Der große Gibrat (im Interview) :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
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geschrieben von Maqz am Dienstag, 15. Mai 2012 (2227 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Der große Durchbruch - Leseprobe aus der neuen Sprechblase # 224

Tom Vermeeren und Gert Bussens sprachen mit dem französischen Ausnahmekünstler.
Der Aufschub von Jean-Pierre Gibrat – GesamtausgabeBS: Der Zweiteiler „Der Aufschub“ bedeutete für Sie den Durchbruch in der Comicwelt. Zum ersten Mal schrieben Sie auch das Szenario selbst. War das ein großer Schritt?
Gibrat: Ja, ein enormer Schritt. Es wurde auch langsam Zeit, dass ich ein Projekt bearbeitete, mit dem ich 100% zufrieden sein konnte. Sie dürfen nicht vergessen, dass ich bereits 43 Jahre alt war. Ich fand, dass es höchste Zeit war für eine Arbeit, mit der ich die Leser von meinen Qualitäten als Zeichner und Texter überzeugen konnte. Zu der Zeit von „Verwandlungen“ klapperte ich verschiedene Verlage mit meiner Idee ab. Dupuis hatte sich schon mal nach dem Projekt erkundigt, sich dann aber nicht mehr gemeldet. Darum stellt ich die Geschichte erst mal Dargaud vor. Aber die wollten davon nichts wissen. Dadurch, dass sich die Story in der Umgebung von Aveyron abspielt, hatte Dargaud Bedenken, dass sie eine Wiederholung der Erzählungen um GOUDARD sein würde. Und angesichts der Verkaufszahlen von GOUDARD, wollten sie das Risiko nicht eingehen. So vergingen einige Jahre bevor Dupuis wieder anrief. Der Zufall wollte, dass ich zu der Zeit durch einen Ski-Unfall nicht zeichnen konnte. Ich hatte also massig Zeit, um Ideen für „Der Aufschub“ zu notieren. Schließlich schickte ich eine Zusammenfassung des Szenarios an Dupuis. Die Reaktion war enthusiastisch. So kam das Projekt ins Rollen und fand sich bald in der Reihe „Aire Libre“ wieder.

BS: Ist es richtig, dass das Szenario zu „Der Aufschub“ teilweise auch dem Komponisten Chopin zu verdanken ist?

Gibrat: (lacht) Das stimmt, Ihr habt gut recherchiert. Ich entdeckte durch Zufall, dass ich schneller Schreiben konnte, wenn im Hintergrund die „Nocturne“ von Chopin lief. Eigentlich seltsam denn normalerweise mag ich Rockmusik viel lieber. Ich brauche Musik zum arbeiten. In totaler Stille zu zeichnen oder zu schreiben ist viel schwieriger.

BS: Welcher Roman hat Sie inspiriert?

Gibrat: Das ist einfach. Zweifelsohne „Ceux de 14“ von Maurice Genevoix. Eigentlich ein Kriegstagebuch eines 24-jährigen Soldaten. Aber es ist von einem so erwachsenen und reifen Geist geschrieben, dass ich es nie mehr vergessen werde. Ein großartiges Werk.

BS: Wie ging es Ihnen, als Sie die vielen erzählenden Textstellen schrieben?

Gibrat: Während Dialoge spontan entstehen, ist das bei beschreibenden Textteilen nicht der Fall. Die erfordern Anstrengung. Mit einem Minimum an Worten muss man eine exakte Beschreibung abgeben. Das ist nicht immer einfach. Und das erfordert auch mehr Zeit. Ich war manchmal über drei Stunden beschäftigt, um drei kleine Sätze zu formulieren, die genau ausdrücken, was ich im Sinn hatte. Wenn das gewünschte Resultat dann zustande kommt, vergisst man die Anstrengung schnell und betrachtet die vergangene Zeit nicht als verloren. Aber wenn das Streichen, Verändern und Neuformulieren nichts brachte, konnte ich auch schnell frustriert sein. Ich weigere mich, Kunstgriffe zu benutzen, wie z.B. immer mehr Platz für die beschreibenden Texte zu benötigen, und zwinge mich, alle Beschreibungen so kurz wie möglich zu halten. Ich vergleiche die Texte in meinen Comics gerne mit Songtexten. Ein Lied beschreibt eine Welt in einigen Strophen. Einige Seiten, einige Quadratzentimeter... das ist auch das, was ein Comictexter zur Verfügung hat. Glücklicherweise reicht das meistens, um einen zufriedenzustellen. Es ist eine Kunst, präzise Worte zu finden. Seltsam, aber ich fühle mich heute viel sicherer als Autor, denn als Zeichner. Obwohl ich seit viel längerer Zeit zeichne als texte.

Jean-Pierre Gibrat

BS: Nach „Der Aufschub“ bekamen Sie oft den Stempel „Realistischer Zeichner“ aufgedrückt.

Gibrat: Das Etikett ist falsch. Ich empfinde mich absolut nicht als realistischen Zeichner. Sicher nicht als jemand, der mit fotografischer Genauigkeit Menschen, Landschaften und Gegenstände wiedergibt. Ich bin mehr ein expressiver als ein realistischer Zeichner. Ich fühle mich mehr mit Leuten wie Dupuy und Berbérian verwandt als mit Jean Giraud.

BS: Eine sehr originelle Szene ist der Moment, in dem Julien aus seinem Versteck heraus seine eigene Beerdigung beobachtet.

Gibrat: Oh, ich liebe diese Szene. Ich finde es im Nachhinein betrachtet etwas schade, dass ich nicht mehr daraus gemacht habe. Ich hätte sie gut noch etwas ausweiten können. Sie drückt den Wunsch jedes Menschen aus – das glaube ich jedenfalls – einmal eine Fliege sein zu können, um Gespräche zu belauschen und zu erfahren, was andere über einen sagen.

BS: Die Geschichte spielt in Aveyron. Warum hier?

Gibrat: Ich bin eigentlich ein Stadtmensch aus Paris und kenne die Gegend um Aveyron nur aus meinem Urlaub. Ich verbrachte dort glückliche Monate bei meinen Großeltern. Ich hatte eine sehr enge Beziehung zu meiner Großmutter. Sie war eine besondere Frau mit einer starken Persönlichkeit und einer blühenden Fantasie. Sehen Sie es als Verbeugung vor dieser Gegend, an die ich nur gute Erinnerungen aus meiner Kindheit habe.

BS: Der wirkliche Star dieser Erzählung ist nicht Julien sondern die schöne Cécile – kein „Bimbo“ (in etwa eine Sexbombe, Anm. d. Ü.), sondern ein „Girl next door“, sehr hübsch aber doch nahbar. Hatten Sie eine spezielle Frau im Kopf, als Sie Cécile geschaffen haben?

Gibrat: (lacht) Joker! Das muss Geheim bleiben, deshalb setze ich hier meinen Joker ein. Den gestatten Sie mir doch? Auf zur nächsten Frage (lacht laut).



(Weiter geht's in der SPRECHBLASE)
Sprechblase Nummer 224


Interviewer: Tom Vermeeren, Gert Bussens
© Abb.: Gibrat
 
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