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geschrieben von Maqz am Montag, 24. September 2012 (2588 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

"„Abgesehen vom Weltall, war Dan nirgends, wo ich nicht auch gewesen bin“

Leseprobe aus der neuen Sprechblase #225. Autor: Bernd Weckwert Albert Weinberg (c)Foto Michael Hüster
Über Menschen, die vom Glück besonders begünstigt scheinen, sagt man, sie seien unter einem guten Stern geboren. Sollte es auch für den frankobelgischen Comic einen solchen Himmelskörper geben, muss er in früheren Jahren besonders wohlwollend auf Lüttich und seine Bezirke geschaut haben. Nachdem dort Eddy Paape (LUC ORIENT) 1920 und Albert Weinberg 1922 das Licht der Welt erblicken, folgen 1924 Jean-Michel Charlier (BLUEBERRY) und Victor Hubinon (BUCK DANNY). Kurz nach dem zweiten Weltkrieg erstmals professionell in der Comicbranche tätig, werden die vier Belgier den frankobelgischen Comic über die nächsten Jahrzehnte entscheidend prägen. Während über Charlier und Hubinon vergleichsweise viel geschrieben worden ist und Paape in SB 221 umfangreich porträtiert wurde, ist über Weinberg wenig bekannt. Grund genug, diesem bereits sehr früh im internationalen Comicgeschäft tätigen Mann einen ausführlichen Artikel zu widmen.

Die Lüttich-Connection



Beim Lesen von Comiczeichner-Biografien stößt man meist recht früh auf eine kurze Aufzählung der Serien, Hefte und/oder Künstler, die den Porträtierten von frühester Kindheit an begeistern und ihn in seiner Arbeit beeinflussen. Im Fall von Albert Weinberg muss auf eine solche Übersicht verzichtet werden. Gewiss, der am 9. April 1922 geborene Belgier hat schon in jungen Jahren ein Faible für das Zeichnen, doch einen begeisterten Comicleser hat das nicht aus ihm gemacht. Er erwägt nicht einmal, in der schlecht beleumundeten und noch schlechter zahlenden Comicbranche tätig zu werden. Weinberg strebt einen angesehenen Beruf an, wohl auch, weil dies der Familientradition entspricht. Sein Großvater war ein Chemiker, der zu seiner Zeit lokale Berühmtheit erlangte, da er einen Stoff namens Tricostal erfand, eine Substanz, die verhindert, dass sich Spuren von Feuchtigkeit im Zement festsetzen. Weinberg studiert Bürgerliches-, Handels- und – es sind die 1930er/1940er Jahre – Kolonialrecht. Er ist fest entschlossen, Rechtsanwalt zu werden.

Zunächst scheint also wenig auf die spätere Tätigkeit zu deuten, doch hatte er stets eine Schwäche für abenteuerliche Reise- und Forschergeschichten, nicht zuletzt für solche mit fantastischem Einschlag. Dass ihm die Möglichkeit gegeben ist, sich mit diesen Geschichten, in Bildern erzählt, den Lebensunterhalt zu verdienen, ist ihm nicht bewusst. Erst nachdem er nach Kriegsende zum Wehrdienst eingezogen wird und seine Kameraden sein zeichnerisches Talent bewundern, fühlt er sich durch deren positive Kommentare ermutigt, den ersten Schritt zu gehen. Durch Vermittlung eines Freundes trifft er 1947 auf Georges Troisfontaines, dessen ein Jahr zuvor in Lüttich gegründete, mittlerweile in Brüssel ansässige Agentur World Press sich im Aufbau befindet und talentierte Autoren und Zeichner sucht. Die Agentur versorgt ihre Klienten mit Comics, Artikeln, Kurzgeschichten, Beschäftigungsseiten (= Spiele und Rätsel) und bemüht sich für deren Produkte Werbekunden zu akquirieren. Der belgische Verlag Dupuis ist wichtigster Kunde und Troisfontaines ist sehr daran interessiert, die Geschäftsbeziehungen zu dem Familienunternehmen auszuweiten. Die schnell an Popularität gewinnende, seit 2. Januar 1947 in der von Dupuis herausgegebenen Comiczeitschrift Spirou erscheinende Fliegerserie BUCK DANNY von Charlier, Hubinon und teilweise auch Troisfontaines, aber auch die guten Beziehungen des Jungunternehmers zu Charles Dupuis stärken seine Verhandlungsposition.

Troisfontaines erkennt Weinbergs Talent und stellt ihn ein. Für den neuen Mitarbeiter ist die Arbeit in der World Press nur ein Job, mit dem er sein Studium finanzieren und sich ein finanzielles Polster verschaffen will. Wie Charlier, der zu dieser Zeit ebenfalls Jura studiert, beabsichtigt er zweigleisig zu fahren, das Studium neben seiner Tätigkeit für die Agentur fortzuführen. Das gemeinschaftliche Arbeiten mit den nur geringfügig erfahreneren Kollegen wird für Weinberg zu einem Schnellkurs in nahezu allen kreativen Disziplinen, die das Anfertigen von Comics mit sich bringen. Er zeichnet vor, erlernt das Tuschen, das Hintergrundzeichnen, das Kolorieren und das Schreiben von Comicstorys. Obwohl die Anzahl der in der Agentur für die Comicproduktion zuständigen Mitarbeiter überschaubar ist, fällt eine genaue Zuordnung der in dieser Zeit entstehenden Seiten zu ihren Schöpfern schwer. Es wird Hand in Hand gearbeitet. Ist Not am Mann, hilft man sich gegenseitig ohne dass die Assistenzleistung festgehalten wird. Bekannt ist jedoch, an welchen Comicstorys Weinberg in größerem Umfang mitarbeitet. Wahrscheinlich die erste ist „Les nouvelles aventures de Blondin & Cirage“ (= Die neuen Abenteuer von Blondin & Cirage). Die 1939 für das katholische Kinderheft Petits belges von Jijé (JERRY SPRING) kreierte und bereits fünf Jahre pausierende Serie wird Troisfontaines umstandslos von ihrem Schöpfer überlassen. Jijé beabsichtigt, nach Amerika zu reisen und entledigt sich selbst seiner populären Serien SPIROU und VALHARDI. Er will die kommende Zeit frei von Verpflichtungen genießen. Troisfontaines beauftragt Hubinon, dem Semifunny neues Leben einzuhauchen. Es ist nicht gewiss, ab wann Weinberg dessen Zeichnungen tuscht. Bekannt ist hingegen, dass er gegen Ende der Geschichte einige Gags und Ideen beisteuert. Der Abdruck der Story erfolgt ab November 1947 in Spirou. Sollte Weinberg bereits auf den ersten Seiten getuscht haben, wäre BLONDIN & CIRAGE seine erste veröffentlichte Arbeit.

(...)

Dan Cooper© Dan Cooper: Editions du Lombard (Dargaud-Lombard), 2012

Dan mit Düsentrieb


DAN COOPER, die 2. Phase

Die zweite Phase der für Tintin verfassten COOPER-Abenteuer ist kurz, aber von außergewöhnlicher Qualität. Erst 1987, zwei Jahre vor Charliers Tod, enthüllt dieser in einem Interview, dass er drei DAN COOPER-Geschichten geschrieben hat, die 1959-1961 in Tintin erschienenen Folgen 6-8. Charlier, Autor einiger erfolgreicher Spirou–Serien, gehört 1959 zu den Gründervätern der Comiczeitschrift Pilote, für die bereits ein Teil der Spirou-Zeichner (Tillieux, Paape usw.) tätig sind. Das nimmt die Führungsriege des Familienunternehmens Dupuis verärgert zur Kenntnis. Um den Bogen nicht durch eine Tätigkeit für Tintin zu überspannen, entscheidet sich Charlier, anonym zu arbeiten. Dass sich der viel beschäftigte Autor eine weitere Serie auflädt, begründet er mit seiner Freundschaft zu Weinberg. Hergé hatte die COOPER-Storys als zu unrealistisch kritisiert und nachdrücklich Änderungen verlangt. Weinberg ist gezwungen darauf zu reagieren, da eine Kritik des Tim und Struppi-Autors im Hause Lombard schwer wiegt und nicht einfach übergangen wird. Wie von dem nicht allzu SF-affinen Charlier zu erwarten, krempelt er die Serie ohne zu zögern um. In Anspielung auf die fünf vorangegangenen Abenteuer und wie zur Bestimmung des neuen Kurses lässt er Cooper zu Beginn der sechsten Geschichte sagen: „Ich hatte langsam die Nase voll davon, den Marsmenschen zu spielen!“ Der Titelheld wird zum Leader der Blue Thunder-Staffel. In Charlier-typischer Weise stellt Cooper ein Team außergewöhnlich befähigter Piloten zusammen, die sich zu Beginn eines jeden Abenteuers mit rauem, aber herzlichem Soldatenhumor die Zeit totschlagen. Der Autor folgt seinem bewährten Rezept und spinnt in diesen drei Geschichten Intrigen, reichert die Handlung um einige Nebenstränge an und schraubt den Gewaltlevel nach oben. Ein mit voller Besatzung in der Luft explodierendes Flugzeug war 1960 in Tintin sicher von grenzwertiger Brutalität. Brillant gelingt Charlier die Charakterisierung des zunächst als Unsympath aufgebauten, undisziplinierten Captain Lang in Folge 8. Der sich gegen Ende der Geschichte als zerrissene, beinahe schon Mitleid erregende Persönlichkeit erweisende amerikanische Pilot rettet durch sein ultimatives Opfer Hunderten von Menschen das Leben und dürfte mit dieser Heldentat eine noch größere Anzahl von Lesern bewegt haben.

Eine außergewöhnliche Leistung bleibt festzuhalten. Nach BUCK DANNY und DAN COOPER erscheint ab Oktober 1959 die Serie TANGUY & LAVERDURE (damals „Les aventures de Michel Tanguy“) in der neugegründeten Zeitschrift Pilote. Mit deren Start werden die drei großen Klassiker des frankobelgischen Fliegercomic für die Zeit bis Januar 1962 ausnahmslos von Charlier verfasst.

Den ganzen Artikel findet Ihr in SPRECHBLASE #225

Die Sprechblase #225


 
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