Independent: Wimbledon Green
Der Größte Comicsammler in der Welt Als ich vor vielen Jahren zu ersten Mal Robert Crumb's Geschichte "So ist das Leben" las*, und später Woody Allens Zelig** fühlte ich mich an den Comic Wimbledon Green des Ausnahme Comickünstlers "Seth" (alias Gregory Gallant) erinnert. Oder war's umgekehrt und WG erinnert mich beim lesenunweigerlich an Crumb und Allen? Wie demn auch sei: Wibledon Green ist eine Graphic Novel***, die bei mir viel positives auslöst und die ich wärmstens weiterempfehlen kann!
Dabei kommt diese wohlfeine Hardcover-Ausgabe mit dem hübsch altertümlichen grün/bronzenen Einband erts einmal mit einem offensichtlich stolzen Preis daher und hält sich im Inneren auch eher mit wenigen Farben auf. Auch das Verhältnis von Text und Bild ist in diesem Comic eher ausgeglichen. Was kann also der von knalligen Bildern und actionreicher Kampfacrobatik verwöhnte Leser von so einem teuren, altbacken aussehenden und textlastigen Werk erwarten? UNENDLICH VIEL! Da stechen nicht nur die "Endlich-mal-was-anderes-Argumente, nein! Wimbledon Grenn ist originell, tiefgründig, unterhaltsam und fesselnd für Comicsammler und die, die es noch nicht wissen, dass sie es unbedingt werden wollen, wenn sie diese Geschichte gelesen haben.
In der schon erwähnten non-linearen erzählweise á la Zelig, beschreibt "Seth" das Große Ganze um die Person des legendären Comicsammlers Wibledon Green als eine eine Sammlung vieler kleiner (oft nur einseitige) Geschichten, die nur Teilaspekte beschreiben, dann aber wieder ausschweifend auf Einzelheiten eingehen, die sich über viele Seiten erstrecken. Dabei schwelgt "Seth" nicht nur in der altmodischen Bilderwelt früher Comics, sondern auch in der spannenden Erzählweise über die Jagd nach den Comic-Schätzen aus deiser Zeit. Ironisch wird der "Kampf" der verschiedenen Sammler um die wertvollsten Comichefte auf die Spitze getrieben. Handlungen, die man sonst "nur" bei im Bereich Schmuck oder antiken Kunstgegenständen erwartet erhalten im Zusammenhang mit der "Neunten Kunst" eine äusserts unterhaltsame Note.
Natürlich ist Wimbledon Green mit seinen rund 128 Seiten ein Vergnügen, das dem unbedarften (und verwöhnten) Comicleser nicht unbedingt leicht zufällt. Geduld und ein bisschen Ausdauer ( wie zum Beispiel auch bei der Lektüre von Jean Girauds Die hermetische Garage des Jerry Cornelius ) sind schon erforderlich. Eine "Arbeit" die sich sicherlich für viele Comic-Nostalgiker lohnt****. Insgesamt kann ich meine Begeisterung nicht zurückhalten und muss für diese mutigen Comic-Ausgabe aus dem Hause Edition 52 meinen aufrichtigen Respekt zollen. Eine Zier für jedes Comic-Regal und eine Reminiszenz an die gute alte Comicsammler-Ära, als es eBay und Amazon Marktplätze noch nicht gab. Wimbledon Green, Zeichner: "Seth" 128 Seiten, Leinen, Hardcover, zweifarbig Edition 52, 25 EUR Wimbledon Green kannst Du gerne auch hier kaufen.
* Das mit dem Blues-Musiker, von dem's nur 16 verkaufte Platten gab und dem Plattensammler, der die letzte bei einer alten Oma fand und für viel Geld an einen Sammler von der Ostküste verkaufte) ** Diese halb dokumentarische Komödie vom Mann, der sich an seine Umgebung anpasste und dessen Geschichte mit vielen Zeitzeugen Erzählt wird. *** Diese Bezeichnung mag der Zeichner ÜBERHAUPT nicht gerne hören. Seine Thesen sind:
**** Und für die , die es einmal werden wollen! ;-) Wimbledon Green LESEPROBE hier
(c) der Abb.: Seth und Edition 52 |
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