Sarah Burrini: Jetzt spricht sie ... plus 2. Advent-Gewinnspiel :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
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geschrieben von StefanS am Sonntag, 08. Dezember 2013 (2490 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

„Mein eigentliches Ziel war es immer längere Comics zu machen“



Sarah Burrini InterviewSarah Burrini war dieses Jahr unterwegs, um ihre beiden neuen Comics Das Leben ist kein Ponyhof 2 und Astrum Noctis vorzustellen. Ich traf sie in Hannover zum Interview, wo sie gemeinsam mit Mario Bühling und Marvin Clifford zu einer Signierstunde erschienen war. Wir sprachen über Onlinecomics, über humorvolle Comicstrips und über Frisuren.

[ACHTUNG! DAS INTERVIEW IST ECHT LAAAANG!!!. Die Chefred.)]



Comic Radio Show: Liebe Sarah, schön, dass du nach Hannover gekommen bist. 2013 sind zwei neue Bücher von dir erschienen, ein neuer Band von Ponyhof und Astrum Noctis. Das neue Ponyhofbuch hat ein anderes Format als das alte. Ist eine Neuauflage geplant, bei der beide Bücher gleich groß sein werden?

Sarah Burrini: Das ist vom Verlag angedacht. Wie weit da jetzt die Pläne sind, weiss ich noch nicht.

Ist davon auch eine englische Version geplant?

Vorerst nicht. Es gibt dafür bisher noch keinen englischen Verlag. Vielleicht machen wir das mal selbst. Etwa über Amazon Books oder so. Eventuell (lacht). Man kann nichts ausschließen.

2009 hatte dich Markus für die ComicRadioshow interviewt. Damals ging es um deine persönliche Geschichte: Nach dem Abi bist du als Comiczeichnerin aktiv geworden und so weiter. Daran möchte ich anknüpfen und wieder über Geschichte sprechen, dieses Mal über deutsche Comicgeschichte.

(Lacht).
Sarah Burrini Interview 2013 wäre Manfred Schmidt, Schöpfer von Nick Knatterton, 100 Jahre alt geworden. In deinem aktuellen Comic, Band 2 von Das Leben ist kein Ponyhof hast du eine Anspielung auf ein Werk von Schmidts Weggefährten Erich Ohser alias e.o.plauen (1903–1944), nämlich auf dessen Comic Vater und Sohn , eingebaut....

(Überlegt) Hab ich das?

Ja.

(Lacht). Es kann sein. Oder es war Zufall. Ich erinnere mich selbst nicht daran.

Das war also nicht ausdrücklich so geplant?

Nein.

(Ich zeige Sarah die Stelle im Comic).

Ach so. Nee, da habe ich überhaupt nicht dran gedacht. Den Vätern meiner Figuren gebe ich immer so einen Schnurrbart. Einfach so als Gag. Aber zumindest kann ich verstehen, wieso du dort eine Ähnlichkeit siehst.

Also kennst du die Strips von Ohser?

Ja, natürlich.

Haben Ohser und Manfred Schmidt noch eine Wirkung auf deine Arbeit gehabt, waren sie Einflüsse? Hast du Nick Knatterton gelesen und kannst du etwas mit diesem Humor anfangen?

Tatsächlich habe ich wenig von Nick Knatterton gelesen. Das, was ich noch kenne, hat mir immer sehr gut gefallen. Ich fand das war ein sehr eigenständiger Humor. So schön trocken. Das war originell. Da konnte man sehen, dass jemand mit viel Sprachgefühl und Wortwitz am Werk war. Das war keine Fließbandarbeit. Das waren Strips, die mit Liebe für das Medium Comic hergestellt wurden. Ich fand es auch designtechnisch sehr interessant, mit diesen klaren Linien. Mir war Nick Knatterton immer sehr sympathisch. Das ist eine der eigenständigen deutschen Comicserien.

Hast du Knatterton auch privat gelesen oder siehst Du solche Comics vor allem aus Sicht als Zeichenprofi? Studierst du gezielt solche Werke und war das Teil deiner Ausbildung?

Das ist etwas, das sich bei mir nicht mehr trennen lässt. Ich zeichne Comics seit ich in der Grundschule war, das konnte man damals allerdings noch nicht professionell nennen. Ich denke schon seit jeher: Was kann ich davon lernen? Was ist daran besonders? Das kann ich einfach nicht mehr trennen. Ich kann mich für vieles begeistern, bei Nick Knatterton sind es die Linienführung und das Design. Bei anderen Zeichnern, zum Beispiel bei Donald-Comics, die ich aus meiner Jugend kenne, ist es wieder etwas anderes. Auch bei den franko-belgischen Titeln. Ich finde immer etwas das mir gefällt und das ich bewundere. Das lasse ich dann, mehr oder weniger unbemerkt, auch in meine Zeichnungen mit einfließen. Manchmal ist das dann allerdings auch eine Hommage. Dann habe ich auch mal gezielt Lust einen kompletten Strip auf diese Art auszuprobieren.

Studierst du vor allem Funnies? Ich nenne jetzt mal Favoriten von mir: Garfield, Peanuts, Mafalda, Andy Capp. Sind das Strips, die du ebenfalls magst und die du dir genauer angesehen hast?

Ja, tatsächlich. Ich bin sehr fasziniert von dieser Comicstripkunst und wie man es schafft, darin Geschichten zu erzählen. Da sind sicher Calvin & Hobbes und die Peanuts und ähnliches immer in meinem Hinterkopf. Ich mag Funnies und ich lese mir das dann tatsächlich unter diesem Aspekt durch: wie funktioniert Snoopy da jetzt, was ist das für ein Humor, was wird da transportiert und warum gefällt mir das? Da fällt mir dann etwa bei den Peanuts auf, dass Charlie Brown ein Loser ist. Man könnte sagen, er ist ein Nerd. Das wird sehr stark zelebriert und das gefällt mir. Da möchte ich gerne herausfinden, warum mich das anspricht. Bei Calvin & Hobbes sind es andere Aspekte, die mich interessieren.
Sarah Burrini InterviewMarvin Clifford zeigt sein aktuelles Buch, Sarah schaut mal kurz vorbei
Charles M. Schulz hat auch unter dem Image von Comics als Kinderkram gelitten. Wird die zeichnerische Arbeit, vielleicht gerade bei Funnies, oft unterschätzt? In den Peanuts finden sich ja zwischendurch total detaillierte, aufwändig gezeichnete Gemälde oder eine Beethovenstatue und ähnliches. Mit Astrum Noctis bist du nun einen neuen Weg gegangen und hast statt einem Funny-Strip einen Abenteuercomic gezeichnet. War das für dich sehr wohltuend zu zeigen, dass du auch ganz andere Zeichnungen beherrschst als die Ponyhof-Strips?

Es war für mich erst einmal interessant herauszufinden, kann ich das oder kann ich das nicht? Interessiert hat mich das schon immer. Die Idee beim Ponyhof, zumindest am Anfang, war, das ist etwas, das ich nebenbei mache (lacht). Es war überhaupt nicht mein Ziel den Ponyhof groß aufzuziehen. Mein eigentliches Ziel war es immer längere Comics zu machen. Natürlich ist es immer noch etwas, an dem ich Spaß habe und das sich als etwas Tolles herausgestellt hat. Ich möchte mich da nicht so festlegen.

Astrum Noctis ist inhaltlich anders, es ist kein Funny-Strip. War auch die Arbeit daran ganz anders? Es ist ja nicht in Eigenregie entstanden, deine Kusine Eva Fairy war als Autorin daran beteiligt.

Es war eine komplett andere Arbeit. Da es nicht in eigener Regie entstand, musste ich mich mit vielen Dingen beschäftigen, die ich vorher noch nicht gezeichnet hatte, zum Beispiel Perspektiven. Im Ponyhof ist meist nicht so viel Platz für den Hintergrund. Und es geht auch gar nicht immer darum den Hintergrund zu zeigen, sondern um die Figuren. Bei Astrum Noctis spielen auch der Ort und die Stimmung eine große Rolle. Natürlich muss man dann auch eine Abtei zeichnen oder einen Palast von innen. Treppen, Säulen, perspektivische Herausforderungen. Die Beschäftigung mit Perspektiven war für mich neu und anfangs auch ziemlich knifflig. Am Ende hat es mir Spaß gemacht, dieses Geheimnis um die Perspektive zu knacken (schmunzelt).

Dafür hast du mit Eva gemeinsam in einem Raum gearbeitet oder lief das per E-Mail?

Das lief per E-Mail. Wir haben uns auch ab und an getroffen, denn Eva ist ja meine Kusine. Sie hat mich dann mal zuhause, also in Köln, besucht, wir blieben in regem Kontakt und am Ende schickte sie mir das fertige Manuskript per Mail. Wir haben uns darüber ausgetauscht und dann habe ich es gezeichnet. Ich habe zuerst kleine Skizzen, so genannt Thumbnails, erstellt und ihr zur Abnahme gemailt. Danach habe ich die Reinzeichnungen erstellt.

Eva lebt in Italien. Du bist gebürtige Italienerin und hast inzwischen einen deutschen Pass?

Ich bin deutsch-italienische Staatsbürgerin, ich habe also beide Pässe. Mein Vater kommt aus Italien, ich wurde aber in Köln geboren. Ab und an fahre ich nach Italien, meine Eltern haben dort auch ein Haus (lacht). Ich habe noch Verwandschaft dort.
Sarah Burrini InterviewMario Bühling hat zwei seiner Werke mitgebracht
Hast du den italienischen Erotikcomicmeister Milo Manara getroffen, als er 2013 auf dem Comic-Festival in München war?

Nee. Ich war die ganze Zeit im Alten Rathaus. Ich hatte ja selbst ein neues Buch zum Signieren mit, da blieb dann nur wenig Zeit, um mich selbst etwas auf der Messe umzusehen. Was natürlich schade ist.

Apropos Messe. 2012 hast du in Frankfurt auf der Buchmesse den Sondermann erhalten. Wie hat sich dieser Preis bislang ausgewirkt?

(Sarah, Mario & Marvin bekommen buchstäblich einen Lachanfall). Gar nicht. Es ist nicht so, dass da irgendwas passiert, wenn man so einen Preis gewinnt. Es ist allerdings schön, so einen Preis zu haben, wenn man sich für ein neues Projekt bewirbt. Wenn ich den Ponyhof jemandem vorstelle; einer Zeitschrift, einem Agenten; dann macht sich das nicht schlecht. Das signalisiert dann durchaus, dass Ponyhof nicht irgendwas ist, sondern auch eine Auszeichnung erhalten hat. Aber in Sachen Verkaufszahlen hat der Preis nichts bewirkt.

Gemeinsam mit dir stand auch Christoph Niemann auf der Bühne, der 2012 ebenfalls den Sondermann erhielt. Er sagte mir im Interview, dass Preise dazu führen, dass Fernsehen und Radio auf einen aufmerksam werden und dadurch die Popularität erst richtig riesig wird. Das glaubst du für dich nicht?

Bei Christoph Niemann liegt das gestiegene Interesse, glaube ich, nicht so sehr mit dem Sondermann zusammen, sondern mit der Tatsache, dass er wunderbare Cover für das Magazin The New Yorker gestaltet. Die deutsche Presse reagiert sehr stark darauf, wenn deutsche Illustratoren in Übersee Erfolg haben. Für mich hat der Preis noch keine Anfragen vom Radio oder Fernsehen bewirkt. Darum muss ich mich selbst aktiv kümmern.

Aktiv ist ein gutes Stichwort. Du investierst sehr viel Zeit für deine Ponyhof-Onlinecomics, für deinen Blog und für Soziale Netzwerke, etwa für Twitter. Wie viel Zeit verwendest du um deine Profile bei Facebook und Co zu pflegen? Wie viel von deiner Arbeit als Zeichnerin macht das Netzwerken aus?

Das ist eine berechtigte Frage, die sich keiner der Zeichner gerne stellt, weil man dann herausfindet, dass das viel zu viel Zeit ist. (Überlegt). Ja, es ist so einiges. Ich habe das nie richtig gemessen. Stattdessen habe ich mir einen Social Network Blocker besorgt, damit ich nicht mehr so viel Zeit auf Facebook und Twitter verbringe. (Lacht). Manchmal ist es nur eine, manchmal sind es aber auch mehrere Stunden am Tag, die ich dafür verwende. Inzwischen habe ich das ein wenig reduziert. Es ist aber schon so, dass man sich etwas vorlügt, wenn man meint, dass das keine Zeit in Anspruch nimmt. Das wäre etwas naiv (lacht).

Wie äußern sich deine Leser im realen Leben, bekommst du Fan-Post? Bei einer Signierstunde von Batman-Zeichner Greg Capullo brachten ihm Leser Batman-Muffins mit.

Oh, wie süß! Ja, Muffins habe ich auch schon mal bekommen.

Verena Klinke (Steam Noir: Das Kupferherz) erzählte mir im Interview, dass Signierstunden und Messebesuche ein totaler Gegensatz zum sonstigen Alltag sind, weil man als Autor und Zeichner sonst meist allein ist...

(Leicht sarkastisch) Und dann kommt man auf eine Messe und merkt plötzlich, dass man existiert (Sarah, Mario und Marvin lachen).

Ok, die Frage war wohl etwas doof...

Mario: Sie ist zwar etwas klischeehaft, aber berechtigt.

Sarah: Ja, sie ist berechtigt. (Sarah führt eine Stofftasche im Look ihres Ponyhof-Elefanten als Hülle für ihr Smartphone vor). Das hier ist ein Leser-Geschenk. Aus Berlin, glaube ich. Das hat mich unheimlich gefreut. Da äußert sich die Begeisterung für die Comics dann in Geschenken wie Süßigkeiten und selbstgemachten Sachen. Ich glaube, dass das etwas Neues ist und das Zeichner das früher nicht so stark erlebt haben. Ich habe das Gefühl, dass durch das Internet eine persönlichere Beziehung und Bindung entsteht und es nicht mehr so wirkt, als würde man anonym für einen Verlag Superhelden zeichnen. Die Leute interessieren sich auch für die Zeichner und mögen einen.
Sarah Burrini InterviewFleißiges Zeichnen bei sommerlichen Temperaturen
Wer sind deine Leser? Du scheinst das ganz gut zu wissen.

Ja, ich habe zwar keine Statistik dazu angelegt, aber das reicht von 80- jährigen Männern bis zu 15-jährigen Mädchen. Das ist so unterschiedlich, dass ich nicht sagen könnte, was genau der Querschnitt ist. Insgesamt wohl eher Leute, die etwas mit dem Internet anfangen können.

Falls jemand deine Ponyhofcomics noch nicht kennen sollte, würde ich sie so empfehlen: Wer die TV-Serie The Big Bang Theory und das (Hör)Buch von Marc-Uwe Klings Die Känguru-Chroniken mag wird auch deinen Humor mögen...

(Lacht und nickt).

Besteht bei dem häufigen Kontakt zu deinen Lesern die Gefahr, dass du zu viel Rücksicht auf deren (vermeintlichen) Geschmack nimmst und dich dem zu sehr unterordnest?

Das ist tatsächlich etwas, das ich versuche komplett abzuschalten. Denn das würde mich zu sehr in meiner Entscheidung beeinflussen, was ich erzählen will. Ich versuche sehr wohl darauf zu achten, dass ich einen Humor habe, mit dem ich glücklich bin. Dazu gehört sich tendenziell mehr über mich als über andere lustig zu machen (lacht). Da gibt es nämlich sehr viel Potential. Wenn ich aber zum Beispiel sehe, dass Einzelstrips besser ankommen als Storylines, dann hat mich das bisher noch nie davon abgehalten Storylines zu machen. Aktuell sind es Einzelstrips, weil die Strips nur ein Mal pro Woche erscheinen und die Story dadurch nicht recht vorankommt. Aber ich möchte mich davon nicht bremsen lassen. Ich glaube, so bald ich anfangen würde auf alle Geschmäcker eingehen und allen gefallen zu wollen, würde es langweilig werden.

Nochmal zurück zu Nick Knatterton. Manfred Schmidt hat seine Gags zuerst seiner Frau vorgeführt, um zu sehen, ob eine Idee ankommt. Machst du das ähnlich, also zeigst du deinen Freunden vorab deine Strips? Prüfst du also vorher was gut ankommen könnte oder veröffentlichst du das, was du gerade gut findest?

Ich mache das leider zu wenig, weil ich mit wenig Vorlauf arbeite. Ich zeichne den Strip einen Tag bevor er rausgeht. Und manchmal gibt es keine Chance, das vorher meine Kollegin oder jemand anders vorher drüberschaut. Ich mache das meist schon mehr aus meinem Bauchgefühl heraus. Das ist dann ein: hit or miss (lacht). Kann sein, das ich mal vollkommen daneben liege, aber denke: 'Hey! Das ist doch total witzig'. Oder aber: 'Das versteht doch kein Mensch'. Aber dann ist das eben so. Ich hab mich davon gelöst, dass jeder einzelne Strip super sein muss. Wenn einer doof ist, dann mache ich eben den nächsten (lacht).

Sind die Käufer der Printausgaben eigentlich ganz andere Leser als diejenigen, die deine Online-Comics lesen?

Nee, nicht unbedingt. Es gibt eine Fraktion von klassischen Comiclesern, die auch auf Comicbörsen und etwas älter sind, die einfach noch gerne gedruckte Ausgaben besitzen wollen. Ich weiss natürlich nicht, wie oft sie die Online-Comics lesen. Es ist aber wohl so, dass diejenigen, die es online gelesen haben, also die jüngeren, auch noch die Printversion kaufen. Es hält viele nicht vom Kauf ab, dass sie es vorab bereits im Internet gelesen habe.

Es gibt das Pferd Butterblume, deine Figur aus den Ponyhof-Strips inzwischen auch als Kuscheltier im KWIMBI-Shop. Wird es weitere Stofffiguren oder ähnliches Merchandising geben?

Vorerst nicht. Wir werden sehen, ob wir so etwas mal zu Weihnachten oder zu einer Messe machen werden. Da hat Jörg von KWIMBI mehr den Überblick, was geht und was nicht. Gerade die Plüschfiguren waren extrem aufwändig. Das war eher ein Liebhaberstück. Es hat sich zwar gut verkauft, aber sie hätten eigentlich noch viel teurer sein müssen, um damit Geld zu verdienen. Und das kann ich dann irgendwann meinen Lesern gegenüber nicht mehr verantworten. Mal abwarten. Es kann wieder etwas kommen, aber wenn, dann mit Bedacht.

Welche Bedeutung hat die englischsprachige Version des Online-Comics von Ponyhof?

Die habe ich tatsächlich sehr lange vernachlässigt. Ganz einfach deshalb, weil es für mich sehr aufwändig ist zwei Seiten zu verwalten. Da hat Jörg etwas mehr die Hand drauf, er übernimmt auch die Übersetzungen. Ich freue mich aber total, dass es auch dafür immer einige Leser, auch mal einige neue, gibt. Es ist allerdings auch extrem schwer Werbung für eine englischsprachige Seite zu machen. Es ist leichter, wenn ich, wie etwa gerade heute auf dieser Signierstunde, direkt mit Leuten in Kontakt komme und mich mit anderen Webzeichnern vernetzen kann. Die englische Ponyhof-Seite ist immer noch ein Stiefkind.

Wie wärs denn mal mit einem Projekt, in dem du mit anderen Autoren zusammen arbeitest, also etwas, dass gerade bei den US-Superhelden üblich ist? Es gibt ja einen Ponyhof-Strip, in dem sich deine Frisur von dir lossagt und eine Karriere als Superheldenzeichnerin bei Marvel Comics startet...

(Lacht).

Auf deiner Homepage hast du angekündigt 2013 in die USA zu reisen, um das Comiczeichnerstudio Periscope Studio zu besuchen. Dort entsteht etwa der DC Comic „Superman '66“. Du besuchst dort ein Seminar?

Ich besuche dort Zeichner, mit denen ich befreundet bin. Ich arbeite dann von dort aus an meinem eigenen Kram und versuche Inspirationen zu sammeln. Das ist aber kein Kurs. 2009 hatte ich dort ein Praktikum absolviert.

Wären dann solche internationale Projekte, Superheldencomics wie „Batman '66“ etwas, das du gerne machen würdest?

Ich weiss gar nicht, ob ich dafür gut genug bin. Ganz ehrlich, ich habe gesehen, wie Leute zeichnen müssen, die Superheldencomics zeichnen. Die sind schon richtig krass gut. Ich weiss nicht, ob die mich überhaupt haben wollen würden. Im Prinzip würde ich gerne alles mal ausprobieren. Momentan zeichne ich etwa für einen Independentverlag. Das ist ein amerikanischer Verlag und ich darf noch nichts näheres darüber verraten. Es gibt noch so viele Genres, Verlage und Möglichkeiten in den USA, jenseits von Superhelden, und ich glaube, das interessiert mich eher!

Deine Kollegin schlogger arbeitet neben der Arbeit an ihren Comics auch als Illustratorin und an Computerspielen (Deponia). Wäre das für dich auch interessant, etwa auch als Einnahmequelle?

Ich bin ja auch Illustratorin, weil ich mit den Comics kein Geld verdiene. Ich kann davon nicht hauptberuflich leben. Und auch bei einer freiberuflichen Arbeit für Daedalic (das Studio von Deponia) würde ich nicht mit einer übermäßig hohen Bezahlung rechnen. Ich bin neuen Projekten gegenüber immer sehr aufgeschlossen. Auch Computerspiele finde ich super interessant. Aber ich versuche eher kurze Sachen zu machen, damit ich mehr Zeit für meine Comics habe. Im Moment widme ich mich sehr kurzen, gut bezahlten Illustrationen (lacht). Also ich versuche es zumindest, dass sie gutes Geld einbringen. Damit habe ich dann mehr Zeit für meine eher unbezahlten Comics. Das ist so mein Masterplan.

Simon Schwartz meinte, dass er von den Jobs als Illustrator ab und an gute Ideen für seine Comics bekommt. Geht dir das ähnlich?

Ja. Es kann sein, dass ich dann etwa bestimmte Zeichenstile, die für die Illustration gefordert wurden, in meine Comics einbaue. Stilistisch ist das immer toll! Es kann aber auch sehr negativ sein, etwa wenn man in einem Trickfilmstudio lernt, sehr glatte Linien und sehr perfekt zu zeichnen. Im Sinne von sauberen Reinzeichnungen. Wenn man das dann für seine eigenen Comics anwendet, kann es sein, dass die dann zu sauber werden. Das kann also in beide Richtungen gehen.

Letzte Frage. Was sind deine Top 3 oder Top 5 Comics 2013?

Hu! (Überlegt). Dieses Jahr! Sweet Tooth ist auf jeden Fall dabei (überlegt).

Gefällt dir Jeff Lemire generell?

Ja.

Was genau?

Weil er ein bisschen etwas Schräges und etwas sehr Eigenes hat. Mir gefällt, dass er ein wenig düster ist. Und schräg (lacht). Andere Adjektive werde ich später suchen.

Weitere Favoriten 2013?

(Überlegt). Wahlweise I am hero oder Gute Nacht, Punpun!.

Zum Manga I am hero findet sich ja auch eine Anspielung im Ponyhof. Zur TV-Serie The Sopranos ebenfalls. Also baust du deine Favoriten auch in die Comics ein?

Ja, natürlich.

Welcher ist dein dritter oder vierter Lieblingscomic 2013?

Irgendwas von Vertigo. (Überlegt). Locke & Key natürlich! Da warte ich sehnsüchtig auf die Fortsetzung.

Vielen Dank für das Interview.


Gewinnspiel

Schickt einfach eine Mail an unsere Gewinnspieladresse und gewinnt mit etwas Glück eine signiert Originalzeichnung von Sarah Burrini, Mario Bühling und Marvin Clifford, außerdem signierte Karten von Sarah Burrini , als sie 2013 gemeinsam mit Mario Bühling, Marvin Clifford und Jörg Faßbender vom Kwimbi Shop, in Hannover war: gewinnspiel[AT]comicradioshow[DOT]com, Betreff: Sarah Burrini. Das Spiel läuft bis zum 5. Januar 2014.
Sarah Burrini InterviewZeichnung von Sarah, Marvin & Mario für eine/n Leser/in der ComicRadioShow
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Sarah Burrinis Blog: Das Leben ist kein Ponyhof

http://sarahburrini.com/wordpress/

Schaut auch mal beim Kwimbi-Shop rein, dort gab es bereits eine ausgesprochen niedliche Plüschversion von Sarah Burrinis Schöpfung Butterblume, aber natürlich sind dort auch Comics erhältlich.
Kwimbi Shop

Überall im Comichandel sind ebenfalls diese Werke von Sarah Burrini erhältlich:

Das Leben ist kein Ponyhof 2: Willkommen in der Realität
Astrum Noctis

(c) Fotos: Stefan Svik 2013
 
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