Asterix Band 36: Der Papyrus des Cäsar :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
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geschrieben von StefanS am Sonntag, 10. Januar 2016 (1581 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Der meistbeachtete massentaugliche Comic 2015


4Asterix existiert in einer Parallelwelt. In dieser Welt verkauft ein einzelner Comic nach wie vor und ganz selbstverständlich Millionen Einheiten, erscheint weltweit und ja, es interessiert sogar ganz viele Leute, die ansonsten, etwa beim Start neuer Comicverfilmungen so putzige Sachen sagen wie: „Ach! Superman, den gab's doch auch noch!“. Was dem Ami seine Superhelden sind uns Europäern Asterix, Lucky Luke und Franquin. Je suis gespannt, wie lange uns die listigen Gallier noch begeistern werden.

„Flüchtlinge“ ist das Wort des Jahres 2015. Und Flüchtlinge waren ein Thema in Asterix Band 35, als ein Pikte am gallischen Strand landete und skeptisch von den Einheimischen beäugt wurde.

Band 36 folgt der Tradition der Serie und widmet sich nach dem Reiseabenteuer wieder einer Geschichte, die vor allem im Dorf von Miraculix und Co spielt. Zeichnerisch wirkt alles runder als im vorherigen Band, in dem das neue Team, bestehend aus Autor Ferri und Zeichner Conrad sowie, dem vom Nachfolger Uderzos zum Koloristen degradierten, Mébarki. Letzterer verlor den Posten als Chefzeichner, weil er zwar gute Bilder zeichnen, aber Schwierigkeiten mit Bildsequenzen hatte. Diese Disziplin beherrschen Conrad und Ferri, denn der Erzähl- und Bilderfluss funktioniert tadellos.

Die Handlung ist ebenso aktuell und relevant wie in Asterix bei den Pikten, allerdings ist das neue Album wesentlich erwachsener, die Anspielungen auf die Tagespolitik sind treffender und lustiger. Den Hang zum super-knuddelig-niedlichen lebt Conrad nach seinem Engagement als Zeichner des Marsupilamis und nach dem goldigen Nessi in Asterix 35 nun mit süßen Einhörnern aus.

Asterix: Der Papyrus des Cäsar handelt von einem „Buch“ oder zumindest dessen Vorläufer einer Papyrusrolle, das von der ganzen Welt beachtet wird und somit eine Steilverlage bietet, um über den Comic Asterix 36 nachzudenken, der in unserer Welt so viel Aufmerksamkeit erhält – diese Schlussszene ist eine der herzerwärmensten, die es vielleicht je in einem Asterix-Album gab und nach Jahren der Häme ist sie die verdiente Anerkennung für Albert Uderzo und natürlich auch für René Goscinny.

Asterix 36 - Der Papyrus des Cäsar

Von dieser Selbstreflexion abgesehen ist der neue Asterix eine Geschichte, in der ein historisches Ereignis, nämlich Julius Cäsars Aufzeichnungen über den Gallischen Krieg mit einem Ereignis unserer Zeit verknüpft wird, als da wäre der Umgang mit Daten mittels moderner Kommunikationsmittel.

Um seinen Ruf nicht anzukratzen wird Cäsar empfohlen seine Erfolglosigkeit bei der Besetzung des gallischen Dorfes aus seinem Papyrus zu streichen – obwohl es nicht weiter ausgeführt wird, kommt hier George W. Bushs vorzeitiges „Mission Accomplished“ in den Sinn und dessen Vorliebe die Fakten zurechtzubiegen. In zehn oder mehr Jahren werden neue Leser andere Bezüge herstellen, nichts ist schließlich so beständig wie Politiker, die tricksen, das wurde uns bereits seit Machiavelli und immer wieder von klugen Köpfen wie Peter Scholl-Latour und Helmut Schmidt ins Gedächtnis gerufen.

Die Welterklärer und Vaterfiguren verlassen uns allmählich, dabei sind die Zeiten so verwirrend, dass wir zunehmend nach Halt und Orientierung suchen. Mit Edward Snowden und Julian Assange sind zwei stark polarisierende Personen ins Rampenlicht gerückt worden und so wurde Assange zum Vorbild für den Aktivisten Polemix im neuen Asterix. Dabei gäbe es mit dem Juristen Max Schrems (legte offen welche Unmengen Daten Facebook und Co über ihre Nutzer archivieren) oder Schriftsteller Dave Eggers (Der Circle) mindestens so interessante Menschen zum Thema. Aber für den begrenzten Platz von 48 Seiten ist der Comic ohnehin schon randvoll mit einem gelungen Mix aus klugen Beobachtungen, tatsächlich wieder lustigen Gags und Action. Somit bietet Asterix 36 sehr viel gehaltvolle, einerseits am Puls der Zeit, aber anderseits auch zeitlose Satire, die bestens unterhält. Dennoch bleibt es sehr brav, was sicherlich der Tatsache geschuldet ist, dass dieser Comic massenkompatibel bleiben soll, schließlich bleibt er eine der größten Cash Cows der Comicwelt. Wer frische, freche und innovative französische Comics, ohne die schwere Last auf dem Buckel, das Erbe zweier Comic-Titanen stemmen zu müssen, lesen möchte, der greife zu „Die alten Knacker“ aus dem Splitter Verlag.

Asterix 36 - Der Papyrus des Cäsar

Noch ein kurzer Kommentar, der nicht als „früher war alles besser“-Gemecker verstanden werden soll: die neue Schrifttype und die Tatsache, dass nun alles in Großbuchstaben geschrieben wird gefällt mir überhaupt nicht. Und gerne dürfte es auch wieder mehr Aussprüche in Latein geben, das gab den alten Alben immer etwas Charmantes. Ohnehin wurden früher sehr schöne Seitenhiebe in diese Fußnoten gepackt, etwa in „Der Arvernerschild“.

Etwas Geschichte gelernt, etwas politisches Kabarett erlebt, welches frischer war als manche Satiresendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und die nostalgisch und kindliche Freude, sich daran zu erfreuen wie unbeschwert Obelix seine Freude am Leben auslebt. Ein Frankreich, das solche Comics hervorbringt, lebe hoch!

Wertung: 83 %

Asterix Band 36: Der Papyrus des Cäsar
Genre: Funny
Text: Jean-Yves Ferri
Zeichnungen: Didier Conrad
Farben: Thierry Mébarki
Übersetzung: Klaus Jöken
48 Seiten, Softcover, farbig
2015 Egmont Comic Collection, 6,50 Euro

Am Besten kauft man den neuen Asterix direkt beim netten Comichändler aus seiner Nachbarschaft
...jedoch...
Asterix 36 kann man auch hier kaufen

Auch erhältlich als:

Hardcover, 12 Euro
Luxusedition, limitiert auf 999 Exemplare, 49,99 Euro
Art Book, limitiert auf 499 Exemplare, 199,0 Euro


Leseprobe




(c) der Abbildungen mit freundlicher Genehmigung Egmont Ehapa 2015, ©2015 Les Éditions Albert René
 
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