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geschrieben von StefanS am
Mittwoch, 27. Juli 2016
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Die Episode Kurt und Courtney mit Kunstkitsch vermischt
Noch ein Werk über Kurt Cobain. Nach der Lektüre allerlei sehr empfehlenswerten Biographien der Herren Azerrad, Cross und True, nach Hören von Cobains Songs, Betrachten seiner Bilder und weiteren Kunstwerke ist bereits alles Wesentliche gesagt worden. Da kommt plötzlich „Der Roman von Boddah“ daher, der anders als der Comic „Godspeed“ den Fokus vor allem auf die Beziehung Kurt und Courtney legt und einen von Drogen und eigenartigen Vorstellungen sonderbaren Künstler zeigt, der immer mehr entschwindet.
Boddah war Cobains Phantasiefreund aus Kindheitstagen. Ihn spricht der Grungemusiker auch in seinem Abschiedsbrief an, welcher sich im Original und in deutscher Übersetzung am Ende des Comics findet. Klingt originell, einfühlsam und etwas verschroben? Nun, die Leiche und den zerschossenen Kopf hätte der Franzose Otero gerne weglassen dürfen.
Zeichnerisch ist der Comic deutlich näher an der unperfekten Do-it-yourself-Einstellung, die auch die Musik von Nirvana auszeichnet. Das war ja einer der Gründe, warum „Godspeed“ nicht wenigen Lesern so wenig gefällt. Oberflächlich sind beide Werke und neues beizutragen haben sie beide nicht.
Was war Cobain wichtig? Was wollte er vom Leben? Wie erreichten Nirvana ihre Erfolge? Dieser Comic vermittelt auf nichts davon eine brauchbare Antwort. Stattdessen werden die altbekannten Anekdoten und oft gesehenen Bilder abgespult: Hochzeit auf Hawaii, Flucht über die Mauer der Exodus-Entzugsklinik (obwohl das Tor weit offen stand), die Überdosen, das Dahinsiechen. Es ist ein wenig so wie bei „Christiane F. - Wir Kinder Hmm Bahnhof Zoo“, liest man das Buch begreift man es als Abschreckung vor dem destruktiven und extrem monotonen Leben eines Junkies. Sieht man hingegen den Film dann wirkt es eher wie Werbung für eine Flucht in harte Drogen. Letzteres ist der Eindruck, den dieser Comic vermittelt, falls er denn überhaupt ein klares Konzept hatte. Es wird von Episode zu Episode gesprungen, Kurt und Courtney bleiben weit entfernt.
Bilder von Kurt als Jesus beim letzten Abendmahl oder ein trauriger Kurt im Frauenkleid wirken unendlich pathetisch und kitschig. Und wozu das alles? Was will uns der Autor mit diesem Comic sagen? Natürlich muss eine Geschichte über Kurt Cobain nicht das leisten was eine Biographie bietet, aber dann wäre zumindest hilfreich zu vermitteln, was dieser Comic will, er berührt nicht, er verwirrt eher und wozu diese Boddah-Figur?
Wertung: 58 %
Der Roman von Boddah – Wie ich Kurt Cobain getötet habe
Genre: Biographisches / Musik / Fiktion
Text & Zeichnungen: Nicolas Otero
Übersetzung aus dem Französischen: Swantje Baumgart
152 Seiten, Hardcover, s/w
2016 Splitter, 24,80 Euro
Am Besten kauft man sich den Comic beim Comichändler seines Vertrauens
...jedoch...
Der Roman von Boddah kann man auch hier kaufen
Leseprobe
(C)opyright der Abbildungen mit freundlicher Genehmigung: Splitter Verlag 2016
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