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27.11.2014, 02:17 Uhr
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geschrieben von M.Hüster am Dienstag, 12. Juni 2007 (6067 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

ICOM-Preis 2007


Comic im Postkartenformat gewann beim Münchner Comicfestival den ICOM Independent Comic Preis
ICOM-LogoDer Berliner Comiczeichner Mawil (d.i. Markus Witzel) gewann mit "Meister Lampe" am Samstag auf dem Münchner Comicfestival zum vierten Mal den in der Comicbranche hoch angesehenen Independent Comic Preis des Interessenverbandes Comic e.V. ICOM erstmals in der Hauptkategorie "Bester Independent Comic".
Ebenfalls zum vierten Mal konnte Robi (Rochus Hahn) den Preis für das beste Szenario gewinnen, diesmal mit dem dritten Band der Reihe "Dipperz" "1982: Grüne Hölle - Blankas Weg" (Verlag Schwarzer Turm). Erstmals dagegen wurde Naomi Fearn für ihre Kurzgeschichten "Zuckerfisch" ausgezeichnet, deren vierter Sammelband den Titel "Im eigenen Saft" trägt (Zwerchfell Verlag).

ICOM 2007
Der ICOM Independent Comic Preis wird jährlich seit 1994 verliehen. Ziel der mittlerweile mit insgesamt 2000 € dotierten Auszeichnung ist es, den Publikationen der Klein- und Selbstverlage jenseits der etablierten, auf dem Abdruck aus dem Ausland importierter Comics basierenden Branchenriesen Aufmerksamkeit zu verschaffen und ihr Ansehen zu heben. Vergeben wird er seit 2006 in den Kategorien

Bester Independent Comic
Bester Kurzcomic
Herausragendes Szenario
Herausragendes Artwork
Sonderpreis der Jury für eine bemerkenswerte Comicpublikation
Sonderpreis der Jury für eine besondere Leistung oder Publikation

Der ICOM Independent Comic Preis wird wie folgt verteilt: der Hauptpreis mit 500 €, die anderen vier Kategorien mit jeweils 300 €. Der Preis wird jeweils für den Zeitraum des zurückliegenden Kalenderjahres verliehen. Er wird nur an Comics verliehen, die sich um den Preis beworben haben.

Bester Independent Comic
"Meister Lampe"
von Mawil
(Reprodukt)

Bester Kurzcomic
"Zuckerfisch - Im eigenen Saft"
von Naomi Fearn
(Zwerchfell Verlag)

Herausragendes Szenario
"Dipperz" Nr. 3
von Robi und R.A. Drude (Zeichnung)
(Schwarzer Turm)

Herausragendes Artwork
"Luna"
von Toni Greis
(Schwarzer Turm)

Sonderpreis der Jury für eine bemerkenswerte Comicpublikation
"Die Zauberflöte"
WOC (World Of Comic) und Karin Windorfer
(Gloor Verlag)

Sonderpreis der Jury für eine besondere Leistung oder Publikation
Paul Derouet
(Comicseminar Erlangen)

Lobende Erwähnungen:

"Dod auf da Koppe"
von Frank Cmuchai
in "Bullengeschichten"
(Comicaze)

"Brotlose Kunst"
von Johann Christian Vasold
in "Paper Theatre" Nr. 3
(Schwarzer Turm)

"Elementartierchen"
von Zwarwald
(Reprodukt)

"Das große Wimmelbild-Comic"
Epidermophytie Nr. 12

Die vierköpfige Jury bestand dieses Jahr aus

Markus Gruber, Qualitätskontrolleur und Sendeleiter (München)
Sonja Raatz, Autorin und Übersetzerin (Düsseldorf)
Peter Schaaff, Comiczeichner (Düsseldorf)
Beatrix von Velsen, Zeichnerin und Dozentin (Köln)

Vorstellungen:

Bester Independent Comic

"Meister Lampe"
von Mawil
(Reprodukt)
ICOM 2007
Markus Witzel, alias Mawil, alias Supa Hasi, alias Supalumpi alias "Der deutsche Nick Hornby" gewinnt mit dem kleinsten Comic (Softcover mit runden Ecken) im Wettbewerb den Preis für den "Besten Independent Comic 2007". Womit? Mit Recht! Plus einer geballten Sammlung an Witz, zeichnerischer Erzählkunst und technikfeindlichen Stories.
Schließlich ist Meister Lampe eine wandelnde Katastrophe. Angefangen damit, dass er als fest angestellter Elektriker eines Büros quasi alles was vom Strom abhängig ist durch einfaches Vorbeigehen vernichtet, fortgesetzt in der Geschichte vom missglückten Arbeitsbesuch in Asien (der ihn und seine Kollegin Marianne prompt nach Mallorca verschlägt), bis hin zum verschollenen Meister Lampe, der beim Rückflug im Bermuda Dreieck verschwindet und auf einer Spur der Verwüstung zurück ins Büro findet.

Daneben geniesst der immer ordentlich amüsierte Leser die 15 x 10,5 cm großen Episoden des kleinen Elektriker-Hasen wie z.B. die neckische unter-den-Rock-Aussicht-Eingangs-Szene oder epischen Dramen von am Strand eingegrabenen deutschen U-Booten aus dem zweiten Weltkrieg - inklusive stachelig behaarter Besatzung -, die in einem heiteren FFK-Sonnenbad gipfelt oder dem elektrisierenden Kurzauftritt von Ersatz-Elektriker Michalke oder aber dem biblischen Wunder von Tod und Wiederauferstehung von Meister Lampes Chef.

Mawils sympathisch-harmlos startender Gag-Comicstrip entwickelt sich zu einem fesselnden Büchlein, das man schließlich zwanghaft bis zur Buch-Rückseite durchlesen muss. Einzelne scheinbar unabhängige 4-Bilder-Geschichtchen verschmelzen gleich zu einem großen Ganzen und letztendlich preiswürdigen Comic im handlichen Reclam-Westentaschen-Format. Sozusagen ein Comic-To-Go bei dem man sich am Ende jeder Seite fragt, wie das nun weiter gehen wird.
Beeindruckt kann man feststellen, dass Meister Lampe nicht der letzte Comic
in einer Kette von preiswürdigen Zeichner-Produkten ist, Neben vielen Gemeinschaftsprojekten (die u.a zu lesen sind bei Epidermophytie, scheinschlag, moga mobo, stripburger, panik elektro, Strapazin, renate oder Welt Kompakt) sind es die jährlichen Einzelausgaben, die Fans und Kritiker immer wieder begeistern.
"Strandsafari" (2002), "Wir können ja Freunde bleiben", (2003), "Die Band"
(2004), "Das große Supa Hasi Album" (2005) oder eben "Meister Lampe" (2006).
Und das neue (autobiographische) Meisterwerk "Action Sorgenkind" harrt in den Verkaufsregalen auf die Lobeshymnen, die da kommen werden. Das ist das Gesetz der Serie bei Comics von Markus Witzel, alias Mawil, alias Supa Hasi, alias Supalumpi alias "Der deutsche Nick Hornby".

Bester Kurzcomic

"Zuckerfisch - Im eigenen Saft"
von Naomi Fearn
(Zwerchfell Verlag)
ICOM 2007
Kunterbunt und prall das Leben: Naomi Ferns "Zuckerfisch" - diesmal mit der vierten Sammelausgabe unter dem Titel "Im eigenen Saft" - muss 2007 endlich einen Preis bekommen. Dafür sind die alltäglichen Geschichten von der Autorin, ihren gleichgeschlechtlich orientierten Kleinnagern und den anderen großen und kleinen Leuten des fearnschen Kosmos' zu unterhaltsam und absurd, die Zeichnungen zu niedlich und detailverliebt und "Zuckerfisch" im Ganzen einfach zu erstklassig, um unbedacht zu bleiben.

Nur wenige andere deutsche Zeitungs-Comics können von sich behaupten, die handwerkliche Qualität und den (auch für comic-unbedarfte Leser zu genießenden) Unterhaltungswert der US-amerikanischen Vorbilder mit ihrer 100jährigen Tradition zu erreichen. Fearns "Streifen" gehören dazu - wie diese Sammlung von Strips aus der Stuttgarter Zeitung von April 2004 bis September 2005 eindrucksvoll belegt. Es bleibt abschließend nur zu hoffen, dass der kleine Boom für dieses Genre in Deutschland weiter anhält, mehr Redakteure den Wert solcher Werke wie "Zuckerfisch" für ihre Publikationen erkennen und uns Lesern mehr solcher Perlen gezeichneter Unterhaltungskunst zuteil werden. (Peter Schaaff)

Herausragendes Szenario

"Dipperz" Nr. 3
von Robi und R.A. Drude (Zeichnung)
(Schwarzer Turm)
ICOM 2007
Rochus "Robi" Hahn hat schon des öfteren Auszeichnungen für seine Arbeit als Autor erhalten, und jetzt kommt noch eine dazu. Wer seine Geschichten kennt, dem begegnet auch Dr. Dipperz, der gerne die blutige Seite der menschlichen Psyche erkundet, immer wieder. Der dritte Band seiner eigenen Serie "Dipperz" enthält den zweiten Teil von "1982: Grüne Hölle" und beschreibt "Blankas Weg".

Zusammen mit dem Arzt Max Dipperz durchsuchen vier Männer den südamerikanischen Urwald nach der Pilotin eines abgestürzten Kleinflugzeuges - jeder mit eigenen Motiven, aber untereinander mehr verbunden, als sie es gedacht hätten. Sie finden Blanka zu spät, doch die Tote hinterlässt einen Brief, der die Geschicke der vier Betroffenen entwirrt. Durch sie sind vier Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten (ein Playboy, ein Auftragskiller, ein junger Mann und Blankas Ehemann), miteinander verknüpft.Dipperz hält sich im Hintergrund; es geht um Blanka, die nicht der Spielball ihres ersten Mannes sein will, die ihr Leben selbst bestimmen will und sich doch von der menschenverachtenden, nur zur Schau gestellten Güte ihres Mannes zu Mord und Verrat hin beeinflussen lässt. Die Tragik ihres Lebens wird von R. A. Drude in dunklen Farbtönen zurückhaltend illustriert: Es ist Blankas Stimme, die von Leid, Tod und sogar Inzest erzählt. Ihr eigener Tod mitten im Dschungel ist alles andere als zufällig, sie sucht El Dorado und findet ihren Frieden. Ihr Erbe ist eine schwere Bürde für die Männer; vielleicht werden sie sie zusammen tragen. Hoffnung schimmert durch. (Sonja Raatz)

Herausragendes Artwork

"Luna"
von Toni Greis
(Schwarzer Turm)
ICOM 2007
Mit Toni Greis erhält einer der wenigen konsequent realistischen deutschen Comiczeichner den Preis für herausragendes Artwork bei einem fast einhelligen Votum der JurorInnen. Nach den Texten von Robi illustriert er im ersten von sechs geplanten Luna-Heften die sich anbahnende Odysee des Mädchens Puni, die als Vorarbeiterin auf einer Anbauplantage im Weltall vom Techniker Trinar schwanger wird. Trotz rigider Geschlechtertrennung, Kinderverbots und drakonischer Strafen im von Frauen dominierten Imperium wollen die Beiden ihr Kind zur Welt bringen und entschließen sich zur Flucht.

Die Geschichte kommt mit wenig Text und Dialogen aus. Stilsicher gelingt es Toni Greis durch seine Bilder, eine trostlose und immer bedrohlichere Atmosphäre zu schaffen. Bemerkenswert seine Darstellung diverser Frauentypen - von unserer hübschen, etwas naiven Heldin Puni über deren gestrenge Vorgesetzten zur gnadenlosen Inspektorin. Schäbige Duschräume, endlose Plantagen, zweckdienliche Dienst- und Wohnräume und der kalte Weltraum werden mit sicherem Strich und passender, fast monochromer Farbgebung in Szene gesetzt. Dabei bleibt das Artwork über die gesamte Länge der 22 Seiten immer abwechslungsreich und spannend.Und selbst die zwei Nacktszenen mit Puni (geschuldet vielleicht den Erwartungen der Leser seiner erfolgreichen Alraune-Serie) fügen sich nahtlos ein in das düstere Gesamtbild der Geschichte, ohne vordergründig voyeuristisch zu wirken. (Peter Schaaff)

Sonderpreis der Jury für eine bemerkenswerte Comicpublikation

"Die Zauberflöte"
WOC (World Of Comic) und Karin Windorfer
(Gloor Verlag)
ICOM 2007
Wolfgang Amadeus Mozart und Emmanuel Schikaneders Oper "Die Zauberflöte" als Manga? Wer sich so etwas ausdenkt kann entweder nur völlig bescheuert oder hochgradig ambitioniert sein. Die Umsetzung durch die Münchner Gruppe WOC (World of Comic) und den ebenfalls in München ansässigen Gloor Verlag von Karin Windorfer steht eindeutig für ein hoch ambitioniertes und gut umgesetztes Comic-Projekt. Ihre bemerkenswerte Idee setzt auf eine Erklärung einer klassischen Oper - nicht unbedingt die Lieblingsbeschäftigung pubertierender Jugendlicher - durch ein beliebtes Medium: Comic. Und als "Steigerung der Coolness" auch noch durch ein Manga. Dabei setzen die Macher nicht nur auf liebevoll gestaltete Kulleraugen-Charaktere plus gut integrierte Computer-Grafiken, sondern auch auf den Spieltrieb der Zielgruppe. Mit zahlreichen Fußnoten und Verweisen werden Libretto, Künstlerkommentare und Quellenverweise in einzelnen Bildern angeboten, so dass der Leser je nach Wissensdrang seinen kulturellen Horizont variabel erweitern kann.

Die Geschichte um Tamino und Pamina, die Königin der Nacht, Sarastro und den Vogelfänger Papageno: in moderner Sprache getextet eröffnet sich das Meisterwerk der Musik dem jugendlichen Leser als höchst geheimnisvoll, interessant und lesenswert. Und vielleicht dann auch mal als hörenswert! Ein Lichtblick für eine pisa-geschädigten Jugend, die gelungen animiert wird, wertvolle Kultur mit Hilfe von Manga zu erlernen. Klingt komisch? Ist aber so! Allen Beteiligten gelang eine wirklich bemerkenswerte Comic-Publikation, die in vielerlei Hinsicht Spaß auf mehr Kultur macht. Das ist auch zu erwarten! Schließlich hat Schikaneder noch "Der Zauberflöte Zweyter Theil" verfasst! (Markus Gruber)

Sonderpreis der Jury für eine besondere Leistung oder Publikation

Paul Derouet
(Comicseminar Erlangen)
ICOM 2007
Der gebürtige Franzose, Paul Derouet, lebt für die Comic-Kunst. Durch sein unermüdliches Engagement ebnete er den Weg für deutschsprachige Comiczeichner. Zu seinen Verdiensten zählt diesbezüglich natürlich vor allem das jährlich stattfindende deutsch-französische Comiczeichner-Seminar in Erlangen, das 1986, einer spontanen Eingebung folgend von ihm ins Leben gerufen wurde und in seiner Art einmalig in Deutschland ist.

Das Comiczeichner-Seminar begann als verrückte Idee beim 2. Erlanger Comic-Salon, dem größten und wichtigsten Festival der "Neunten Kunst" im deutschsprachigen Raum. Jeder Aussteller sollte etwas Besonderes leisten und Paul Derouet hatte die Idee, im Rahmen des Salons einen Workshop für Comiczeichner zu organisieren. Die mangelnden Ausbildungsmöglichkeiten für deutsche Zeichner wollte er durch das Comiczeichner-Seminar beheben und den Nachwuchs fördern. Das Experiment sollte einmalig bleiben, Claude Crouail (damaliger Leiter des Französischen Kulturinstituts Erlangen) ist es jedoch zu verdanken, dass es im folgenden Jahr wiederholt wurde. So entstand eine Institution, die niemand geplant oder konzipiert hat. Dank Paul Derouets Initiative wird der Comic in Deutschland heute nicht nur als Massenmedium, sondern auch als Kunstform, die wie kaum eine andere, Spiegel der Gesellschaft und Gradmesser gesellschaftlichen Wandels ist, anerkannt.

Zu den ca. 250 Zeichnern, die das Seminar besucht haben, zählen einige, die schon lange keine Unbekannten mehr sind. Z.B. Harm Bengen oder Isabel Kreitz. Letztere leitet neben Pascal Rabate und Paul Derouet das diesjährige Seminar, dem hoffentlich noch viele folgen werden http://www.comicseminar.de (Beatrix von Velsen)


Alle Texte und Bildbeispiele sind auf der Website des Interessenverbandes Comic unter dem Menüpunkt "Preisverleihungen"zu finden.
Deeplink: http://www.comic-i.com/aaa-icom/docs/icp2007/preise_indie_home.html


Interessenverband Comic e.V. ICOM
Danneckerstraße 12
70182 Stuttgart
Internet: http://www.comic-i.com/ (Ende)



Aussender: pts - Presseinformation (D)
Ansprechpartner: Burkhard Ihme
email: ICOMic@aol.com
Tel. +49-0711-24 45 78



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