Horst Evers zu "Alles außer irdisch" :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
12.12.2018, 23:55 Uhr
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geschrieben von StefanS am Mittwoch, 17. Februar 2016 (1419 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

“Häufig aber werde ich durch andere Medien zum Comic getrieben“



Horst eversComics sind nicht automatisch komisch und Bestseller-Autor Horst Evers schreibt Kurzgeschichten und Romane und keine Comics, bislang zumindest. Das hat uns nicht abgehalten den Wahlberliner zu seinem neuen Roman zu befragen, zu Comics, zu Science Fiction und Humor und dem ganzen Rest.



Von Stefan Svik



ComicRadioShow: Lieber Horst Evers, am Ende von Alles außer irdisch verrätst du, wie du auf die Idee zu dem Buch kamst. Man müsste Zeitreisen beherrschen, um die verbummelten Momente im Leben, etwa die aus der Studienzeit, aufholen zu können.

Das Buch enthält einige ernste und besorgte Passagen über den Zustand der Welt, z. B. über die Finanzkrise, den Raubbau an der Natur und den Umgang mit Fremden. Wird Horst Evers jetzt melancholischer und politischer?


Horst Evers: Meines Erachtens spielt Science Fiction letztenendes praktisch immer auf der Erde und ist eine Analyse der Gegenwart. Sozusagen ein Hochrechnen der Zukunft. Für einen politischen Unterhaltungsroman oder auch eine Gesellschaftssatire somit ein ideales Genre. Ich selbst war und bin schon immer ein politischer und melancholischer Mensch. Allerdings interessieren mich stets nur die Strukturen. Aktuelle Politik, Parteienpolitik mit dem Abarbeiten an einzelnen Politikern gar, ist letztlich Volkstheater. Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich halte Volkstheater für eine oft unterschätzte, hochwertige Form der Unterhaltung und des gesellschaftlichen Diskurses. Ein Roman allerdings sollte in seinen Analysen und Thesen tiefer schürfen. Und wenn man sich mit den strukturellen gesellschaftlichen, wie politischen Entwicklungen beschäftigt, kommt die Melancholie ja ganz von alleine.

Horst evers

Protagonist Goiko Schulz ist ein typischer Evers-Held und das Buch hat die typischen Evers-Themen (Berlin, Berliner Flughafen und den Kampf mit technischen Geräten) plus den gewohnten Evers-Sound (aber sowas von) – gibt es beim Schreiben der Romane Unterschiede zu deinen Kurzgeschichten?

Selbstverständlich gibt es viel mehr Raum für größere Bögen. Den muss man dann allerdings auch füllen. Meine beiden bisherigen Romane habe ich auf mehreren Ebenen erzählt. Es gibt die vordergründige Geschichte (den Spannungskrimi, bzw. die abgefahrene und lustige Zukunftsgeschichte), die Metaebene (die Machtstrukturen in Großstädten unter starker ironischer Brechung, bzw. die ewigen Fragen der Menschheit analysiert von "Außenstehenden") und die Ebene einer noch viel größeren, gewaltigen Geschichte, die hinter dieser erzählten Geschichte lauert. Das der Sound allerdings die spielerische Leichtigkeit der kurzen Geschichten hat, ist natürlich volle Absicht.

Goiko Schulz ist Dauerstudent, kann sich nicht recht entscheiden und hat weder ein klares Ziel noch übermäßig viel Selbstwertgefühl. So sind die Figuren in deinen Texten meist. Der Autor Evers hingegen ist sehr fleißig, schreibt Text um Text und geht auf Lesereise. Wäre es schwieriger eine ehrgeizige und clevere Hauptfigur lustig zu gestalten?

Geschichten von Gewinnern finde ich uninteressant. Zumindest für mich. Solche Geschichte werden nun wahrlich schon reichlich von anderen erzählt. Das wäre mir zu konventionell. Der Held, der am schnellsten denkt, am besten schießt, quasi unbesiegbar im Kampf und unwiderstehlich in der Liebe ist, ist eine Märchenfigur. Das bin nicht ich und ich kenne auch niemanden, der so ist. Höchstens vielleicht ein paar, die sich manchmal vorstellen, sie könnten so sein. Aber auch die täuschen sich. Ich glaube allerdings aufrichtig, dass jeder Mensch die Veranlagung zum Helden in sich trägt und diese auch gerne ausleben würde, wenn sich nur mal die Gelegenheit ergäbe. Goiko gerät ohne jeden eigenen Antrieb oder Ehrgeiz in diese Situation und schlägt sich dann zwar nicht überragend, aber doch sehr viel wackerer, als er je erwartet hätte. Zudem entdeckt er sogar seine Spezialfähigkeit, nämlich Pläne entwickeln zu können, die so abstrus und idiotisch sind, dass sie die überragenden Logiker auf der Gegenseite trotz all ihrer hochüberlegenen Intelligenz nicht vorhersehen können. Er ist eben ein echter realistischer Durchschnittsheld wie du und ich. Ausgewählt nicht durch geheimnisvolle edle Geburt oder Jahrhunderte alte Prophezeiung, sondern durch Zufall. Das mag ich.

Friedrich Nietzsche spielt eine nicht unwesentliche Rolle im Buch. Eines seiner berühmten Zitate lautet: „Der Mensch soll der Erde treu bleiben“. Und daran hält sich auch das Buch: was mit einem abstürzenden Raumschiff beginnt führt dann doch kaum besonders weit weg von unserem Planeten. Warum ist das so, hat Goiko Schulz zu viel Angst vor neuen Dingen, dass er lieber bei Kaffeevollautomaten und Berliner Verkehrsmitteln verharrt?

Zunächst einmal hole ich die Zukunft und die unendlichen Weiten des Universums, sowie außerirdisches Leben auf die Erde, um es vorzustellen. Die Geschichte dahinter ist allerdings noch sehr viel größer. Man kann dieses Buch auch als Frage verstehen. Hat jemand Lust mit mir auf diese Reise zu gehen, vorbei an vielen ungewöhnlichen und abgefahrenen Planeten und Gesellschaften, damit gleichzeitig quer durch die Geschichte der Philosophie bis hin zu dem ungeheuerlichen Archiv- und Verwaltungsplaneten auf dem sich auch der intergalaktische Verbrauchergerichtshof befindet. Dies alles zu schreiben macht jedoch wirklich sehr, sehr viel Arbeit. Die beginne ich erst, wenn ich auch das Gefühl habe, dass sich jemand dafür interessiert oder zumindest daran Spaß hat.

Neben Star Trek wird spät im Buch auch das große Vorbild für humorvolle Science-Fiction erwähnt: Per Anhalter durch die Galaxis. Was bedeutet dir dieses Buch und ist es zugleich Inspiration als auch einschüchternd, weil es so souverän den Mix aus Witz und Tiefgang schafft?

Ich bin Douglas Adams sehr dankbar. Ich war seinerzeit begeistert von den Anhalter-Büchern. Sie haben mir gezeigt, dass man alles erzählen kann, solange es nur logisch und wahrhaftig ist. Ich habe mich lange gefragt, ob es überhaupt möglich oder notwendig ist, ein weiteres Werk dieser Art zu verfassen. Erst als ganz eindeutig war, dass ich eine wirklich eigene, ganz andere Geschichte erzähle, habe ich daher mit der konkreten Arbeit begonnen.

Douglas Adams schrieb später Die letzten ihrer Art. Ist das auch etwas, was dich reizen würde: neben den lustigen Texten mal ein Sachbuch schreiben?

Eigentlich schon. Allerdings würde ich, so wie Douglas Adams, dann auch ein Thema wählen, in dem ich hohe Kompetenz vorzuweisen hätte und es wirklich nicht wie ein Laberbuch, sondern eher wie ein Standardwerk anlegen. Das Erzählen auf Bühnen könnte so ein Thema sein.


Horst evers


Mit dem Safeknacker Otto Stark aus Der König von Berlin wird im neuen Buch kurz auf einen anderen deiner Romane verwiesen – kommt nach dem vernetzten Marvel-Universum nun das große Evers-Event mit Crossover von Goiko Schulz, Otto Stark und Herrn Prötzner?

An solchen Querbezügen hatte ich schon immer Spaß. Zudem gebe ich zu, dass eine Motivation für das Buch auch der Wunsch war, einmal ein komplettes eigenes Universum entwerfen zu können. Das bezieht sich aber nur auf das "Alles außer irdisch"-Universum.

Liest du Comics und verfolgst du die deutschsprachigen Comics? Welches sind aktuell deine liebsten drei Comics?

Tatsächlich lese ich vergleichsweise wenig Comics. Eher noch die Graphic Novels von Taniguchi oder Tatsumi. Auch der Wälzer Blankets vor zwei Jahren hat mir gefallen. Sehr erfolgreiche Bände wie Blast landen auch in meiner Bibliothek. Häufig aber werde ich durch andere Medien zum Comic getrieben, wie beispielsweise als Joss Whedon seine Fernsehserie "Angel" (ein Spin-Off von Buffy) nur als Comic fortführen konnte. Zuletzt habe ich der Tochter, die großer The Walking Dead-Fan ist, den ersten der Comicsammelbände zu Weihnachten geschenkt. Klar, dass ich mir das dann auch wieder zum selber lesen stibitze. Was deutsche Comics angeht, bin ich leider ein völliger Banause. Als Berliner verehre ich jedoch unter anderem Tom, Fil und Ol. Aber ich weiß nicht, ob die hier gelten.

Hättest du Lust mal einen Comic zu schreiben oder würde das nicht zu deiner Art passen, wie du Geschichten erzählst?

Ja und nein. Einerseits finde ich es schön,wenn jeder Leser oder Hörer seine eigenen Bilder bei meinen Geschichten entwickelt. Andrerseits reizt mich natürlich immer das Experiment mit anderen Erzählformen. Ich hätte dann aber zunächst noch einiges zu lernen und müsste auch einen Zeichner finden, mit dem ich eng zusammenarbeiten kann.

Den Autor nicht automatisch mit seinen Figuren gleichsetzen und lustig-leicht wirkende Geschichten nicht mit leicht zu schreibenden Texten verwechseln – kann man gebetsmühlenartig wiederholen, wird sich aber vermutlich in vielen Köpfen halten. Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Horst Evers aus? Liest du Passagen erst Freunden oder Familie vor bevor du sie für lustig genug erachtest?

Nein, alles wird direkt auf der Bühne ausprobiert. Bei einem Roman wäre es noch viel schwieriger, andere Meinungen einzuholen. Man verbraucht dann zu viel Zeit und Kraft für Erklärungen.

Hast du schon den neuen Star Wars-Film gesehen und denkst du bei solchen Filme automatisch: Was könnte ich hieraus an Gags ziehen oder gelingt es dir gut nach der Arbeit abzuschalten?

Ich denke bei jedem Buch, jedem Film, jeder Serie, schlicht bei allem immer automatisch: Wie machen die das gerade? Wie würde ich das machen? Was wäre mit der Geschichte noch möglich? Das lässt sich für mich nie abschalten. Will ich aber auch gar nicht. Das gehört für mich zum Genuss und zur Entspannung dazu. Den neuen Star Wars-Film habe ich tatsächlich noch nicht gesehen. Das liegt daran, dass ich ihn mit bestimmten Leuten sehen möchte und wir bislang einfach terminlich noch nicht zusammengekommen sind.

Die Science-Fiction ist sehr viel vielfältiger, wahrgenommen werden im Mainstream aber vor allem Star Wars und Star Trek. Das viel zitierte Beamen bei Raumschiff Enterprise war ein cleverer Kniff, um nicht bei jeder Landung auf einem Planeten eine Landefähre zeigen zu müssen und um dadurch das Timing der Story zu verbessern. Ist dein neues Transportmittel mit den Schlangenwesen so ein Kniff und ist auch Nietzsche so ein Hilfsmittel, um schnell voran zu kommen?

Hätte ich einen Kniff gewollt, hätte ich den Transport sehr viel einfacher gestalten können. Nein, ich wollte natürlich ein Transportmittel, das bislang noch kein anderer erfunden hat, was es noch nirgends gibt, einführen. Wenn ich einen Roman schreibe, ist mein wesentliches Bestreben, eine Geschichte zu erzählen, die so sonst niemand erzählt. Ich verlange tatsächlich von meinen Büchern, das sie außergewöhnlich sind. Sonst würde es ja das viele Herzblut nicht lohnen. Auch die Nietzsche- Rolle hätte ich einfacher haben können. Es hätte irgendein Mensch sein können, der mit diesen Möglichkeiten eine neue Welt erschafft. Aber mich hat auch die philosophische Fragestellung gereizt: Was wäre geschehen, wenn Nietzsche unbegrenzte Möglichkeiten gehabt hätte? Außerdem war es reizvoll die Rätsel der tatsächlichen Biographie Nietzsches mit Hilfe meines Romans logisch zu erklären.

Bei Star Trek bekommen Aliens oft nur eine falsche Stirn angepappt und sind dann eben Klingonen oder Romulaner. Bei dir gibt es Formwandler, die wahlweise lange Fäden oder Playmobilfiguren sind – das wird knifflig bei einer Verfilmung oder ist das kein Wunsch von dir, das deine Bücher verfilmt werden? Oder war genau dieser Wunsch Grund dafür Shakira in die Geschichte einzubauen? :-)

Die heutige Tricktechnik wird mit dieser Herausforderung klarkommen. Aber auch hier gilt natürlich, ich wollte keine konventionellen Außerirdischen, wie man sie seit Jahrzehnten kennt. Meine Außerirdischen sollten neu und echte Originale sein. Oft wird man ja gefragt, welche Rolle man im Falle einer Verfilmung gerne selbst spielen würde. Ich hätte großen Spaß daran, in diesem Falle Shakira zu spielen :-)

Was bedeutet dir Science Fiction?

Viel. Die eigene Zukunft hochzurechnen, sich in eine wirklich unendliche Welt zu fliehen, grenzenlose Träume logisch zu untermauern und durchzudenken… Das alles habe ich schon immer geliebt. Einmal ein wirklich eigenes Universum zu haben war stets ein Traum von mir. Insgesamt habe ich die Zukunft und damit auch die Science Fiction und alles Außerirdische und Unbekannte immer sehr viel mehr als Möglichkeit und damit als Gewinn, denn als Gefahr gesehen.

Per Anhalter durch die Galaxis ist erkennbar britisch, Star Trek erkennbar US-amerikanisch, Raumpatrouille Orion oder Perry Rhodan haben etwas deutsches an sich. Mit Raketenwissenschaftler Wernher von Braun und dem Film Metropolis würden ja noch so einige Optionen für Weltraumgeschichten mit deutscher Note offen sein – oder lässt sich daraus nur schwer etwas Lustiges schreiben?

Humor hat in Deutschland nach wie vor einen schweren Stand. Science Fiction auch. Beides zusammen existiert praktisch gar nicht. Dieser Umstand war für mich Teil der Herausforderung. Im englischsprachigen Raum hätte es das Buch vermutlich leichter. Aber derlei Überlegungen sind auch wieder müßig. Ich kann nur die Geschichten erzählen, die ich auch wirklich erzählen möchte. Und auch nur dort, wo ich mit den Rahmenbedingungen vertraut bin. Sonst würde ich das nicht gelöst bekommen.

Gehst du mit Alles außer irdisch auf Lesereise?

Da gibt es nur sehr wenige Termine. Es gibt allerdings sehr viele Auftritte mit meinem aktuellen Geschichtenprogramm "Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex". Auch wieder so ein Philosophie-Bezug. Da kann man mich hinterher beim Signieren aber natürlich auch alles zu und um die Romane fragen.

Woran arbeitest du als nächstes, wird es eine Fortsetzung von Alles außer irdisch geben?

Anfang 2017 erscheint wieder ein Band mit den kurzen Geschichten die ich von 2014 bis 2016 geschrieben habe. Ich hätte sehr große Lust eine Fortsetzung von "Alles außer irdisch" zu schreiben. Ich mache das allerdings, wie gesagt, nur, wenn ich das Gefühl habe, dass sich auch jemand dafür interessiert. Sonst wäre es mir dann doch zu viel Arbeit.

Vielen Dank für das Interview.

Horst Evers
Alles außer irdisch
ISBN 978-3871348150
368 Seiten, Hardcover
Rowohlt Berlin 2016
19,95 Euro

Erhältlich als Buch, Hörbuch und E-Book

Leseprobe: http://www.rowohlt.de/hardcover/horst-evers-alles-ausser-irdisch.html



Foto: © Frank Zauritz

Cover: Rowohlt Berlin 2016
 
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