MALCOLM MAX - Interview mit Ingo Römling und Peter Mennigen :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
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geschrieben von M.Hüster am Donnerstag, 15. August 2013 (1980 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Peter Mennigen: Was den Schreibstil betrifft, verfasse ich Malcolm Max in der schnörkelhaften Art der „Italian Gothic“-Schauerromane


MALCOLM MAX InterviewUnter Nicht-Comiclesern besitzt MALCOLM MAX schon jetzt eine große Fangemeinde, denn der charismatische Dämonenjäger erblickte bereits 2008 in der gleichnamigen Hörspielserie das Licht der Welt. Nach einigen Episoden folgt nun der intermediale Flirt mit dem Comic. Angesiedelt im viktorianischen England an der Schwelle zum 20. Jahrhundert präsentiert das Künstlergespann Ingo Römling und Peter Mennigen den Auftakt der Steampunk-Mystery-Serie als symbiotischen Entwurf, der mindestens zwei Genretraditionen vereint: die Selbstironie der BUFFY-Erzählungen und den Manierismus der Schauerromane des 19. Jahrhunderts.
Das komplette Interview von Michael Hüster mit Peter Mennigen und Ingo Römling erschien in ZACK 169 (Juli 2013).

Peter, zunächst hast du Malcolm Max als Hörspielreihe konzipiert. Erzähl mal.

PETER: Der Tigerpress Verlag suchte Ende 2007, Anfang 2008 ein Hörspiel-Thema für eine Heft-Beilage. Geplant war eine Neuauflage der „Gespenster Geschichten“ aus dem Bastei Verlag. Da die meisten dieser „Gespenster Geschichten“ von mir stammten, beauftragte der Verleger mich mit einem Hörspiel-Konzept. Inhaltlich schwebte ihm etwas in der Art der „Gespenster Geschichten“ vor: nicht sehr komplexe und relativ vorhersehbare Geschichten. Ich hatte dagegen etwas Zeitgemäßeres im Sinn. Eine Story mit einer Mischung aus Action, Gruselelementen und Humor. Mit einem Helden, der sich selbst nicht zu ernst nimmt. Der neben Mut und Intelligenz auch gewisse menschliche Defizite offenbart. Außerdem fand ich es interessant, einem Vampirjäger eine Halbvampirin als Begleiterin zur Seite zu stellen. Das erste Malcolm Max Hörspiel kam dann so gut an, dass Tigerpress gleich eine zweite Folge bei mir orderte.
In der „Geister-Schocker“-Reihe gibt es bisher vier Malcolm Max-Abenteuer. Inhaltlich schließen sie dort an, wo die beiden Tigerpress-Folgen aufhörten. Bei den „Geister-Schocker“-Publikationen handelt es sich bisher immer um Doppel-CDs. Den ersten beiden Folgen liegen die Neuauflagen der Tigerpress-Hörspiele bei. Danach habe ich für jedes Hörspiel ein Malcolm Max - Hörbuch als Beilage verfasst.

MALCOLM MAX Interview

Worum geht es im ersten Abenteuer?

PETER: Das Album „Body Snatchers“ dreht sich um einen mysteriösen Leichenhandel im viktorianischen London. Außerdem geht es um einen Serienmörder, der ein Jahr zuvor geköpft wurde und plötzlich wieder mordet. Und dann wäre da noch ein abstoßender Halunke, dem es auf rätselhafte Art gelingt, die schönsten Frauen gegen ihren Willen gefügig zu machen. Das alles hängt miteinander zusammen, wie Malcolm Max während seiner Ermittlungen feststellen wird. Wobei er selbst von Scotland Yard verdächtigt wird, ein skrupelloser Mörder zu sein.


Wie würdet ihr Malcolm Max stilistisch einordnen?

INGO: Zeichnerisch fahre ich mittlerweile einen semi-realistischen Stil. Da bin ich stark von den Disney-Zeichnern beeinflusst, auch wenn das Endergebnis nicht wirklich nach Disney aussieht. Vielleicht habe ich da meine eigene Art, das in meine Arbeit einfließen zu lassen. Ich habe von Disney eine Menge gelernt und immer einen Stil gesucht, der es mir ermöglicht, einen Comic-Charakter die ganze Facette von "ernst" bis "komisch" durchzuspielen. Was ich will, ist eine möglichst große Bandbreite im zeichnerischen Ausdruck - große Gefühle, Pathos, optische Knalleffekte, aber auch die leisen Töne. Und auch mal unbeschwert ablachen.

PETER: In den Hörspielen ist Malcolm Max bisher eine Mystery-Serie. Im Comic finden sich dagegen auch eine Reihe Steampunk-Elemente, weshalb man das Album als Steampunk-Mystery bezeichnen könnte. Was den Schreibstil betrifft, verfasse ich Malcolm Max in der schnörkelhaften Art der „Italian Gothic“-Schauerromane. Ich denke, das gibt den Geschichten ein besonderes Flair.


Der Splitter-Verlag bewirbt „Malcolm Max“ als Steampunk-Serie. Welche zeitlichen und stilistischen Steampunk-Elemente werden von euch in "Malcolm Max“ aufgegriffen?

INGO: "Malcolm Max" spielt in der Epoche der industriellen Revolution, also Ende des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit der Erfindungen und Entdeckungen spielen sich die meisten Geschichten ab, die dem Steampunk-Genre zuzuordnen sind - oder sie greifen eben die visuellen Elemente dieser Zeit auf. In "Malcolm Max" mischen sich die Horror-, Fantasy- und Sci-Fi-Elemente, wie man es eben auch aus dem Steampunk kennt: Es gibt zum Beispiel in diesem ersten Band Leichendiebe, finstere Wissenschaftler, Geheimlogen, Maschinenmenschen... und auch eine Halb-Vampirin, die aber auf der Seite der Guten kämpft.

PETER: Wie ich oben bereits erwähnte, ist Malcolm Max ursprünglich als reine Mystery-Serie konzipiert gewesen, die in der viktorianischen Zeit spielt. Nun definiert sich „Steampunk“ literarisch als Genre, das in der Periode angesiedelt ist, die der Uhrmacher James Watt mit der Erfindung der Dampfmaschine eingeläutet hat. Allerdings spielen bei „Steampunk“ auch utopische Elemente eine wichtige Rolle. Dies ist bei den ersten beiden Comicalben von Malcolm Max der Fall. Deshalb kann man diese Geschichten wohl guten Gewissens diesem Genre zurechnen. Allerdings mache ich mir beim Schreiben keinen Kopf, ob das Ergebnis stilistisch in die Steampunk-, Mystery- oder in was für eine genrespezifische Schublade auch immer gesteckt werden kann. Ich will eine möglichst originelle und unterhaltsame Geschichte schreiben.

MALCOLM MAX Interview

Bekommt Ingo von dir das gesamte Skript für ein Album „am Stück“, oder lieferst du eher in Abschnitten von einigen Seiten?

PETER: Für mich ist es eine Frage des Respekts dem Zeichner gegenüber, dass ihm das komplette Skript vorliegt, bevor er den ersten Strich der Geschichte zeichnet. Es gibt eine ganze Reihe Autoren, die einem Zeichner das Skript häppchenweise schicken. Im Gegensatz dazu möchte ich dem Zeichner die Möglichkeit geben, die komplette Geschichte zu lesen, um dann zu entscheiden, ob er seine Arbeit darin investieren will. Schließlich ist ein Comic eine Co-Produktion zwischen Autor und Zeichner und kein Ego-Trip des Autors. Der Zeichner sollte von Anfang an wissen, was in der Geschichte auf ihn zukommt, und er sollte die Möglichkeit haben diese ggf. bereits im Vorfeld abzulehnen.


Wie wurde das Charakter-Design der Figuren entwickelt?

INGO: Bei mir ist es tatsächlich so, dass ich meine Figuren wie Schauspieler behandle. Ich mache richtiges "Type-Casting". Ich bin ein ziemlicher Film-Nerd, und ich liebe es, wie manche Darsteller in Filmen besetzt werden und auf welche Sorte Charakter sie festgelegt sind - oder auch, wenn sie mal total gegen ihr Image besetzt werden. Das geht bei mir bis weit in die Nebendarsteller hinein. Die Filmwelt ist für mich sowieso eine wahre Fundgrube an Gesichtern und Charakteren. Manchmal blitzt bei den Figuren auch etwas durch, was an das zugrunde liegende Original erinnert. Zum Beispiel finde ich, dass Professor Shacklock in manchen Einstellungen ein winzigkleines bisschen wie Donald Sutherland aussieht… oder wie Ian McKellen...

PETER: Ich kannte zwar Ingos unglaublich gute Illustrationen von seiner Homepage, wusste aber nicht, wie er Figurenbeschreibungen aus einem Skript umsetzt. Also habe ich den Ärmsten erst mal mit Tonnen von Photos zugemüllt. Ähnlich wie Ingo bin ich auch ein großer Filmfan und so schickte ich ihm unzählige Bilder von diversen Schauspielern. Jedenfalls stellte sich bald heraus, dass ich mir die Mühe hätte sparen können. Ingo hat ein unglaubliches Gespür, wie eine Figur, die im Skript relativ grob beschrieben ist, auszusehen hat. Bei dem oben genannten Professor Shacklock habe ich mir die Beschreibung schon fast ganz erspart, weil ich zu dem Zeitpunkt größtes Vertrauen in Ingos Arbeitsweise hatte.


Wie viel Bände sind bei Splitter zunächst angedacht?

PETER: Ich habe vor etwa drei Wochen die Arbeit an dem zweiten Malcolm Max-Skript mit dem Titel „Nightfall“ beendet. Es liegt Ingo vor und es hat ihm gefallen. Sobald Splitter grünes Licht gibt, beginnt er mit dem Zeichnen. Wenn alles klappt, könnten wir das Album vielleicht auf der Frankfurter Buchmesse 2014 vorstellen. Es gibt keine Begrenzung was die Anzahl der Bände angeht. Das Interesse der Leser vorausgesetzt, werden Ingo und ich Malcolm Max-Abenteuer noch als Tattergreise im Altersheim fortsetzen.


Ich wünsche euch viel Erfolg mit Malcolm Max!

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(c) der Abbildungen mit freundlicher Genehmigung: Splitter Verlag
 
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