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geschrieben von Peixe am Dienstag, 02. November 2010 (3359 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Kästners Buch als Comic von Isabel Kreitz



Pünktchen und Anton - Comic Erich Kästners vor Humor überquellendes Meisterwerk Der 35. Mai hat Isabel Kreitz bereits für Comic-Fans erschlossen. Und dies ist ihr ganz wunderbar gelungen. Nun legt sie nach mit Erich Kästners „Pünktchen und Anton. Ein Comic von Isabel Kreitz“.


„Pünktchen und Anton“ erzählt von der Freundschaft zwischen dem Mädchen Pünktchen, aus reichem Elternhaus stammend, aber von ihrer Mutter vernachlässigt, und von Anton, der sich mit seiner allein erziehenden Mutter mehr schlecht als recht durchschlägt: Obwohl er ein helles Köpfchen hat, schläft er in der Schule ein, weil er die Arbeit seiner Mutter in der Eisdiele übernimmt, denn diese würde nach einer Krebsoperation sonst ihren Job verlieren. Und natürlich fehlen auch gefährliche Gauner nicht in dieser Geschichte... Mit viel Humor und im Original mit 16 köstlichen „Nachdenkereien“ (= kurze scharfzüngige Kommentare) erzählt Kästner mit mancher sozialkritischen Spitze von vorurteilsfreier Freundschaft über soziale Grenzen hinweg, Mut von Kindern, ihr Schicksal gemeinsam selber in ihre Hände zu nehmen, und Eltern, die für das wahre Leben erst einsichtig gemacht werden müssen: Da wartet Kästner mit der etwas altbackenen Botschaft auf, das sich Mütter mehr um ihre Kinder kümmern müssen, die Väter bleiben außen vor.
Pünktchen und Anton - Comic
Isabel Kreitz, immer wieder neu von den Herausgebern als „Deutschlands beste Comic-Zeichnerin“ (Die Woche) bezeichnet, hat sich mit „Der 35. Mai als Comic“ viele Ehren erworben. Auch in „Pünktchen und Anton,. Ein Comic von Isabel Kreitz“ widmet sie sich der Übersetzung ins Comic-Format mit viel Hingabe und als Hommage an Walter Trier (+1951), der die Bücher Kästners mit Bildern schon damals ansehnlicher machte und 1936 wegen der nationalsozialistischen Politik nach London auswandern musste. Ihren Stil passt Kreitz dem Triers ganz bescheiden an und erreicht dadurch, dass man sich als Kenner der früheren Buchausgaben sofort heimisch fühlt und das Gefühl bekommt, die Zeichnungen von damals sind auferstanden, neu lebendig und farbig geworden. Ein feiner Zug!

Der Comic „Pünktchen und Anton“ ist ganz nett, fällt jedoch hinter ihre erste Adaption, hinter dem Original-Buch und erst recht hinter dem wundervollen Film von Caroline Link (1999) ganz erheblich zurück:
Hinsichtlich ihrer ersten Comic-Adaption, in der Kreitz den sprühenden Witz und die sozialkritischen Spitzen sorgsam und kreativ ins Comicformat überführt hat, fehlt in „Pünktchen und Anton“ das Gespür für den gesellschaftskritischen Subtext, zudem manches eher dröge nacherzählt wird denn neu und frisch inszeniert. Und der Stil, fast sämtliche Sprechblasen in alle umliegenden Panels hineinragen zu lassen, verwirrte mich in seiner Häufigkeit.

Gegenüber dem Original-Buch, dem man manche veraltete Botschaft ob seines historischen Alters mit einem leichten Grummeln im Magen verzeiht, fehlen einfach die auflockernden und köstlichen „Nachdenkereien“: Warum konnte Kreitz sie nicht in herausgehobener Form, etwa als Einseiter mit collagenhafter Zusammenstellung, ins Bild setzen? Wenigstens einige wären schön gewesen! Die „Nachdenkereien“ fehlen eindeutig, denn sie geben der Geschichte manchen Spritzer Provokation, was ich schmerzlich vermisst habe.
Gegenüber dem Film behält Kreitz zuviel von den altbackenen Zeitumständen von 1931: Caroline Links Film schafft es herausragend den Geist Kästners ins heutige München zu verlegen, die Frauen- und Vaterrolle zu modernisieren, die Rollen und die persönlich schwierige Situation und die sozialen Gegensätze pointiert und ganz im Sinne Kästners ins Heute zu retten. Fairerweise muss ich sagen, dass Letzteres überhaupt nicht Kreitz’ Absicht ist, doch bleibt mit dieser Entscheidung der Muff und Moder der Originalgeschichte in den Seiten hängen. Und da sie die spritzigen „Nachdenkereien“ schlichtweg hat wegfallen lassen, erfüllt sie auch nicht die Erwartungen von konservativen Kästner-Fans, die eine möglichst werkgetreue Comicausgabe wünschen – unverzeihlich!

Pünktchen und Anton - Comic

Insofern komme ich weder als Geschichtenliebhaber noch als Kästnerfan voll auf meine Kosten. Schade, denn der "Der 35. Mai" als Comic war herausragend gut, Pünktchen und Anton bleibt trotz meiner Meckereien lesenswert, wird jedoch von Buch und Film bei weitem übertroffen. Führt Euch einfach alle drei zu Gemüte, dann könnt Ihr nichts falsch machen!

Isabel Kreitz ist in der Comic-Szene seit Anfang der 90er-Jahre bestens bekannt durch eine Reihe an Publikationen, zuletzt mit Illustrationen zu Peer Meters "Haarmann". Sie zeichnet sich vor allem durch die virtuose Beherrschung stets passender ganz unterschiedlicher Zeichenstile aus und illustriert auch Kinderbücher im Cecilie Dressler Verlag.


Pünktchen und Anton. Ein Comic von Isabel Kreitz
Zeichnungen: Isabel Kreitz
Text: Erich Kästner
100 Seiten, Hardcover, Farbe
Cecilie Dressler Verlag, Hamburg, 16,90 Euro
2009


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Pünktchen und Anton - Comic

© Abbildungen: Cecilie Dressler Verlag GmbH


 
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