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Zits - Bd.2 :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!
30.05.2026, 11:03 Uhr
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geschrieben von stephan am
Mittwoch, 22. August 2001
(2668 Aufrufe)
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Cool und gut
"Teenager sind für Eltern Aliens", so hat sie vor dreißig und mehr Jahren Erna Brombeck in resignierendem Unverstand beschrieben, aber seitdem ist alles viel besser geworden. Teenager sind keineswegs mehr unbekannte Wesen, wie der Achterbahn Verlag in der Werbung für "Zits" behauptet. Nein, sie sind auch Menschen!
Jawohl, Menschen wie Du und ich, wohl mehr wie Du, da ich mich ja sehr wohl in meiner Haut fühle und für alle und jeden Verständnis aufbringe. Denn das ist die beruhigende Botschaft von "Zits": "Die Jugend hat sich zum Besseren geändert!! Teenager werden in Wahrheit immer netter!"
Wieso? Ein pubertierender Jüngling wie Jeremy lebt nämlich bereits in der besten aller Welten, da seine Eltern als 68er und Mitläufer der Flower Power-Generation den Kampf mit ihren damaligen Eltern schon ausgekämpft haben und als erste Generation in der Geschichte dieser Menschheit diesen Kampf nicht vergessen hat. Diese Eltern haben Verständnis und sind so entsetzlich nett. Auch Jeremy, die Hauptfigur von "Zits" ist so nett und dazu etwas doof und wohl deshalb ist dieser Comic Strip so wahnsinnig erfolgreich.
Über "Zits" wurden mit Recht schon viele Lobeshudeleien geschrieben und es scheint schlicht unmöglich, etwas an dieser vielfach preisgekrönten Hymne an die Jugend zu bemängeln. Und doch habe ich als Münchener Nörgler etwas gefunden!
Im Verlagskatalog heißt es, "Zits" erscheint in der bayerischen landeshauptstädtischen Zeitung TZ , aber es ist die AZ, wo jetzt "Zits" das Erbe von "Calvin und Hobbes" und Gary Larsons "Far Side" antritt. Gewiss keine schlechten Vorgänger, aber "Zits" schafft den Zugang zu den Leserherzen cool und lässig. In der TZ, deren Farbseite mit Comics sehr zu empfehlen ist, erscheint übrigens auch "Baby Blues", der andere erfolgreiche Familiencomic von Jerry Scott (zusammen mit Rick Kirkman).
Bei "Zits" arbeitet Jerry Scott zusammen mit Jim Borgmann, der für seine politischen Karikaturen 1991 den "Pulitzer-Preis" erhielt (entspricht in etwa dem Nobelpreis für Journalismus) und dazu auch 1991 den "Reuben", was der Nobelpreis für Comics und Cartoons ist. Als absolute Krönung wurde letztes Jahr noch der deutsche Max und Moritz-Preis in Erlangen draufgesetzt, was ja für die internationale Comicwelt so etwas wie, tja, nun was wohl, bedeutet.
Wie dem auch sei, der zweite Band von "Zits" ist leicht missdeutig "Tage eines Teenagers" betitelt (der erste Band hat dafür gar keinen Titel) und eignet sich wie der erste Band als ideales Geschenkbuch für alle Gelegenheiten. Jeder kann sich mit Jeremy und seinen Eltern identifizieren. Das Chaos in seinem Zimmer, der leergefegte Kühlschrank, die laute Musik, Pickel ausgerechnet vor dem Date, das ist alles so richtig nett aus dem echten Leben gegriffen und wird in den "Archie"- Comics schon seit über 50 Jahren aktuell und zeitlos aufgewärmt.
Und weil nun alle Hauptfiguren in "Zits" so nett sind, wird der Comic nun auch gleich als Realfilm auf die Leinwand transportiert. Mit soviel Nettigkeit und Harmlosigkeit und heiler Welt bietet "Zits" die schönste aller Fluchtwelten. Normalsein ist toll. Durchschnittlich und leicht doof ist cool. "Calvin und Hobbes" war dagegen ein abgrundtiefer, böser Grusel-Comic. (rr)
Zits - Bd.2: Tage eines Teenagers
Text: Jim Borgman
Zeichnungen: Jerry Scott
128 Seiten, sw, Softcover
Achterbahn Verlag, 19.90 DM
November 2000
ISBN: 3-89719-129-6
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