STAN SAKAI zu Besuch in Deutschland :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
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geschrieben von tigerrider am Montag, 29. November 2010 (2381 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Drei Vorträge: „Why a rabbit?“ ; "YOKAI" ; "Creating Comics"

STAN SAKAI zu Besuch in Deutschland Ehrengast der diesjährigen Eurofurence 16, die vom 1.9. bis 5.9.2010 in Magdeburg stattfand, war STAN SAKAI, der vielfach ausgezeichnete Zeichner und Schöpfer der bekannten Serie USAGI. Erfreulicherweise wurden drei Veranstaltungen von ihm angeboten.

1.: Why a rabbit?


„Why a rabbit?“ (Warum ein Kaninchen?)
Seinen ersten Vortrag begann Stan Sakai mit einer Übersicht zu seinem bisherigen Werk: Seit 1984, als er begann, gab es in der Vereinigten Staaten nur sehr wenige Comics in Schwarz-Weiß. Seine Idee, eine Geschichte rund um eine Kaninchenfigur in einer Art Ritterszenario fand Anklang. Allerdings waren diese ersten Geschichten noch in Europa angesiedelt und Usagi sah auch noch etwas anders aus.
STAN SAKAI zu Besuch in Deutschland
Als Inspiration für die Figur orientierte sich Stan Sakai an der historischen Person des Samurai Miyamoto Musashi (1584 - 1645), welcher nicht „nur“ Samurai war sondern auch Poet, Künstler und Handwerker war. Eine kleine Änderung in Usagi (= jap. „Kaninchen“) und Yojimbo (= jap.„Leibwächter“) und der Kaninchen-Held war geboren. Vor die Frage gestellt, ob er nun seine Figur als einzige anthropomorphe Gestalt mit ansonsten menschlichen Figuren interagieren lassen möchte, entschied er sich (mit bisher einer einzigen Ausnahme in einer frühen Phase) dafür, in „Usagi“ ausschliesslich Tiergestalten zu verwenden.
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Er hatte dann noch, glücklicherweise zu einem recht frühen Zeitpunkt, die Idee, Usagis Ohren zusammen geknotet, im Stil der Frisur der japanischen Samurai darzustellen. Zitat:“Hey- that's a cool idea, nobody did THAT before!“ (= Das ist eine coole Idee, DAS hat noch niemand gemacht!)
So startete die Serie dann im Jahr 1984 parallel zu den Teenage Mutant Ninja Turtles bei ALBEDO. Diese ersten Hefte werden heute, in entsprechendem Zustand, mit bis zu 5000,- USD gehandelt.
Heute, über 5000 gezeichnete Einzelseiten und 26 Jahre später liess Stan Sakai die Teilnehmer des Vortrags an einigen Anekdoten zu den Hauptcharakteren der Serie teilhaben, begleitet von gezeichneten Sketchen:
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TOMOE:
Auch die Figur der Tomoe orientiert sich an einer historischen Persönlichkeit: Tomoe Gozen (~1157 - ~1247) war eine der wenigen weiblichen Samurai der japanischen Geschichte. Als ihr Herr sich in der Schlacht von Awazu schliesslich in einer ausweglosen Situation befand, entliess er sie aus seinen Diensten und befahl ihr, sich zu entfernen, weil er nicht die „Schande“ der Anwesenheit einer Frau in seinen letzten Momenten erdulden wollte. Tomoe gehorchte zwar, allerdings nicht ohne eine letzte Tat: Die herausragende Reiterin und Bogenschützin legte ihre Rüstung an, kämpfte sich durch die Belagerungsarmee und besiegte einen der stärksten Generäle. Sie überlebte, und beschloss ihr Leben in einem Kloster.
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GEN:
Stan Sakai liebt diesen Charakter, er ist ganz klar inspiriert durch Figuren aus den alten Akira Kurosawa-Filmen, die er in seiner Kindheit im Kino gesehen hatte, z.B. den von Toshiro Mifune dargestellten Samurai in „Yojimbo der Leibwächter“: Er kratzt sich ständig, legt manchmal etwas fragwürdige Moralvorstellungen an den Tag, ist aber doch ganz klar einer von den Guten. Ausserdem liebt er es, das „kleine“ Kaninchen Usagi mit dem „riesigen“ Nashorn Gen in gemeinsamen Kampfszenen zu zeichnen.
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JEI:
Der Name der geisterhaften Wolfsgestalt mit den übermenschlichen Kampffähigkeiten, die so böse ist, dass sich alle Waffen in ihren Händen schwarz verfärben, wurde von Stan Sakai aus einem Wortspiel heraus erdacht. In Anlehnung an den japanischen Brauch, an den Eigennamen in der Anrede ein -San anzuhängen, würde so aus Jei, Jei-San. Im englischen ausgesprochen wie „Jason“, der bekannten Gestalt aus dem Horrorfilm „Freitag der 13.“ (1980). Er wird immer wieder getötet, doch kommt er immer wieder, genau wie Jei im Comic.
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SATO INO:
Auch der blinde Sato Ino hat ein Vorbild: Dieses war ebenso blind, konnte aber, dank überragend trainiertem Gehör, mit seinem Schwert sogar fallende Blätter eines Baumes zerteilen. Der Sato Ino im Comic hingegen nutzt seine Nase. Nun sind die beeindruckenden Geruchs-Leistungen von z.B. Trüffelschweinen hinreichend bekannt und das Erscheinungsbild Sato Inos als Schwein ist somit plausibel erklärt. Nicht einmal als ihm die Nase abgeschlagen wird, versiegen seine Fähigkeiten- eine im Gesicht getragene Prothese ermöglicht ihm, wieder wie früher zu agieren.
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KITSUNE:
Kitsune (= jap. Fuchs bzw. Füchsin) ist zwar einer der guten Charaktere in Usagi, durch ihre diebische Lebensweise und Trick-Betrügereien zweifelt man das jedoch ab und zu an. Stan Sakai, der auch diese Figur sehr mag, versucht in ihr das Unberechenbare im Wesen der Füchse zu vermitteln.
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Die Tokage:
Die in der Natur allgegenwärtigen Tokage fügte Stan Sakai ein, weil es keine „normalen“ Tiere mehr gab- alle haben in der anthropomorphen Welt von Usagi ja bereits die Rollen der Menschen übernommen. Es muss aber einige Tiere geben, die die normalen Prozesse in der Natur erfüllen. So gibt es also an „echten“ Tieren, neben Fliegen und Fischen, auch die etwas grösseren Tokage, die an Land Beute machen. Die eidechsenartigen Vierbeiner sind zwar grundsätzlich wild, können sich aber auch treu an ein „Herrchen“ binden.

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2.: YOKAI


Zum 25-jährigen Jubiläum von USAGI wollte Stan Sakai in Absprache mit seinem Verlag DARK HORSE etwas besonderes machen. Man einigte sich auf eine Geschichte, die vollkoloriert und in Hardcover erscheinen sollte. Da Stan Sakai alles an USAGI selbst macht, sagte er: „Oh, dafür brauche ich mindestens drei Monate!“ Sie antworteten: „Du bekommst zweieinhalb.“ Und er schaffte es auch in zweieinhalb Monaten... und 2 Tagen.
Die Geschichte „YOKAI“ wurde von ihm nach dem Tuschen direkt auf der Originalzeichnung in Aquarell koloriert.
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Inhaltlich greift der Band den aus der japanischen Folklore stammenden Glauben auf, dass sich einmal im Jahr die Geister zu einem grossen Treffen in einem Wald versammeln. Usagi gerät nun in den betreffenden Wald, wird in die Geschehnisse involviert und erlebt eine haarsträubende Nacht.

Zu den Geistern und Monstern hatte Stan Sakai lustige und spannende Informationen parat.
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KAPPA
Die Kappa (1) sind schildkrötenartige Wasservampire, die ihren Opfern in allen Arten von Gewässern auflauern. Um ihnen wieder zu entkommen, kann man sie mit Gurken, die sie sehr gerne essen, bestechen. Übrigens heisst das mit Gurke zubereitete Sushi nicht umsonst „Kappa-Maki“. Ein weiterer Trick ist, ihnen mit grosser Höflichkeit zu begegnen, und sich gaaanz tief zu verbeugen. Als sehr höfliche Monster werden sie vielleicht der Geste folgen und sich auch verbeugen. Dann läuft allerdings das Wasser aus ihrer Delle auf dem Kopf heraus und sie sind wehrlos. In diesem Fall kann man von ihnen, weil sie machtvolle Heiler sind, unter Umständen sogar sehr wirksame Medizin erlangen, oder hat einen Wunsch frei.
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TANUKI
Dies sind hundeartige Trickgeister, die sich in alles Mögliche verwandeln können. Wird man von ihnen bedrängt, kann man ihnen begegnen, in dem man sie mit Sake abfüllt, denn DEN lieben sie. Daher kann man sie auch des öfteren als Statuen vor Bars o.ä. Entdecken.
Seine riesigen Hoden (2) benutzt der Tanuki oft zum Trommeln. Siehe auch: „Kin-Tama“ (jap. = goldene Eier), ein Ausdruck für viel Glück.
Er kann sehr, sehr böse sein, z.B. wenn er sich zuvor das Vertrauen ahnungsloser Wanderer erschlichen hat. In manchen Geschichten tritt der Tanuki so auch als Wandermönch auf. Wenn er dann auch noch eine Sake-Flasche dabei hat: Vorsicht!
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TENGU
Die Tengu sind die geisterhaften Wächter der Berge. Es gibt verschiedene Arten von ihnen. Eine Unterart sind die Langnasen-Tengu (3) (wieder ein Symbol für Zeugungskraft), von denen gesagt wird, sie seien die grössten Schwertkämpfer. Ganz aussergewöhnlichen Helden soll es nach hartem Kampf gelungen sein, von ihnen als Belohnung unterrichtet worden zu sein.
Auch ausgezeichnete Schwertkämpfer sind kleinere, geflügelte Tengu, die im Wald leben, und diesen beschützen. So sollte man, bei Betreten eines Waldes zunächst laut um die Erlaubnis bitten, durchgelassen zu werden.
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TSUKUMOGAMI
Zu den am meisten von Stan Sakai geliebten Monstern gehören die lustigen. Zitat: „I love the goofy ones!“ Die Tsukumogami (jap.= „bewegte Dinge“) können alles Mögliche sein, z.B. Regenschirme (4), Laternen (5), Schuhe, etc. In der japanischen Folklore sagt man, dass Dinge nach 99 oder 100 Jahren ein Eigenleben bekommen, und damit beginnen können, umher zu wandern. Das ist übrigens auch der Grund, warum es in Japan so wenige alte, gebrauchte Sachen zu kaufen gibt, und erst Recht keine Second-hand-Läden: Niemand will doch etwas kaufen, das womöglich nächste Woche 100 Jahre wird, und beginnt herum zu zappeln. Die Regenschirm-Tsukumogami (jap.= Kasa Obake) sind nach Stan Sakais Aussage: „So much fun to draw!“
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Die ZASHIKI WARASHI (6) (jap. = „kleiner Haus Geist“) wird meist als kleines Mädchen dargestellt. Obwohl sie harmlose Streiche spielen, sind sie angeblich Garanten für Glück, und somit gern gesehene Gäste in Häusern.
NURIKABE (7) (jap.= „Wand mit Beinen“) begegnen Wanderen und blockieren ihnen den Weg. Wohin man sich auch wendet- die Wand bewegt sich mit. Man kann sie jedoch überwinden, indem man ihr auf eines der Füsschen tritt.
Dann gibt es da noch die relativ harmlosen ROKUROKUBI (8) (jap.= „Lang-Hals-Frau“) die einen lediglich erschreckt. Gefährlicher sind da schon die NUKEKUBI, abgetrennte Köpfe, die fliegen können und ihre arglosen Opfer auffressen. Verbringt man jedoch ihre Körper in Tageslicht, so sterben sie.
„Hungrige Geister“, GAKI (9), sind die Geister Verstorbener, die noch Rache wollen. Man erkennt sie daran, dass sie keine Füsse haben.
Der TESSO ist ein Einzelgeist in Rattengestalt, der auf folgender Geschichte beruht: Ein Priester Namens Raigo wurde, als er starb, zum Rattenherrscher, weil ihm zu Lebzeiten ein konkurrierender Tempel ungerechter Weise vorgezogen wurde. Er verwandelte sich in einen Schwarm Ratten und löschte den anderen Tempel aus.
Ein weiterer YOKAI der eher harmlosen Art ist ein riesiger Fuss mit Auge (11), der seine Opfer erschrecken will.
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Die KITSUNE (12) (jap. = „Fuchs-Geister“) sind Formwandler, die ihre Opfer austricksen. Meist erscheinen sie in Frauengestalt, um Männer in ihr Verderben zu locken. Allerdings kann es den Betreffenden retten, wenn sie zuviel Sake zu trinken bekommen haben, denn dann verwandeln sie sich in ihre ursprüngliche (Fuchs-) Gestalt zurück. Je älter ein KITSUNE, desto mehr Schwänze soll er angeblich haben. Erreicht er eine bestimmte Anzahl, so wird sein Fell weiss oder golden. Einige von ihnen werden als Boten der Shinto-Göttin Inari angesehen, so kann man öfters KITSUNE-Statuen vor ihren Tempeln sehen.

Dann gibt es (in mehreren Variationen) die Geschichten um YUKI-ONNA (jap.= „die Schneefrau“). Nach der Sage bekam eine Göttin mit einem Sterblichen ein Kind. Sie lebten in den verschneiten Bergen, und die Frau verliess jede Nacht das Haus, um sich im Schnee in ihre göttliche Gestalt zu verwandeln. Ihrem Mann nahm sie das Versprechen ab, ihr nicht zu folgen. Als er es dann doch tat, und ihr Geheimnis entdeckte, verschwand sie und nahm das Kind mit sich.

Der TOFU-KOZO (13), ein harmlos lächelnder Bär, der einem Tofu anbietet. Doch den darf man unter keinen Umständen essen! Ignoriert man die Warnung, werden grässliche Dinge aus dem eigenen Magen herauswachsen. Zitat Stan Sakai:“ Never, never eat it, when a smiling bear brings you tofu!“
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NURE-ONNA (jap.= Schlangenfrau) sind meist in der Nähe von Gewässern anzutreffen und fressen ihre Opfer, nachdem sie mit Gift gelähmt wurden. Ein Frauenkopf sitzt auf dem Körper einer Schlange.

Sehr viele Variationen gibt es von den ONI (14) (jap.= Dämon, Teufel, Oger, Troll). Sie können zottelig, kahl, mit oder ohne Hörner, bekleidet oder in ihrem eigenen Pelz dargestellt sein. Überaus bekannt ist die Geschichte um Momotaro (jap.= „Pfirsisch-Junge“), in der der Held auszieht um gegen die Oni zu kämpfen.

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3.: Creating Comics



Ergänzend zu den beiden ersten Vorträgen konnten die Teilnehmer dieser Veranstaltung Einblicke in die Entstehung eines Comics gewinnen, am Beispiel von USAGI.

Stan Sakai geht so vor: Erstens hat er eine Idee. Auf die Publikumsfrage, „Wie bekommt man eine gute Idee?“ antwortet er: „I don't know!“ (= “Ich weiss es nicht!“). Aber, so fährt er fort, was zumindest ihm hilft, ist Filme anschauen, Lesen, Fernsehen, neugierig sein und selbst Recherchieren, dann weiter Recherchieren, usw. Auf einmal hat er eine gute Idee.
Als Beispiel erzählt er die Entstehungsgeschichte zu der USAGI-Geschichte „Kite“, in der es um das Drachensteigenlassen geht. In diesem Fall hatte er im Fernsehen in einer Dokumentation über Japan etwas über die historischen Drachenbauer in Japan gesehen. Also könnte er USAGI doch im Wald einen Drachenbauer treffen, und ihn in sein Dorf begleiten lassen: Die Idee ist da!

Zweitens wird die erdachte Geschichte nun in kurzen, schlagwortartigen Sätzen zu Papier gebracht (inklusive der Dialoge). Bei einer normalen USAGI-Geschichte sind dies dann ca. 2 DIN-A-4 Seiten.
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Als nächsten Schritt werden „thumbnail-drawings“ angefertigt. Bei diesen Zeichnungen sind die Charaktere in etwa daumennagelgross, daher der Name. Dabei werden die Proportionen für die einzelnen panels auf der entsprechenden Seite festgelegt, sowie die „Kameraeinstellungen“, also die Betrachtungswinkel der einzelnen Szenen. „I create a movie!“ (= Ich mache einen Film!“) sagt er. In dieser Phase findet dann viel Recherchearbeit statt. Z.B. Bibliotheksbesuche und mehr über historischen Drachenbau in Erfahrung bringen.

Viertens ist dann die eigentliche Zeichenphase. Stan Sakai benutzt zuerst einen schwarzen Bleistift und tuscht anschliessend. (Anmerkung: In den USA erscheinen die USAGI-Comics grundsätzlich in Schwarz-Weiss, in Farbe wird nur für die Cover gearbeitet). Das Format einer Originalseite ist etwa DIN-A-3, was bei der Reduktion auf die spätere Heftgrösse in etwa eine Verkleinerung auf 60% bedeutet. Am liebsten arbeitet er auf „Bristol-paper“ in bester Museumsqualität. In dieser Form reicht er die Seiten nun beim Verlag ein.
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Stan Sakai's Tipps für angehende Zeichner:
Seiner Meinung nach sollte jeder Zeichner mindestens einmal grundlegende Kurse im Zeichnen genommen haben, Perspektiven, Proportionen etc. gelernt haben, denn das sind Sachen, die man lernen kann. Die „basic shapes“ sollten beherrscht werden.

Immer das eigene sketchbook/ Zeichenblock dabei haben und wann immer es geht, zeichnen! Und zwar immer direkt aus dem Leben zeichnen, nicht bereits gezeichnetes abzeichnen.

Die eigene Arbeit immer herumzeigen und lernen, auf das feedback von Freunden, Kollegen, Familie und anderen Zeichnern einzugehen, Kritik anzunehmen will gelernt sein.
Diszipliniert arbeiten, am besten jeden Tag zeichnen.
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Fehler:
Was ist aber, wenn sich doch mal, trotz aller Recherche in einem Comic ein Fehler eingeschlichen hat?
Wenn Stan Sakai der Fehler bewusst wird, bevor das Comic in den Druck geht, so ist es oft mit dem Nachbessern der betreffenden panels getan. So geschehen, als USAGI in einer Geschichte eine Teezeremonie in einem Teehaus mit erlebt. Was Stan Sakai nicht wusste, es durften niemals Schwerter mit in ein Teehaus genommen werden! Also retuschierte er noch vor Druckbeginn die Schwerter weg.

Ein anderes Mal wird in einer USAGI-Geschichte der komplizierte und aus vielen Schritten bestehende Bau einer riesigen Taiko-Trommel beschrieben. Hier unterlief ihm ein kleiner Fehler hinsichtlich der Reihenfolge von Zwei der Fertigungsschritte. Ein Anruf beim Verlag, ein Tausch der panels und alles war noch vor Druckbeginn in Ordnung.

Ärgerlicher wird die Angelegenheit, wenn das Comic bereits gedruckt ist. So geschah es, als in einer Story Go gespielt wird. Stan Sakai hatte hier keine intensive Recherche betrieben, da er als Kind viel und oft Go gespielt hatte. Dies dachte er zumindest, jedoch hatte er lediglich eine ganz einfache Variante von Go gespielt. Als das Comic gedruckt war und in den Handel ging, blieben die Reaktion aus aller Welt nicht aus. Er bekam Post, deren Tenor in etwa lautete: „Hey, you idiot, that's no Go!!!“(Zitat Stan Sakai:) (= „He, du Depp, das ist kein Go!“)
EUROFURENCE 16 - Fellknäule, Tatzen und Schwänze...
Was also konnte er tun? Da in den Vereinigten Staaten die Comics einige Zeit nach der Heftveröffentlichung nochmal als tradepaperbacks (= Sammelbände) heraus kommen, entschied er sich (nach eingehender Recherche, diesmal über Go!!), einige panels zu ändern und für den Druck der tradepaperbacks zu verwenden. Die Go-Partie, die nun in der Geschichte gespielt wird, ist übrigens eine, zumindest in Go-Kreisen ganz berühmte, die im 19. Jahrhundert von zwei Meistern gespielt wurde. Allerdings bekam er bislang noch kein feedback wegen dieser neu eingebauten Besonderheit...


Insgesamt war es ein herausragendes Erlebnis, im Rahmen der EUROFURENCE 16, den nach eigener Aussage sehr reiselustigen Stan Sakai (Zitat: „I looove to travel!“) und seine charmante Frau Sharon in Deutschland kennen lernen zu dürfen. Er hat sich nach den Vorträgen jeweils viel Zeit genommen, und den begeisterten Fans geduldig Sketche gezeichnet und Comics signiert.
Übrigens erzielte ein von ihm gezeichneter Sketch (Motiv: Usagi in voller Rüstung), ein Höchstgebot von 1000,- EUR. Der Erlös kam einem wohltätigen Projekt zu Gute, dem Magdeburger Gnadenhof Emmerich.

Fazit:
Stan Sakai zu Besuch in Deutschland war meines Erachtens ein Höhepunkt für die neunte Kunst hierzulande. Ich hoffe, das sich die Gelegenheit, diesen wunderbaren Künstler zu treffen, auch für andere Fans hierzulande bald mal wieder bieten wird.
Danke an die Organisatoren der Eurofurence, danke an Stan Sakai! (js)

EUROFURENCE 16 - Fellknäule, Tatzen und Schwänze...

Fotos (u.a. mit ausdrücklicher Genehmigung von Stan Sakai): Jens Schneider, (c) Eurofurence e.V. 2010


 
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