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geschrieben von God am Donnerstag, 20. Dezember 2001 (15819 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht
Von Wolfgang J. Fuchs
Mit freundlicher Genehmigung des Ehapa Verlages

Cover Es gibt Persönlichkeiten, deren Namen sich verselbständigen und zu einem jedermann geläufigen Begriff werden. Walt Disney war solch ein Mensch. Auch Jahrzehnte nach seinem Tod werden immer noch Zeichentrickfilme und Familienunterhaltung "in seinem Namen" produziert. Und das Disney-Studio hat sich zum Mediengiganten mit eigener Freizeitwelt entwickelt, zu einem wahren "Imperium der Maus".
Insgesamt 48 (in Worten: achtundvierzig) Oscars haben Disney und seine Firma zu seinen Lebzeiten für Filme, Trickfiguren und filmtechnische Neuerungen von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences verliehen bekommen. Dazu zahlreiche amerikanische und internationale Ehrungen. Doch angefangen hatte alles ganz bescheiden.

Walt Disney, genauer Walter Elias Disney, kam am 5. Dezember 1901 in Chicago zur Welt. Er war väterlicherseits irisch-kanadischer Abstammung, mütterlicherseits anglo-amerikanischer. Die Familie Disney führt ihren Namen bis zu den Normannen zurück. Sie stammte ursprünglich aus dem Küstenort D'Isigny-sur-Mer in der Normandie.
Walt war das vierte der fünf Kinder von Elias und Flora Disney. Wegen der großen Altersunterschiede zu den Geschwistern entstand nur zwischen den Brüdern Walt und Roy eine engere Bindung. Später wurde Roy Partner in Walts Firma. Die Disneys zogen häufig um, von Chicago in die Kleinstadt Marceline in Missouri, dann nach Kansas City und schließlich wieder zurück nach Chicago. Im Alter von 13 Jahren überzeugte Walt Disney seinen Vater davon, dass es sinnvoll sei, ihn Zeichenunterricht nehmen zu lassen.
Auch in Chicago durfte Walt zusätzlich zum Besuch der High School noch Zeichenkurse besuchen. Das kam ihm beim Anfertigen einer gezeichneten Schülerzeitung ebenso zupass wie im 1. Weltkrieg. Da er noch nicht 18 Jahre alt war, wurde er nur dem Roten Kreuz als Fahrer zugeteilt und kam so nach Frankreich. Dort bemalte er die Rotkreuz-Wagen mit Karikaturen und verdiente sich durch Zeichnungen nebenbei etwas zum Armeesold dazu.
Wieder zu Hause, wollte Walt Disney ernsthaft Pressezeichner und Karikaturist werden. Er bekam statt dessen Arbeit als Zeichner bei einer Werbeagentur, allerdings nur während des Weihnachtsgeschäfts. Für 10 Dollar pro Woche durfte er Ölbohrtürme zeichnen, die gerade auf eine Ölquelle gestoßen sind. ?Sie hätten mal sehen müssen, wie viel Öl wir da in die Bilder gezeichnet haben!?, verriet Disney 1933 einem Reporter. Mit Ub Iwerks, dem Kollegen, der mit ihm Ölquellen gezeichnet hatte, arbeitete Disney dann selbständig als Werbegrafiker. Mit 250 Dollar, der Hälfte seiner Ersparnisse, richtete Disney ein Büro ein.

In der Zusammenarbeit mit der Kansas-City-Werbefilmgesellschaft kamen Disney und Iwerks 1920 erstmals mit dem Zeichentrickfilm in Berührung. Das veranlasste Disney, mit einer geliehenen Kamera in einer Garage zu experimentieren. Die Garage als Ausgangspunkt großer Ideen geschäftstüchtiger und innovativer Amerikaner ist fast schon ein Mythos, der gleichberechtigt neben der stereotypen Erfolgsstory vom Tellerwäscher steht, der Millionär wurde.
In seinem ersten eigenen Film, dem 1921 entstandenen ?Pilotfilm? für die Newman Laugh-O-Grams, sieht man Walt Disney zunächst am Zeichentisch, wie er Karikaturen anfertigt, ehe der von ihm selbst gezeichnete Trickfilm beginnt. Bei den nächsten Kurzfilmen griff Disney auf Märchenthemen zurück: Rotkäppchen, die Bremer Stadtmusikanten, Hans und die Bohnenstange, Goldlöckchen und die drei Bären, der gestiefelte Kater, Cinderella. Diese Filme erzählten die alten Märchen aber nicht einfach nach, sondern benützten sie als Ausgangspunkt für moderne Geschichten.
Disneys erste Trickfilmunternehmung war zwar finanziell ein Katastrophe, dennoch wollte der Jungunternehmer weiter Trickfilme machen. Daher fuhr er im Juli 1923 mit nur 40 Dollar in der Tasche nach Hollywood, wo er nach einigen Fehlschlägen einen Filmverleiher für eine von ihm konzipierte Trickfilmserie fand, bei der Real- und Trickfilm kombiniert werden sollten. Der Vertragsabschluss am 16. Oktober 1923 gilt zugleich als das Gründungsdatum der Disney Studios, für die Bruder Roy Disney das nötige Grundkapital beisteuerte. Der erste Film des neuen Studios, Alice?s Wonderland, war ungefähr zwei Tage zuvor fertig worden. Disney hatte die rund 1.500 Einzelbilder selbst angefertigt. Von 1924 bis 1926 wurden nahezu sechzig Alice-Filme gedreht.

Das Besondere daran war die Kombination realer Spielszenen von Alice mit gezeichneten Figuren.
Walt Disney selbst legte bei den ersten Filmen Hand an, ehe er sich Ub Iwerks, seinen alten Partner aus Kansas City, zu Hilfe holte. Die Verleiherin Margaret Winkler bestand darauf, dass in diesen Filmen auch stets eine Katze als Gefährte, oft auch als Hauptfigur, auftrat. Dieser Kater namens Julius sieht nicht von ungefähr dem Trickfilmkater Felix entfernt ähnlich. Margaret Winkler hatte nämlich auch die Felix-Filme von Pat Sullivan unter Vertrag. Da es gerade Ärger mit Sullivan gab, fand sie es ganz angenehm, mit einem zweiten Kater den ersten bei der Stange halten zu können. In den Alice-Filmen tritt aber nicht nur ein Kater auf, sondern auch allerlei anderes Getier. Vor allem tummeln sich in den Filmen zahlreiche Mäuse, die allesamt wie frühe Verwandte von Micky Maus aussehen.

Seinen charakteristischen Schnurrbart ließ sich Walt Disney 1926 sprießen. Er sollte den 25jährigen Filmproduzenten bei Verhandlungen mit Geldgebern älter und seriöser wirken lassen. Und es standen wichtige Verhandlungen bevor. Daher wollte Disney selbst die Alice-Filme 1927 nicht weiterführen. Zum einen, weil Alice in den Filmen immer seltener auftauchte, manchmal sogar nur noch gezeichnet, zum anderen, weil ihm auf die Dauer nicht behagte, dass man ihn wegen des ähnlichen Aussehens von Julius und Felix als Nachahmer hätte bezeichnen können.
Eine neue Figur musste als Ersatz entstehen. Charles Mintz, der den Vertrieb der Winkler-Filme leitete, hatte einen Auswertungsvertrag mit Universal unterzeichnet. In Zusammenarbeit mit der Werbeabteilung der Universal einigte man sich auf einen Hasen als Hauptfigur. Dessen Name ?Oswald? wurde im wahrsten Sinne des Wortes aus einem Hut gezaubert. Sein Aussehen entwarfen Walt Disney und Ub Iwerks.
Disney stürzte sich mit Feuereifer auf die neue Serie und entwickelte einige sehr charakteristische Erzählmuster und Gags. Dabei legte Disney besonderen Wert darauf, dass seine Figuren ein Eigenleben und deutlich erkennbare Charakterzüge bekamen. In den Oswald Filmen feilten Disney und seine Mitarbeiter ihre erzählerischen Talente immer stärker aus. Natürlich tauchten auch bei Oswald - wie zuvor bei Alice - ständig wieder Mäuse auf. Und Oswald bekam einen Gegenspieler, Pegleg Pete, alias Putrid Pete, der später zum Gegenspieler von Micky Maus wurde. In Deutschland ist er besser bekannt als Kater Karlo.
Da Walt Disney seine Produktionstechnik immer mehr verbesserte, stiegen die Produktionskosten rapide. Als dann im Februar 1928 in New York über eine Vertragsverlängerung der Oswald-Serie verhandelt wurde, kam es zum Eklat. Statt der geforderten 2500 Dollar pro Film sollte er nur noch 1800 Dollar pro Film erhalten. Falls Disney nicht einverstanden wäre, würde die Serie mit den meisten seiner Trickzeichner, aber ohne ihn, weitergeführt werden.

Nach fruchtlosen weiteren Verhandlungen verzichtete Disney auf den Oswald-Auftrag. Zusammen mit seiner Frau stieg er in den nächsten Zug nach Hollywood. Während der fast drei Tage dauernden Fahrt wurde Mickey Mouse als Ersatz für Oswald ?geboren?. Disneys Tochter Diane schrieb 1956 in der Saturday Evening Post, die Entscheidung für eine Maus als Hauptfigur - und nicht wie bisher als Nebenfigur - sei während der Fahrt irgendwo westlich des Mississippi gefallen. Nach den vielen in Nebenrollen auftretenden Mäusen in Disneys Filmen, war es ein Leichtes, eine richtige Charaktermaus zu finden, die eine eigene Geschichte tragen konnte. Einem Artikel über Walt Disney, der 1933 in der Zeitschrift Liberty erschien, also nur fünf Jahre nach dem ersten Maus-Film, ist zu entnehmen, dass Disney die Bahnfahrt nicht nur nutzte, um sich eine neue Figur auszudenken. Es hieß dort ganz lakonisch: ?Im Zug schrieb er das Drehbuch für den ersten eigenen Film des Walt Disney Studios.? Am ersten Micky-Film arbeiteten - wieder in einer Garage - Ub Iwerks (700 Phasenbilder pro Tag!), sowie Walt Disneys Frau Lillian, Roy Disneys Frau Edna und Walts Schwägerin Hazel Sewell. Sie übertrugen die Zeichnungen in Tusche auf Zelluloidfolien.
Die beiden ersten Filme lösten jedoch noch keine Begeisterungsstürme bei den Verleihern aus. Erst als Disney sich entschloss, den dritten Film als Tonfilm zu planen, kam der Erfolg. Walt Disney setzte alles auf eine Karte , um den ersten tönenden Trickfilm zu produzieren. Die Geschichte, für die Walt Disney und Ub Iwerks sich von einem Buster-Keaton-Film hatten inspirieren lassen, sollte den Filmtitel Steamboat Willie bekommen. Bei der Vertonung dieses Films sprach Walt Disney selbst Mickys Text. Er blieb zwanzig Jahre lang Mickys Stimme. Denn nicht ganz zu Unrecht sagte er einmal: "Es steckt sehr viel von der Maus in mir."
Am 18. November 1928 hatte Micky Maus in Reichenbach's Colony Theatre in New York Premiere. Die renommierte New York Times schrieb über Steamboat Willie unter anderem: "(Dieser Film) ist eine einfallsreiche Arbeit, die viel Spaß bietet. Er knurrt, jault, quietscht und bietet verschiedene andere Geräusche, die zu seiner erheiternden Wirkung beitragen." Disney hatte endlich den ersehnten Erfolg. Und aus vergangenem Schaden klug geworden, sicherte er sich selbst das Urheberrecht. Da Disney keine Kosten sparte, um immer bessere Filme zu produzieren, kam es ihm nicht unrecht, dass seine Figuren ab 1930 auch in Form von Zeitungscomics, in Verbindung mit allerlei Produkten und als Spielzeug produziert wurden und so Nebeneinkünfte brachten, um die steigenden Kosten der Filme aufzufangen.

Anfangs musste jeden Monat ein neuer Film mit Mickys lustigen Erlebnissen fertiggestellt werden. Doch Disney dachte weiter. Nach Micky Maus konzipierte er andere Filmreihen, etwa die Silly Symphonies. Und er kehrte immer wieder zum Thema Märchen zurück, mit dem er ursprünglich einmal begonnen hatte, bis er schließlich mit Schneewittchen und die 7 Zwerge 1937 den ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm in die Kinos brachte. Disney wollte sich aber nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Er steckte seine Gewinne immer in neue, noch aufwendigere, noch perfektere Produktionen.
Mit Zeichentrickfilmen wie Pinocchio, Dumbo und Bambi etablierte sich Disney endgültig als Produzent von Familienunterhaltung. Die Produktion der kurzen Trickfilme wurde hingegen im Lauf der Jahre so teuer, dass sie schließlich Ende der 50er Jahre eingestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte Disney durch Natur- und Dokumentarfilme neue Bereiche erschlossen. Sein Studio widmete sich vermehrt der Produktion von Real-Spielfilmen. Mit Cinderella, Alice im Wunderland, Peter Pan und Susi und Strolch blieb er dem abendfüllenden Trickfilm jedoch weiterhin treu.
Disney engagierte sich aber auch erfolgreich im Fernsehbereich. Micky Maus bekam 1954 eine eigene Fernsehserie, den Mickey Mouse Club. Der Gedanke eines Micky-Maus-Klubs war nicht ganz neu. Schon Anfang der 30er Jahre gab es allein in USA eine Million Kinder, die Mitglieder eines Micky-Maus-Klubs geworden waren.
Walt Disney trat in einer schier endlosen Reihe von Fernsehsendungen selbst in Erscheinung und prägte so in der Öffentlichkeit sein Bild des liebenswürdigen Erzählers. Wie in seinem ersten Film war Disney im Fernsehen wieder der Präsentator seiner Arbeit. Disneys Engagement für das Fernsehen bewog auch die anderen Filmstudios, das neue Medium als neuen Absatzmarkt zu akzeptieren.
Disneys Fernsehprogramme sollten aber nicht nur unterhalten, sondern auch über neue Disney-Produktionen informieren. Insbesondere wurde hier ein ehrgeiziges Projekt vorgestellt, zu dem Walt Disney schon 1948 erste Überlegungen angestellt hatte: Disneyland. Nicht zuletzt dank der Fernsehberichte über die Entstehung von Disneyland konnte der Vergnügungspark 1955 nicht nur eröffnet, sondern auch auf Anhieb zu einem Erfolg werden. Später folgten Disney World in Orlando, Florida, und - nach Disneys Tod - Disney-Parks in anderen Teilen der Welt.
Obwohl Disney nach Erfindung von Micky Maus kaum noch selbst etwas zeichnete, überwachte er alle Produktionsphasen "seiner" Filme und achtete darauf, dass in seinem Studio nichts entstand, das sein persönliches Missfallen erregte. Er selbst sagte, er mache Filme nicht für Kinder oder Erwachsene, sondern in erster Linie für sich selbst.
Der herausragendste Film aus Disneys Spätwerk wurde 1964 Mary Poppins, ein Projekt, an dem sich Walt Disney noch einmal persönlich stark engagiert hatte, und in dem wieder, wie in seinen Anfängen, Trick- und Realfilm kombiniert wurden. Das Nachrichtenmagazin Time, das seit den fünfziger Jahren viel Kritisches zu Disney-Filmen angemerkt hatte, fand endlich wieder einmal anerkennende Worte für einen Disney-Film. Auch der von Disney begonnene, aber erst nach seinem Tod vollendete Film Das Dschungelbuch erntete allseits Anerkennung. Doch nach Disneys Tod am 15. Dezember 1966 schienen die Disney-Studios zunächst wie gelähmt. Sie erholten sich anfangs nur langsam von dem gravierenden Einschnitt, den der Verlust Walt Disneys als treibende Kraft bedeutete. Heute sind die Disney-Studios das Zentrum eines der größten Medienkonzerne der Welt. Einer Welt, die der Visionär Disney mit seinen Trickfilmfiguren verändert hat.
Wolfgang J. Fuchs
 
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