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"Neue" Cartoons von Michael Holtschulte :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
05.08.2020, 12:42 Uhr
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geschrieben von Maqz am Freitag, 24. Januar 2020 (1370 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Von Star Wars über Musiker bis zum Tot

Michael Holtschulte Schlägt man den neuen Cartoon-Katalog des Lappan Verlags auf, so springt einem direkt das (aktuelle) Who is Who der deutschen Cartoonisten-Szene an: Uli Stein, Martin Perscheid, Ralph Ruthe, Joscha Sauer, Marunde und als Zugabe Jerry Scott aus den USA. Gleich mehrfach taucht darunter auch Michael Holtschulte in den Zeilen des Inhaltsverzeichnisses auf. Ende 2019 (zur Hoch-Zeit der Cartoon- und Kalender-verschenk-Zeit) waren es u.a. drei Neuerscheinungen, die mich besonders interessiert haben (plus ein Postkartenkalender, der übrigens ganzjährig einsetzbar ist). Umtriebig wie Michael Holtschulte ist, liegt das letzte Interview schon wieder viel zu lange zurück. Leider habe ich über den Jahreswechsel die Fragen verpennt und muss sie also jetzt stellen! ;-/

ComicRadioShow: Hallo Michael! Frohes Neues! :-)

Frohes Neues auch! Wobei, sagt man das jetzt noch?
Weihnachten steht ja schon wieder vor der Tür …

CRS: OK, Frohe Ostern!
Ich habe mit Freude deinen neuen Cartoonband zu Star Wars "Möge der Witz mit dir sein - Episode II: Das Erlachen Der Macht" genossen. Schon der erste Band hatte sich (nach Jubel-Meldung deines Verlages) schon über 33.000 Mal verkauft.
Wie ist der neue jetzt so über Weihnachten weg gegangen?


Helau! Das freut mich wahnsinnig, dass dir das Buch gefällt. In jedem Buch, an dem ich arbeite, steckt ganz viel Herzblut und daher bin ich immer sehr gespannt auf Rückmeldungen. Obwohl ich inzwischen eine ganze Menge an Veröffentlichungen auf dem Kerbholz habe, ist jede einzelne etwas ganz Besonderes. Bei „Möge der Witz mit Dir sein“ ist es ja so, dass ich nicht nur als Cartoonist beteiligt bin, sondern als Herausgeber auch verantwortlich für alle Beteiligten bin. Umso erfreulicher ist dann so ein Erfolg, an dem alle ihren Anteil haben.
Zu dem zweiten Band kann ich gerade ganz aktuell verkünden, dass ich vom Verlag die Meldung bekommen habe, dass das Buch kurzzeitig vergriffen war und nun in die zweite Auflage geht. Ich habe diesbezüglich noch nicht einmal die Rundmail schreiben können und wer weiß, vielleicht lesen einige aus der Crew hier gerade zum ersten Mal die gute Nachricht.

Möge der Witz mit dir sein II

CRS:  Nun scheint Star Wars ja offensichtlich ein dankbares Thema für Cartoons zu sein. Welche Rolle hast Du als Herausgeber dabei gespielt?
Hast Du z.B. die Themen an die Cartoonisten verteilt, um Dopplungen zu vermeiden?


Stimmt, Star Wars ist ein dankbares Thema. Und genau mit dieser Erkenntnis fing das ganze Projekt ursprünglich an. Es gibt so viele unter meinen Kollegen, die sich mit dem Thema beschäftigen, dass es sehr naheliegend war, die besten Cartoons zu sammeln und als Buch herauszugeben.
Diese ausgewählten Experten habe ich angeschrieben und gefragt, ob sie mit an Bord sind. Daraufhin habe ich Hunderte an Cartoons zugeschickt bekommen. Aber auch Skizzen, da der Ehrgeiz groß war mit neuem Material vertreten zu sein.
Im Endeffekt musste ich die Balance finden, sortieren, auswählen und Dopplungen vermeiden. Wobei es gerade zu einigen Themen innerhalb des Universums sehr schöne unterschiedliche Herangehensweisen gibt, die ich auch darstellen wollte.
Beim zweiten Band ist es genauso gelaufen, nur dass ich zahlreiche neue Zeichner (neu auch im Sinne von Newcomer) gewinnen konnte. Ich bin glücklich, dass die sich tierisch darüber gefreut haben, dabei zu sein.
So sind am Ende ganz viele Leute zufrieden, vor allem hoffentlich der Leser.

CRS: Welcher Cartoon (aus dem MDWMDS II) hat dich am meisten geärgert, weil Du nicht selbst auf die Idee gekommen bist?

Haha, ich verstehe, worauf Du hinaus willst: Unter uns Cartoonzeichnern ist Neid die höchste Form der Anerkennung. Wobei ich mit Neid ein kollegial ausgesprochenes „Boah, die Idee hätte ich selbst gerne gehabt.“ meine. Ein schöneres und ehrlicheres Kompliment gibt es eigentlich nicht.
Als Herausgeber muss ich aber sagen, dass ich mich über jeden guten Cartoon gefreut habe, der mir vertrauensvoll zugeschickt wurde. Mein Ziel ist ja eine tolle Zusammenstellung und herausragende Leistungen werden zum Teil des Ganzen. Hier nutze ich einfach mal die Möglichkeit danke an alle Beteiligten zu sagen: Danke, alle Beteiligten!
Es gibt allerdings einen Cartoon, den ich an dieser Stelle explizit erwähnen könnte. Der betrifft aber ein anderes Buch, auf das wir noch zu sprechen kommen. Trotzdem ist das ein Beispiel für meine eingangs erwähnte Verneigung vor Ideen anderer.
Miguel Fernandez hat in einem Cartoon eine Proberaumszene dargestellt und der Gitarrist fragt, ob er ZU laut genug sei. Chapeau. Ich habe lange als Gitarrist in Bands gespielt und der Gag ist so auf den Punkt und löst Erinnerungen in mir aus.
Warum bin ich verdammt noch mal nicht selbst auf den Witz gekommen?

CRS: Nun ist das Teil [MDWMDS III Anm. der Red.] ja "pünktlich" mit zum neuen Star Wars Kinofilm rausgekommen. Wer steuert solche Termine eigentlich? Du? Der Verlag? Oder doch alles "Zufall"?

Ach, das ist immer sehr unterschiedlich. Bei „MDWMDSII“ war es so, dass es nach dem Erfolg des ersten Bandes natürlich im Raum stand, den Nachfolger zu machen. Dabei hat man nicht unbedingt auf die Kinofilme Rücksicht genommen.
Warum auch?
Momentan ist in Sachen Star Wars so viel in der Mache, dass es zeitlich eigentlich immer passt.

CRS: Im Sommer hast Du zusammen mit Martin Perscheid "Cartoons für Musiker" herausgebracht. Wie war denn hier das Zusammenspiel (Achtung: "Spaß bei Saite-Wortspiel"!)

Damit spielst Du auf das Buch an, auf dessen Cover oben beschriebener Cartoon von Miguel Fernandez ist.
Da muss ich aber kurz ausholen: Martin Perscheid und ich haben zusammengesessen und über Kierkegaard und Heidegger philosophiert. Wer kennt solche Situationen nicht?: Man schweift ab und da kommt man auf einmal auf die Idee, ein Buch über Musiker zu machen.
So kam dann „Statt Noten!“ heraus, bei dem sich Martin und ich die oben beschriebene Herausgebertätigkeit teilten und natürlich selbst Cartoons beitrugen.
Ich habe dann noch einige befreundete Bands und Musiker gefragt, ob sie ein paar Zitate beisteuern würden. Von Bela B über die Broilers bis hin zu den Donots kam dann auch einiges zusammen und das Projekt war rund.
„Statt Noten!“ ist inzwischen vergriffen und der Lappan Verlag hat dann das von Dir angesprochene Buch mit uns gemacht: Die Rock-Edition, die im Sommer erschienen ist.
Gerade eben - pünktlich zum Beethoven-Jahr - ist nun die Klassik-Edition mit „Da ist Musik drin!“ erschienen.
Die logische Folge wäre nun der Titel „Da sind Cartoons drin!“.
Eine CD, auf der Musiker Cartoonbücher einsingen.

Michael Holtschulte

CRS: Langsam gehen mit die "Gänsefüßchen" aus in diesem Interview, darum frei heraus gefragt: Können die beteiligten Cartoonisten wirklich alle (bis evtl. Herr Poloczek) irgendwie Musik spielen, wie in den Bio-Texten am Ende des Bandes angedeutet? (und qualifiziert es sie damit wirklich für diesen Cartoonband zu zeichnen?)

OK, ich erwähnte bereits den Philosophie-Abend von Martin und mir. Genau genommen ist da nicht nur die Idee entstanden, ein Buch für Musiker zu machen. Nein, es sollte ein Buch VON Musikern FÜR Musiker sein. Wir haben damit die Zahl der möglichen Teilnehmer willkürlich gesenkt und uns Recherche-Arbeit beschert: Welcher Cartoonzeichner spielt ein Instrument?
Letztendlich waren das oft spannende Geschichten, die zum Vorschein kamen. Polo ist ein begnadeter Gitarrist. Ihn zu fragen hatte oberste Priorität.
Aber der von mir hoch verehrte und väterliche Freund Peter Butschkow zum Beispiel hat in seinen jungen Jahren Schlagzeug bei Teambeats Berlin gespielt. Eine Beatband, die 1965 Vorgruppe der Rolling Stones auf der Waldbühne war.
Ist das nicht verdammt cool?

CRS: Welcher Cartoon aus diesem Band ist dein "Lieblings-Song"?

Tja, ich wiederhole mich sehr gerne. Der oben beschriebene von Miguel Fernandez auf jeden Fall, aber auch (wie sehr oft) viele von Martin.

CRS: Bei (fast) allen Gags aus „CfM“ kann ich mir eine schlechte Schwarz-weiß-Kopie an einer Proberaumtür vorstellen. Schon einen gesichtet (oder selber angebracht)?

Das kann ich mir bei vielen Cartoons in der Tat sehr gut vorstellen. Allerdings habe ich seit der Veröffentlichung leider keine Zeit in Proberäumen verbracht, weil das inzwischen alles ganz gut im heimischen Aufnahmeraum funktioniert.
Das heißt aber nicht, dass ich solch subtilen Bekundungen des Gefallens nicht trotzdem wahrnehme. Der erweiterte Kontext zählt ja auch: Ich habe 2019 neben den anderen Projekten das welt-erste Cartoonbuch für eine Rockband herausgeben dürfen.
Nachdem ich letztes Jahr für J.B.O. das Album-Cover für „Wer lässt die Sau raus?!“ gezeichnet hatte, durfte ich mich dann auch direkt um das passende Buch zum 30-jährigen Bandjubiläum kümmern, das auch bei Lappan erschienen ist. Hierfür haben dann Cartoonzeichner gezielt für die Band Cartoons gemacht, weil sie eben wie ich auch Fans sind. Besonders Olga Hopfauf und Stephan Baumgarten haben mit ihren Beiträgen so genial vorgelegt, dass sie inzwischen sogar für die Agentur punktbar aus Essen und Blind Guardian regelmäßig Cartoons entwickeln.
Um nach dieser notwendigen Zusammenfassung wieder auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen:
Ich organisiere regelmäßig Postkarten zu Cartoon-Büchern, die dann als CityCards kostenlos vertrieben werden. Als ich Ende letzten Jahres bei der WDR-Aufzeichnung „Bielendorfer!“ meines lieben Kumpels Bastian Bielendorfer im Publikum sein durfte, entdeckte ich genau so eine Karte zum J.B.O.-Buch.
Aufgezeichnet wurde in dem Rockschuppen Subrosa in Dortmund und an dem Ausschank klebte eine dieser Postkarten. Das Metal-Piano von Martin Perscheid. Das habe ich natürlich sofort fotografiert, weil ich mich so gefreut habe.
Nebenbei bemerkt: Die Aufzeichnung war super. Unbedingt mal in der WDR-Mediathek suchen!

Tot aber lustig

CRS: Ebenfalls im September erschien dein "Black-Album" mit dem Titel „Tot, aber Lustig - Das Letzte kommt zum Schluss“. Hier stand im Katalog "Mehr als 8.000 verkaufte Exemplare". Bezieht sich das auf die vorherigen Ausgaben? Oder die zu erwartenden Verkäufe?

„Black Album“ gefällt mir! Da steckt die richtige Musik drin.
Die Zahlen beziehen sich natürlich auf den ersten Band, der drei Auflagen erzielte. Der kam zum zehnjährigen Jubiläum meiner Webseite heraus und zeigte die besten Sensenmann-Cartoons, die in der Zeit entstanden sind. Allerdings alles neu gezeichnet, weil man nicht von der Hand weisen kann, dass ältere und neuere Werke optisch nicht so gut zusammenpassen, um es vorsichtig auszudrücken …
Damit war ich dann auch bei Stefan Raab und habe „Alles Veggie, oder was?“, „Möge der Witz mit dir sein“ und „Tot, aber lustig“ auf einmal inklusive Trickfilme vorstellen dürfen
Mit „Tot, aber lustig – Das Letzte kommt zum Schluss“ sind nun die nächsten fünf Jahre vereint, wobei auch bei dem kürzeren Intervall die Arbeit die gleiche war. Es ist Teil 2. TV Total gibt es nun nur nicht mehr, daher wäre es wünschenswert, dass eine Einladung von Klaas Heufer-Umlauf kommt, um das alles rund zu machen.
Aber der meldet sich bestimmt, sobald er dieses Interview gelesen hat. Allein aus alter Verbundenheit zum Lappan in Oldenburg ;-);

CRS: Ist „Tot, aber Lustig“ durch die vielen Social-Media Kontakte (mehr als 310.000 Follower bei Facebook, über 43.000 Abonnenten bei Instagram) ein Selbstläufer?
Ist die Erstauflage also nach deinem ersten Ankündigungspost quasi ausverkauft?


Ich kann mich zwar nicht beklagen, aber schön wär´s!
Wie ich weiter oben schon gesagt habe: In jedem Buch steckt viel Herzblut. Vieles ist neu gezeichnet, noch mehr davon war noch nie online zu sehen. Aber das lässt sich schwer vermitteln.
Insofern lassen sich heutzutage Fan-Zahlen nicht eins zu eins auf Buchkäufe übertragen.
Es ist wahrscheinlich einfach alles zu viel, was einem im Internet entgegenspringt. Ich veröffentliche auf meinen Kanälen so viel ich innerhalb einer selbst gesteckten Grenze kann und finde die Reaktionen und die Interaktion sehr spannend.
Aber unterm Strich ist es doch ein kostenloses Angebot, weshalb es manchmal befremdlich ist, wenn man sich mit einem gewissen Anspruchsdenken auseinanderzusetzen hat: „Mehr neue Cartoons!“, „Kenn ich schon!“ oder „War beim ersten Mal schon scheiße.“ sind da typische Kommentare.

Erfreulicherweise überwiegen aber die Fragen, wie man das Ganze unterstützen kann.

Ich glaube, dass ich da für alle Kollegen (nicht nur Cartoonisten, sondern Kollegen der Unterhaltung allgemein) spreche, wenn ich zur möglichen Unterstützung folgendes aufliste:

1. Kauft mal ein Buch von dem Künstler, dem ihr online (mit Vergnügen) folgt.
2. Siehe Punkt 1, nur mit möglichen anderen Dingen außer Büchern
3. Geht zu den Liveshows
4. Liket, kommentiert - und vor allem - teilt Cartoons direkt von der Seite des Erzeugers
5. Teilt Buch-, Show- oder Irgendwas-Werbung des Künstlers
6. Setzt Links zu der Seite des Künstlers, wenn Ihr irgendwo einen verfremdeten, geklauten oder was auch immer nicht autorisiertes Cartoon-Posting entdeckt

Das Schöne ist ja, dass man mit den drei letzten Punkten seine Wertschätzung mitteilen kann, ohne
auch nur einen Cent dafür auszugeben.

Ist das nicht toll?

CRS: Welche Signier-Wünsche kommen zu Signierstunden eigentlich am häufigsten? Etwa: "Können Sie mir bitte die Todesanzeige meines Opas entwerfen?" oder "Schreiben Sie bitte -Für meine Frau- !" ?

Das kommt immer auf das Buch an. Die meisten Wünsche beinhalten den Sensenmann, gefolgt von dem Sensenmann mit einer Tätigkeit oder Eigenschaft, die dem (zukünftigen) Besitzer des Buches entspricht.
Ansonsten ist das immer vom Kontext abhängig. Aber grundsätzlich gilt, dass ich es jedem recht machen möchte. Oft kommen auch Fans und Sammler, die eine präzise Vorstellung haben, was sie gezeichnet haben möchten. Die haben dann auch immer eigene Skizzenbücher oder Pappen dabei. Was die teilweise an Wünschen haben, erfordert Gehirnschmalz und Zeit. Glücklicherweise reguliert sich das meist von selbst. Wenn ich zum Beispiel eine lange Schlange bei einer Buchmesse habe, fallen die Wünsche weniger aufwendig aus. Dafür nehme ich mir in Buchhandlungen, Comicshops oder nach meinen Shows sehr viel Zeit, um auch extravagante Signierwünsche erfüllen zu können.
Und das mache ich auch sehr gerne. Ich liebe es! :-)

CRS: Wann glaubst Du, wird sich diese Serie bei dir (Weiterhin Wortspiel-Alarm!) "totlaufen"?

Kurz und knapp: Gar nicht.
Der Sensenmann als Figur passt zu vielen Situationen. Weder ich, noch alle anderen Cartoonisten, die diese Figur zelebrieren, laufen Gefahr, dass neue Ideen ausgehen.

CRS: Oder wird es (ich denke da z.B. an den Manga-Sensenmann) weitere Tod(es)-Varianten geben?

Gab es schon davor, wird es auch danach geben. Das Schöne ist ja, dass man sich diesbezüglich einfach überraschen lassen kann.
Sprich: Wenn ich das jetzt preisgebe, brauche ich den Gag nicht mehr zeichnen ;-)

CRS: Werden eigentlich alle Vorwort-Schreiber in TaL-Cartoons verewigt?
Ich würde mich für die dann schon mal für das nächste Album bei dir vormerken lassen! :-)


Du spielst auf meine Freunde Oliver Uschmann, Torsten Sträter und Dr. Mark Benecke an.
Die drei haben bisher Vorworte für Band 1 und 2 von „Tot, aber lustig“ und mein Weihnachtsbuch geschrieben. Bei Oliver waren die Anspielungen eher subtil, Mark habe ich zum Protagonisten meiner Cartoons gemacht, Torsten habe ich als Weihnachtsmann mit schwarzer Mütze gezeichnet.
Es war mir ein Bedürfnis, die drei in irgendeiner Form in den Büchern zu verewigen, weil ich einfach so dankbar für deren Zeit war. Nein, ich war nicht dankbar, ich war gerührt.
Ich habe mich so darüber gefreut, dass alle ihre kostbare Zeit geopfert haben, etwas für mich als Witzbold zu schreiben, dass ich etwas zurückgeben wollte.
Und was kann ich besser, als zu zeichnen?
Danke, Oliver, Torsten und Mark! Ich hab Euch lieb!

Über ein Vorwort von Dir reden wir dann mal bei Zeiten.

Tot aber lustig

CRS: Ein weiterer Clou der Weiterverwertung von tötlichen Witzen ist dein „Tot, aber Lustig 2020“ Postkartenkalender. Da die ersten Wochen im Jahr schon vergangen sind, reden wir hier von einer idealen Empfehlung: Mal in der Sonderangebote-Abteilung von Buchhandlungen Ausschau zu halten. Wobei der Kalender auch als wunderbare Sammlung morbider und vor allem zeitloser Postkarten das ganze Jahr über bestellt werden kann, oder?

Du scheinst ein echter Preis-Leistungs-Experte zu sein!
In der Tat ist es so, dass im fortgeschrittenen Jahr Kalender ihren Nutzwert einbüßen. Der „Möge der Witz mit dir sein“ – Wandkalender dürfte inzwischen 1/12 seines Wertes verloren haben. Nichtsdestotrotz ist das ein schönes Teil, was ich als Wandschmuck nur wärmstens empfehlen kann. Umso besser, wenn man es nun günstiger erstehen kann.
Die Postkartenkalender sind hingegen ein wahres Preis-Leistungs-Monster. Ich habe nicht nur meinen „Tot, aber lustig“ – Kalender gemacht, sondern zusammen mit meinem Freund Thomas Rogel - der unter anderem heute Show-Autor ist - auch den „Alternative Fakten“-Postkartenkalender herausgebracht. Beide Kalender bieten Woche für Woche des Jahres eine Postkarte.
Das muss man sich erst einmal im Einzelkauf zusammenrechnen!
Selbst, wenn man diese Kalender nicht bald auf dem Grabbeltisch findet, sind sie immer noch ein veritables Schnäppchen auf die Einzelpostkarte heruntergerechnet.

CRS: Verschickst Du eigentlich noch Postkarten?

Ja. Ich liebe dieses Medium.
Aus diesem Grund verlose ich auch regelmäßig auf meiner Facebookseite persönlich geschriebene Postkarten. Jedes Mal, wenn eine Postkarte beim Cartoonkaufhaus oder als kostenlose CityCard herauskommt. Die Resonanz zeigt mir, dass Menschen diese persönliche Art der Kommunikation immer noch sehr schätzen. Messenger und das Internet ersetzen halt immer noch nicht die aufwendige Geste, die hinter einer persönlich geschriebenen, analogen Nachricht steckt.

CRS: Nun muss man bei diesem „TaL“- Postkartenkalender die eingefleischten Fans darauf hinweisen, dass der Tod selbst NICHT in jeder Woche auftaucht.
Dein Kalkül? Oder hattest Du einfach weniger als 53 TaL-Cartoons zur Hand?


Weder noch.
„Tot, aber lustig“ ist als Webseite vor 15 Jahren online gegangen. Das war ein Projekt, welches mein allererstes Buch begleiten sollte, das sehr schwarzhumorig war und viele Cartoons rund um den Sensenmann beinhaltete. Von Anfang an habe ich das aber nicht auf den Sensenmann beschränkt. Ich habe Cartoons zu allen anderen Themen gezeigt, an denen ich mich abarbeite. Bis hin zu Cartoons, die ich für die Süddeutsche Zeitung oder andere Zeitungen und Magazine zeichne.
Zwischenzeitlich sind andere soziale Medien hinzugekommen, die Themenvielfalt blieb und Tot, aber lustig hat sich schlicht und ergreifend zu einer Marke entwickelt.
Insofern ist mein Kalender Jahr für Jahr ein "Best-of“ meiner Cartoons mit dem Schwerpunkt Sensenmann.
Einfach ich. Holtschulte.

CRS: Ach übrigens, zählen sich die Cartoonisten bei Lappan eigentlich vor, wieviel Titel sie schon veröffentlicht haben? Herrscht der kalte Wind des Haifischbeckens in den Cartoonisten-Aufenthaltsräumen des Verlages (also im Raucherbereich)?

Es gibt nicht die Cartoonisten oder Cartoonistinnen. Es gibt auch nicht die Aufenthaltsräume des Verlages. Einen Raucherbereich kenne ich auch nicht.
Noch weniger habe ich nur eine einzige Situation erlebt, in der man sich die Anzahl seiner Veröffentlichungen oder deren Verkaufszahlen aufgezählt hat.
Wir treffen uns bei gemeinsamen Ausstellungen oder Preisverleihungen. Niemand würde zugeben, dass er oder sie einen Preis mehr verdient hat als jemand, der oder die ihn letztendlich bekommt. Von daher mögen wir uns alle bis aufs Blut hassen, aber wie schäbig wäre es, einen öffentlichen Beef auszutragen?
Aber Spaß beiseite: Unser Umgang ist sehr harmonisch.
Mehr noch. Der Großteil meines persönlichen Freundeskreises ist im Cartoonbereich anzusiedeln. Ich habe über die Jahre schon mehrere Hochzeiten einer Person mitfeiern dürfen, Kinder heranwachsen sehen oder Haustiere sterben sehen müssen als auch mehrere Trennungen mitbekommen. Es gibt wichtigeres als die Anzahl von Veröffentlichungen. Und ein Haifischbecken gibt es bei so wenigen Haien ohnehin nicht.

CRS: Lieber Michael, jetzt wo 2019 schon alles rausgeballert wurde, die Star Wars Triple-Trilogie abgedreht und auch das nächste Jahr wieder gnadenlos über 50 Wochen hat …
W A S kommt als nächstes?


Im Februar kommt das erste Buch einer Comic-Romanreihe beim Loewe Verlag heraus. Das war im letzten Jahr zeichnerisch mein aufwendigstes Projekt mit über 200 Zeichnungen. Oliver Uschmann und Sylvia Witt haben die Reihe geschrieben und meine Aufgabe war es, möglichst viele Sätze und Inhalt durch Zeichnungen zu ersetzen. Spannend. Sowohl für mich, als auch für den Leser – eine tolle Geschichte.
Damit gehen Uschmann und ich auf Lesetour und parallel geht es an die nächsten Bände.
Dann ist jetzt gerade bei Lappan das Klassik–Musikbuch erschienen, was heißt, dass ich damit und mit allen anderen Bänden, über die oben die Rede ist, fleißig Signiertermine wahrnehme.
Ansonsten wird es in diesem Jahr sehr viele Live-Shows geben. Nicht nur mit meinem Kollegen Oli Hilbring, sondern auch solo. Es macht einfach sehr viel Spaß, die direkten Reaktionen auf die Cartoons zu bekommen, weshalb das im Laufe des Jahres zum Schwerpunkt wird.
Ansonsten ist der nächste Kalender in Arbeit und alles andere wird eine Überraschung, von der man dann hier exklusiv erfährt. 😊

CRS: Ok, jetzt hier noch schnell die nächsten Termine posten, bitte:

Nur das Wichtigste auf die Schnelle:

    31.01.2020, Eschwege, Ausstellungseröffnung „Amoklauf in der Waldorfschule“

    07.03.2020, Herten, Herten, Ausstellungseröffnung Cartoons im Pott mit Til Mette

    vom 13. Bis 15.03.2020 Leipzig, Buchmesse, Signiertermine

    14.03. 2020, Leipzig, Central Kabarett, „Zwei Stricher packen aus“

    25.3.2020, Düren, Comiciade (im Bistro), „Das Letzte kommt zum Schluss“

    4.4.2020, Hannover, Leibniz Theater, „Das Letzte kommt zum Schluss“


CRS: Danke Michael für das lange Gespräch. Hier würde ich jetzt deine Lieblings-Cartoons aus deinen 4 letzten Werken hinsetzen, verweise aber lieber auf deine Website. Bitte besuchen, liebe Interviewlesen! :-)
Herzliche Grüße aus München und hoffentlich bis bald in Erlangen!


Das Interview "führte" Markus Gruber ohne Einfluss von Drogen, aber mit einer quengelnden Tochter im Rücken, die etwas vorgelesen haben möchte. Nehme jetzt ein Holtschulte-Band her. Erster Tochter (7) Kommentar "Hey, ich glaube, das soll lustig sein!"



(c)opyright der Abbildungen mit freundlicher Genehmigung: Michael Holtschulte 2020
(c)opyright Fotos: Markus Mucha

 
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