Ausstellung Grüffelo & Nick Knatterton in Hannover vom 13.1.2013 - 21.4.2013 :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
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geschrieben von StefanS am Samstag, 12. Januar 2013 (3059 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

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Ausstellung Grüffelo & Nick Knatterton in HannoverRaub! Entführungen! Diebstahl! Mit einer Welle von Verbrechen beginnt das neue Jahr und mit einem der wichtigsten deutschen Comics: Nick Knatterton ermittelt und kann dabei in Hannover beobachtet werden oder in einem neu erschienenen Buch. In Beiden werden der Meisterdetektiv und sein Schöpfer gründlich unter die Lupe genommen und es wird Erstaunliches zu Tage gebracht! Im "Wilhelm Busch - Deutsches Museum für Karikatur & Zeichenkunst" gibt es vom 13.1.2013 bis zum 21.4.2013 gleich zwei bekannte Figuren von deutschen Zeichnern zu bewundern: Der Grüffelo und Nick Knatterton. Axel Scheffler erschuf die liebenswürdige Figur des Grüffelo. Er lebt inzwischen in Großbritannien, wird aber zur Eröffnung am Sonntag, dem 13.1.13 ins Museum kommen, wo er zeichnen und signieren wird! Nick Knatterton Anhänger sollten sich besonders den 10.2.2013 vormerken, die Veranstaltung "Humorist wider Willen" widmet sich dem Werk von Manfred Schmidt, der 2013 seinen 100. Geburtstag feiern würde. Stellvertretend für ihn wird seine Tochter nach Hannover kommen, die das Erbe ihres Vaters verwaltet und im Studio von Manfred Schmidt als Zeichnerin gearbeitet hatte. Weitere Veranstaltungen, wie eine lange Kriminacht am 22.2.13, ergänzen die Ausstellung, in der es 280 Exponate von Axel Scheffler und 200 Stücke von Manfred Schmidt zu sehen gibt.

Ausstellung Grüffelo & Nick Knatterton in HannoverMit dieser Maske trat Manfred Schmidt im Fernsehen auf, die kleine Figur warb für Cola. Copyright Foto: Stefan Svik, 2013

Das Museum in den idyllischen Herrenhäuser Gärten zeigt im Erdgeschoss die Werke von Axel Scheffler, angefangen bei ersten Kinderzeichnungen mit dem Titel "Wunderland selbstgemalt", was im übrigen auch der Titel des Ausstellungskataloges ist, der im Museumsshop für 15 Euro erhältlich ist. Museumsdirektorin Dr. Gisela Vetter-Liebenow wies bei der Pressekonferenz darauf hin, dass Scheffler neben seinen Kinderbüchern auch als Zeichner für Erwachsene tätig geworden ist, die Ausstellung zeigt auch solche Werke von ihm.

Ausstellung Grüffelo & Nick Knatterton in HannoverIm Erdgeschoss ist die Grüffelo-Ausstellung. Copyright Foto: Stefan Svik, 2013

Während der Grüffelo von Scheffler vorwiegend als Bilderbuch für Kinder gilt, richtete sich Nick Knatterton von Manfred Schmidt, mit seinen Auftritten in den 1950er und 1960er Jahren in der Zeitschrift Quick, eher an ein erwachsenes, liberales Publikum, wie Presse- und Öffentlichkeitssprecher Dr. Kai Gurski berichtete. Neben den Comic-Strips gibt es sowohl frühe Arbeiten von Schmidt zu sehen als auch Werke aus der Zeit nach den Quick-Comics. Der Autor und Zeichner Schmidt richtete in seinem Haus ein Zeichenstudio ein und gestaltete dort die Fernsehfassung von Nick Knatterton, aber auch Beiträge für Mordillo.

Ausstellung Grüffelo & Nick Knatterton in HannoverGrüffelo-Detail. Copyright Foto: Stefan Svik, 2013

Im Museumsshop erhältlich und während der Ausstellung zu sehen sind auch zwei DVD's, auf der sich die TV-Auftritte von Nick Knatterton finden, die in den 1980er Jahren eine neue Generation für den Meisterdetektiv begeisterten. Als Bonus-Material demonstriert Schmidt mit sehr viel Selbstironie seine Zeichenkünste. Amüsant ist, dass Schmidt ein Nachbar und Freund Loriots war und im Beitrag fast genau so klingt wie dieser. Neben den DVD's dürfte für Fans des deutschen Sherlock Holmes auch der Ausstellungskatalog von Eckart Sackmann sehr interessant sein. Erschienen bei comicplus+, limitiert auf 1000 Exemplare, 39 Euro. Ebenfalls erhältlich sind die gesammelten Comic-Strips bei Lappan für 24,95 Euro.

Ausstellung Grüffelo & Nick Knatterton in HannoverDer Vorläufer von Nick Knatterton aus “Die grüne Post” von 1935. Copyright Foto: Stefan Svik, 2013

Im Filmbeitrag der zweiteiligen DVD-Reihe berichtet Schmidt aus seinem Leben und hüllt sich etwas in Schweigen über die Jahre 1939 bis 1945. Gurski verrät, dass die Forschung hier noch zu keinem klaren Bild gekommen ist. Klar ist, dass Schmidt in seinen Knatterton-Geschichten keine Gelegenheit ausließ um sich gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik auszusprechen und sich spöttisch über Bundeswehr, Finanzamt und Spießigkeit äußerte. Manches aber bleibt noch immer widersprüchlich, etwa das Verhältnis Schmidts zu Comics. Waren die zehn Jahre Arbeit an Knatterton tatsächlich eine verschwendete Zeit für ihn? War das wirklich eine Last oder nicht doch eher eine lang gehegte Leidenschaft? Verachtete oder bewunderte der gebürtige Bad Harzburger Comics? War Nick Knatterton gar nur eine Parodie auf reißerische US-Comics und Werke von Edgar Wallace oder Sir Arthur Conan Doyle oder war der Comic-Künstler Schmidt einfach seiner Zeit voraus, in der Comics viel zu lange als Schund und Kinderkram galten? Das Schmidt seine Yacht Knatterton 2 nannte spricht schon für einen gewissen Stolz auf seine Arbeit. Zu Ruhm und Reichtum brachte es Schmidt durchaus, gleichzeitig kokettierte er viel mit dem Image der Comics, die viel zu oft unterschätzt und zu wenig anerkannt wurden, jedenfalls von der Mehrheit der Bevölkerung.

Ausstellung Grüffelo & Nick Knatterton in HannoverIn Bayern ein Skandal – Freizügigkeit im Comic. Copyright Foto: Stefan Svik, 2013

Dr. Gurski verweist noch auf Schätze, die aufgrund verworrener juristischer Sachverhalte nicht gezeigt werden können: In einer TV-Sendung soll Schmidt Comics vorgestellt haben und dabei offenbar auch positiv über Disneys Werke gesprochen haben. In seinen letzten Lebensjahren soll er sich dann wenig begeistert über zu viel Gewalt im Comic, etwa in den Werken von Frank Miller, geäußert haben - das sind aber keine Exponate der Ausstellung, sondern noch besser zu erforschende Details aus Schmidts Vita. Im Nachlass der Comic-Legende wurde einiges gefunden, oftmals nicht mit Datum versehen, was es für die Forscher schwieriger machte, die Stücke einzuordnen. Zurückgehalten wurde offenbar nichts, bislang unentdeckte Knatterton-Episoden scheint es also nicht zu geben. Ölgemälde wie von Carl Barks allerdings auch nicht. Ich frage Gurski, ob Schmidt etwas in dieser Richtung privat angefertigt habe, etwa um damit zu zeigen, dass er eben doch mehr kann als "nur" Knatterton. Franquin etwa verarbeitete mit seinem düsteren Buch "Schwarze Gedanken" seinen Frust immer Funnies zeichnen zu "müssen". Beides gibt es offenbar von Schmidt nicht, ohnehin sollte der Aufwand und die Könnerschaft nicht unterschätzt werden, die in Nick Knattertons Strips stecken, da stimmte auch Gurski zu. Schmidt war Autor und Zeichner bei diesen Comics mit regelmäßigen Abgabeterminen und einem, im Vergleich zum heute üblichen, riesigen Publikum.

Ausstellung Grüffelo & Nick Knatterton in HannoverFrühe Zeichnungen Schmidts aus den 1920er Jahren. Copyright Foto: Stefan Svik, 2013

In dem Raum im ersten Stockwerk, in dem die Knatterton-Ausstellung zu sehen ist gibt es vor allem die aus der Quick bekannten Comic-Strips in s/w zu sehen. Auffällig sind auch die zahlreichen, so genannten Wimmelbilder, also Zeichnungen, auf denen kleine Details versteckt sind. Wer in dem Getümmel an Figuren das Rätsel lösen konnte hatte eine Chance eine Waschmaschine oder ähnlich begehrte Luxusobjekte der 1950er und 1960er zu gewinnen. Nick Knatterton war eine hervorragende Werbefigur für Quick und viele andere Produkte, so Dr. Gurski.



Welche Werke haben Nick Knatterton beeinflusst? Benutzte Knatterton auch keine Waffen, weil es Batman so vorgelebt hat? Gurski weiß zu berichten, dass Schmidt Superman kannte, ob er hingegen Batman gelesen hat, ist bislang unbekannt. Ebenfalls fest steht, dass Nick Knatterton keine James Bond Parodie ist, denn der kam erst nach Knatterton. Ein äußerst wichtiges Ausstellungsstück ist eine Zeitungsseite aus "Die Grüne Post" von 1935, in der ein Vorläufer des Meisterdetektivs mit dem karierten Anzug zu sehen ist, obwohl Schmidt später behauptete, dass diese Figur quasi über Nacht in den 1950er Jahren entstand. Wurde hier eine Chance vertan um früh einen Comichelden zu erschaffen, der mit Superman konkurrieren oder sich sogar über diesen lustig machen konnte? In den US-Werken bezogen in den Kriegsjahren Donald Duck und andere klar Stellung gegen NS-Deutschland, obwohl es ein wichtiger Absatzmarkt war. Interessant ist, dass es in den USA Propagandacomics für die Truppen gab, wie Captain America, während in der NS-Zeit lediglich geplant war, dass Deutschland mit den US-Trickfilmen mithalten sollte, nicht aber mit den US-Comics, wie mir Dr. Gurski bestätigte - aber dieses Thema wäre sicher komplex und interessant genug für eine weitere Ausstellung. Die Infotafel zu Manfred Schmidt deutet an, dass er in den frühen 1940er Jahren vermutlich an Propaganda-Filmen gearbeitet hat. Ob er selbst zur Waffe greifen musste? Gurski zitiert aus einer Legende, nach der Schmidt sein Gewehr ohne eine Kugel abgefeuert zu haben gegen Ende des Krieges wieder abgegeben haben soll. Klingt das plausibel? Bei wem hätte man es denn abgeben sollen? Die Jahre ab 1939 bleiben eine noch etwas undurchsichtige Phase in Schmidts Leben, so Gurski. Vieles bleibt also widersprüchlich, allerdings bringt ein Besuch der Ausstellung viel Spannendes und auch Überraschendes. Die größte Verwunderung erzeugt vielleicht die Frage, warum diese legendäre Figur nicht in neuen Abenteuern fortgeführt wird, ein entsprechendes Testament, das so etwas verbieten würde, gibt es laut Gurski nicht. Anders als Tim und Struppi könnte es also neue Comics von Nick Knatterton geben. Die Ausstellung und der 100. Geburtstag Schmidts könnten ein Revival dieser, mit durchaus sehr eigenem (deutschen?) Humor ausgestatten Comic-Ikone auslösen. Die vielen ausgeklügelten, technischen Vorrichtungen, die zahlreichen Anmerkungen - all das sollten auch Comic-Leser gesehen haben, die noch nie zuvor von Nick Knatterton gehört haben. Wie populär diese Figur noch immer ist zeige etwa der Erfolg der Bild-Edition, die vor einigen Jahren erschien, so Gurski. In dieser Reihe stand Knatterton neben Heroen wie Asterix, der ja ebenfalls ein Klassiker ist, der für Kinder und Erwachsene gleichermaßen funktioniert. In Frankreich werden solche Legenden wie Lucky Luke, Asterix und Tim und Struppi am Leben erhalten, wer ihre Abenteuer lesen will finden sie in jedem Bahnhofskiosk oder Comic-Shop. Trotz Vorläufergeschichten aus den 1930er Jahren, die aber eher Illustrationen für Kurzgeschichten waren und keine Comic-Strips, ist Nick Knatterton vor allem ein Comic der jungen Bundesrepublik, voller Sehnsucht nach weltmännischem Verhalten und Reisen an Sehnsuchtsorten wie Italien und Indien. Frankreich sei interessanterweise nie dabei gewesen, trotz Begeisterung Schmidts für Frankreich (im Gegensatz zu Loriot, der eher nach Großbritannien orientiert war), wie Gurski auffiel. Schmidt war, anders als etwa Hergé, selbst rasender Reporter und somit seiner Figur des Superdetektivs viel ähnlicher als Hergé seinem Tim. Schmidt reiste gerne und genoss es noch dazu sich dafür bezahlen zu lassen. Flugzeuge kamen dabei für seine Reisen nicht in Frage, deshalb war er anders als Knatterton auch nie in Indien, dafür aber in Italien und anderen Orten, was ihn zu Reisereportagen inspirierte, eine Beschäftigung Schmidts in seiner Zeit nach den Quick-Comics.

Ausstellung Grüffelo & Nick Knatterton in HannoverEin Nick Knatterton Brettspiel aus den 1950er Jahren. Copyright Foto: Stefan Svik, 2013

Außerhalb des deutschsprachigen Raums fand der Pfeifenrauchende Detektiv Leser in den Niederlanden, in Kroatien (wo es ganz eigenständige Knatterton-Geschichten gab), in der Türkei und jüngst auch in Finnland, so Gurski. Unerwartete Merchandising-Artikel finden sich ebenfalls in der Ausstellung: Laubsägearbeiten, ein Brettspiel, eine Werbefigur und die Polizei-Mütze, die jedes Jahr verliehen wird. Wer so eine Mütze, von der Polizei in Schleswig-Holstein überreicht bekommen hat, kommt gratis in die Ausstellung, alle anderen zahlen 4,50 Euro (ermäßigt: 2,50 Euro). Kombiniere: Es lohnt sich!

Ausstellung Grüffelo & Nick Knatterton in HannoverDeko im Comic-Stil lockt in die Ausstellung in der ersten Etage. Copyright Foto: Stefan Svik, 2013

 
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