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geschrieben von Micha am Montag, 24. August 2009 (4541 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Von der Parodie zur Normalität

 Donjon 6: Der verlorene Sohn „Donjon“ begann vor 11 Jahren mal als überbordende, aber überschaubare Parodie auf das Fantasy-Genre und auf Rollenspiele. Da die Serienerfinder Sfar und Trondheim seinerzeit an ihrem kreativen Höhepunkt waren, konzipierten sie die Serie in einer Mischung aus Leichtsinn, Herumblödelei und Größenwahn um in ein Epos von ... 300 Bänden. Die Geschichte der Burg, in die täglich ein Heer von Abenteurern auf der Suche nach Reichtümern eindringt, die aber meist von den unzähligen Monstern hingemetzelt werden und ihre eigenen Reichtümer an den Donjon verlieren (das ist die Geschäftsidee), wird in drei Unterserien erzählt.

Diese erscheinen parallel und haben einen deutlich unterschiedlichen Charakter: Die Hauptserie „Zenit“ zieht das Genre durch den Kakao, die davor spielende „Morgengrauen“ ist sehr melancholisch, und die viel später spielende „Abenddämmerung“ Herr-der-Ringe-mäßig düster. Die Bandnummerierung jedoch ist durchgehend: Für „Zenit“ sind die Bände 1 bis 100 vorgesehen, für „Morgengrauen“ -99 bis 0 und für „Abenddämmerung“ 101 bis 200.

Als sei ihnen das noch nicht genug Arbeit, riefen Sfar und Trondheim zu diesen Unterserien auch noch Nebenserien ins Leben, nämlich die humoristisch-unterhaltende „Donjon Parade“ und „Donjon Monsters“, die Erlebnisse von Nebenfiguren behandelt. Und um den Wahnwitz noch zu toppen, reimen sich im französischen Original die Titel der einzelnen Bände der Serien auch noch aufeinander! (Im Deutschen ist es natürlich praktisch unmöglich, 100 sich reimende Titel zu finden, während die Aufgabe im Französischen weniger schwer ist als es scheint, weil sich hier sowieso fast alle Wörter irgendwie aufeinander reimen.)

 Donjon 6: Der verlorene Sohn

Insgesamt haben Sfar und Trondheim in den diversen Reihen insgesamt 34 Donjon-Bände auf den Markt gebracht. Das kann zeichnerisch natürlich keiner leisten, deshalb werden die Serien von verschiedenen Zeichnern betreut. In der Nebenserie „Monsters“ wird gar jeder Band grundsätzlich von einem anderen Zeichner angefertigt. Darum hat diese Serie auch den größten Output - dabei läuft sie eigentlich ja zusätzlich zu den 300 Bänden der Hauptserie. Mit diesem 1-Zeichner-pro-Band-Prinzip hat „Donjon Monsters“ vermutlich auch Pate gestanden bei der Einführung der Spirou-Nebenserie „Une aventure de Spirou et Fantasio par“, die sogar noch produktiver als ihre Hauptserie ist.
Wirklich meisterlich sind Sfar und Trondheim im Verfolgen der unzähligen Charaktere durch die vielen Jahrzehnte. Ein kleiner Drachenjunge, der in Band 3 ein nicht zur Brieftaube hypnotisiertes Huhn findet, kann in Band 101 als Schamane wieder auftauchen. Das süße kleine Trollbaby, das Herbert die Ente und Krosakenprinzessin Isis in „Zenit“ adoptieren, ist in der „Abenddämmerung“ folgerichtig ein monströser, nicht im Geringsten niedlicher 5-m-Koloss. Diesen vielen Querverbindungen nachzuspüren und wie ein Puzzle zusammenzusetzen ist einer der Reize, die „Donjon“ so interessant macht.

Wie es eigentlich auch nicht anders zu erwarten war, haben Sfar und Trondheim inzwischen aber doch begonnen zu schwächeln. Trondheim hat „Zenit“ nach dem vierten Band an einen anderen Zeichner abgegeben, Sfar die „Abenddämmerung“ gar schon nach drei Bänden. Bei „Morgengrauen“ haben sie angefangen zu mogeln und sind nach den Bänden -99, -98 und -97 gesprungen zu -84 und -83. Noch schlimmer: Wegen zwei aufwendigen Filmprojekten hat Sfar die Arbeit an „Donjon“ vorläufig ganz unterbrochen. Gerüchten zufolge überlegt Trondheim, die Serie alleine oder mit anderen Co-Szenaristen weiterzuführen, oder eben sie zu beenden. Ein Trost: Dieser Tage wollen die beiden sich treffen, um die Zukunft der Serie zu diskutieren. Der nächste Band wird aber wohl noch eine Weile auf sich warten lassen.

 Donjon 6: Der verlorene Sohn

Ach ja, der neue Band, Nr. 6 aus der Reihe Zenit. Nachdem der Donjonwächter Hyazinth de Cavallère per einstweiliger Verfügung den Donjon an den ebenso windigen wie gierigen Guillaume de la Cour (eine Anspielung auf den französischen Verleger Guy Delcourt, bei dem „Donjon“ im Original erscheint) verloren hat, reist dieser mit den übrigen Hauptfiguren nach Vaucanson, offenbar um dort irgendwelche Akten zu beschaffen. Da Ente Herbert allerdings aus seiner Heimat Vaucanson verbannt ist, muss er sein Aussehen magisch verbergen. Heimlich trifft er seine Eltern, niemand Geringeres als das Herrscherpaar von Vaucanson, gerät mitten in eine Palastrevolte, und am Ende geht alles irgendwie in Dutt.
„Der verlorene Sohn“ ist der zweite Band aus der Zenit-Serie, der von Boulet gezeichnet wurde. Dessen Zeichnungen sind zwar im Prinzip um Etliches besser als die seines Vorgängers Trondheim, inbesondere was Proportionen, Anatomie und Räumlichkeit betrifft. Aber sie haben bei weitem nicht deren skurrilen Charme und vor allem nicht die inhärente Ironie von Trondheims Zeichnungen. Das wird vor allem bei der sinnlosen Gewalt deutlich, die es auch in den früheren Bänden reichlich gab, deren Ausbrüche dort aber als parodistisches Element von absurder Komik waren. Mit Boulets Zeichnungen wirken diese Ereignisse jedoch erschreckend-verstörend.

Es liegt aber wohl nicht nur an den Zeichnungen, dass der als Parodie gestartete „Donjon“ unter Boulet nicht mehr so witzig ist. Sfar und Trondheim verbieten ihrer Hauptfigur Herbert in dieser Geschichte das Lachen, weil Lachen die Wirkung des Tranks aufhebt, der Herberts Aussehen verbirgt, und sie gönnen das Lachen auch dem Leser nicht. Ganz offenbar nehmen sie nun die Serie und ihre Charaktere ernst. Gerade in Herberts Charakter wird die Veränderung deutlich, ist er doch nicht mehr der sorg- und verantwortungslose, gutmütige Hallodri, der er noch in Band 4 war, sondern zeigt als werdender Vater Züge von Sorgen, Melancholie, Hass und gar Bitterkeit. Gegen Entwicklung ist nichts zu sagen, nur ging es ein bisschen schnell von einem Album zum übernächsten. Schließlich sind noch über 90 Bände Zeit, bis er sich zum „Großen Khan“ aufschwingt.

 Donjon 6: Der verlorene Sohn

Die Story selbst hat leider kaum überraschende Einfälle. Keine Absurditäten mehr wie im ersten Band Lispellamm, das Dorf der stänkernden Spotthasen. Dass sich jemand urplötzlich in ein haushohes Kampfmonster verwandelt, hat man dagegen schon anderswo gesehen. Langsam wird Donjon zu dem, was seine Erfinder gerade nicht wollten: eine ganz normale Fantasyserie. Nur eine etwas komplexere und mit anthropomorphen Tieren als Protagonisten. Vielleicht ist eine kreative Pause jetzt wirklich mal ganz gut. Und falls Sfar und Trondheim ihren alten Rhythmus wieder aufnehmen, sollte die Reihe im Jahr 2182 endlich vollständig vorliegen.


Donjon 6: Der verlorene Sohn
von Boulet (Zeichnungen), Joann Sfar und Lewis Trondheim,
48 Seiten, Softcover
Reprodukt Verlag, 12 Euro


Donjon 6: Der verlorene Sohn kannst Du gerne hier kaufen.


Kleine LESEPROBE zu Donjon 6: Der verlorene Sohn



(c) der Abb.: Reprodukt Verlag & Autoren
 
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