Aike Arndt im Gespräch :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
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geschrieben von Maqz am Sonntag, 03. Mai 2015 (2067 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Arndt und Gott


Die Zeit und Gott JETZT hat er's geschafft: Der ultimative Comic-Ritterschlag durch Andreas Platthaus (unter anderem flankiert von selbst beaschtem Haupt) und nach 5 Jahren (endlich!) der zweite Band "Das Nichts und Gott" wieder mit Zwerchfell am Start. Wenn das kein Grund ist einmal bei Aike Arndt nachzufragen, wie es denn so geht, mit ihm, Gott und dem ganzen Rest... (Ich sollte noch erwähnen (in aller Bescheidenheit), dass WIR es ja schon "damals" wussten... !


ComicRadioShow: Hallo Herr Arndt! Ich hatte in der Recherche zu diesem Interview entdeckt, dass sie im Jahre 2002 zum 11. Fumetto Festival in Luzern den Publikumspreis erhalten haben. Wie , in Gottes Namen, kam es denn dazu?

*Hallo! Und herzlichen Dank für das Interesse. Wie Sie ja richtig erwähnen, handelte es sich um den Publikumspreis vom Luzerner Comicfestival. Die Besucher sollten ihren Favoriten aus der Ausstellung der eingesandten Wettbewerbsbeiträge auswählen. Tja. Warum meiner? Vielleicht hatte ich Glück, dass sich mein Comic thematisch etwas vom Großteil der anderen Beiträge unterschied? Ich hatte eine sehr einfache, freundliche Geschichte erzählt. Ein Großteil der anderen Comics hingegen war düster und destruktiv. Vielleicht lag es daran. Aber genau kann ich es nicht sagen.*

CRS: Lieben Sie es nominiert und bepreist zu werden?

*Ja, natürlich liebe ich das. *

Das Nichts und Gott

CRS: Vom Tagesspiegel habe ich dereinst erfahren, dass sie eine 3 im Kunstunterricht hatten. Schicken Sie nun ihrer Kunstlehrerin regelmäßig ihre Siegesurkunden zu?

*Ja, das stimmt, im Kunstunterricht an der Schule war ich nicht herausragend. Ich kann mich aber auch kaum daran erinnern, dass wir mal gezeichnet hätten. Wir hatten immer nur Theorie, Architektur, Dächer und so. Total langweilig. Vielleicht ja auch total spannend. Aber in dem Unterricht war es langweilig. Also hat mein Lehrer mir einfach die entsprechende Note gegeben. *

Die gute Fee

CRS: Aber wieder zurück zum Ursprung dieses Interviews, quasi der Genesis: Was ist das für ein Ding mit Ihnen und Gott? Was steckt dahinter?

*Diese Frage wird immer wieder mal gestellt. Ehrlich gesagt versuche ich das selber noch herauszufinden. Ca. ein Jahr nach Abschluss meines Studiums habe ich begonnen, regelmäßiger Comics mit Gott zu machen. Mir ging es damals oft nicht sehr gut. Alles drehte sich darum, Geld zu verdienen, mit dem, was ich da im Studium "gelernt" hatte. Man musste "reinkommen" in den "Markt". Das hat bei mir überhaupt nicht geklappt. Nur Desinteresse und Absagen auf Buchmessen. Und langsam rutschte ich in so eine Selbstblockade hinein: alles, was ich zeichnen wollte, wurde auf seine "Markttauglichkeit" überprüft. Zeichnen war kein unschuldig freies Spiel mehr, sondern wurde existenziell. Es sollte mich ernähren. Die Parameter für Tauglichkeit auf dem Bilderbuchmarkt und meine eigenen zeichnerischen Vorlieben ließen sich aber anscheinend überhaupt nicht vereinbaren. Das stellte das meine gesamte Zukunft in Frage. Und irgendwann begann, ich das alles abzulehnen, diese Welt des Bilderbuchmarktes, in der die Illustratoren um schlecht bezahlte Jobs betteln müssen, dieses Sorgenmachen, dieses Gefühl der Unzulänglichkeit etc .....
Ich wollte zum Spaß am Zeichnen zurückfinden und begann wieder Comics zu zeichnen. Ich zeichnete sehr einfach und schnell. Die Geschichten sollten Brüche haben, sinnfrei und irgendwie so ein bisschen schrullig-blöde sein. Starke Einflüsse damals waren "Didi & Stulle" von Fil und die Romane von Helge Schneider, die ich als Hörbücher gehört habe. Die höre ich heute noch immer wieder. Zudem habe ich mit Freunden oft Comic Jams (oder Jam Comics?) gezeichnet. Das ist meiner Ansicht nach eine tolle Kreativtechnik: man muss reagieren, sich einfühlen in Gedankengänge anderer und vor allem improvisieren. Meistens kamen dabei keine tollen Geschichten heraus. Aber es ging eben darum, locker zu lassen und nichts toll Geschliffenes produzieren zu müssen. Meine eigenen Comics waren so eine Art Comic-Jam mit mir alleine. Gott eignete sich sehr gut für solche Geschichten. Nicht, dass ich eine besonders gute oder schlechte Beziehung zu diesem christlichen-sakralen Konzept „Gott“ gehabt hätte und da gegen irgendwas protestieren wollte. Es ist schlicht einfach, eine wohlbekannte Figur zu nehmen und diese in scheinbar unpassende Kontexte zu setzen. Da entsteht schnell Humor.

Verstärkt wird das noch durch dieses seltsame Aussehen, diesen "Bienenkorbkörper". Als hätte ich mir da von Anfang an was bei gedacht. Gott sollte nun mal nicht so aussehen wie erwartet, ein alter Mann mit Bart. Diese rundliche Form, diese einfachen biegsamen Glieder, das sind alles freundliche Formen, die ich gerne immer wieder zeichne. Anfangs hatte diese Figur eine andere Aufgabe. Sie sollte die gute Fee in einer Geschichte von Franz Hohler sein, die ich in einem Illustrationsworkshop illustriert habe. Das Aussehen der Fee entwickelte sich dann in eine etwas andere Richtung. Später bin ich dann zu diesen hier gezeigten ersten Entwürfen zurückgekehrt und habe ihr eine andere Aufgabe übertragen.

Die gute Fee

Ich habe mich also gar nicht inhaltlich dem Thema "Gott" genähert. Doch in so einem Prozess setzt man sich irgendwann natürlich, wenn man von der bildnerischen Ebene kommt, auch mit der inhaltlichen Seite auseinander. Zumindest ein bisschen. Und wie es jetzt weitergeht, werden wir sehen. Ich mache ungern Prophezeihungen. Es kommt eh immer alles anders. *

Die gute Fee

CRS: Ging es in Ihrem Comic Debüt in erster Linie darum "so lustig zu sein wie...", oder steckt hinter Ihrer Serie ein gewisser (Schöpfungs-)Plan?

*s.o.*

CRS: Haben Sie vor "Gott" zu animieren? Die kleine Filme hätten sicherlich eine großer Wirkung, oder?!

*Nein, momentan nicht. Ich finde, dass Gott in Comics gut aufgehoben ist. In meinen Animationsfilmen habe ich die Figuren bislang stumm gelassen. Das funktionierte ganz gut. Viele Gottcomics hingegen enthalten Dialoge. Ich kann mir aber keine Stimme für Gott vorstellen. Die Gefahr, allzu erwartbare Lustigkeit durch niedliche oder freakige Stimmen zu produzieren, gefällt mir nicht. *

CRS: Viel Arbeit, später Ruhm, wenig Kohle. Beschreibt das das in etwa Ihr Comiczeichner-Leben?

*Ja, unter rein ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet trifft das auf mein Comiczeichnerleben zu. *

CRS: Wer hatte Sie eigentlich zum Zeichnen überredet, ich meine das Zeichnen zum Veröffentlichen von Ihren Comics.

*Mich hat jetzt niemand "überredet". Ich habe meine Comics immer mal Freunden gezeigt und gutes Feedback bekommen. Dann gab es mal eine kleine Ausstellungsreihe, die Freunde organisiert hatten. Zu dem Anlass habe ich ein Heft mit fertigen Gottcomics zusammengestellt. Mit dem Heft bin ich dann auch zur Buchmesse gegangen.*

CRS: Und warum gerade bei Zwerchfell?

*Reprodukt, Carlsen und Lappan wollten nicht. Die von Carlsen zum Beispiel haben richtig entsetzt geguckt, als ich denen das Heft gezeigt habe. Die von Zwerchfell haben sofort zugesagt. *

CRS: Werden Sie eigentlich in München beim Comicfest vorbei schauen? (Dann könnte ich Sie auch persönlich um eine Signatur meines Presseexemplars bitten ?

*Das kann ich leider nicht sicher sagen. Im Juni bin ich noch viel anderweitig unterwegs und arbeite dazu noch an einem Geldverdien-Projekt. Ich würde mich kurz vorher bei Ihnen melden, ok?* [Juhuu! :-) ->Anm. der Chefred.!]

CRS: Nun machen sie sich, laut Verlagsankündigung, direkt an die Arbeit fürs dritte Gott-Comic. Wie schnell wird/könnte das in den Läden sein?

*Wir werden sehen. Ich kann hier nur meine Haltung zu Prophezeihungen wiederholen.*

CRS: In Ihrer Zusage zu diesem Interview erwähnten Sie "Lumpenpack" von Kate Beaton <http://zwerchfellverlag.de/obacht-lumpenpack/index.php?p=1250>. Neidisch?

*ComiczeichnerInnen sind ja auch nur Menschen und deshalb ist für manche unter Ihnen Neid bestimmt ein Thema. Allerdings spricht man nicht darüber. Neidisch zu sein ist weder cool noch akzeptiert. Ich habe oft mit meinem eigenen Neid zu tun, was soll ich das verschweigen. Aber auf Kate bin ich nicht neidisch. Ihr Erfolg ist weder Hexenwerk, noch ist sie unfair begünstigt worden. Sie hat lange dafür gearbeitet, sie ist witzig, sie zeichnet gut, sie ist fokussiert und diszipliniert. Und wenn man die ZeichnerInnen hinter ihren Comics persönlich kennenlernt, kriegt man eh einen anderen Bezug zu deren Arbeit.*

CRS: Haben Sie noch Zeit für andere Comic-Projekte und *was *hält SIe ggf. davon ab, und *warum*?

*Es gibt durchaus immer wieder kleinere Projekte z.B. Anthologien, bei welchen ich mich beteilige. Größere Projekte, ein ganzes Comicalbum mit zusammenhängender Geschichte z.B., habe ich noch nicht angepackt. Von Comics kann ich nicht leben. Ich muss Zeit in andere, wirtschaftlich ertragreichere Projekte investieren. Der Vermieter will sein Geld. *

CRS: Wo kann man Sie demnächst persönlich um eine Signatur bitten?

*Wahrscheinlich in Frankfurt, der genaue Termin wird noch bekannt gegeben. Ansonsten kann man sich gerne mit mir treffen und sich Bücher signieren lassen. Mach ich immer gern. *

CRS: Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie nochmals diesem Interview zusagen?

*Ich kann die Zeit ja zurückdrehen! Das können fast alle ComiczeichnerInnen. Sie mussten diese Fähigkeit im Laufe der Jahre entwickeln. Denn wenn die Nichbeachtung und Ignoranz der Gegenwart zu schmerzvoll wird, können sie sich so immer wieder zu den rar gesäten, das Herz erwärmenden Momenten des Ruhmes und des Gefragtseins zurückversetzen. Muss manchmal sein. Und ja, zu diesem Interview habe ich auch nochmal zugesagt. *

CRS: Ach was ich vergessen hatte zu fragen: Hängt der Publikumspreis aus 2002 noch bei Ihnen an der Wand, im Flur gegenüber dem EIngang?

*Interessant, wie Sie sich mein Zuhause vorstellen. Nein, ich hab den Preis nicht aufgehängt. Es mindert aber nicht meine Freude darüber, dass der Preis an mich ging. Das ist so eine mit Word ausgedruckte Urkunde. Hängt man sowas auf? *

CRS: Herr Arndt, vielen Dank für das Gespräch!

*Danke für Ihr Interesse und Ihre Geduld. :)*
Aike Arndt (c)Foto: Dorothea Lindenberg


(c) der Abbildungen: mit freundlicher Genehmigung: Aike Arndt und Zwerchfell Verlag 2015

 
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von Maqz (mg@comicradioshow.com)
am 08.05.2015, 20:26 Uhr
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