Befreit Globi! Früher erlebte Globi skurrilkauzige Abenteuer im Lande der Phantasie. Der Kopf des lila Papageis mit dem Körper eines Jungen war immer nur im Profil zu sehen und die Texte standen in Versform unter den Bildern, wobei die Einfachheit der Reime die Sogwirkung ins Land der Träume nur verstärkten - so wie beim Lurchi von Salamander, einer verwandten Seele. Globi wurde in der Schwyz wie Lurchi bei uns zu einer Institution des nationalen Kulturgutes.Später erschienen bei Carlsen Globis Abenteuer schon mit freiem Text, durften aber nur hierzulande und nicht bei den Eidgenossen verkauft werden. Peter Heinzer übernahm damals kongenial den fantastischen Stil von Globis Schöpfer Robert Lips. Globi war bei seiner Geburt im Jahre 1932 eine Werbefigur für die Globus-Warenhäuser und es ist durchaus legitim und richtig, wenn er uns nun modernisiert als normale Comicfigur sprechblasend und werbend daherkommt. Die Zeiten ändern sich, aber wir alten Globifans nicht mit ihnen. Warum aber Rücksicht auf uns nehmen, die Kids von heute wollen was Fetziges oder sollen es wollen. Jetzt sieht uns also Globi nicht nur stets mit nur einem Auge im Profil ins Auge sondern oft im Halbprofil oder ganz frontal. Das wirkt normal und locker. Unser Globi ist zu einer Comicfigur wie alle anderen auch geworden. Leider wurde Globi aber auch als Werbeträger gleichzeitig zum Speichellecker seiner Auftragsgeber.Machte er in seinem ersten modernen Werbecomic "Globi bei der Patrouille Suisse" noch Werbung für die militaristische Kunstflugstaffel der Schweizer Luftwaffe, verdingt er sich jetzt in "Globi im Europa-Park" als Reklamefigur für eine Freizeitanlage in der Nähe von Freiburg. Gleich auf der ersten Seite bescheinigt Globi beflissen einem der Besitzer der Anlage, dieser "sei stets bescheiden". Statt einfach nur ein lustiges Abenteuer im Park zu erzählen, wird Globi total vereinnahmt. Wir erfahren verwundert und befremdet, dass er schon im Jahre 1780 (!) als Wandergesell zur Familie Mack kam und seitdem dort als Angestellter hängen geblieben ist. Armer Globi! Deine früheren Abenteuer fanden also nur in deiner und unserer Phantasie statt. "Globi im Europa-Park" ist ein Werbecomic und seine Macher durften und wollten wohl niemanden wehtun. Alle Figuren sind nett und naiv, selbst ein buchstäblich weit hergeholter und sabotierender Geist des Matterhorns ist auch nur geistig verwirrt und zu doof, um selbst wieder in die Schweiz zu entfleuchen. Weil nun alle Figuren so nett und naiv sind, langweilt die Geschichte über viele Seiten hinweg. Die eigentlich logische Befreiung des Berggeistes am Matterhorn am Ende wird dann aber nicht gezeigt, wohl um dem Freizeitpark nicht die Schau zu stehlen. Der größte Brüller in diesem Comic ist ein "Audio-Gag", als das Spuken der Geister mit Spucken verwechselt wird. Das "CK" ist dabei fettgeschrieben, damit es die kindlichen Leser auch begreifen. An dieser Stelle begreift aber der ältere Globifan endgültig, dass er hier nichts zu suchen hat. Globi ist nicht mehr für ihn zuständig , sondern nur mehr ausschließlich für die von den Teletubbies geschädigten Kids im Vorschulalter. Wen das stört, der möge schweigen. (rr) Globi im Europa-Park Text und Tusche:Gabriel Nemeth Zeichnung: Jan Gulbransson 64 Seiten, Prestige-Format Globi Verlag für originelle (!) Bildergeschichten, 16.- DM/sFr 2000 ISBN-No. 3-85703-260-X |
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