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Spirou in Berlin & Flix in Hamburg :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
07.12.2019, 05:50 Uhr
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geschrieben von StefanS am Samstag, 25. August 2018 (824 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Statt Bretzelburg betritt Spirou nun die echte DDR


Spirou in Berlin
Übrigens: Flix präsentiert aktuell "Spirou in Berlin" in Persona in einer Premiere in Hamburg und Berlin. Danach tourt er durch die Republik und signiert
Die CRS-Chefred.


Ein historischer Moment – diese Beschreibung passt sowohl auf die Handlung dieses Spirou-Sonderbandes, der neben der regulären Serie, erscheint, denn in dem Comic geht es um die letzten Tage der DDR und somit um das Ende des Kalten Krieges. Vielmehr noch ist die Leistung bemerkenswert, die der deutsche Autor und Zeichner Felix Görmann alias Flix, dieser 1976 geborene Titan der Comicszene, erreicht hat: er darf als erster Deutscher die franko-belgische Klassiker-Comicreihe Spirou & Fantasio um ein eigenes Album bereichern. Im CRS-Interview hat der Meister bereits einiges zur Entstehung erzählt, im weiteren Interview gab Kolorist Marvin Clifford Auskunft zu seiner Arbeit an diesem Funny-Comic. Nun also auch noch die Rezension des Albums.

Sehr schick sieht der Hardcover-Band aus! Somit freilich auch etwas hochpreisiger als der typische Softcover-Asterix und die erste Auflage ist bereits ausverkauft, so groß war die Nachfrage. Und das obwohl Spirou bei weitem nicht die Medien-Hysterie auslöst, die Asterix oder die Superhelden auslösen oder Mangas wie Attack on Titan.

Auf den ersten Blick ist vieles sehr ähnlich wie in den gewohnten Abenteuern des Hotelpagen Spirou und seines besten Kumpels, dem Journalisten Fantasio, die Figuren werden vorgestellt, in Texten, die an die Originale angelehnt, aber eben doch erkennbar anders formuliert sind. Selbstverständlich fällt auch der abweichende Zeichenstil auf, der aber doch so sehr Spirou ist, das es beileibe nicht stört. Eine charmante Neuinterpretation, die das Vorbild feiert, aber sich selbstbewusst Neues traut.

Spirou in Berlin

Die Handlung ist schnell erzählt. Graf von Rummelsdorf verschlägt es in die DDR des Jahres 1989. Dort wollte er an einem Kongress teilnehmen, nun aber ist der Kontakt abgerissen und seine Freunde Spirou und Fantasio suchen ihn. Dabei geraten sie in politische Intrigen einer Gruppe Politbonzen, die mit Raffinesse oder notfalls auch ganz plump mit Gewalt, die DDR am Leben erhalten wollen, obwohl diese bereits pleite und auch moralisch längst am Ende ist, ein System, das so unattraktiv ist, dass es das eigene Volk einsperrt und Flüchtlinge kurzerhand erschießt.

Oh, das klang jetzt aber sehr ernst und politisch. Genau! Das ist auch einer der Gründe, warum sich dieser Comic nicht so flüssig liest und nicht so spielerisch-leicht ist wie bisherige Spirou-Abenteuer. Man hat eben als Leser selbst den Unrechtsstaat DDR miterlebt, wenn auch eventuell nur aus Sicht des Westdeutschen. Der real existierende Sozialismus (im Comic ist vom Kommunismus die Rede) war vermutlich gut gemeint, in der Realität aber nicht so lustig wie ihn etwa Franquin in „QRN ruft Bretzelburg“ darstellte. Auch fehlt es diesem Comic an dem wundervoll geschmeidig fließendem Zeichenstil der Vorbilder. Statt Leichtigkeit und Figuren, die so großartig und lustig sind als wäre man in einem weiteren Kinofilm der Reihe „Ich - einfach unverbesserlich“ stolpert man hier über, (zu) viele Anspielungen. Abrafaxe und Co. Warum muss es die Anspielung auf Mawils „Kinderland“ gleich zwei Mal geben? Dadurch fehlt es etwas an Flow und Geschmeidigkeit, wirkt zu verkopft. Kombiniert mit dem beklemmenden Thema Diktatur DDR zieht einen das schon etwas runter.

Spirou in Berlin

Davon angesehen beeindrucken die sehr detaillierten, wunderschönen Zeichnungen. Die zahlreichen Gags funktionieren wunderbar. Die weibliche Figur, eine Widerstandskämpferin, ist eine Frau zum Verlieben. Wie von Flix gewohnt werden wieder alle Figuren ganz sorgfältig und liebevoll behandelt. Mit den idealistischen, friedliebenden Eltern der jungen Dame wird dann sehr wohl auch gezeigt, was an der DDR positiv war, schließlich endete dieser Staat mit vergreisten Politbonzen, begonnen aber wurde er durchaus von Menschen, die eine positive Antwort auf die Ungerechtigkeiten des ungehemmten Kapitalismus und der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten suchten (und diese paradoxerweise mit der Schreckensherrschaft eines Stalins ersetzten)

Spirou in Berlin

Politik beiseite: Flix beweist erneut, dass er Unterhaltungscomics mit Niveau beherrscht. Es gibt das Klischee, das man entweder Asterix oder Spirou mag, der Rezensent empfindet nicht so. Dieser Comic ist bemerkenswerter als die jüngsten Asterix-Alben und verdient die Aufmerksamkeit, die sonst immer die Gallier genießen. Aber Butter bei die Fische, so gut wie die Comics von Franquin ist dieser Band noch nicht. Einen Max-und-Moritz-Preis 2019 hingegen würde mich nicht wundern, denn mit diesem Comic hat Flix nochmal seinen Status als einer der wichtigsten und besten Comickünstler Deutschlands bestätigt. Dieser Comic ist die bestmögliche deutsche Comicförderung.

Spirou in Berlin

Wertung: 80 %
Spirou in Berlin
Genre: Frankobelgisch / Funny
Text & Zeichnungen: Flix
64 Seiten, Hardcover, farbig
2018 Carlsen, 16 Euro


Spirou in Berlin

(c)opyright der Abbildungen mit freundlicher Genehmigung: Carlsen Verlag 2018
 
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