Peter Butschkow und das müde Grinsen :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
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geschrieben von Maqz am Mittwoch, 17. Dezember 2014 (1829 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Ein Interview nach der Publikumsbeschimpfung


(c) Foto: Peter Butschkow
Heißt es nun Publikumsbeschimpfung, weil der Künstler das Publikum beleidigt oder umgekehrt? Als ich kürzlich eine Schmäh-Mail eines TV Hören&Sehen-Lesers (Abonnenten gar!) zu den Werken Peter Butschkows sah, wollte ich dem Geschmähten erst einmal versichern, dass er wirklich alle (ihm abgesprochenen) Attribute eines Zeichners und Textautors hat. Als alter Fan seines Humors wollte ich dann aber doch noch einige Fragen stellen. Schließlich hatte Peter Butschkow in seinen Kommentaren doch einiges über Sepp Arnemann und Uli Stein gesagt, das mich hat aufhorchen lassen...


ComicRadioShow: Herr Butschkow, Die Mail des Herrn S hat Sie doch nicht wirklich getroffen, oder?

Peter Butschkow: Kritik ist enorm wichtig, wenn auch nicht immer leicht zu verdauen. Aber der Kommentar von diesem Hubert S. ist keine Kritik, sondern ein Pamphlet. Er hat nur das Ziel, mich zu kränken. Und da schwanke ich im ersten Moment zwischen Wut und Weisheit. Dass ich darüber noch wütend sein kann, zeigt mir, dass ich noch verletzbar bin und das wiederum beweist mir, dass ich noch nicht in Selbstgefälligkeit erstarrt bin. Schlussendlich sortiere ich dieses Schreiben dann in meiner ganz persönlichen Schublade „Kommentare von Schwachköpfen“ ein – und vergesse es.

CRS: Was ich besonders bemerkenswert in Ihren Kommentaren zu dieser Mail fand, ist die ehrliche Art der Auseinandersetzung u.a. mit den Werken des langjährigen H&S-Zeichners Sepp Arnemann. Ihre offene Art? Oder der generelle, liebevolle Umgang unter Cartoonisten? (Aus dem Zusammenhang gerissene Zitate: "(...)obwohl er völlig humorfrei war,(...) Heute ist sein Stil natürlich aus der Zeit gefallen, klar. Und leben tut er nun auch schon nicht mehr.(...)" Auch Uli Stein bekommt sein Fett weg. (Aus dem Zusammenhang gerissene Zitate: "(...)Als Lappan-Autor hatte ich früher schon Probleme mit seinem gigantischen Erfolg - ja, ich war neidisch!(...)"

PB: Die Fähigkeit zur Anerkennung der Arbeit von Kolleginnen oder Kollegen hatte ich immer schon, wenn sie auch in jungen Jahren hier und da schon mal von einem Maß Selbstüberschätzung geprägt war, die, wie ich finde, für einen Newcomer auch ganz gesund ist. Ehrfurcht kann auch lähmend sein. Mit der Reife des Alters haben sich bei mir die Objektivität und zugleich die Freude an anderen Zeichenstilen noch verstärkt. Ich kann mich heute an einem fremden Cartoon mit einem gelungenen Punch neidlos begeistern, und wenn er dann auch noch gut gezeichnet ist.....und damit sind wir bei Sepp Arnemann. Er hat die Typen seiner Zeit großartig karikiert und war in der Lage, vom Dackel bis zum Schaufelbagger alles „richtig“ zu zeichnen. Er war der „Witzzeichner“ meiner Kindheit. Den fehlenden Humor machte er damals mit seiner bildlichen Komik wieder wett. Heute kommt sein Stil wohl altmodisch daher, ganz besonders, weil seine Zeichnungen im Alter immer dürftiger wurden, da er aber einen unbegrenzten Lebensvertrag bei der TV Hören& Sehen hatte (das waren Zeiten!), war das auch egal. Und nun zu Uli, dessen Arbeit ich längst auch anders bewerte, als ich es einst aus einem klammheimlichen Neidgefühl tat. Er ist, wie ich, seit über 25 Jahren bei Lappan und auflagenmäßig zehnmal erfolgreicher als ich.
Da darf man im hässlichen Teil seiner Gefühlswelt doch schon mal neidisch sein, oder? Ulis Cartoons vermitteln durchgängig einen liebenswerten Humor, und den mit großer Treffsicherheit. Es ist kein Wunder, dass die Leute seine Cartoons so lieben. Und wenn, wie es aktuell passiert ist, die TV Hören&Sehen Geld sparen will, dann schmeißen sie den Humor raus. Und nicht den von Uli Stein, der in jeder Ausgabe vorne weiterhin seine drei Cartoons hat, sondern sie reduzieren den von Peter Butschkow. So einen Marktwert habe ICH in meiner Karriere nie erreicht. Chapeau, Uli!



CRS: Ihre bemerkenswerte Anzahl von über 100 Publikationen mit einer Gesamtauflage von rund 1,5 Millionen müsste Ihnen doch einen ruhigen Lebensabend bescheren. Sehen Sie das auch so?

PB: 1,5 Millionen verkaufte Bücher? Ruhiger Lebensabend? Wie der Begriff „Million“ doch sofort Sorglosigkeit suggeriert. Als würde Geld glücklich machen. Die Wahrheit ist: 1,5 Millionen Bücher in 25 (fünfundzwanzig) Jahren! Nehmen wir mal einen durchschnittlichen Verkaufspreis von 8,- Euro pro Buch dann sind das 12 Millionen! Ja, hätte ich die bekommen, läge ich jetzt in Barbados am Strand und würde dicke Nasen in den Sand malen. Da der Autor in der Regel 8% pro Buch bekommt...also, ich hab das mal durchgerechnet und komme bei 25 Jahren netto auf 2.240,- Euro im Monat. Das ist nicht wirklich schlecht, ich habe mich auch nie beklagt, doch damit einen “ruhigen Lebensabend“ zu genießen...ähäm. Abgesehen davon, dass ich gar keinen ruhigen Lebensabend anstrebe. Ich möchte mit dem warmen Zeichenstift in der Hand in den Fahrstuhl nach oben steigen. Dort hoffe ich auf einen freien Zeichentisch. Zur Not auch ein elektronisches Zeichentablett.

CRS: Mit welcher Ihrer Publikationen möchten Sie eigentlich am ehesten verbunden werden?

PB: Ich mag meine „Überleben“-Bücher sehr gerne. Da drinnen kann ich zeichnen – und schreiben und sonst noch viel humorvollen Blödsinn machen. Da diese Buchreihe jedoch immer themenbezogen ist, gelüstet es mich nun nach vielen Jahren mal wieder nach einem reinen „Butschkow-Cartoon-Buch“, ohne thematische Klammer, eins, wo ich mal richtig die Sau rauslassen kann. Wie ich mich kenne, kommt bestimmt wieder nur ein Schweinchen raus. Das soll dann auch tatsächlich in einem Jahr bei Lappan rausgelassen werden.



CRS: Bei Ihrem Leib- und Magen-Verlag Lappan stechen ja aktuell (allein schon durch Ihre schiere Masse) Cartoon-Reihen wie "Überleben unter/bei/als/ab/im..."; "Herzlichen Glückwunsch..."; Happy im/in/als.." , "Die 365 lustigen Tage..." hervor. Wie wichtig sind Ihnen diese Bücher?

PB: Meine sogenannten „Geschenkbücher“ haben mir eine wirtschaftliche Basis gebracht (s.o.), dafür muss ich ihnen dankbar sein, obwohl ich mich mit diesem Programm manchmal auch als biederer „Geschenkbuch-Onkel“ empfunden habe.
Das gefiel mir mitunter nicht so gut. Andererseits würde ich diesem Format auch unrecht tun, schließlich ist in allen vordergründig konventionellen Themen auch eine ganze Menge guter Stoff drin. Gratuliert man z.B. (obwohl ich selber nie geheiratet habe) zum „Hochzeitstag“, steckt da schließlich die ganze Fülle des Zusammenlebens von Mann und Frau hinter. Mir hat es auch immer wieder Spaß gemacht, aus diesen Büchern so viel wie möglich rauszuholen. Also Zufriedenheit und Selbstkritik hielten sich da bei mir in etwa die Waage. Letztere bedeutet, dass ich heute in der Nachbetrachtung viele dieser kleinen Bücher als eher dürftig empfinde und grade einen neuen Anlauf nehme, sie folgerichtig wieder neu und zeitgemäß auf den Markt zu bringen.



CRS: Nach einer großen Ausstellung heuer, gab es im November von Ihnen eine Lesung mit dem Titel Peter Butschkow's(sic) Grosse(sic) Cartoonshow "Humor ist zum Lachen da!". Liegen Ihnen nur im Moment die Außer-cartoonistischen-Aktivitäten oder eröffnen sich hier ganz neue Betätigungsfelder? Vom Humoristen zum Comedian?

PB: Der Auftritt mit meiner „Cartoon-Show“ ist die Verwirklichung eines großen Traumes, nämlich vor einem Publikum zu agieren. Die Wahrheit ist: eigentlich wäre ich so gerne ein Jaques Tati oder Loriot geworden, ein Komiker halt, bin dann aber beim Anlauf auf dem Zeichenpapier geklatscht. In der „Cartoon-Show“ bringe ich nun alles zusammen, Cartoons und mein Gelaber. Aber das Allergrößte für mich ist der Applaus. Auf den müssen wir verborgenen Zimmer- und Zeichentischkomiker ja ansonsten verzichten. Diese Show ist außerdem ein idealer Test. Ich kriege unmittelbar vermittelt, ob und wie ein Cartoon funktioniert – oder nicht. Das ist klasse.

CRS: Dieses Interview hat Sie eigentlich schon alles gefragt, was ich jetzt noch fragen wollte. Darum lieber noch etwas zu Ihrer aktuellen Beurteilung der Kollegenschaft. Welche Cartoonisten-Bücher -glauben Sie- sollte man (neben den Ihren) dieses Jahr zum Lesen in die Toilette stellen?
Beste Bilder 5 PB: Ich empfehle natürlich die großartigen „Beste Bilder“-Bücher von Lappan. Hö-hö! Ein Feuerwerk der verschiedensten Zeichnerinnen und Zeichner und ihrer Zeichenstile.

CRS: Wie hat sich die Szene der (guten) Cartoonisten (und Comiczeichner) aus Deutschland seit den letzten Jahren für Sie eigentlich entwickelt?

PB: Grandios! Ich habe schon mal gesagt, es müsste jemand über diese Entwicklung in Deutschland schreiben. Da hat sich so viel getan in den letzten Jahren. Eine Fülle der verschiedensten Stile und Techniken – und der Komik. Der Wahnsinn. Ich bin begeistert. Vielleicht ernten wir jetzt den Vorteil, dass es in Deutschland, im Vergleich zu anderen Ländern, keine so etablierte, stilistische Tradition in der humoristi-schen Zeichnung gab? Heute sprudelt da in unserem Land in der Cartoon-Szene eine künstlerische Freiheit, echt umwerfend.

CRS: Machen Sie die jungen Zeichner mit ihren Humor etwas nervös? (Wenn ja, wer speziell?)

PB: Aber nein, im Gegenteil. Sie haben mich inspiriert, noch mutiger meinen Humor rauszulassen. Es sind brillante Komiker drunter. Ich bin ihnen dankbar für den frischen Wind.



CRS: Was mich immer interessiert: Haben Sie einen Lieblingscartoon (von sich und von den Kollegen?) Nur so nebenbei: Meiner ist übrigens mein Leben lang dieser (nicht von Ihnen).

PB: Mein Lieblingscartoon? Das war der eines amerikanischen Cartoonisten. Während meiner Zeit als Trommler in einer Rockband haben wir uns den alle immer wieder mal in den Pausen angesehen. Unser Gitarrist trug ihn in seiner Brieftasche mit sich rum. Jedes Mal aufs Neue, wir haben uns kaputtgelacht. Um seinen Mythos nicht zu zerstören, werde ich ihn hier auch nicht beschreiben. Und ich habe in jungen Jahren die Cartoons von NOBERT geliebt. Wie ich hörte, wohnte der sogar nicht weit von mir in Tempelhof, ganz zurückgezogen mit seiner Mutter, ein scheuer Mann. Und hat uns da draußen aus seinem Kämmerchen so viel Spaß gemacht. Humoristen sind schon manchmal kauzige Typen.

CRS: Wenn Sie sich internationale Zeichner anschauen, wie Gary Larson oder Bill Watterson: Hätten Sie sich auch gerne nach einigen Jahre von Ihrem Beruf verabschieden und zur Ruhe setzten wollen?

PB: Die Frage nach dem „zur Ruhe setzen“ verstehe ich nicht? Welche Ruhe? Welcher Sitz? ? Vielleicht wie bei Gary Larson, wo die greisen Cartoonisten auf ihren Roll-stühlen mit Decke über den Beinen in Old Cartoonist´s Horn sitzen und mit ihren großen Knollennasen prahlen, die sie einst gezeichnet haben? Okay, darüber können wir in zwanzig Jahren reden. Wüsste schon ein paar Kollegen, die ich gerne mit auf der Veranda hätte.



CRS: Da ich mal nicht davon ausgehe, dass Sie die vorherige Antwort bejaht haben, denke ich, Sie werden uns noch einige Zeit erhalten bleiben, lebendig, wie auch künstlerisch schaffend. Wo können Ihre Fans Sie also 2015 persönlich zu einer Cartoon-Show oder zum Signieren denn persönlich antreffen?

PB: 2015 bin ich auf beiden Buchmessen, in Leipzig und Frankfurt zu finden. Und unterwegs im Norden mit meiner „Cartoon-Show“.

CRS: Bitte (doch) noch einige Worte zu den von Ihnen geplanten neuen (Cartoon-)Büchern im nächsten Jahr.

PB: 2015 gibt es, wie schon erwähnt, wieder eine neue Folge von Geschenkbüchern und mein Autorenbuch. Alle im Lappan-Verlag. Zur Abwechslung zum ersten Mal noch zwei Cartoon-Bücher von mir beim Carlsen-Verlag. Nein, das ist keine Affäre, das ist Freundschaft.

CRS: Herr Butschkow, vielen herzlichen Dank für Ihre Antworten. Und noch ein Satz zu "Herrn S.": nehmen Sie so etwas nicht zu ernst! Ich, äääh ER hat's nicht so gemeint!"




(Das Interview führte Markus Gruber via Mail)
 
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