Jürgen Seebeck: u.a. Manga-Übersetzer :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
21.01.2018, 13:22 Uhr
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geschrieben von Maqz am Montag, 13. Oktober 2008 (6378 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Der gläserne Übersetzer im Gesräch


Jürgen Seebeck Er hat mit die bekanntesten Mangas für den deutschen Markt übersetzt, selbst Mangas (in Deutschland und Japan) veröffentlicht, führt den Dojo für Hôzôinryû Takadaha Sôjutsu in Hamburg und ist am Samstag den 18.10.2008 auf der Frankfurter Buchmesse persönlich anzutreffen. Vorher beantwortet er der ComicRadioShow einige Fragen zum Thema Manga-Übersetzung.

Cover
ComicRadioShow: Servus Jürgen, auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse bist Du vom Verband der Übersetzer zu einem Vortrag eingeladen worden. Worum geht's da genau?

Jürgen Seebeck: Die Veranstaltung läuft unter dem Titel "der gläserne Übersetzer" und ist eigentlich kein Vortrag, sondern eine Demonstration dessen, was ein Übersetzer - in meinem Fall ein Manga-Übersetzer - so tut, wenn er übersetzt. Dazu sollen auf zwei Bildschirmen zum einen der Ausgangstext zum anderen die entstehende Übersetzung gezeigt werden. Dazu werde ich dann sicherlich noch ein bisschen Recherchearbeit vorführen. Und das eine oder andere Anekdötchen zum Thema Manga-Übersetzung zum Besten geben. Das Publikum darf natürlich jederzeit Fragen stellen und sich auch ansonsten einmischen.
Frankfurter Buchmesse

CRS: Wie muss man sich eigentlich als frisch gebackener Japanologie-Interessierter die Arbeit an einer Manga-Übersetzung vorstellen?

JS: Ganz banal wird das zu übersetzende Buch erst mal gelesen. Ich persönlich finde es zwar sehr spannend, auch an Serien zu arbeiten, die noch nicht abgeschlossen sind. Doch das birgt auch immer die Gefahr übersetzerischer Fettnäpfchen, wenn sich ein, zwei Bände herausstellt, das etwas ganz anders gemeint war. Deshalb ziehe ich inzwischen abgeschlossene Werke entschieden vor. In diesem Falle lese ich vor der ersten Zeile Übersetzung erst einmal das gesamte Werk. Dann werden die Sprechblasen und Soundwords durchnummeriert, um schließlich dieser Nummerierung folgend überzetzt zu werden. Die Redaktion und der Letterer wollen schließlich wissen, welcher Text wohin gehört;-)


CRS: Wo liegen die Tücken? Kann jeder Mangas übersetzen, der die Sprache kann?

JS: Nur Japanisch reicht da natürlich nicht, Deutsch muss man natürlich auch beherrschen;-) Prinzipiell könnte also jeder, der diese beiden Voraussetzungen erfüllt einen Japanischen Text ins Deutsche transportieren, das gilt natürlich auch für Mangas. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Zusätzlich zu den sprachlichen Herausforderungen (und der Gabe zwischen den Zeilen zu lesen und unvollständige Sätze komplettieren zu können) muss man ein sehr breit gefächertes Allgemeinwissen haben und über die Fähigkeit verfügen, effizient recherchieren zu können. Ob es sich dabei um "japanologische" Recherchen handelt oder ob einem nanotechnologische Schenllstudien abverlangt werden, hängt selbstverständlich immer von dem zu übersetzenden Werk ab, aber flott muss es so oder so gehen, denn das Übersetzen ist schließlich vor allem Arbeit, und die sollte sich im Verhältnis zur aufgewandten Zeit schließlich auch lohnen.


CRS: Wie schwierig ist Dein aktuelles Übersetzungs-Projekt?
Dragonball Z
JS: Es sind derzeit deren drei. "Dragon Ball Z", "Alita", und "Ikkyu". "Dragon Ball Z" ist für mich in der Regel geradezu eine Erholung. Da muss nichts recherchiert werden, außer dass ich manchmal in den zig bereits übersetzten Büchern nachschlagen muss, wie Figuren denn in der finalen Deutschen Fassung hießen. Das einzige, was gelegntlich etwas anstrengend sein kann, sind die Soundwords, die nicht Deutsch sondern Englisch sein sollen, weil diese Bücher nicht nur in Deutschland erscheinen und die Soundwords auch für die Dänische Übersetzung usw. verwendet werden.
Cover
"Alita" oder genauer gesagt "Alita - andere Geschichten" wird auch eine recht entspannende Arbeit werden, obwohl für den Anfang des Buches noch mal in großem Umfang in die ursprünglichen Alita-Bände geschaut werden muss. Jedenfalls wird dieser Außer-der-Reihe-Alita-Band im Vergleich zu den immer verworrener werdenden Büchern von "Alita - Last Order" mal wieder richtig Spaß machen. Das tun die Last Order-Geschichten zwar auch, aber sie sind eben auch wahnsinnig Recherche-intensiv. Wenn man sich da nicht in kürzester Zeit über alles von Quantenmechanik bis zur Psychoanalyse schlau zu machen in der Lage ist, läuft da gar nichts.
Cover
Viel Spaß machen wird mir auch der nächste Teil von" Ikkyu". Allerdings wird diese Biograhie des Enfants terrible des mittelalterlichen japanischen Zen-Buddhismus auch wieder unvergleichlich anstrengend werden, denn das Werk ist historisch, machtpolitisch und kulturell sehr detailliert und an vielen Stellen so anspruchsvoll, dass ich ehrlich glaube, dass ein Großteil der japanischen Leser der Geschichte damit überfordert waren.


CRS: In den Tiefen des Internet steht Dein Name in Verbindung mit Übersetzungen von so legendären Titeln wie Akira, Dragonball Z oder Dr. Slump. (Komplette Liste weiter unten!) Was waren deine "Lieblings-Übersetzungen" und warum?

JS: Die Lieblingsübersetzung gibt es nicht. Spaß gemacht haben mir die meisten. Umgekehrt wahr ich zum Beispiel von "Okami" sehr enttäuscht. Diese Reihe hatte mich auf Japanisch schwer beeindruckt. Aber dann scheine ich wohl eher zu lesen wie ein Japaner. Mehr atmosphärisch. Beim Übersetzen stellte ich dann aber zu häufig fest, dass das, was auf Japanisch sehr bedeutend klang, eigentlich nur viel heiße Luft war. Oder Miyazakis "Nausikaä". Bei allem Öko-Anspruch war es dialogtechnisch häufig nicht so einfach, weil die Charaktere alle gleich aussehen;-)
Okami 8: Beispiel
CRS: Dein eigener (selbst gezeichneter) Manga "Bloody Circus" (der erste Manga eines Deutschen in Japan) kam ja beim deutschen Publikum verkaufsmäßig ja nicht so sensationell an wie z.B. Dragonball. Bedauerst Du das oder sind das nur alte Geschichten?
Cover
JS: Das ist so lange her… Und im Vergleich zu Titeln des Godfathers of Japanese Manga hat sich Bloody Circus ja gar nicht mal so schlecht verkauft;-) Aber ehrlich, das ist Schnee von gestern. "Bloody Circus" war übrigens nicht der erste Manga aus deutscher Feder in Japan.


CRS: Wenn Du die Qualität der deutschen Übersetzungen auf den Markt beurteilen müsstest, zu welchem Ergebnis würdest Du kommen?
Cover
JS: Um die Qualität beurteilen zu können, müsste ich Mangas auf Deutsch lesen. Warum sollte ich das in aller Bescheidenheit tun?


CRS: Welche Manga-Serie ist nach Deiner Meinung nach wirklich empfehlenswert, weil authentisch übersetzt.

JS: Da kann ich aus eben genanntem Grunde mangels Sachkenntnis leider keine Empfehlung aussprechen.


CRS: Ist eigentlich die Übersetzung eines deutschen Mangas ins Japanische einfacher als umgekehrt?

JS: Habe ich noch nicht gemacht und würde ich auch nicht machen, da ich der felsenfesten Überzeugung bin, dass ein Übersetzer immer Muttersprachler der Zielsprache sein muss. Theoretisch könnte ich mir aber schon vorstellen, dass es einfacher sein könnte, weil das Deutsche doch sehr viel eindeutiger sein kann als das Japanische es für gewöhnlich ist.


CRS: Als aktiver Meister und Lehrer eines japanischen Kampfsports, fallen Dir bei den Übersetzungen auch inhaltliche Fehler auf? Also, halten die "Helden" im Manga z.B. ihre Schwerter und Speere eher falsch, aber dafür visuell eindrucksvoll?
Jürgen Seebeck rechts
JS: Na ja, Meister würde ich mich nun nicht unbedingt nennen, aber ich übe und unterrichte tatsächlich schon eine sehr lange Zeit Iaido (Schwertziehen) und Sojutsu (Speerfechten). Und ja, es gibt schon eine Menge diesbezüglicher Fehler. Aber man kann ja auch nicht wirklich erwarten, dass jeder Zeichner, der etwas zum Thema Schwertkampf macht, selber mit dem Schwert umzugehen weiß. Bei einem Piloten-Comic würde man schließlich auch nicht erwarten, dass der Zeichner auch am Steuerknüppel eines Jets eine gute Figur macht;-)

Viel häufiger als über graphische Schnitzer (wenn es denn Fehler sind, als solche würde ich der Bilddramaturgie dienende Verfremdungen nämlich gar nicht bezeichnen) aber stolpert man doch über sprachliche Fehler im Japanischen und vor allem häufig über logische Brüche. Die muss der Übersetzer dann natürlich ausbügeln, weil sonst jeder Leser glauben würde, es wären übersetzerische Patzer.

Beispiel
CRS: Angesichts solch einer beeindruckenden Liste an übersetzten Manga-Serien: Kishiro Yukito: Battle Angel Alita
Kishiro Yukito: Battle Angel Alita - Last Order
Otomo Katsuhiro: Akira (Farbausgabe: 20 Bände/ SW-Ausgabe 6 Bände)
Otomo Katsuhiro: Begraben im Sand
Otomo Katsuhiro: Der Feuerball
Otomo Katsuhiro: Akira Club (Artbook)
Otomo Katsuhiro: Das Selbstmordparadies
Otomo Katsuhiro/Nagayasu Takumi: Sarah
Takahashi Tsutomu: Jiraishin
Tezuka Osamu: Astro Boy
Tezuka Osamu: Kimba
Toriyama Akira: Dragon Ball
Toriyama Akira: Dragon Ball Magazin
Toriyama Akira: Dragon Ball Z
Toriyama Akira: Dragon Ball Z Magazin
Toriyama Akira: Dragon Ball GT
Toriyama Akira: Dragon Ball GT Magazin
Toriyama Akira: Dr.Slump
Toriyama Akira: Manga Zeichenkurs
Toriyama Akira: The World Special
Asamiya Kiya: Silent Möbius
Miyazaki Hayao: Prinzessin Mononoke
Miyazaki Hayao: Nausikaä aus dem Tal der Winde
Koike Kazuo/Kojima Goseki: Okami
Matsushita Yoko: Yami No Matsuei
könnte man meinen, dass sich die Arbeit (auch finanziell) lohnt. Ist Übersetzer von japanischen Mangas ein empfehlenswerter Berufsweg?
Cover
JS: Ich glaube nicht, dass man den Berufswunsch Manga-Übersetzer hegen sollte. Denn selbst wenn man gut und schnell ist, hängt es immer noch von Faktoren wie Markt- und Auftragslage ab, ob man von seinen Übersetzungen auch leben kann. Zu Zeiten von Mammut-Serien wie Dragon Ball ging das natürlich ganz gut. Aber heute kauft wohl kein Verlag mehr so eben die Rechte (und Verpflichtungen) an Serien mit 40+ Bänden. Man sollte also dringend noch andere Eisen im Feuer haben, übersetzerische oder ganz andere.


CRS: Wie literarisch/anspruchsvoll sind die Texte von so Illustren Manga-Autoren wie Otomo, Toriyama oder Miyazaki eigentlich wirklich?

JS: Nehmen wir mal wieder "Ikkyu". Diese Geschichte ist nicht nur inhaltlich hochgradig anspruchsvoll, sondern auch sprachlich. Es wird, für die hier ansonsten bekannten Mangas nicht eben selbstverständlich, überwiegend in vollständigen Sätzen gesprochen. Und es gibt jede Menge erklärende Narration zu den historischen und religiösen Rahmenbedingungen der Story. Gewürzt wird das ganze dann noch mit Poesie, Ausflügen in die mittelalterliche Epic und das No-Theater. Etwas derartig forderndes habe ich im Manga-Bereich noch nicht erlebt. Auch andere Autoren, beispielsweise Fujiwara Kamui liefern - auch sprachlich - sehr anspruchsvolle Sachen ab. Oder Inoue mit "Vagabond". Otomo hat auch jede Menge großartige Geschichten geschrieben, von denen die meiner Meinung nach besten hier aber leider (bisher jedenfalls) nicht erschienen sind. Toriyamas Mangas sind hinsichtlich ihres literarischen Anspruchs natürlich ein sehr viel kleineres Kaliber. Wobei ich nichtsdestotrotz den Witz von "Dr. Slump" ebenso schätze wie die Kernmessage von Dragon Ball (die gibt es tatsächlich).
Cover

CRS: Was sind Deine nächsten Übersetzungs-Projekte?
Alita
JS: Wie eingangs schon gesagt, sind das "Dragon Ball", "Alita" und "Ikkyu". Die Geschichten sind alle noch lange nicht fertig. Wobei Ikkyu tatsächlich nach 1300 Seiten abgeschlossen ist. Und auch definitiv keine Fortsetzungen kommen können. Denn die Story endet mit dem Tod der Hauptfigur. Und der Zeichner und Autor von "Ikkyu", Sakaguchi Hisashi, lebt ja leider auch nicht mehr.


CRS: Speer-Comics zeichnest Du ja derzeit auf www.sojutsu.de. Wird das auch Deine nächste gedruckte Comic-Publikation?
JS:Ich glaube, die "Wahren Meister des Speers" sind von viel zu speziellem Interesse, als dass es sich lohnen würde, sie kommerziell verwerten zu wollen. Dieser Gedanke ist mir bisher überhaupt noch nicht gekommen. Die Speer-Strips sollen nur ein kleiner Beitrag zum Gedeihen des japanischen Speerfechtens, besonders meiner Schule, der Hozoinryu, in Deutschland/Europa sein, wie die ganze Website überhaupt.


CRS: Wann und wo kann man Dich heuer in Frankfurt persönlich treffen?

JS: Am Samstag, 18.10.2008 von 14:00-18:00 Uhr in Halle 5.


CRS: Signierst/zeichnest Du dann auch dort?

JS: Nein, in Frankfurt bin ich - jedenfalls von 14:00 - 18:00 - nur der gläserne Übersetzer, nicht der gläserne Zeichner;-)
Cover

CRS: Dein Credo (als Übersetzer)?

JS: Übersetzungen müssen besser werden als das Original! (Ob dieses Ziel immer zu erreichen ist, ist natürlich eine ganz andere Frage.


CRS: Dein Rat an alle Manga-Leser?

JS: Auch Bücher ohne Bilder können Spaß machen!


CRS: Jürgen Seebeck, vielen Dank für das Gespräch.
 
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