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23.10.2017, 17:24 Uhr
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geschrieben von StefanS am Sonntag, 22. Februar 2015 (2080 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

„Mich mit Woody Allen zu vergleichen ist ein sehr einfacher Vergleich“


Von Stefan Svik
Interview mit MawilIm Herbst 2014 traf die Comic Radio Show Mawil in Hannover zum Interview. Wir sprachen über den Comic Kinderland, für den der Berliner 2014 den Max-und-Moritz-Preis erhalten hat. Außerdem verriet er uns seine Meinung zu Aisha Franz, Brösels Comicfigur Werner, erinnerte sich an DDR-Magazine wie Frösi und an seine Mitarbeit an einem Musikvideo von Wir sind Helden, äußerte seine Meinung zur deutschen Comickritik und vieles mehr.
Auch wenn es umgangssprachlich um Gott und die Welt ging, klammerte ich das Thema Religion aus, das ja durchaus einen gewissen Raum in Kinderland einnimmt, weil ich es als ein sehr privates Thema empfinde. Die Pegida-Demos in Dresden und die Anschläge in Paris folgten erst Monate nach dem Interview, deshalb werden sie an dieser Stelle nicht erwähnt. Mawil bezog mit einer Lesung für Toleranz Stellung zu diesem Thema.


Comic Radio Show: Ich sage jetzt Mawil zu dir oder lieber Markus? Macht das einen Unterschied für dich?

Mawil: Sag ruhig Mawil, das ist okay.

Du bist nach Lucky Luke-Zeichner Achdé der erste Comic-Künstler den ich interviewe, der ein frankophiles Pseudonym verwendet. Bist du als Mawil jemand anderes als als Markus?

Nee, überhaupt nicht. Das hatte ich mir damals so ausgesucht, weil meine frankobelgischen Idole alle solche Namen hatten. Deshalb dachte ich als 15-Jähriger, das muss ich auch haben. Ich weiß nicht mehr genau wie alt ich damals war, als ich mir das zugelegt habe. Wer mich durch die Comics kennt, nennt mich Mawil, wer mich länger kennt nennt mich Markus. Aber es ist beides genauso privat.

Und woher kam Mawil, von einer Verehrung für Hergé?

Da gab es noch ein paar andere. Peyo, der Schlümpfe-Zeichner, etwa hatte ja auch so einen Namen. Da wurde dann ja immer vor und Nachname zusammengezogen daraus entstanden diese Pseudonyme. Dabei ist mein Nachname ja auch ganz witzig, mit Witzel könnte man ja auch arbeiten. Als Teenager dachte ich damals eben so was müsste man haben.

Achdé sagt, dass er mit dem Künstlernamen gerne sein Berufs- von seinem Privatleben trennt. Geht dir das auch so?

Klar, wenn man jetzt irgendwann so richtig super berühmt ist wie irgendwelche Schauspieler, dann ist das sicherlich ganz angenehm, wenn man etwas privates mit seinem richtigen Namen unterzeichnet. Aber das ist man ja zum Glück als Comic-Zeichner nicht so. Ich lasse auch ungerne Fotos von mir machen, ich veröffentliche lieber Zeichnungen von mir. Wenn ich mich selber für jemanden interessiere, etwa für einen Schauspieler, dann will ich schon wissen, wie er aussieht, damit ich ihn wiedererkenne. Wenn ich über einen Comic-Zeichner lese, dann will ich den Zeichenstil sehen und nicht einen von 500.000 3-Tage-bärtigen brillentragenden Nerds, weil die sehen eh alle so aus. Ich will sehen, was er zeichnet, denn beim Comic-Zeichner erkenne ich ja den Zeichenstil wieder und beim Schauspieler das Gesicht.

Interview mit MawilMawil nimmt sich Zeit für eine Zeichnung

Du machst Autorencomics und Kinderland ist ja durchaus auch sehr persönlich. Es ist zwar nicht völlig autobiografisch, sondern eine Geschichte mit fiktionalen Elementen, aber es geht ja schon auch um dich als Person?

Kinderland ist ja extra nicht autobiografisch, sondern pseudo-biographisch. Es ist extra ein Typ, der ein bisschen so ähnlich ist, deshalb ja auch der etwas ähnliche Name.

Aber es sind doch sicherlich viele Parallelen zu deinem richtigen Leben in der Geschichte enthalten, oder?

Ja, aber ich bin ja sozusagen nicht nur Schauspieler, sondern auch Regisseur und Geschichtenschreiber. Wenn in einer Zeitung ein Comic-Zeichner vorgestellt wird, dann ist oft nur ein großes Autorenfoto zu sehen. Wenn ich über den neuen Film von QuentinTarantino lese, dann will ich nicht Tarantinos Fresse sehen, sondern ich will einen Ausschnitt aus dem neuen Film sehen und wissen, was der für einen Style hat, damit ich den wiedererkenne. Und bei den Comics geht es um die Zeichnung, nicht um das Gesicht.

Die frankobelgischen Zeichner haben dich inspiriert und du warst dennoch nie neugierig wie sie aussehen, wie sie sprechen, wie sie sich bewegen?

Jetzt, da ich selber Zeichner bin, freue ich mich natürlich, wenn ich mal irgend jemanden in Angoulême in einer Kneipe treffe, mit ihnen ein paar Worte zu wechseln, das ist natürlich eine große Freude für mich. Ich selbst, etwa als Fan von Musikern oder anderen Sachen, habe da nie so super viel Wert drauf gelegt. Es war jahrelang immer erst mal die Begeisterung für das Werk an sich. Erst in den Zeiten des Internets guckt man schon mal mehr nach.

Heute Vormittag hatte ich Ralf König interviewt. Er lässt dich schön grüßen und findet Kinderland ganz wunderbar, ich übrigens auch.

Dankeschön.

Ralf König wünscht sich, dass er so tolle Treppenhäuser zeichnen könnte wie du.

(Lacht).

Ralf sagte, dass ihm sein Freund, der glaube ich aus Chemnitz stammt, ganz viele Ostanspielungen aus dem Comic erklären musste. Gleich zu Beginn von Kinderland kommt etwa das Mosaik-Heft vor, das sicher vielen Comiclesern, auch im Westen, ein Begriff ist. Dabei gab es ja auch in der DDR mehr mehr als bloß Mosaik, etwa das Magazin Frösi (Fröhlich sein und singen, das Magazin für Jungpioniere) – hast du das auch gelesen?

Ja, klar.

Ich habe zum ersten Mal durch Marc-Uwe Klings Känguru-Trilogie davon erfahren. Dort beschreibt er es als „ideologisch etwas gefestigte Version von Yps“. Passt diese Beschreibung?

Es gab nicht so geile Beilagen. Aber es war natürlich bunter und poppiger als andere Zeitschriften.

Und es gab in Frösi auch Comics?

Ja, es gab darin auch Comics. Es gab in der DDR nicht so viele Veröffentlichungsmöglichkeiten für Comics. Na klar, es gab Mosaik, das war das Flaggschiff der ostdeutschen Comics, das war natürlich alles dieser einen Geschichte und diesem einen Team untergeordnet. Wenn du was anderes gemacht hast, dann gab es im Prinzip nur noch das Atze und die Frösi. Es gab sicherlich auch Zeitschriften wie Der Modelleisenbahner oder so (lacht), das waren Vereinsblätter, in denen mal ein paar Bildchen drin waren.

Simon Schwartz, Autor und Zeichner des DDR-Comics drüben, sagte mir im Interview, das es im Wesentlichen nur Mosaik gab. Das ist wahrscheinlich auch das bekannteste DDR-Comicheft im Westen.

Ja, klar.

Es gab also im Wesentlichen drei große Comicmagazine und ansonsten Zeitschriften, in denen am Rande mal Comics erschienen?

Ja. Ich war 13 Jahre alt, als die Mauer fiel. Ich hab die Sachen entdeckt, die bei mir im Umfeld herumlagen. Letztens hat mir ein netter Mensch in Dresden, dessen Namen ich leider vergessen habe, ein Heft zugesteckt. Er kümmert sich um die Neuveröffentlichung von Comics, die in der DDR in anderen Heften erschienen waren und inzwischen wahrscheinlich schwer zu finden sind, weil sie in den Jahren nach der Wende nicht so begehrt gesammelt wurden wie im Westen etwa die Sigurd-Hefte oder Jimmy das Gummipferd.

Zurück zu Simon Schwartz. Er hat in drüben seine Familiengeschichte in der DDR beschrieben. Selbst hat er fast gar nichts von der DDR miterlebt, da die Familie früh nach Westdeutschland ausgereist war. Hast du drüben gelesen und hat es dich bei der Arbeit an Kinderland beeinflusst?

Ich hab's damals gelesen. Ist schon eine Weile her. Es hat mich wohl nicht so sehr beeinflusst, denn bei ihm geht es ja mehr um die Flucht aus der DDR. Das habe ich ja zum Glück nicht erlebt. Gerade weil ich selber wenige Abenteuer erlebt habe musste ich diesen fiktiven Torsten Maslowski dazu erfinden und habe mich ganz auf die eher unscheinbaren Alltagsszenen konzentriert.

Kinderland ist nicht komplett autobiografisch, sondern eine Abwandlung deiner Kindheit. Im Rückblick würdem sich wahrscheinlich viele gerne selber zum Helden und Rebellen machen, also zu einer Figur wie Torsten.

Genau.

Stattdessen identifiziert man sich als Leser mit deinem Alter Ego, der gutmütig und wahrscheinlich auch noch viel zu jung ist, um zu verstehen, was in der DDR vor sich ging. Den Blick eines Kindes auf einen sozialistischen Staat gab es etwa in dem Comic Marzi über eine Kindheit in Polen, hast Du den gelesen?

Den habe ich selber noch nicht gelesen, sondern nur mal kurz hineingeschaut. Ich habe mich letztens mit einer Germanistin unterhalten, die ihre Abschlussarbeit über Kinderland und Marzi schreibt. Sie vergleicht diese beiden Sachen, deswegen habe ich mich da etwas schlau gemacht.

Zu meiner Selbstdarstellung im Comic: Klar, ist es im Nachhinein immer leichter zu sagen, wir waren voll die Rebellen, aber ich selbst kann eben nur über Typen erzählen, in die ich mich selbst hineinversetzen kann. Ich war halt kein krasser Rebell, ich war so ähnlich wie der Mirko Watzke. Da muss man auch ein bisschen ehrlich zu sich selber sein, nicht im Nachhinein klüger oder kühner machen als man ist. Dadurch entsteht dann auch viel schöner Humor, wenn man mal ganz ehrlich in seine Vergangenheit zurückschaut und merkt: Irgendwie war ich damals ein ganz schöner Trottel, Loser, Weichei. Wie halt ein Kind. Man hat eben viele Sachen erst einmal falsch gemacht. Man hat sie nicht kapiert, als Kind.

In Marzi wird ganz stark das Element betont, die Welt aus Kinderaugen zu sehen. War dir das für Kinderland auch wichtig? Hast du dafür etwa alte Tagebücher herausgekramt und wieder gelesen, um dich daran zu erinnern, wie du damals gedacht und empfunden hast?

Ich habe ein Tagebuch gefunden und habe mich auch sehr darüber gefreut, dass ich es wiederentdeckt habe. Ich dachte da würde ich jetzt etwas tolles daraus erfahren, aber da standen dann seitenweise nur Sachen wie: Dann bin ich aufgestanden, zur Schule gegangen, nach Hause gekommen, Alf geguckt, Hausaufgaben gemacht, ins Bett gegangen. Ich war sehr enttäuscht, als ich das gelesen habe. Das ist doch klar, dass man jeden Tag aufstehen und in die Schule gehen muss, aber auch Tagebuchschreiben muss erst mal gelernt werden. Sicherlich habe ich mir damals auch etwas kompliziertere Gedanken gemacht, aber ich habe sie nicht aufgeschrieben.

Hast du in deinem Tagebuch Texte und Bilder gemischt oder hast du darin nur geschrieben?

Nö, das war nur aufgeschrieben.

Hast du auch ein gezeichnetes Tagebuch geführt beziehungsweise Zeichnungen von damals archiviert?

Ich habe schon sehr früh angefangen zu zeichnen. Das allererste Comic von mir, da war ich acht Jahre alt. Ich habe schon sehr früh mit Comics angefangen. Ich habe damals größtenteils versucht andere Sachen nachzuzeichnen. Also nicht direkt nachzuzeichnen, aber ich war schon beeinflusst von Sachen wie Lucky Luke und Asterix. Der erste Comic bei mir hieß Der Roboter und der Engel. Das war beeinflusst durch die sozialistisch-technische Seite und durch die Kirchenseite. Das sind so Kindergeschichten, die könnte ich irgendwann mal wieder ausstellen.

In Action Sorgenkind findet sich eine autobiographische Geschichte über deine Begeisterung für das Videospiel Hitman. Du konntest dir erst nach mühsamen Sparen einen Computer leisten. Kürzlich sagten die Macher des Comics Gung Ho, dass Videospiele der natürliche Feind der Comics seien. Dich aber interessiert beides. Siehst du einen Konflikten zwischen den beiden Sachen, sind das Konkurrenten?

Hier wurde unser Gespräch kurz unterbrochen und der Faden dieser Frage erst weiter unten aufgegriffen.

Interview mit MawilMawil umrahmt von seinen Werken in Wiedensahl 2014

Du schreibst und zeichnest seit Jahrzehnten Comics. Weniger bekannt (und auf Wikipedia zu finden) ist ein Hinweis darauf, dass Du am Musikvideo Guten Tag der Band Wir sind Helden mitgearbeitet hast. Wie kam das zustande?

Ich war damals bei Freunden im Studio, die haben das Video gebastelt. Die haben einige von Monogatari, also von unserer damaligen Zeichnertruppe, beschäftigt, die waren da angestellt. Und mich haben sie nur dazu geholt, weil sie jemanden brauchten, der Comicsoundwörter basteln konnte. Da war ich nur so eine Art Erntehelfer, so ein Hiwi, für zwei Tage.

Du hattest die Band dann getroffen und sie haben dir die Hand geschüttelt. Haben Sie da das Video auch mal gelobt?

Ja, klar. Damals hieß es: Die kommen mal ganz groß raus! Aber da hatte natürlich keiner ernsthaft dran geglaubt.

Und habt ihr euch da auch über Comics unterhalten?

Nee, das war nur kurz, zwischen Tür und Angel.

Für Von hier an blind drehten Wir sind Helden ein Musikvideo im Stil von Tim und Struppi, an dem du nicht beteiligt warst. Aber vielleicht kommt das jetzt wieder verstärkt, das man dir anbietet Videos zu gestalten?

Ich war ja keiner von den Verantwortlichen. Ich weiß nicht, ob die Judith und die Jungs mich weiter kennen. Ich habe erst später gemerkt, dass Judith auch ein Comicfan ist.

Ist nur Judith der Comicfan in der Gruppe oder die ganze Band?

Ich kenne die ja nicht. Mir wurde das nur damals durch die Arte-Sendung „Gemeinsam durch die Nacht“ bewusst, bei der Judith mit Lewis Trondheim in Frankreich unterwegs war.

Für Frankreich hat die Band ja ein gewisses Faibel, wie Lieder wie Aurelie beweisen. Und Judith übersetzt ja auch Texte aus dem Französischen ins Deutsche.

Ah ja.

Die Zusammenarbeit von Dir und Wir sind Helden ist bei dem Wikipedia-Eintrag über dich nachzulesen. Hast du denn die anderen Angaben dort über dich mal gelesen?

Hm. Schon ein Weilchen nicht mehr.

Lustigerweise wurde in dem Beitrag erwähnt, dass du den Max- und-Moritz-Preis und den ICOM-Preis erhalten hast, aber bei der Auflistung deiner Auszeichnungen am Ende des Textes, fehlt der ICOM-Preis. Zeugt das von einer geringeren Wertschätzung dieses Preises?

Ich habe mit meinem Wikipedia-Eintrag nichts zu tun. Ich weiß es nicht. In der Comicszene ist der ICOM-Preis natürlich der Independent-Preis und der Max-und-Moritz-Preis ist der offizielle Preis. Viele Medienleute kennen sich in der Comicszene nicht so aus und die Journalisten freuen sich dann immer, wenn sie etwas über Preise aufschreiben können, aber sie müssen dann erst mal googeln, was das überhaupt für Auszeichnungen sind. Der ICOM-Preis ist halt außerhalb der Comicszene nicht so bekannt.

Hat dir denn der Max-und-Moritz-Preis 2014 erkennbar mehr Aufmerksamkeit gebracht, die der ICOM-Preis zuvor nicht gebracht hat?

Auf jeden Fall auch, ja klar. Natürlich ist der Max-und-Moritz-Preis für mich ein Highlight, denn ich bin seit 1998 immer in Erlangen und irgendwann in den ersten Jahren habe erst einmal geschafft in das Markgrafentheater zu kommen und der Preisverleihung beizuwohnen. Über die Jahre habe ich mich dann vom obersten, billigsten Rang bis aufs Parkett vorgearbeitet. Es war dann natürlich schön, selbst mal auf der Bühne zu stehen.

Ein Resultat des Preises ist wohl, dass deine Bücher nachgedruckt werden, Kinderland ging in die zweite Auflage. Hat sich das für dich schon finanziell ausgewirkt?

Ich habe noch keine Abrechnung für dieses Jahr bekommen. Das Buch ist natürlich teurer, das ist für mich mal eine ganz neue Nummer. Ich selbst habe mir in meinem Leben ganz selten 30 Euro teure Bücher gekauft. Ich habe sehr geschluckt als wir das durch kalkuliert haben. Am Anfang hieß es: Mach mal, wir können billig drucken, es wird um die 20 Euro kosten. Dann waren es doch 29 Euro. Da war ich sehr geschockt und überrascht, dass es trotzdem gekauft wird.

Interview mit MawilDie Werke von Mawil und Kollegen bei Modern Graphics in Berlin-Kreuzberg 2014


Das Video für Wir sind Helden hast du am Computer erstellt, in Action Sorgenkind beschreibst Du Deine Begeisterung für das Computerspiel Hitman. Geht dein Interesse für digitale Medien auch so weit, dass du ein E-Book von Kinderland planst?

Es gab mal als Experiment Meister Lampe. Dieses kleine Heftchen. Also nicht als E-Book, sondern als App fürs Smartphone, fürs iPhone. Ich glaube, wir haben davon sieben Dinger verkauft, insofern bin ich mit der Begeisterung für das neue Medium noch etwas skeptisch. Es wird sicherlich auch in Zukunft interessant sein. Da Du aber vorhin die Konkurrenz von Computerspielen und Comics angesprochen hast: auf einem iPad wird es diese Konkurrenz geben. Ich würde auf einem Tablet-PC lieber spielen als lesen. So ein Buch hat trotzdem immer noch einen Vorteil gegenüber einem solchen Gerät. Wenn die Batterie alle ist und auf dem WG-Klo liegt ein Buch, dann lese ich das Buch. Und ich lese auch gerne. An diese E-Books glaube ich noch nicht so ganz.

Müssten die E-Comics auch interaktive Elemente haben, Sound, Musik, wenn man will wird der Text vorgelesen, es werden Animationen eingebaut oder solche Dinge, um Leser anzulocken?

Kann's auch geben, gibt's öfter mal. Das gehört nicht zu meinen Hauptaufgaben. Wenn ich mir die Geschichten ausdenke, ich bin da totaler Filmfan, sehe ich sie in meinem Kopf fast so wie einen Film. Ich muss es dann immer auf Einzelbilder runter brechen. Dann baue ich die Einzelbilder wieder so auf, dass beim Leser hoffentlich wieder dieser Film dabei herauskommt. Ich würde gerne einen Film machen, wenn es nicht so teuer und so aufwendig wäre, deswegen bleibe ich dann auch bei den Büchern.

Was für einen Film würdest du gerne machen, Animation- oder Realfilm?

Beides, aber für beides müsste man erst mal Massen von Geld zusammen eisen. Das wäre schon geil. Bei Comics ist das viel einfacher. Bei einer Szene, in der es Nacht ist oder schneit, musst du nicht auf den Winter warten, sondern du malst es einfach. Und zack fertig, nächste Szene! Deshalb bleibe ich dann doch lieber bei den Comics.

Autor Benjamin Schreuder, der vor Verena Klinke, mit Felix Mertikat den Comic Steam Noir geschaffen hat, sagte, dass er mit den Comics erst mal pausiert und sich den Filmen zuwendet, da es dort viel leichter sei Fördermittel zu bekommen, insofern sei Film einfacher als Comics. Zumindest, um davon leben zu können.

Wenn du die Muße hast, dich für Fördermittel zu bewerben. Ich selber habe da immer nur Sachen gemacht, die an mich herangetragen wurden. Von daher ist es einfacher, erst mal meinen Comic zu machen und dann zu sehen, ob ihn jemand haben möchte anstatt mich erst zu bewerben. Ich habe keinen Bock mehr Bewerbungen vorzubereiten und dann raus zuschicken, mit einer Erfolgschance von 30 oder 40 Prozent. Da mache ich lieber mein Buch, bei dem ich weiß, das funktioniert so.


Wechseln wir vom Film zu Videospielen: Spielst du heute immer noch Computerspiele und beeinflussen sie dich für deine Comics?

Hitman habe ich schon ewig nicht mehr gespielt! Aber weil es so ein extremer Zeitfresser ist. Es macht extrem Spaß es ist extrem fesselnd und wenn man damit fertig ist, kommt einem diese Zeit immer ein bisschen verloren vor. Ich vermeide es auch deshalb, weil ich befürchte, dass es so ein Zeitfresser ist. Ich wüsste genau, wenn ich eine neue DVD-Staffel oder ein neues Spiel anfange, wäre die nächste Woche erst mal im Arsch. Und da fange ich dann lieber andere Sachen an.

Einige Fachleute prognostizierten Marvel Comics, dass sie bald pleite sein werden, wenn sie nicht das Medium Film bedienen würden, weil kaum noch Comics gelesen werden, zumindest im Vergleich zu den goldenen Jahren.

Es gibt sehr gute Videospielumsetzungen von DC Comics Batman, die sicher auch neue Leser von den Games zu den Comics locken. Würde es dich auch reizen einen deiner Comics als Spiel umzusetzen, vielleicht nicht unbedingt Kinderland aber einen anderen?


Sehr gern.

Ist das zu utopisch oder gibt es Möglichkeiten das umzusetzen?

Da muss man sich die entsprechenden Leute ran holen, sich hinsetzen und einfach mal anfangen.

Zeichner und Autor Thomas Wellmann sagte mir im Interview für das Comic-Jahrbuch 2015 dazu, dass Independentspiele vom finanziellen und zeitlichen Aufwand gar nicht so viel schwerer als Comics sind. Teilweise seien Comics sogar aufwändiger, da man dort sehr lange zeichnet. Er ist da ganz optimistisch, was Games anbelangt.

Ich habe auch schon einige Sachen von ihm gesehen. Seine Kumpels und er sind auch super fix mit Rechnern. Das ist eine Generation später als meine, die sind viel mehr Computeraffin als ich. Die wissen, wie sie es machen können. Ich müsste mich da erst rein fuchsen. Aber ich denke, in meiner altmodischen Art: Okay, beim Comic gibt es nur diesen einen Erzählstrang. Beim Spiel muss ich ja möglichst viele Erzählstränge vorbereiten, weil ich ja nie weiß, welchen Weg der Spieler einschlagen wird. Das wäre mal geil, ja!

Wikipedia zitiert den Leipziger Blitz, der über dich schrieb, dass du der Woody Allen der deutschen Comicszene seist. In Action Sorgenkind und Kinderland gibt es Momente, in denen „du“ (also deine Alter Egos), Pechvögel sind. Wie viel von dieser Beobachtung trifft zu, wie viel Woody Allen ist Mawil?

Woody Allen ist einfach der einzige oder eben der bekannteste Nerd oder Losertyp mit Brille.

Also liegt die Ähnlichkeit allein darin, dass ihr beide Brillen tragt?

Nee, in den Filmen, in den Medien gibt es nicht so viele Losertypen mit Brille. Oder die gab es zumindest damals nicht so sehr. Ich bin jetzt kein Fachmann für Woody Allen, ich habe von seinen Filmen vielleicht 30 oder 40 Prozent gesehen. Von daher ist es jetzt ein sehr einfacher Vergleich.

Siehst du dich denn als Losertyp?

Ähm. Zumindest faszinieren mich solche Geschichten mehr als Heldengeschichten.

In den 1990er-Jahren hatte Beck mit dem Lied „Loser“ einen Hit. Da war hoch ironisch gemeint. Siehst du das dann das Verlierer-Image auf die selbe Weise?

Na klar!

Also der Loser ist eigentlich der Gewinner, da man es ironisch und somit genau das Gegenteil vom Gesagten meint?

Na ja, der Witz oder die Ironie sind doch eh deine einzige Waffe, wenn du halt sonst nicht mit Gewalt oder Coolness oder Perfektion glänzen kannst.

Hast du einen Bezug zur TV-Serie The Big Bang Theory?

Ich habe sie ein paar Mal gesehen, aber sie hat mich nie so richtig fasziniert.

Sie zeigt eine Entwicklung in der Wahrnehmung von Nerds und Losertypen, hin von belächelten Typen wie McFly aus Zurück in die Zukunft oder ganz schlimm aus der Pro7-Sendung Das Model und der Nerd hin zu den inzwischen coolen Typen. Früher waren Fußballspieler oder diejenigen die sich rauften die Coolen, heute sind die Technik-Interessierten nicht mehr die Trottel, sondern diejenigen, die im Beruf vorankommen. Heute sind die Sportler und Schläger, die zu dumm sind ein Smartphone zu benutzen die Verlierer.

Wäre diese Entwicklung für dich auch ein Thema für einen Comic oder willst du auch nicht auf diese Rolle reduziert werden?


Also, wie gesagt, ich muss mich ein wenig in die Hauptfiguren hineinversetzen können.

Das hast du eben alles sehr schön gesagt.

Der Unterschied ist ja das Selbstbewusstsein und nicht das Aussehen.


Interview mit MawilMawil gut gelaunt während des Termins mit CRS

In den Filmen und Serien ist das Nerd-Sein meist lustig, sei es in The Big Bang Theory oder Zurück in die Zukunft. Peter Parker / Spider-Man ist auch einer dieser Nerds, die zurechtkommen. In der Realität wird es sicher viele dieser Typen bedrücken einsam und Außenseiter zu sein. Siehst du Nerds auch als tragische Helden und hast du auch unter deiner Zeit gelitten, als du jemand wie einer deiner Comic-Protagonisten warst? Du hattest kein Geld für das neueste Videospiel, wie du es in Action Sorgenkind schilderst, sondern andere Möglichkeiten mit Gruppenzwang umzugehen. In Kinderland beschreibst du ja Tischtennis als deine Chance, jemand sein zu können.

Ja gut, das ist Fiktion. Na klar hättest du dir als 15-jähriger Teenager gerne das hübscheste Mädchen der Schule als Freundin ausgesucht. Ich hab dann ein paar Jahre gebraucht, um zu kapieren, dass die Mädchen jetzt nicht nur auf das Äußere gucken. Du hast ja eigentlich dein Schicksal selbst in der Hand. Du denkst halt als Teenager: Och, die will mich eh nicht. Einige Jahre später merkst du dann: Oh, ich kann mir ja auch mit Comics oder anderen Dingen mehr Selbstbewusstsein zulegen und damit habe ich Chancen. Der Unterschied ist ja das Selbstbewusstsein und nicht das Aussehen. Man denkt immer, dass die Mädels den und den haben möchten, der der Boss in der Fußballmannschaft ist oder am geilsten aussieht oder der Chef von der Clique ist. Aber der ist ja nur der Chef der Clique wegen seines Selbstbewusstseins. Das kann man ja lernen, man muss einfach nur seine Schüchternheit loswerden. Man muss einfach Selbstbewusstsein entwickeln, egal wie. Ob das durch Comics zeichnen ist oder durch Graffiti sprühen oder indem du ein Lied machst, ganz egal. Du musst halt irgendwann denken: Okay, ich bin halt der, ich kann jetzt nichts daran ändern, ich kann nur versuchen die guten Sachen herauszuarbeiten und die anderen Sachen zu ignorieren.

In Action Sorgenkind beschreibst du ja, in der Geschichte von diesem Hippie-Festival, wie sehr das Zeichnen dein Selbstwertgefühl gesteigert hat. Hat es das wirklich so sehr?

Ja.

Aber das enorme Talent im Tischtennis in Kinderland ist frei erfunden, stark übertrieben oder ist etwas, das du tatsächlich gerne machst?

Ich spiele gerne. Ich habe lange gespielt und spiele von daher wahrscheinlich besser als viele andere, die es 20 Jahren haben ruhen lassen, sagen wir mal so.

Hast du in der DDR tatsächlich auch mal mit einem Buch spielen müssen, wie es in Kinderland beschrieben wird, oder hattest du einen Tischtennisschläger?

Ich hatte auch irgendwann einen Schläger, aber den hatte ich natürlich nicht jeden Tag in der Schule dabei.

Du sagtest vorhin, dass es in der DDR drei Comicmagazine gab. Heute ist es so, dass es dieses Überangebot von Medien gibt, Videospiele, Filme, Bücher und so weiter. Ist das für Kinderland ein Problem, weil man sich stattdessen auch 20.000 andere Sachen kaufen könnte? Oder sollte man darüber gar nicht nachdenken, weil du ein gutes Buch gemacht hast und es sich schon durchsetzen wird?

Es waren eben andere Regeln damals. Im Osten konntest du nicht einfach ein Buch herausgeben. Da musstest du erst das Okay von oben haben. Heute bestimmen nur noch die Verkaufszahlen das Okay. Wenn du es verkaufen kannst, dann gibt es vom Verlag die Einverständniserklärung. Damals hatten auch viele Verlage gesagt, ja das machen wir gerne, aber sie durften es dann nicht. Das kann man schlecht vergleichen.

Jetzt sage ich mal etwas Böses: Wenn man als Deutscher im Ausland Erfolg haben möchte, muss man entweder das Thema Nationalsozialismus oder DDR aufgreifen, Filme wie Das Leben der anderen etwa. Kinderland handelt nun auch wieder von der DDR und wird, so denke ich, international beachtet werden. Gibt es denn zu wenig andere Themen, mit denen wir uns international behaupten können? Die Briten etwa sind erfolgreich mit Kinofilmen über die Arbeiterklasse, über die Verwerfungen durch den Thatcherismus. Das Deutschland, so wie es 2014 ist, interessiert das irgendeinen in den USA? Oder kann man es so darstellen, dass es weltweit interessant ist?

Nun ist ja bei uns im Augenblick nüschts anderes los als in den anderen westlichen Nationen.

Ist das so?

Also eine Einkaufspassage in Hannover sieht genauso aus wie eine in Berlin. In Amerika musst du wahrscheinlich mit einem Auto zur Mall hinfahren.

Ich gebe dir ein Gegenbeispiel: Facebook, NSA und all diese Datenskandale werden hier offenbar anders gesehen. Max Schrems, der österreichische Aktivist, der sich für den Datenschutz einsetzt und die Datensammelwut von Facebook publik gemacht hat, wurde von US-Journalisten interviewt und gefragt, warum wir so sensibel seien bei dem Thema, ob das Resultat der NS- oder DDR-Zeit sei. Dieses Thema wird in den USA eventuell ganz anders gesehen als bei uns. Insofern sind bei und schon Dinge anders. Wahrscheinlich fallen sie uns nicht so auf, weil sie für uns alltäglich sind.

Na, wir sind halt, leider oder zum Glück, geschädigt durch die schlechten Erfahrungen und sind deshalb etwas vorsichtiger.

Ist es bei den Filmen nicht so: Die Franzosen geben sich selbstbewusst und sind mit Werken wie Willkommen bei den Schtis auch bei uns erfolgreich. Die Briten verwandeln das triste Thema Arbeitslosigkeit mit The Full Monty in einen amüsanten Film über männliche Stripper und das ist sehr britisch und auch für Deutsche interessant. An deutschen Filmen hat etwa Lola rennt international funktioniert, da war Techno gerade in und der Film zeigt das coole Berlin und bewies: deutsche Themen aus der Gegenwart können sehr wohl im Ausland erfolgreich sein. Haben wir zu wenig Selbstbewusstsein?

Na, wir hatten halt eine Zeitlang zu viel Selbstbewusstsein und sind deswegen etwas vorsichtiger geworden.

Okay, da ist etwas dran.

Bedeutet der Max-und-Moritz-Preis für Kinderland eine Bestätigung für dich nun bei dieser Art Comic zu bleiben und als nächstes Erwachsenenland oder so zu schaffen, also eine Art Fortsetzung oder Wiederholung? Ulli Lust etwa erweitert Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens zur autobiographischen Trilogie ihres Lebens.


Echt? Macht sie das?

Sie hat dafür die nächsten zehn Jahre ihres Lebens eingeplant. Vielleicht war der Erfolg des ersten Teils eine Bestätigung, aber bestimmt spielt es auch eine Rolle, was du zu deinen Comics sagtest, es braucht einen Bezug zu den Hauptfiguren, damit eine Geschichte gut wird.

Ich kann nur die Sachen machen, auf die ich Bock habe. Kinderland ist so 'ne Mischung. Ich wollte eine Tischtennis-Saga machen und Reprodukt meinte: Mach doch ein Ostgeschichte daraus, damit kennst du dich doch ein bisschen aus, das ist jetzt so eine clevere Verbindung von beidem. Ich guck jetzt nicht, was sich gut verkauft und mache dann das, sondern ich gucke vielleicht, worauf ich Bock hätte. Aber die offiziellen Szenen, etwa der die Maueröffnung, da musste ich mich zu zwingen, bei den anderen Sachen hatte ich eher Spaß daran.

Du bist Computeraffin, aber trotzdem bist du nicht bei Twitter, nur bei Facebook. Ist Twitter geplant?

Ist doch langweilig, das sind ja keine Bilder dabei.

(Inzwischen hat Mawil auch einen Auftritt bei Twitter, Anmerkung des Verfassers).

Du kannst doch auch Bilder posten bei Twitter!

Ach, echt? Das wusste ich nicht. Würde ich damit mehr Leute erreichen und würden die dann zu meiner Signierstunde nach Hannover kommen?

Kommt sicher darauf an, ob man etwa Privates preisgeben möchte und ob man ein Talent für Selbstdarstellung oder Freude daran hat.

Ich würde es, wenn dann nur, für die beruflichen Sachen machen. Ich würde es für die Comics Sachen posten, hey, da ist eine Ausstellung, hey da ist eine Signierstunde, kommt da mal rum.

Meinst du nicht, dass sich das lohnen würde?

Ich hänge sowieso schon viel zu viel am Rechner herum. Heute ist es schon so, dass sich für eine Comicseite 40 Prozent auf dem Papier und 60 Prozent am Rechner verbringe. Von 100 Prozent meiner Arbeit, von meiner Karriere, ein bescheuert Wort, sind 30, fast 40 Prozent E-Mails schreiben, Sachen organisieren, auf Facebook posten und Website aktualisieren – und das ist einfach viel zu viel! Ich würde lieber... Dafür gibt’s eigentlich einen Verlag, der sich darum kümmert. Und ich lasse mich auch viel zu leicht ablenken. Von daher müsste ich eigentlich viel weniger Zeit am Rechner und viel mehr Zeit mit Comics verbringen.

In Kinderland spielen Depeche Mode eine gewisse Rolle. In Action Sorgenkind wird ein Mars-Riegel aus dem Westen gestreckt, damit man nicht die weniger leckere Ostschokolade essen musste – darüber musste ich sehr lachen. Das vermittelt etwas den Eindruck, dass alles Tolle aus dem Westen kam und im Osten eher minderwertiger Ersatz herhalten musste, das sie nicht mal richtige Schokoriegel hinbekamen. Gab es denn auch DDR-Produkte, die richtig super waren?

Ähm. (Überlegt). Klar. Vieles war halt gezwungenermaßen. Beispiel Fahrräder, das ist auch so eine Szene von mir, im Osten ging es darum: Wir bauen jetzt Fahrräder, damit alle eines haben und die Leute möglichst lange damit herumfahren können. Im Westen geht es eher darum: Okay, wir stellen jetzt hier Fahrräder her. Wäre blöd, wenn jeder schon eins hat, denn wir wollen ja noch mehr verkaufen. Wir erfinden mal jedes Jahr ein neues Fahrrad, ein neues Design und eine neue Modewelle.

Natürlich wollten wir im Osten auch gerne BMX-Fahrräder haben es haben welche versucht ihr Klapprad zum BMX-Rad umzuschweißen, haben sich Stoffpolster um die Lenker gewickelt, damit es irgendwie so ähnlich ist.
Heute stehen halt überall auf den Straßen noch die alten Ostfahrräder herum und die sind unkaputtbar. Es gab in dem ganzen Land nur eine Art Rücklicht, die wurden für die Kinderräder, 26er, 28er, Rennräder und so weiter verwendet und die haben halt funktioniert. Es war halt ein völlig unterschiedliches System. Es ging nicht darum Bedürfnisse zu schaffen, sondern es ging darum, die wichtigsten Bedürfnisse zu befriedigen. Und ich fahre noch sehr gerne auf meinem alten Stahlrad aus dem Osten herum und habe da zwar den neuesten Westscheiß dran, Dynamo, neue Schaltung und so, aber der Rahmen selber ist noch original. Es ging halt damals nicht darum Stahl oder Aluminium zu sparen und möglichst gewinnbringend zu verkaufen, sondern das Material war vorhanden es hieß: Nun macht mal ordentliche Fahrräder daraus!

Mir sagte mal jemand aus der Ex-DDR, dass dort niemand Hunger gelitten hat, das alle Arbeit, Kinderversorgung und Wohnung hatten, nur das es eben auf Dauer genervt hat, dass auf schöne Konsumartikel verzichtet werden musste. Meinst du, dass man die DDR noch länger am Leben hätte halten können, wenn man dieses Problem hätte lösen können, wenn sich jeder ein Auto oder eine Depeche Mode-CD hätte leisten können?

Ich kenne die DDR nur als Kind und kann deshalb nur schlecht über dieses Thema diskutieren. Aber ich lande natürlich oft in solchen Diskussionen, war man oft in Runden gedreht, in denen über Globalisierung, Wirtschaft und anderes spricht und dann ist man schnell bei solchen Was-wäre-wenn- Fragen. Vielleicht wären die Leute mit ein paar Depeche Mode- Platten glücklich gewesen. Das System war halt ein anderes. Und viele Westprodukte sind auch nur deshalb so gut oder so günstig, weil das einfach nur durch die Ausbeutung der Arbeiter funktioniert hat. Heute kriegst du so ein...

(Er schaut auf mein Aufnahmegerät, Anmerkung des Interviewers)

...Diktiergerät nur deshalb so günstig, weil...

...es in China produziert wird...

...genau! Die Japaner oder die Deutschen haben sich das Gerät ausgedacht, aber in China wird es dann unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt. Und zu Ostzeiten haben sie halt nicht geguckt, wie können wir möglichst gut ausbeuten...

(Hierzu ließen sich als Gegenbeispiel etwa Ost-Sträflinge anführen, die für Westkonzerne billig produzieren mussten, Anmerkung des Interviewers).

Da gab es Pläne etwa PKW in der DDR, LKW in Russland zu bauen, das können sie ganz gut, die Ungarn fertigen Busse, denn da haben sie ein wenig Tradition und ähnliche Arbeitsteilung vorzunehmen. Diese Aufteilung hat natürlich auch nicht funktioniert, denn der Mensch funktioniert nun einmal nur durch Konkurrenz, nur wenn du zwei Unternehmen hast, die das gleiche verkaufen wollen, dann spornen sie sich gegenseitig zu wirtschaftlichen Höchstleistungen an und versuchen ihre Produkte weiterzuentwickeln. Das ist ein spannendes Thema, aber das ist vielleicht ein bisschen zu weit für eine Comiczeitung. (Finde ich zwar nicht generell, aber da das Interview ohnehin schon extrem lang geworden ist, stimme ich Mawil zu, dass es an dieser Stelle zu weit und zu sehr von den Comics weg führen würde).

Kommen wir zurück zu Kinderland. Da gibt es die kleine Streberin, eine Musterschülerin, junge Pionierin und Denunziantin Angela Werkel, die hat immer nur Einsen in der Schule. Das ist wahrscheinlich unsere Kanzlerin, oder?

Das ist so ein kleiner Kalauer, den ich mir nicht verkneifen konnte (lacht).

Ist das auch ein Hinweis darauf, dass es eben keine komplett autobiographische Nacherzählung deiner Kindheit ist, sondern auch ein Kommentar der heutigen Zeit und eine Erinnerung daran, woher wir kommen, etwa woher kommt Angela Merkel oder die Leipziger Montagsdemonstranten, und somit einen Bogen zu Heute spannt?

Vielleicht unterbewusst, ich weiß nicht. Es ist klar, ein Politiker muss halt vor Menschen gut dastehen. Da haben sich die Ostpolitiker wahrscheinlich nicht so sehr von den Westpolitikern unterschieden.

Ist das auch deine persönliche Einschätzung von Frau Merkel, wie sie in Kinderland dargestellt wird, als diejenige, die es allen recht machen will, alle nach dem Mund redet die keine eigene Position hat?

In dem Buch habe ich mir einfach nur ein kleines Mädchen vorgestellt, das der Liebling der Lehrerin sein will und die sich gerne diese Frau Kranz als Vorbild nimmt. Hinter allen Figuren, wohl hinter den guten als auch hinter den schlechten, ist immer eine Geschichte. Die Guten sind nie nur gut die Bösen sind nie nur böse. Die Frau Kranz, die ja jetzt die böse ist, ist ja eine alte Frau, die wahrscheinlich das Land mit aufgebaut hat und die am Ende nicht kapiert, dass die Leute, für die sie eigentlich nur Gutes will, hier nun plötzlich alle davon rennen.

Du hast das Comic-Manifest mitunterzeichnet?

Ja.

Kinderland würde man wohl als Graphic Novel bezeichnen?

Wenn man das will, kann man es so bezeichnen.

Gleichzeitig fällt mir auf: Es ist sehr leicht zu lesen, im Sinne von, sehr guter Unterhaltung. Es macht sehr viel Spaß, es ist sehr humorvoll. Aber es ist nicht seicht, sondern ein Thema, das mich auch berührt...

Dankeschön!


„Werner fand ich immer scheiße!“



Sind die Graphic Novel-Künstler nicht oft zu elitär und zu ernst? Zumindest oft und in Deutschland? (Durchaus bewusst provokativ gemeint und eher Stilmittel als unbedingt meine persönliche Meinung, Anmerkung des Interviewers).

Graphic Novel ist ja nur ein Marketingbegriff. Ich sehe es so, dass der Begriff nur verwendet wird, um Leuten, die Angst vor dem Begriff Comic haben, Comics zu verkaufen. Die Zeichner, die ich kenne, profitieren sehr von dem Boom und die verkaufen gerne auch ihr dickes Buch. Aber keinen von denen fühlt sich elitär. Ich wollte einfach nur einen Comic machen, der als Comic funktioniert und der vielleicht auch ältere Leute interessiert und der auch solche Personen interessiert, die sonst keine Comics lesen. Ein Buch, an dem man mal nicht nur eine halbe Stunde, sondern drei Stunden liest. Ich selbst habe bewusst nicht Graphic Novel drauf geschrieben. Die Buchhändler können es, von mir aus, gerne als Graphic Novel verkaufen. Also angeblich gibt es Leute die sagen, dass sie keine Comics lesen, aber diese neuen Graphic Novels finden sie eigentlich ganz gut. Und wenn es solche Leute gibt, dann sollen die gerne sagen: Ich habe mir jetzt eine Graphic Novel gekauft. Für mich ist es aber weiterhin ein Comicbuch.

Trotzdem finde ich, das wir in Deutschland immer noch stark zwischen E- und U-Kultur differenzieren. In Action Sorgekind hast du ein Tribut an Brösels Comicfigur Werner...

(Lacht).

Wer nun unbedingt ins Feuilleton mancher Zeitung möchte, die sich beim Bildungsbürgertum anbiedern wollen, würden wohl sagen: Ich lese daheim nur Kafka und Goethe. Werner? Kenne ich nicht! Da hast du also keine Berührungsängste?

Nee.

Ist das für dich immer noch lustig oder war das nur damals in den 1980er- und 1990er-Jahren lustig?

Was?

Werner

Werner fand ich immer scheiße, aber wenn ich halt einen Comic über mein Auto mache, dann wäre es doch schade um einige Gags, die ich mit einigen Werner-Anspielungen einbauen kann.

Du fandest Werner in jeder Hinsicht schlecht, zeichnerisch und von den Geschichten her?

Das war nicht meine Art von Humor. Ich glaube die Comicszene ist ihm wahrscheinlich dankbar für die Bereicherung der Soundwörter, die ja noch jahrelang auf so einem Erika-Fuchs-Niveau stehengeblieben waren. Gezeichnet finde ich es lustig, da ich selbst aus der Funny-Ecke komme. Aber es war einfach nicht so mein Humor.

Ich finde, er hat schon viel von Deutschland in den 80er-Jahren eingefangen. Das ist schon viel drin. Er wird derzeit nicht so oft gelobt, ist vielleicht gerade etwas out.

Ja, ja. Er ist extrem wichtig für die deutsche Comicszene, auf jeden Fall!

Hast du Brösel mal persönlich kennengelernt?

Er ist ja schon seit Jahren nicht mehr in der Comicszene unterwegs. Vor allem muss man ihm echt zugute halten: er hat Comics gemacht, als es keine Nachfrage und keinen Verlag für Comics gab, also hat er seinen eigenen Verlag gegründet. Sein eigenes Produkt und sein eigener Vertriebsweg hat er aufgebaut. Den Semmel-Verlach oder so. Ich kenne es nur so, bin da auch nicht der Experte, um mich darin genau auszukennen. Er hat sein Ding gemacht. Das finde ich beeindruckend. Das finde ich super.

Und er hat gemacht, was du auch gerne machen würdest, wie du vorhin sagtest, nämlich: Filme.

Ja.

Ob die gut sind oder nicht ist eine andere Frage, aber er hat es geschafft.

Genau.

Du wirst in Wiedensahl, im Pfarrhaus, in dem Wilhelm Busch lange lebte, an einem Wochenende im Herbst 2014 einen dreitägigen Comic-Workshop geben. Hast Du eine persönliche Verbindung zu Wilhelm Busch? Und wer hat dich an deutschen Comiczeichnern beeinflußt?

Wir hatten früher natürlich alle das dicke „Wilhelm Busch“-Buch zu Hause, das war auf jeden Fall eine große Bereicherung. Ich habe erst spät Bieter die Geschichten weiter hinten, also alle anderen außer Max und Moritz auch kapiert. Ich habe mir auch mal in Hannover einige Originale von Wilhelm Busch angesehen und war beeindruckt. Der konnte auch geil zeichnen. Eines der besten Beispiele ist diese eine Geschichte mit dem Klaviervirtuosen, der da voll abgeht, bei dem am Ende die Tasten herumfliegen und die Haare ganz wirr sind. Das ist für die damalige Zeit schon extrem viel an Speedlines, Bewegung und Action in diesen, nach heutigen Maßstäben, sehr altmodischen Zeiten.

Stichwort Workshop. Es gibt Schreib- und Zeichenratgeber und Kurse, aber kann man Comickünstler wirklich lernen oder ist Talent unabdingbar und die wichtigste Voraussetzung? Kann man nicht vorhandenes Talent durch Dranbleiben und Fleiß ersetzen?

Talent ist auf jeden Fall eine Basis. Aber das Talent besteht nicht nur aus dem Zeichnen sondern auch im Geschichten erzählen und im Unterhalten wollen.

Muss das Zeichentalent dabei ein gewisses Niveau erreichen oder kann ich auch mit Strichmännchen vorankommen?

Du kannst auch mit Strichmännchen gute Geschichten erzählen. Für mich ist es völlig egal, ob du einen Arm aus 20 Strichen mit Schattierungen und Schatten machst oder nur eine einzige Linie nimmst. Du musst dir eben nur bei dieser einen Linie genau überlegen, wie zeichne ich die welchem Winkel, damit man sieht, dass dieses Männchen gerade die Treppe hinuntergeht und nicht hinunterfällt. Ich arbeite in den Workshops sogar lieber oder finde es manchmal spannender mit Leuten zu arbeiten, die gerade mit dem Zeichnen anfangen und noch ganz schüchtern sind als mit Leuten zu arbeiten, die sich schon einen Stil heraufgeschafft haben und die nur diesen einen Stil können und total Schwierigkeiten haben, ein Bild zeichnen sollen, dass ein bisschen aus diesem Stil herausfällt.


„Die Zeit ist reif für einige Sexszenen in meinen Büchern“



Ralf König sagte mir ja heute Vormittag, wie toll er deine Bilder findet und er lobte dich nicht nur wegen deiner besonders schön gezeichneten Treppenhäuser...

Dankeschön!

Ralf sagte, dass es ihm in Deutschland etwas an Rebellentum und auch an Sex in Comics fehlt. Gibt es Themen, die dir persönlich zu schmerzhaft und zu persönlich für einen Comic wären, als das du sie erzählen würdest?

Ich glaube nicht. Ich denke die Zeit ist auch langsam mal reif für einige Sexszenen in meinen Büchern. Im nächsten vielleicht.

Wer interessiert dich aktuell, international und aus Deutschland, an Machern von Autorencomics, die in ihren Werken etwas von sich selbst preisgeben?

International bin ich immer noch ein großer Fan von Christophe Blain. Der Pirat und Gus - das waren für mich nochmal richtige Entdeckungen! Ich lese selten Bücher, die mich so beeindrucken oder so von ihrer Erzählfreude begeistern, von der extrem einfachen, aber auch extrem treffenden Erzählweise. Und von den Deutschen? Ich bin ein großer Fan von Aisha Franz, weil die mit einem extrem einfachen Zeichenstil, aber extrem viel Erzählfreude einfach mal so drauflos erzählt. Ich war sehr beeindruckt. Sie hat ja nach ihrem Debüt Alien, Brigitte und der Perlenhort angefangen, hat jetzt aber nicht so Bock, sich ins nächste Buchabenteuer zu stürzen und hat die Sachen erst mal so als kleine Fanzines herausgegeben, um sich selbst so ein bisschen die Angst zu nehmen und plötzlich waren es dann so vier, fünf Fanzines und plötzlich war es dann ein fertiges Buch wieder. Also extrem gut geschrieben, extrem unterhaltsam.

Deine Werke werden beim recht kleinen Reprodukt-Verlag verlegt, der möglicherweise empfindlicher von einen Totalverriss getroffen würde als ein internationaler Medienkonzern. Beim Comic-Salon in Erlangen gab es 2014 eine Diskussion über die Rolle der Comickritik. Eine These lautete, dass der Kritiker verführen und vor allem loben solle. Wie siehst du das als Autor und Zeichner?

Ich lese mir natürlich alle möglichen Comickritiken in den Zeitungen durch, die bei uns herumliegen. Es freut einen natürlich schon, wenn das eigene Buch gelobt wird. Aber es fällt einem als Zeichner schon auf, dass es in Deutschland kaum richtige Comickritik gibt. Es wird immer nur gelobt. Ein Buch wird eigentlich nur dadurch kritisiert, dass man es gar nicht erwähnt. Das ist ja auch verständlich, weil die Szene einfach super klein ist. Wenn mal ein Kritiker ein Buch richtig verreißen würde, dann würde er es sich wahrscheinlich sofort mit der Hälfte der Szene verscherzen. Natürlich ist richtige Kritik wichtig. Ich würde gerne auch mal mehr Kritik über meine eigenen Sachen lesen. Umso größer die Comicszene wird, umso mehr Leser es gibt, umso kritischer werden auch die Kritiker werden.

Was ist mit dem Argument, dass der Kritiker, der selbst keine Comics zeichnet, keine Comics kritisieren darf, weil er dann ja keine Ahnung davon haben könne?

Dann dürfte es nicht so viele Filmkritiker geben. Und Musikkritiker und Theaterkritiker.

Ein reines Totschlagargument, oder?

Ja. Ein Kritiker sollte jemand sein, der selbst gerne Sachen konsumiert. Der viele Sachen konsumiert. Und der nicht nur der Kritik willen oder um sich selbst wichtig zu machen, kritisch ist, sondern der einen Geschmack haben sollte, der vielen anderen Geschmäckern auch entspricht und der die Leute warnen kann, bevor sie sich einen schlechten Film ausleihen oder ein schlechtes Buch kaufen.

Was machst du als nächstes?

Ein neues Buch. Ich habe noch nicht angefangen zu schreiben. Es wird dünner werden. Ich glaube ich werde nicht mehr in schwarz-weiß arbeiten können, dafür macht es zu sehr Spaß in Farbe, auch wenn das aufwendig ist. Ich glaube es wird um Fahrräder gehen. Da habe ich Bock drauf! Aber mir fehlt noch der Aufhänger, der Knackpunkt, die Überraschung. Das Grundgerüst, an denen man die ganzen kleinen Geschichtchen heran daddeln (?) kann.

Apropos Bock drauf haben. Judith Holofernes von Wir sind Helden beklagte im Interview mit DAS! im NDR, dass ihr mal jemand von ihrer Plattenfirma die Freude am Musikmachen getrübt hat, als er sie daran erinnerte, dass es als Profimusiker nun nicht mehr um Spaß sondern ums Geldverdienen zu gehen habe.

(Lacht).

Wird es irgendwann fatal, wenn man sich sagt, dass man nun in der Maschine feststeckt und das es nun nur noch Arbeit ist und keine Freude mehr? Ist das schlimm für Kreativität?

Ja klar, logisch! Ich kann es mir im Moment gerade leisten, nur die Comics zu machen und keine anderen Jobs machen zu müssen. Aber wenn ich eines Tages mehr Geld brauchen sollte, etwa für ein Kind, also ein Haus bauen werde ich mir jetzt nicht, aber dann suche ich mir lieber ein paar Jobs anstatt einen unliebsamen Comic herunterreißen zu müssen, über irgend ein Thema aus dem Zweiten Weltkrieg, auf das ich keinen Bock habe.

Die Zeichner des Comics Daytripper, Moon und Bá, sagten dazu, dass sie, wenn sie zwei Jahre einen Comic zeichnen, schon Spaß daran haben müssen, weil sie es sonst gar nicht aushalten würden. Das ist bei dior genauso?

Genau! Kinderland hat sechs Jahre gedauert.

Also wird es keinen Comic von dir geben, bei dem du jeden Tag verfluchst?

Da suche ich mir dann lieber einen richtigen Job! Um möglichst viel Geld mit möglichst wenig Arbeit zu verdienen, da würde ich mir alles mögliche raus suchen, nur nicht Comic-Zeichner. Denn da stimmt das Verhältnis zwischen beiden nicht ganz.

Okay, Mawil, vielen Dank für das Gespräch!

Gern geschehen!

Nachträgliche Frage (per Mail):

Vermisst du dein „Kinderland", also die DDR? Ich stelle mir das schwer vor, aufgewachsen in einem Staat, den es nicht mehr gibt. Mich persönlich würde das verunsichern und verwirren.

Nee, die DDR vermisse ich nicht. Das macht, glaube ich, keiner.
Es wäre vielleicht ein spannendes Experiment gewesen, das halbe Land
noch behutsam umzumodeln, ein etwas sozialeres (aber nicht
sozialistisches) Deutschland zu basteln, aber da hatten schon alle die
Schnauze voll.

Wenn schon, dann vermisse ich meine Kindheit, das machen wohl auch die meisten.

Gewinnspiel:

Schickt uns euren Comic-Strip zum Thema Kinderland, also gerne eine von Mawils Comic oder eurer eigenen Kindheit inspirierte Kurzgeschichte. Eine Seite reicht. Zu gewinnen gibt es drei Kinderland-Jutebeutel und der Erstplatzierte bekommt zu seiner Tragetasche noch einen kleinen Flyer mit signierter Originalzeichnung von Mawil dazu. Einsendungen bitte bis zum 30. April 2015.

Interview mit MawilBei uns zu gewinnen: Mawil-Zeichnung

Adresse für die Teilnahme am Gewinnspiel: gewinnspiel[AT]comicradioshow[DOT]com, Betreff: Mawil.

Mawils Homepage: http://www.mawil.net/
Mawil bei Twitter: https://twitter.com/Mawil_net



Interview mit MawilBei uns zu gewinnen: Kinderland-Jutebeutel

Das Interview führte Stefan Svik im Herbst 2014
Copyright: Stefan Svik 2014 & 2015




 
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