Blacksad - Die Stille der Hölle :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
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geschrieben von Peixe am Samstag, 10. September 2011 (2908 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Tier - Krimi Noir



Blacksad 4- Die Stille der Hölle Fans haben fünf Jahre auf Blacksad Band Nr. 4 „Die Stille der Hölle“ gewartet. Die Stille der Hölle ist eine Liebeserklärung an die magische Stadt New Orleans und ein schöner, ein packender und immer wieder begeisternder Band.

In Blacksad, einem „Krimi noir“ im Stil der 20er-Jahre, lebt Kater John Blacksad als Detektiv in einer Welt voller Wesen mit Tierköpfen und Tierattributen, die sich jedoch sehr menschlich geben. Gerade die Menschlichkeit im Verhalten ist die Ursache für Unmenschlichkeit und Verbrechen. Blacksad hebt sich von den Verfolgern von Kleinkriminellen niveauvoll ab: Während Donald Duck den Eindruck vermittelt, eigentlich wäre nur der Diebstahl von Privateigentum ein Verbrechen, kennt die Reihe Blacksad organisierten Rassismus, staatliche Verfolgung Andersdenkender und strukturelle Korruption in höchsten Kreisen. Kater Blacksad erhält in Die Stille der Hölle den Auftrag, einen verschollenen Musiker zu finden und gerät immer tiefer in einen Strudel hinein, bei dem die großen Pharmaskandale (illegale Medikamententests in Entwicklungsländern, Contergan-Skandal usw.) anklingen. Da das Thema so richtig erst am Schluss aufgedeckt wird, klingen die politischen Anspielungen während der Geschichte erst beim zweiten Lesen an.

Blacksad 4- Die Stille der Hölle


Was macht einen Comic wie diesen aus?

1. Zunächst ist die Liebe zum Detail zu loben, an der ich mich auch beim zweiten Lesen berauschen kann. Die Verbindung von Charakter, Entwicklung und Tiergestalt ist klasse und oft Quelle für originellen Humor. Ein Alptraum von Blacksad, ins surrealistische Bild gesetzt, zeigen die Autoren als Folterung seiner Artgenossen für medizinische Experimente. Diese Form der Darstellung stärkt für Leser aus einer „normalen“ Welt wie der unsrigen den Bezug des Bands zum pharmazeutischen Industriekomplex und seinen ethischen Problemen.

2. Nicht nur die Hauptcharaktere sind wunderbar gezeichnet, selbst Nebenfiguren, die einmal auftauchen, lohnen der Betrachtung. Die Verwendung von Tierköpfen und deren Statur ist ein Instrument, um menschliche Züge noch deutlicher und treffsicher zu vermitteln; ich denke da an das Foto im Gefängnis, an die desinteressierten Gesichter der Busreisenden nach einer Auseinandersetzung und vieles mehr.

3. Neben der Haupthandlung finden im Hintergrund der Panels Nebenschauplätze statt, die dem Szenario Lebendigkeit und Witz verleihen (Weekly im Stripklub, die Kinder beim Gespräch mit Lenoir).
Insofern der Tipp: Immer in Ruhe die Bilder komplett betrachten und manches entdecken! Die Verbindung von Kriminalgeschichte, Politik und Charakteren ist durchweg geglückt.

Blacksad 4- Die Stille der Hölle

Was macht Die Stille der Hölle im besonderen aus?

1. Zeichnungen und Kolorierung sind fantastisch. Die Atmosphäre bestimmter Orte ist einprägsam: Der mit Kerzen erleuchtete Raum von Madame Gibraltar lässt erahnen, dass sich mancher Patient ihrer mysteriösen magischen Behandlung unterzieht, einfach, weil ihn die Atmosphäre anspricht. Das Gespräch zwischen Blacksad und Thomas unter sonnendurchfluteten Bäumen ist einfach genial mit seinem durchbrochenen Schattenwurf. Und als Rezensent sollte man auch nicht meckern, wenn ein Landschaftsbild mit Dampfer als Aquarell mit reduzierter Detaildichte gezeichnet ist.

2. Öfters und überaus effektvoll nutzen die Autoren das Medium Comic mit der Notwendigkeit zum Umblättern und schaffen den passenden Überraschungseffekt, wenn sie mit dem Umblättern das Geschehen erlebbar machen: der Eintritt in einen besonderen Raum oder die Verfolgung, die in einem Massenauflauf ihr plötzliches Ende findet.

3. Die Erzählung gewinnt zusätzlich durch raffinierte Rückblenden, die ein wenig Aufmerksamkeit erfordern, aber auch ein zweites Lesen lohnenswert machen. Die – hier nicht weiter verratene – Schlusssequenz ist in ihrer Anordnung und Vielschichtigkeit feinste Erzählkunst! Allerdings scheint die Freude an diesen wirklich tollen Leistungen hier und da manche Erklärung unterschlagen zu haben. Manche Wandlung von Personen fehlt schlichtweg, der Leser sich selber eine Erklärung ausdenken (was möglich ist).

4. Was macht Die Stille der Hölle sonst noch aus? New Orleans! Das Buch ist in seinem Handlungsort eine Hommage an New Orleans und sei allen Freunden, Touristen und Bewohnern dieser Stadt empfohlen, selbst wenn sie keine Comicfans sind.


Blacksad 4- Die Stille der Hölle


Juan Díaz Canales, 1972 in Madrid geboren, arbeitet als Szenarrist, für die Animation und als Regisseur einer Trickfilmserie. Blacksad Band 1. Irgendwo zwischen den Schatten war sein erstes Werk als Szenarrist.

Juanjo Guarnido, 1967 im spanischen Granada geboren, hat einige Fanzines mit herausgegeben und Illustrationen im Comic Forum von „Planeta de Agostini“, der spanischen Niederlassung von Marvel, veröffentlicht.


In der Reihe Blacksad sind bisher erschienen:

Irgendwo in den Schatten (Band 1, 2000)
Arctic Nation (Band 2, 2003)
Rote Seele (Band 3, 2005)
Die Stille der Hölle (Band 4, 2010)
Hinter den Kulissen (Begleitband)



Blacksad. Die Stille der Hölle
Szenario: Juan Díaz Canales
Zeichnung und Farben: Juanjo Guarnido
56 Seiten, Hardcover
Carlsen Comics, 16 Euro



Den Comic kann man auch hier bei amazon.de kaufen.



(c) der Abb.: Carlsen + Guarnido

 
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