Spirou in Berlin - Interview mit Marvin Clifford :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
21.08.2018, 13:58 Uhr
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geschrieben von Maqz am Dienstag, 31. Juli 2018 (1215 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Marvin Clifford kommt mit der Farbe

Spirou in Berlin Farben Spirou in Berlin FarbenAls wir im ersten Interview Felix -Flix- Görmann zum neuen Spirou & Fantasio Abenteuer aus deutscher Zeichnerhand ausfragten, erwähnte dieser , dass der bekannte Zeichner Marvin Clifford ebenfalls einen wichtigen Anteil an diesem Band geleistet hat. Ein gewichtiger Grund, um mal bei Marvin direkt anzufragen, wie das Comic denn aus seiner Sicht so gelaufen ist... Und dann schickt und Marvin quasi die ganze Farbpalette vom neuen Spirou in Berlin

ComicRadioShow: Hallo Marvin, wie geht's dir jetzt so mit einigem Abstand zu deiner Arbeit am aktuellen Spirou&Fantasio-Band und kurz vor dessen Erscheinungstermin?

<Marvin Clifford: Mir geht’s ganz gut, muss ich sagen. Es ist ja nicht so, dass man nach Abschluss der Arbeit sich einfach mal Wochen Urlaub nehmen kann. Auch wenn es mal dringend notwendig wäre. So rutschen andere Aufträge hinterher. Kurz: Man hat gut zu tun. Und ich bin glücklich die Farbarbeit an Spirou abgeschlossen zu haben.

CRS: Du hats ja in diversen Beiträgen (#BriefanmeineLeser Mitte Mai und das Video mit dem letzten Strich an dem Job) angedeutet, dass es sich um eine recht aufwändige Arbeit an dem Projekt ggehandelt hat. Was hat Dich selber am meisten gestresst?

Herausfordernd war es den engen Zeitplan einhalten zu können. Wir Künstler sind ja mit den eigenen Arbeiten sehr kritisch und würden nur allzu gerne die Arbeit auch mal liegen lassen um sie auf sich wirken zu lassen. Da gab es wenig Spielraum für. Also: Effektiv, schnell und qualitativ gut arbeiten war die Devise. Auch eine Erfahrung, die ich in der Form so noch nicht hatte.

CRS: ...und was fandest Du, trotz Herausforderung, am schönsten dabei?

Die Zusammenarbeit mit Flix, überhaupt ein Teil für so ein wichtiges Projekt zu sein, empfinde ich als Ehre. Und zum Schluss das fertige Projekt in den Händen zu halten ist die Belohnung schlechthin.

Spirou in Berlin Farben

CRS: Wie kannst Du die Zusammenarbeit mit Flix am besten beschreiben? Wo liegen seine Stärken, wo Deine?

Die Zusammenarbeit mit Flix war ja ein Experiment, welches wir schon immer mal gemeinsam ausprobieren wollten. Also, da wir uns ja ein Atelier teilen auch gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten. Einfach um zu schauen ob das überhaupt so klappt. Ich musste versuchen die Vorstellungen von Flix zu treffen und, wie schon erwähnt, dabei möglichst effektiv sein, damit wir auch pünktlich abgeben können. Das heißt, auch Flix die Möglichkeit zu geben, bei Bedarf, noch einmal über die kolorierten Seiten rübergehen zu lassen. Insgesamt war die Arbeit zwar stressig, aber auch gleichzeitig sehr entspannt. Er hat versucht seine Reinzeichnungen fertig zu bekommen und nebenher habe ich diese Koloriert. Flix’ Stärke liegt ja im Erzählerischen und da war es für mich wichtig nicht den Eindruck entstehen zu lassen, dass zwei unterschiedliche Künstler daran gearbeitet zu haben oder zu demonstrieren wie „toll“ ich kolorieren kann. Sondern vielmehr musste die Farbe der Geschichte dienlich sein und subtil, hintergründig funktionierten. Also, nicht auf „voll Effekt“ gehen, sondern auch mal den Mut besitzen die Farbe hier und da schlicht zu setzen, damit der Lesefluss nicht gestört wird und Flix’ offener, skizzenhafter Strich nicht zerstört wird. Früher hat man ja lediglich die Comics einfach nur „farbig“ gemacht, das hat sich aber zum Glück geändert. Denn Farbe kann auch immens zum Story-telling und der Atmosphäre beitragen.

CRS: Wenn Du deinen Anteil an diesem Spirou und Fatasio Band benennen möchtest (auf den Du wirklich auch selber stolz sein kannst) welcher wäre das?

So ziemlich alles was Farbe beinhaltet ist auf meinem Mist gewachsen. Das offene Ohr, wenn es um die Story ging.Und wie sich die Farbe im Laufe der Geschichte entwickelt und verändert.

CRS: Wie frei konntest Du bei diesem Job agieren und wieviel haben dir Flix, Carlsen oder die Belgier "reingeredet"?

Im Grunde genommen war ich da sehr frei im kreativen Schaffen. Vorher gab es diverse Testseiten, bei denen ich erwartungsgemäß die Vorstellungen von Flix nicht getroffen habe. Und irgendwann hatten wir es dann, und dann war es fast nur noch Fleißarbeit. Carlsen und die Belgier, haben uns da relativ wenig reingeredet. Zumindest haben die sich bei mir nie gemeldet und irgendeinen Wunsch geäußert. Die Zusammenarbeit war diesbezüglich nur zwischen Flix und mir.

Spirou in Berlin Farben

CRS: Wenn Du einen bestimmte Farbauswahl gewählt, oder vorgegeben bekommen hast: HAben diese auch eine bestimmte bedeutung? Gibt es z.B. ein fest definiertes Spirou-Rot und ein Fantasio-Blau (für die Anzüge)?

Für festgelegte Charaktere gab es eine Farbvorlage, an der ich mich halten musste. Und an meiner Tür hing eine grobe Übersicht aller Seiten, die in bestimmten Haupt-Farbtönen eingeteilt war, sodass wir uns klar werden konnten welche Farbe Wets-Berlin, welche Farbe Ost-Berlin hat. Wie es aussieht, wenn es bei Nacht ist oder wenn die Charaktere im Untergrund agieren, etc.

Spirou in Berlin Farben

CRS: Was bedeutet Dir die Serie Spirou & Fatasio persönlich?

Ich bin eher mit Asterix aufgewachsen und hatte relativ wenig mit den Abenteuern von Spirou zu tun. Klar, wusste ich wer die Spirou und Fantasio und das Marsupilami sind, aber über gewissen Nebencharaktere und die Entwicklung der Comic über die Jahre hinweg, musste mich Flix ein wenig coachen.

CRS: Wie kamst Du eigentlich überhaupt zu dem Job? Musstest Du dich dafür noch bewerben?

Das lief so ab: Ich saß in meinem Teil des Ateliers und habe gearbeitet und dann schaute der Kopf von Flix durch meinen Türrahmen. Aus dem kamen die Worte: „Sag mal, hättest du Lust den Spirou zu kolorieren? Ich würde es sonst selbst machen, aaaaber…“ Und so kam ich zu dem Job.

CRS: ...und musstest Du noch Geld mitbringen, damit du colorieren durftest?

Geld musste ich auf hoher Kante haben, damit ich, neben der Arbeit an dem Comic, meine Miete bezahlen und meine Ausgaben deckeln konnte. Und für’s Atelier-Leben standen Kaffee und Knabbereien als Mitbringsel bereit.

CRS: Was muss man eigentlich mitbringen, um so eine Arbeit wirklich in dieser kurzen Zeit (perfekt) hinlegen zu können? Um mal etwas Bullshit-Bingo mitzuspielen: Welche Hard- und Softskills hast Du deinem Auftraggebern geboten?

Ich bin mir nicht sicher ob ich die Worte Hard-und Softskills hier richtig deute, aber ich würde sagen: mein Soft-Skill war dass ich mich nie beschwert habe, sondern einfach versucht habe meine Arbeit pünktlich fertig zu bekommen. Und Hard-Skills, wären dann auch eigene Bedürfnisse dafür hinten anstehen zu lassen, den sonstigen Alltag nebenher bewältigen zu können und die Disziplin aufrecht zu erhalten. Und die hat gegen Ende, gefühlt, immer mehr abgenommen. Im Schnitt habe ich für die Kolorierung einer sehr detailreichen Seite einen Arbeitstag gebraucht. Manchmal auch zwei, aber dann bis in die Nachtstunden hinein. Um im Zeitplan zu bleiben, musste ich 5 Seiten die Woche stemmen. Also, wenn das kein „Hard-Skill“ ist, dann weiß ich auch nicht.

CRS: Ist das ein Job gewesen, den Du so noch mal machen würdest? Oder würdest Du beim nächsten Mal etwas verbessern an den Arbeits-Gegebenheiten?

Ich würde so einen Job sicherlich gerne noch einmal machen. Aber gerne mit großzügig mehr Zeit im Rücken. Mehr Bezahlung ist natürlich immer ein Wunsch, den aber jeder Künstler, bei egal welchem Auftrag gerne äußert. Aber darum sollte es ja letztendlich bei dem Projekt nicht gehen. Es ging darum den Spirou Comic, zu dem ein deutscher Zeichner das erste Mal die Möglichkeit hat den kreieren zu dürfen, so fertig zu bekommen, dass er gedruckt und gelesen werden kann.

Spirou in Berlin Farben

CRS: Wird es denn überhaupt ein nächstes Spirou-Album auch mit dir als Coloristen geben?

Wenn mich jemand fragt, stehe ich dem offen gegenüber. Ist aber bislang noch nicht passiert.


CRS: Oder möchtest Du auch einmal den Spirou als Zeichner umsetzen (und wo würde er spielen)?

Auch dafür wäre ich durchaus offen, zumal ich meine Stärken ja eher im Zeichnerischen sehe. Wo er spielen würde, kann ich nicht sagen. Aber da habe ich ja einen großartigen Geschichtenerzähler im Nebenraum, den man sicherlich mal um Rat fragen könnte.

CRS: Hat dich der Colorierungs-Auftrag eigentlich bei deinen übrigen Projekten komplett raus gebracht? Und was sagen derzeit die Fans dazu?

Meine Fans, sind da sehr verständnisvoll und wussten ja auch woran ich grade gearbeitet habe. Die restlichen Arbeiten wie die Lootboy und die Mittenmang Comics, mussten nebenher trotzdem noch erscheinen. Die habe ich nebenher fertig machen müssen.

CRS: Was wirst Du mit dem ersten Spirou in Berlin Band machen, wenn Du ihn in den Händen hältst?

Ihn durchblättern, mich freuen, ihn stolz herumzeigen und ihn feierlich in den Schrank stellen.

CRS: Lieber Marvin vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg beim nächsten Spirou-Projekt! ;-)

Vielen Dank für’s Nachfragen. Mal gucken was als nächstes Projekt so kommt.
Spirou in Berlin Farben

(c)opyright der Abbildungen: Marvin Clifford 2018


 
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