hamme ein Geflecht von Irrungen und Wirrungen zusammengebastelt hat, das den Leser fesselt, weil er sich in Lust und Frust des Helden lebhaft hineingezogen fühlt. So ahnt man nie, welche überraschende Wendung die Story nimmt, drückt diesem (und Major Jones) aber heftig beide Daumen. William Vance gibt der Story durch seine realistischen Zeichnungen den dazu nötigen Touch Authentizität (auch wenn sein Stil oft hölzern, undynamisch wirkt. Marke 'Fliegende Schaufensterpuppe'). (ad) |
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Im Oktober erschien bei
Außerdem veranstaltete man mit der Presse große Gewinnspiele, mit Kinos wurde kooperiert, im und mit einem Fernsehsender (M6) wurde ein
Trotz schlichter Einstiegsidee (Mann wacht am Strand ohne Erinnerung an seine Identität auf), die man zum Beispiel auch schon von "Hans" kennt (Rosinski/Duchâteau), wird das Erscheinen jedes Bandes von immer mehr Lesern (40% weiblich, 60% männlich) ungeduldig erwartet.










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