Comicfest München präsentiert: Manga - Ursprung und Geschichte :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
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geschrieben von Maqz am Freitag, 18. März 2005 (28316 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Kultur und Geschichte hinter den modernen Bildern aus Japan


Comicfest München 2005Dieser Beitrag stammt aus dem Katalog des letzten Comicfestes München. Immer noch informativ dient er in dieser Artikelreihe dazu daran zu erinnern, daß in diesem Jahr wieder ein Comicfest in München stattfinden wird. Termin 01. bis 04. September 2005. Wieder sind alle herzlich dazu eingeladen. :-)

Weitere Informationen zum Fest gibt es unter www.comicfest.de oder bei mg@comicradioshow.com.

Manga


von Markus Strossenreuter

Der deutsche Comicmarkt boomt – Motor dieses
Phänomens ist die japanische Zeichenkunst:
Manga (Comic) und Anime (Zeichentrick).
Die Kultur und Geschichte hinter den
modernen Bildern aus Japan kennen nur die
eingefleischtesten Otakus (Fans). Für alle, die
mehr über die bunten Bildchen aus Japan
wissen wollten, ist diese kleine Einführung.

Die Ursprünge japanischer Zeichentradition
lassen sich bis ins 7. Jahrhundert zurückverfolgen.
Bei Restaurierungsarbeiten in japanischen
Tempeln wurden 1935 Ritzzeichnungen
gefunden. Obwohl sehr einfachen und grobschlächtigen
Zeichnungen sicher eher von
gelangweilten Bauarbeitern und Schreibern als
von echten Künstlern stammten, zeigten sie
schon Ansätze der für japanische Zeichnungen
später so typisch gewordenen feinen Linientechnik.
Die ersten gepinselten Zeugnisse der japanischen
Zeichenkunst kamen im 12. Jahrhundert „angerollt“.
Die vier papiernen chojugiga (Tierrollen)
des Bischofs Toba zeigten vermenschlichte Tiere
in allen erdenklichen Szenen des buddhistischen
Klosterlebens und gelten heute als Meisterwerke
der japanischen Pinselstrichkunst. Sie sind mit
den heutigen Mangas nicht zu vergleichen, denn
es gibt keine Einzelbilder.
Ghost in the Shell Beispiel
Vielmehr entrollt sichvor dem Betrachter eine Art Film. In den bis zu
dreißig Meter langen Papierbändern gehen Hügel
sanft in Ebenen über, Dächer lösen sich auf und
zeigen das darunter liegende Geschehen. Aber, es
finden sich auch schon Stilmittel, deren sich auch
der heutige Manga noch bedient.
Im 17. Jahrhundert setzte, ausgehend von der
Stadt Otsu nahe Kyoto, im gemeinen Volk ein
Boom für Zeichnungen ein. Aus anfangs buddhistischen
Amuletten für Reisende wurden schnell
sehr weltliche Bilder von lasziven Frauen,
Dämonen in Priestergewändern oder legendärer
Samurai. Um der wachsenden Nachfrage zu
begegnen, bedienten sich die Künstler gar einer
primitiven Druckmethode. So konnten sie diese
Bilder zu Tausenden produzieren.
In der Edo-Periode (1600-1869) bildete sich
eine wohlhabende Händlerklasse in
Japan. Diese neue Klasse suchte
nach billigen Formen der
Unterhaltung und Ablenkung. Das
heizte unter anderem die
Nachfrage nach Holzblockdrucken
an, die bald in Massenproduktion gefertigt
wurden. Die beliebteste Form dieser Drucke
waren ukiyo-e (Bilder der schwimmenden Welt).
Farbenfroh und filigran zeigen sie Sehenswürdigkeiten,
historische Geschichten, Anekdoten,
aber auch mal deftigere Geschichten
(shunga = Frühlingsbilder).
Ghost in the Shell Beispiel
Schon im ausgehenden 18. Jahrhundert bildeten
sich auch die ersten Vorformen des modernen
Manga-Buches die toba-e und kybyoshi. Sie
bestanden aus 20 oder mehr Seiten, die entweder
mit Draht gebunden waren oder sich wie eine
Ziehharmonika auffalten ließen. Die einfarbigen
toba-e, benannt nach dem Schöpfer der Tierrollen
Bischof Toba, hatten keine Einzelbilder
und kamen mit wenig Begleittext
aus. Die kibyoshi oder „Gelbcover“
waren zwar ebenso einfarbig wie die toba-e,
legten jedoch Wert auf eine durchgängige
Geschichte aus Einzelbildern und verwendeten
einen festen Begleittext.
Mit den Europäern brach im 19. Jahrhundert auch
der europäische Cartoon in den vorher abgeschlossen
Kulturkreis des Reiches der aufgehenden
Sonne ein. Zwei Europäer waren es
dann auch, die die Saatkörner für den modernen
Manga legten: Charles Wigman (1835-1891, Brite)
und George Bigot (1860-1927, Franzose). Wigman
brachte Japan mit der Satirezeitschrift The Japan
Punch (1862) die Sprechblase und Bigot mit seiner
Zeitschrift Tobae (1887) die inhaltliche Verknüpfung
von Einzelbildern zu einem Comic-Strip.
Die Zeichner griffen jetzt anstatt zum Pinsel zum
Bleistift und moderne europäische Drucktechniken,
wie etwa der Kupferplattendruck oder
der Setzdruck, revolutionierten die Industrie in
Japan. Die neuen Techniken ermöglichten hohe
Auflagen zu kleinen Preise. So wurde schon früh
der Grundstein dafür gelegt, dass sich Zeitungen
und Comics zu echten Massenmedien entwickeln
konnten.
Die ersten japanischen Eigenprodukte
sind Zeugnisse dafür, wie schnell die Asiaten die
westlichen Techniken übernahmen und verbesserten.
Shamo 1 Beispiel
Die Marumaru Chimbun erschien erstmals
1877. Die Zeitschrift lehnte sich stark am The
Japan Punch an, war ihr jedoch von Anfang an
stilistisch überlegen.
Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts
wandten sich die Japaner zunehmend vom
steifen, europäisch geprägten Cartoon ab und
entdeckten den lebendigeren, amerikanischen
Cartoon für sich. Kitazawa Rakuten (1876-1955)
und Okamoto Ippei (1886-1948) begannen als
erste damit, den amerikanischen Stil aufzunehmen.
Sie betrachteten das Comiczeichnen nicht
nur als Zwischenstufe auf dem Weg zu „echter“
Kunst und nannten sich als erste Zeichner überhaupt
mangashi (shi = „Meister“ oder „Lehrer“).
Kitazawa kreierte 1902 den ersten japanischen
Comicstrip: Tagosaku to Mokube no Tokyo
Kembutsu (Tagosaku und Mokube auf Sightseeing
in Tokio).
Obwohl in den Zwanziger Jahren immer mehr
amerikanische Cartoons in Japan auf den Markt
drängten, waren sie, trotz großer Beliebtheit nie
eine Gefahr für die einheimische Produktion. Im
Gegenteil, es half der Branche sogar auf die
Sprünge. Der Erfolg der ausländischen Serien rief
die Herausgeber der Zeitungen auf den Plan. Als
sie das Potenzial der Comicserien zur Leserbindung
erkannten, stellten sie zunehmend eigene
Zeichner ein. Eine eigenständige japanische
Comicstripkultur entstand und etablierte sich
schnell. Im Gegensatz zu den amerikanischen
Comics waren die Mangas für die japanischen
Leser leicht zu verstehen. Schließlich besaßen
Künstler und Konsument denselben kulturellen
Hintergrund.
Son Goku in Action
Die 30er und frühen 40er Jahre waren geprägt
von Japans aggressiver Expansionspolitik. Diese
Jahre gehören zu den schwärzesten in der
Geschichte des Manga. Die Regierung warb mit
großem Erfolg um die „Mangashi“ und begann
Inhalte zu kontrollieren und zu lenken. Die meisten
Zeichner stellten sich scheinbar arglos in
den Dienst der nationalen Sache und der
Propaganda.
Nach dem Krieg bedienten sich die Amerikaner
der Massenwirksamkeit des Manga zur Umerziehung
der japanischen Bevölkerung. Sie sorgten für
Papier und Zeichenutensilien und gaben der
Industrie damit kostenlose Starthilfe. Außerdem
profitierte die Manga-Industrie davon, dass dem
vom Krieg ausgelaugten Volk nach billiger Zerstreuung
verlangte. Vor dem Krieg hatte man
zumeist festgebundene, sorgfältigst kolorierte
Mangas auf hochwertigem Papier produziert.
Diese waren aber teuer, man musste als umdenken.
Die Verlage stellten deswegen auf einfarbige,
schlecht gebundene Mangas auf billigstem Papier
um, deren geringe Produktionskosten auch hohe
Auflagenzahlen ermöglichten. Vom künstlerischen
Aspekt her gesehen, waren diese
Mangas unbedeutend. Das zeichnerische Niveau
der Verkaufsmangas war auch auf Grund enger
Produktionstermine unterirdisch. Eine wohltuende
Ausnahme bildeten da die Leihbuchverlage.
Mit großzügigeren Produktionszeiten als bei den
Verkaufsmangas boten sie ihren Zeichnern vielmehr
Raum, Wert auf die Handlungsstränge und
Zeichnungen zu legen. Im Schnitt hatte ein
Leihbuchzeichner die vierfache Produktionszeit
für seine Geschichte: ein Monat gegenüber einer
Woche bei den Verkaufsmangas.
Eine interessante Entwicklung der Nachkriegszeit
ist die Aufsplittung der Mangas in Genres. Im
Gegensatz zu Europa und den USA, wo Comics
hauptsächlich ein junges männliches Publikum
ansprachen, gab es in Japan bereits seit den
späten fünfziger Jahren eine große Bandbreite
verschiedenster Lesergruppen. Anfangs glichen
die Mangas ihren westlichen Verwandten inhaltlich:
Geschichten rund um Sport, Samurai oder
Astronauten. Doch die Nachkriegsgeneration las
weiter Mangas, auch wenn sie den Kinderschuhen
längst entwachsen war. Konsequenz: Erwachsenere
Themen fanden Platz in den Bildergeschichten.
Während die Verkaufsmangas bald
Auflagenrekord auf Auflagenrekord erzielten,
brach der Leihbuchmarkt zusammen. Die Verlage
gingen Bankrott. Zahlreiche hochqualifizierte
Zeichner drängten darauf hin in die boomende
Branche und gaben der Manga-Kultur neuen
Schub.
Astro Boy
Viele Zeichner wendeten sich vom disneyhaften
Stil der Kinder-Mangas ab und beschritten neue
Wege – so etwa Osamu Tezuka. Er prägte die
japanische Manga-Kunst wie kein anderer. Seine
genialen Ideen eröffneten dem Zeichner völlig
neue gestalterische Möglichkeiten.
Er gilt als Erfinder der gekiga (Dramatische
Bilder). In seinen Mangas drängte das Bild den
Text zunehmend in den Hintergrund. Mit der
Veröffentlichung von Ribon no kishi (Der Ritter
mit den Schleifen) 1953 schuf er den ersten reinen
Mädchen (shojo)-Manga und legte damit auch den
Grundstein für all die verschiedenen Genres, die
es heute gibt.
Zuerst gab es nur getrennte Magazine für Jungen
und Mädchen. Doch schon bald gesellten sich
auch Magazine für Männer, für Frauen und zuletzt
sogar Senioren hinzu. Mit der altersbezogenen
ging auch noch eine inhaltliche Trennung einher.
Heute gibt es spezielle Magazine für Science-
Fiction, Horror-, Abenteuer- oder Alltagsgeschichten.
Seit den achtziger Jahren bereichert
erfreut sich der Sach-Manga auch größter
Beliebtheit. Ishinomoris Nihon Kezai Nyumon
(Japan GmbH. Eine Einführung in die japanische
Wirtschaft, 1986) war der erste dieser Art. Heute
gibt es diese leichte Art der bildenden Unterhaltung
mit Themen von Geschichte über Physik
bis hin zu Kunst. Das japanische Manga-Magazin
unterscheidet sich grundlegend von allen westlichen
Comic-Formen. Es erscheint wöchentlich
oder zweiwöchentlich und hat bis zu 600 (!)
einfarbigen Seiten. In jedem dieser Wälzer finden
sich bis zu 18 über mehrere Ausgaben fortlaufende
Geschichten.

Mehr als 100 Verlage teilen sich den Markt in
Japan. Dominiert wird er zu 70 Prozent von
den großen drei, Shueisha, Kodansha
und Shogakukan. Als Beispiel für
die sprunghafte Entwicklung
der Absatzzahlen sei
hier die Manga-Wochenzeitschrift für Jungen,
Shonen Jump, angeführt. Sie startete 1968 mit
einer Auflage von 100.000, erreichte 1984 bereits
vier Millionen Leser und konnte 1991 sogar die
sechs Millionen-Schallmauer durchbrechen,
wöchentlich!! Zum Vergleich, die amerikanische
Wochenzeitschrift Newsweek hatte 1984 etwa drei
Millionen Leser.
Viele der Mangas für Jungen (shonen) verzichten
auf künstlerischen Anspruch. Deswegen erscheinen
sie meist wöchentlich. Der Shojo-Manga erscheint
meist 14-tägig oder monatlich und achtet
mehr auf Inhalt und Stil. Die beiden Genres entwickelten
deshalb zwei völlig verschiedene
Erzählformen. Der Shonen-Manga legte lange
wenig Wert auf Gefühlsregungen oder Schönheit.
Sein Hauptaugenmerk galt der Darstellung von
Action und der linearen Erzählstruktur, ähnlich
den Storyboards eines Films. Der Shojo
dagegen thematisierte zumeist
Liebesgeschichten. Die Schönheit
der Form, Gefühlsregungen und
Stimmungsumschwünge spielten
eine weitaus größere Rolle. Die Shojo-
Figuren zeigen zumeist den kaukasischen
Typ: Große Augen, überlange,
filigrane Gliedmaßen und
falls weiblich zusätzlich
noch mit Wespentaille und großer Oberweite. In
die überdimensionierten Augen legten die
Zeichner viel Emotion, die Gesichter schienen
bald nur noch aus Augen zu bestehen. Die klare
Aufteilung der Seiten in einzelne Panels verschwand
im Shojo immer mehr, die Bilder flossen
ineinander.
Ivy & Maeve
In den 80er Jahren kam es dann aber zu
„Querlesern“, also Jungen, die Shojo-Magazine
lasen, oder Mädchen, die sich für die Abenteuergeschichten
der Shonen-Magazine begeisterten.
Als Folge davon kam es zu einer zunehmenden
stilistischen Annäherung. Die Augen im Shonen
wurden größer, die Geschichten ausgefeilter und
zunehmend mit romantischen Details angereichert.
Dagegen schrumpften die Augen im Shojo
und die Storys bekamen mehr Action und
Dynamik.
Trotz der hohen Auflagen waren Manga-Zeitschriften
kein wirklich einträgliches Geschäft. Der
Konkurrenzdruck hielt die Preise niedrig. Die Verlage
mussten deshalb nach alternativen Gewinnmöglichkeiten
suchen, etwa die Zusammenfassung
erfolgreicher Serien zu Gesamtausgaben.
Wegen der Länge der Serien konnten sich diese
wiederum auf mehrere Bände erstrecken. Doch
auch hier waren die Gewinne aufgrund der zahlreichen
Serien nicht sehr hoch. Animation bot
einen Ausweg aus diesem Dilemma. Der Erfolg
von aus Mangas umgesetzten Fernsehserien wie
Kimba oder Eisenfaust Atom ermutigten die
Verlage, vermehrt auf die Animation zu setzen.
Plötzlich tat sich auch ein Fanartikel-Markt auf.
Comicfest München 2005
Die Verlage erwirtschafteten bald den Großteil
ihrer Gewinne mit der Vergabe von Merchandising-
Lizenzen. Natürlich kurbelte die Ausstrahlung
auch den Absatz des Comics an. Erfolgreiche
Serien verlangten nach Spin-Offs. Deren Ausstrahlung
machte wieder neues Merchandising
und belebte die Nachfrage nach den ursprünglichen
Mangas neu. Ein Kreislauf war geboren.
Die Animatoren, zumeist gleichzeitig Manga-
Zeichner, versuchten die Kluft zwischen den
Shojo und Shonen-Stil zu überbrücken: Schöne,
kaukasische Charaktere mit großen, aber nicht
überdimensionierten Augen fanden sich in
actionreiche Handlungen, die, je nach Bedarf,
mit einer Prise Romanze gewürzt wurden. Der
Vielfalt der Geschichten war auch im Anime keine
Grenzen gesetzt: Elemente von Science-Fiction
und Fantasy vermischen sich mit Märchen und
Sagen, realer Geschichte und Religion. Man lässt
der Phantasie freien Lauf, nach dem Motto: Im
Anime ist nichts unmöglich und alles erlaubt!
1958 startete Toei erfolgreich mit der Produktion
von
abendfüllenden Animationsfilmen.
Schon bald drängten
auch andere Studios wie Otogi, Kyodo oder Nihon
Eiga auf den Markt.
Enge Produktionszeitpläne verhinderten allerdings
aufwendige Verfahren. Meisterwerke blieben
so die Ausnahme. Im Gegensatz zu ihren
amerikanischen Kollegen verzichteten japanische
Zeichner auf detailgetreue Zeichnungen oder
musikalische Zwischenspiele. Man legte viel Wert
auf schnelle Schnitte, bizarr-traumhafte Settings
und atemberaubende Action. Nach dem TV-Erfolg
von Tetsuwan Atomu (Astro Boy) 1963 schossen
neue Studios wie Pilze aus dem Boden. Schon
zwei Jahre später gab es sieben davon.
In den siebziger Jahren entdeckten die Studios
die Sportwelt und schlachteten dieses Genre
gehörig aus. Mit Attack No 1 (deutscher Titel: Mila
Superstar; 104 Folgen) begann es. Kaum eine
Sportart war vor dem Anime sicher. Zur selben
Zeit fanden die ersten Anime-Serien auch ihren
Sendeplatz in Amerika und Europa. Während sie
in Amerika nie die Vormachtstellung einheimischer
Produktionen brechen konnten, schlugen in
Europa Serien wie Kimba oder Eisenfaust Atom
richtig ein. Erwähnenswert: Alps no Shojo Heidi
(Heidi) von 1972, eine Koproduktion der Taurus Film und Toei.
Die Anime-Industrie florierte: 1976
wurden insgesamt 200 Serien produziert, bis 1983
verdoppelte sich diese Zahl. Der Branchenriese
Toei konnte jeden Tag 26 Minuten Zeichentrick
fertig stellen. Das entspricht mehr als 30.000
Einzelbildern pro Tag.
Sailor
Der endgültige Durchbruch des Anime kam aber
1985 durch den Videomarkt. Neben den aufwändigeren,
abendfüllenden Spielfilmen für die Kinos
etablierten sich jetzt auch noch die sogenannten
OVAs: Original Video Animations. OVAs sind
Anime-Produktionen, die ohne den Umweg über
TV oder Kino direkt auf Video herauskommen.
Durch die Verwendung von Standbildern mit darüber
gelegtem Dialog oder einer Offstimme,
Computeranimation anstatt handgezeichneter
Sequenzen und absichtlich vernachlässigter
Lippensynchronität sind die Produktionskosten
gering und die Produktionszeit kurz.
Portrait Otomo
Inhaltlich
spielen Gewalt, Spiritismus und Pornographie oft
eine wesentliche Rolle. Mit den OVAs trat der
Anime endgültig seinen internationalen Siegeszug
an: Videos sind leicht zu transportieren und
wegen fehlender Lippensynchronität leicht zu
synchronisieren. Der OVA-Boom verschaffte aber
auch den Kinoproduktionen mehr Geld. Viele
erfolgreiche Manga-Serien der letzten Jahre fanden
nun ihren Weg in die Kinos. Das bekannteste
Beispiel ist Akira von 1988.
Einer der großen Vertreter des abendfüllenden Anime
ist Hayao Miyazaki, der bei Toei als art director für Heidi verantwortlich
gezeichnet hatte. Seine wichtigsten
Werke: Kaliostro no Shiro (Cagliostro´s Castle,
1979), Kaze no Tani no Nashika (Nausicaa, 1984).
Tenku no Siro Rapyuta (Laputa, das Schloß im
Himmel) von 1986 und die aktuellen Anime-
Erfolge: Mononoke Hime (Prinzessin Mononoke)
und Chihiros Reise ins Zauberland. (Spirited
Away).  Miyazaki Moebius Ausstellung
 
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