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geschrieben von StefanS am Montag, 25. März 2013 (1757 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Ein Comic erklärt uns den Krieg


KriegszeitenNach Wave and Smile ist mit Kriegszeiten ein zweiter Comic von Carlsen über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan erschienen. Anders als bei Arne Jysch sind in Kriegszeiten sowohl die Bilder als auch der Inhalt spröde und gänzlich frei von Szenen, die den Krieg als Action und Abenteuer im positiven Sinne erscheinen lassen könnten. Man kann darüber streiten ob Jyschs Comic den Krieg nicht etwas verharmlost. Sicherlich erinnern einige Bilder an Kriegscomics und Kriegsfilme, bei denen der Eindruck überwiegt, dass Krieg im Grunde gar nicht so schlimm sei.

Jysch war nicht selbst in Afghanistan. Journalist David Schraven hingegen betont etwas zu stark, dass er vor Ort war. Immer mal wieder ist er im Comic zu sehen. Könnte man als Eitelkeit auslegen oder als Glaubwürdigkeitsbeleg. Das er auch am 11. September 2001 in New York war und "den Staub geatmet" hat, zu dem die verbrannten Opfer wurden, wirkt für eine sachliche Reportage etwas zu pathetisch. Wenn er an anderer Stelle Instruktionen zum Tragen seiner Schutzweste erhält, erinnert das an die Szene aus Apocalypse Now, in der ein Reporter erst lacht und schließlich folgsam ist, als ihm die Soldaten raten, sich im Hubschrauber auf seinen Helm zu setzen, damit ihm nicht seine Hoden abgeschossen werden. Überhaupt: Apocalypse Now! Und Filme wie Lord of War oder noch besser The Fog of War - es gibt bereits viele kluge und noch dazu spannende Werke über Kriege. Warum also zu Kriegszeiten greifen?

Kriegszeiten

Wirklich neue Erkenntnisse enthält diese "grafische Reportage" nicht. Die internationalen Streitkräfte haben nichts Grundlegendes verändert, so lautet eine These des Autors. Statt den Terror zu bekämpfen wurde der Drogenhandel drastisch gefördert. Mit Geld sollen aus Gegnern Verbündete werden. Statt über Guttenbergs Pomade im Haare, seinen aberkannten Doktortitel und sein von manchen als schmieriges geächtete und von anderen als jugendliches Auftreten zu kritisieren blieb ein Aufschrei über die grundlegende Neuausrichtung der Bundeswehr aus. Die Anschläge auf das World Trade Center wurden als Blankoscheck missbraucht um Bürgerrechte einzuschränken und Krieg im Irak zu führen. Neben vielen Zitaten in diesem Buch (von Joschka Fischer, Peter Struck, Margot Käßmann u. a.) fehlt die Äußerung von Bundespräsident Horst Köhler über wirtschaftliche Vorteile, die als Kriegsgrund dienen. Preiswertes Erdöl ja, aber bitte lasst andere Länder, allen voran die USA dafür das größte Risiko tragen. Dazu äußert sich Schraven kaum. Zumindest weist er an einer Stelle darauf hin, dass die deutschen Soldaten von der Öffentlichkeit nicht genug gewürdigt werden. Eine objektive Reportage, die alle Sichtwinkel ausreichend zu Wort kommen lässt, ist Kriegszeiten nicht. Alles ist nur Lug und Trug, der Krieg ist verloren und der Westen unterstütze Verbrecher. Das mag alles stimmen, aber wäre es nicht sinnvoller mit mehr Sachlichkeit an das komplexe Thema heranzugehen?

Von diesem Buch einen größeren Unterhaltungswert, gar Humor, zu verlangen wäre sicher nicht angemessen. Krieg ist ein ernstes Thema, da ist eine mitunter bleiern wirkende Atmosphäre, akzeptabel. Ginge es dennoch nicht etwas anders, als den Lesern die eigene Sichtweise so offensiv aufzudrängen?

Wird das Medium Comic hier sinnvoll genutzt? Wo sind interessante, neue Sichtweisen? Hängenbleiben wird die drastische Schilderung eines Granateneinschlags oder einer Sprengfalle, bei der praktisch keine erkennbaren Überreste der Opfer übrigbleiben. Die gewollt groben, tatsächlich hervorragend passenden Zeichnungen von Vincent Burmeister sind ein großer Pluspunkt für diesen inhaltlich zu einseitig geratenen Comic.

Kriegszeiten

Die deutschen Hubschrauber im Krieg sind nun die Ringgeister des Bösen, quasi direkt aus dem Herr der Ringe entstiegen, wie Schraven im Nachwort umschreibt? Was denken eigentlich die afghanischen Zivilisten über den Einsatz? Was wäre eine sinnvolle Alternative zum Militäreinsatz? Ein Zitat in diesem Comic ist besonders bemerkenswert: "Hass darf uns nicht zum Hass verführen. Hass blendet.". Johannes Rau sagte dies am 14. September 2001, so steht es in diesem Comic. Durchaus interessant und vielsagend, dass dieser Ausspruch bei weitem nicht so oft zitiert wird wie Peter Strucks "Unsere Sicherheit wird nicht nur, aber auch am Hindukusch verteidigt.". Dieser weniger von Gefühlen und eigener Meinung geprägte Blick hätte diesem Comic sicher gut getan. Zumindest ist Kriegszeiten ein Anfang und sicher auch komplexer und gehaltvoller als Wave and Smile.

Wertung: 70 %


Kriegszeiten
Autor: David Schraven, Zeichner: Vincent Burmeister, Extras: Nachwort von D. Schraven, weiterführende Links, Bücher zum Thema
128 Seiten, Hardcover, Farbe, ,
Carlsen 2012, 16,90 Euro


Am Besten kauft man sich das Band beim Comichändler seines Vertrauens

...jedoch...
Kriegszeiten kann man auch gerne hier kaufen.


(c) der Abb. mit freundlicher genehmigung: Carlsen Verlag + Autoren
 
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