Der Fotograf. Band 2: Ärzte ohne Grenzen :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
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geschrieben von Peixe am Donnerstag, 16. Oktober 2008 (4908 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Ärzte im Kriegsgebiet - in Foto und Zeichnung


von
Emmanuel Guibert / Didier Lefèvre / Frédéric Lemercier,
Der Fotograf Die Komposition des Comics „Der Fotograf“ stellt ein besonderes Experiment dar: Frédéric Lemercier hat die Fotos des professionellen Fotografen Didier Lefèvre (2007 verstorben) und Bilder von Emmanuel Guibert zu dieser Comic-Reihe miteinander verbunden; „Ärzte ohne Grenzen“ ist der 2. von 3 Bänden der Reihe.
Inhalt ist die Reise des Fotografen Lefèvre mit einem Team der Organisation Ärzte ohne Grenzen nach Afghanistan während des Widerstands gegen die einmarschierende Armee der Sowjetunion 1986.

Die „Berliner Zeitung“ bezeichnet „Der Fotograf“ als „Comic-Reportage“, doch der Erzählstil entspricht nicht einer klassischen Reportage, wie sie etwa Joe Sacco („Palästina“, „Gorazde“) vorzüglich präsentiert hat. Für eine Reportage hätte sich das hohe Niveau der textlichen Einführung (von der Historikerin Astrid Meier) durch das ganze Buch ziehen und manche gestelzte Plattitüde vermieden werden müssen: „Der kleine Junge täte gut daran, sich mit seinem operierten Fuß vor den Antipersonenminen zu hüten, mit denen das Land übersät ist“ (S. 25). Eine echte Reportage hätte mehr Hintergründe zur Organisation Ärzte ohne Grenzen recherchiert statt nur mit dem Auge der Kamera den Operationen und Reisen beizuwohnen. Zutreffender scheint mir als Kennzeichnung eine Mischung aus Lefèvres Reisetagebuch und einer aufwändigen Informationsbroschüre über die Ärzte ohne Grenzen. 2005 wurde die französische Originalausgabe mit dem Prix France Info ausgezeichnet.

Der Fotograf

Als Reisetagebuch und Reisediashow wiederum verbleibt „Der Fotograf. Band 2: Ärzte ohne Grenzen“ manchmal leider nur an der Oberfläche der Ereignisse wie Tagebücher nun mal sind. Am ansprechendsten sind meines Erachtens die Einsprengsel über Afghanistan, seine Kultur und seine Menschen. Sie schleichen sich als sporadische Füllsel zwischen die ausführlichen Darstellungen der ärztlichen Operationen: die notwendige Ehrerbietung für den Wakil (was das genau ist, wird nicht erläutert, wie desöfteren: was ist das „afghanische Buschtelefon“ auf S. 22?). Ein Blick in die Geschichte der Burka überrascht mit der Erkenntnis, dass die Ganzkörperverhüllung den Frauen in ihrer Entstehung einen größeren Bewegungsfreiraum eröffnet hat, da die Alternative das Verbleiben im Haus gewesen wäre. Sehr charakteristisch menschlich auch die erste Sorge eines schwerverletzten Mudschahed nach seiner aufwändigen Augen-OP, der sein Vater sorgenvoll beigewohnt hat: „Habt Ihr meinem Vater Tee angeboten?“ An diesen Stellen erfreut ein selten unvoreingenommer Blick in den Alltag der Welt Afghanistans, zu einer Zeit, als die Mudschaheddin aus westlicher Sicht die „Guten“ waren.
Der Fotograf
Die eingefügten, tollen Fotos bringen den Alltag näher als es stilisierte Zeichnungen alleine vermocht hätten; ein weggeschossener Kiefer wirkt auf dem Foto einfach verstörender. Zeichnerisch am raffiniertesten und der wirklich packende Moment im ganzen Comic ist das fotofrei dargestellte Auffinden einer Verletzten und die langsame Erkenntnis, was sie verletzt hat (S. 54 f.). Die endlosen Fotoreihen, ganze Seiten voll von nur in Nuancen veränderten Einstellungen dagegen vermochten mich nicht zu begeistern. Die ausufernde Darstellung von Operationen – manchmal über mehrere Seiten – sind gewiss der Werbung für die Ärzte ohne Grenzen geschuldet, in dieser unausgewogenen Üppigkeit dem Lesegenuss jedoch abträglich. Die moralinen Lobeshymnen (S. 41: „Ohne das Eingreifen der Ärzte wäre Amrullah jetzt wohl schon tot. Er ist es nicht. … Bravo!“) hätten der Comic und die Ärzte nicht gebraucht. Die Informationen über den selbstlosen Einsatz der Ärzte wären ohne diese Holzhammer-Methoden besser vermittelt worden. Schade, denn die Arbeit der Ärzte ohne Grenzen stellt ohne Zweifel eine große humanitäre Heldentat in der heutigen Welt dar; erst die Ermordung von fünf Mitarbeitern 2004 führte zum Abbruch aller Missionen der Médecins Sans Frontières in Afghanistan.


Der Fotograf. Band 2: Ärzte ohne Grenzen
Zeichnungen: Emmanuel Guibert
Text und Fotos: Didier Lefèvre
Coloriste/Komposition: Frédéric Lemercier
80 Seiten, Hardcover
Edition Moderne, 24 Euro (1 € je verkauftem Buch erhält Ärzte ohne Grenzen e.V.)



Der Fotograf 2 kannst Du gerne hier kaufen

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(c) der Abb. liegt bei den Autoren und Edition Moderne
 
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