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Familienjuwelen :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
12.08.2020, 18:02 Uhr
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geschrieben von Maqz am Sonntag, 24. November 2019 (893 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

10 Fragen an NETTMANN und Joris Bas Backer


Familienjuwelen Ich kenne NETTMANN nicht persönlich (glaube ich). Einer meiner Redakteure hat ihn vor ewigen Zeiten / 1997 mehr oder weniger verrissen. Das solche Artikel bei Künstler zum Teil länger im Gedächtnis haften bleiben, als notwendig, wurde mir erst wieder vor einigen Wochen klar, als sich Nettmann via Internet (wahrscheinlich Facebook) einfach so aus heiterem Himmel abmeldete #digitalDetoxification.

Als er sich wieder zurückmeldete hat er mir sein neuestes Comic „Familienjuwelen“ angeboten zuzusenden. Und jetzt wird es richtig lustig. Der autobiografische Comic, den er mit Joris Bas Backer gezeichnet hat (plus einige ComiczeichnerInnen-Gastauftritte) hat mich etwas an mein eigenes Comic-Projekt erinnert, das ich jedoch nur zusammen mit meiner Frau im eigenen Verlag (und nicht bei dollen JaJa-Verlag) herausgebracht habe. Hier die digitale Geschmacksprobe im Vergleich mit NETTMANNs
Familienjuwelen.

Insgesamt also (doch) eine gute Grundlage für mich mal Nettmann und Joris Bas Backer über ihre Familienjuwelen auszufragen (oder wenigstens mal zehn Fragen zu fragen.

ComicRadioShow: Hallo Nettmann, hallo Joris! Ich habe euer Exemplar gerade unter dem Sofa hervorgezogen, wo es meine Große (7) es, nach ihrer letzten Leserunde zurückgelassen hatte. Wo lagert euer Jungen das Comic denn normalerweise?

Nettmann: Selbstverständlich in seinem Bücherregal.

Joris: Ungelogen.

Familienjuwelen

CRS: Wie lange habt ihr denn für die rund 122 Seiten so Brutto gebraucht?

Nettmann: Ich musste mal nachschauen. Den ersten Strip hat Joris 2011 gezeichnet, also hat es doch 7 Jahre gebraucht. Naja, so richtig fleißig war ich ja nie und viel Zeit hast du als frischer Vater nicht. … Und irgendwann gewöhnt man sich ja auch an so ein Kind.


CRS: Wie habt ihr den Blog so lange am Laufen halten können? Woher kommt euer Ansporn?

Nettmann: Pärchen und vor allem Eltern haben ja so ein gefürchtetes Mitteilungsbedürfnis. Und nerven ihr Umfeld und da besonders die Nichteltern mit gaaanz vielen und gaaanz tollen Geschichten über sich und das Kind.

Joris: Ja, am Anfang war es Teil des Verarbeitungsprozesses um über die Transition von Nichteltern zu Eltern zu refektieren. Die Cartoons bedeuteten 'Krass ist das alles eigentlich, gehts anderen auch so? Wissen Menschen das es so ist? Ich sage mal lieber was...' Und da es sehr kurze Cartoons waren konnte ich in der wenigen Zeit die ich übrig hatte, trotzdem produzieren und publizieren. Nach und nach wurde es dann zu einem schönem Übungsraum um verschiedene Zeichen- und Erzählstile auszuprobieren.

Nettmann: Ein pädagogisches Kaleidoskop ist entstanden.

Familienjuwelen

CRS: Wie reagierte eigentlich euer privates und familiäres Umfeld (neben den begeisterten Omas) auf das Comic? Gab es eventuell sogar Beteiligte, die wieder aus dem ein oder anderen Strip herausgeschrieben werden wollten?

Nettmann: Ich habe die lieben Zeichnerkollegen oft hinter kaum vorgehaltener Hand „Hat er doch noch mal einen Verlag gefunden…“ raunen gehört. Der Büchervorrat bei unserer Releaseparty war am Ende jedenfalls ausverkauft.

Joris: Raus wollte noch keiner! Rein möchten Menschen eher. Und leider haben es nicht mehr alle ins Buch geschafft. In den kurzen Strips mache ich mich oft lustig über der Dynamik die unter uns dreien in der Familie entsteht und ich versuche dabei wirklich am meisten über mich selbst zu lachen. Aber andere Menschen kommen ganz gut weg, glaube ich.

Nettmann: Findste?


CRS: Und wie findet es euer Nachwuchs so?

Nettmann: Ich frage ihn mal eben. … Er sagt: gut.

Joris: Wie das so ist bei Kindern: wenn du damit aufwächst findest du es völlig normal im Schaufenster vom Kiezbuchhändler ein Cover zu sehen mit einem Bild deiner Familie darauf. Also ist er eher 'underwhelmed'. Aber ich bin etwas gespannt wie er dass sieht wenn er älter wird und diese Geschichten über ihn sind im Prinzip öffentlich. Anderseits hat er es besser als viele andere seiner Generation und muss nicht irgendwann feststellen dass seine Eltern jeden Pups auf social media bildlich der Welt mitgeteilt und zudem vielleicht noch dort archiviert haben. Da sind wir ganz vorsichtig ihn nicht mit Gesicht ins Bild zu setzen oder bewusst auch um seinen richtigen Namen im Buch nicht zu verwenden.

Familienjuwelen
Familienjuwelen



CRS: Als zweifacher Familienvater wich beim Lesen des Comics der Zauber der Überraschung zumeist sehr schnell und wurde abgelöst durch einen starken Wiedererkennungswert. Wer hat nach eurer Meinung am Meisten etwas von „Familienjuwelen“? Eltern? Kinderlose? Kinder? Oder gar ihr selber?

Nettmann: Mir ist schon klar das alle Eltern ähnliche, lustige Dinge mit ihren Kindern erleben und Anekdoten erzählen können. Aber sie tun es eben nicht auf so großartige Weise wie wir. … Hihi, das sollte keine Spitze gegen dein Projekt gewesen sein!

Joris: Gute Frage. Ein guter Ratgeber sind Comics wohl sowieso nie. Ich lese oft Comics wegen dem Wiedererkennungswert und unser Comic sagt: Auch Comiczeichner können Eltern sein! Hoffentlich ist es einfach zum lachen für alle da. Bei manchen Sachen die ich mache habe ich eindeutig die Leser im kopf. Aber bei Famlienjuwelen, weil das über 7 Jahre entstanden ist, war es sehr unterschiedlich. Am Anfang war es für mich selbst, als Erleichterung , um mich mit dem Thema Eltern sein auseinander zu setzen und um mit anderen Familien eine Kommunikation einzugehen. Da ist ja auch in Echtzeit immer publiziert worden auf dem Blog. Und später war es vor allem schön um mit Form und Erzählform zu experimentieren.


CRS: Ok, ok es ist zu einfach „Familienjuwelen“ als simples „Geschichten-wie-wir-unser-Kind-bekommen-und-erzogen-haben-Comic abzustempeln. Was steckt noch dahinter?

Nettmann: Wenn man in einer Beziehung steckt oder sogar Vater ist, bleibt man doch trotzdem noch eine eigene Persönlichkeit. Sollte man zumindest. Das war mir wichtig zu zeigen und deshalb habe ich nicht ausschliesslich Strips über uns und unser Kind gemacht, sondern z. Bsp. auch Anekdoten aus meiner DJ-Zeit oder über meine Oldtimer erzählt. Meistens ist das Buch albern aber manchmal wird es auch politisch oder philosophisch. Um damit auf deine vorige Frage zurückzukommen: insofern kann eigentlich jeder Spaß an unserem Buch haben. Wenn er denn Spaß versteht. Also meine Witze...

Joris: Ich glaube was besonders daran ist, ist dass in das Buch die zwei Eltern beide mit eigen Erzählstimme ihre eigen Geschichte erzählen lässt und das die beiden nebeneinander im selben Buch stehen, manchmal Seite-an-Seite. Dann finde ich es auch besonders dass das Buch eigentlich eine Liebesgeschichte ist, der beim Kennenlernen anfängt und der 7 Jahren lang schön ist und trotzdem endet. Das Buch erzählt offen darüber und wie das aussehen kann.


CRS: Wie kam es eigentlich zu diesem Comic-Projekt mit dem JaJa-Verlag?

Nettmann: Ich finde ja Bücher immer noch besser als Blogs, insofern war der Plan mit den ganzen Strips irgendwann auch ein Buch zu machen schon immer im Hinterkopf. Das Verlagsprogramm mochten wir und die Chefin Annette Köhn kannten wir auch schon persönlich. Als wir dann genug Material hatten, haben wir also einfach mal gefragt - und sie hat ja gesagt.

Joris: Es war Nettis wundervolle idee.


CRS: Und wie geht es weiter? Wird es einen zweiten Band geben? (Hey, Ingrid Sabisch hat zu dem Thema drei Bände rausgehauen! ;-))

Familienjuwelen

Joris: Ja die Comics von Ingrid sind super. Bei uns wird es erstmal kein weiteres Buch geben. Im Frühling 2020 kommt meine erste Graphic Novel raus, woran ich die ganzen 7 Jahren auch dran gearbeitet habe und worauf ich mich schon sehr freue. Ich habe nach all den Jahren wieder Lust etwas weniger aus dem direkten Privatleben zu berichten. Und finde wo unser Kind älter wird dass für ihn auch wichtiger. Aber ich habe auch einfach Lust wieder neue Sachen auszuprobieren. Trotzdem, wer weiss. Als getrennte Eltern erziehen, und auch als queeren Elternteil, erlebe ich ganz andere Herausforderungen, natürlich auch lustige Erlebnisse, und gewinne viele interessante neuen Perspektive. Also vielleicht werden die irgendwann mal noch in dem einen oder anderen Comic landen.

Nettmann: Hmmm, wer das Buch bis zum Ende liest, weiß dann ja das es ziemlich große Veränderungen gegeben hat. Die machen die Fortführung des Blogs nicht einfacher. Ich poste gelegentlich noch neue Strips aber ob da mal genug Material für ein zweites Buch zusammenkommt ist schwer abzusehen. Ich habe auch zurzeit einige andere Projekte auf dem Schreib- bzw. Zeichentisch: male an den letzen Bildern für eine Ausstellung in Berlin, plane mit Michael Beyer ein Jaja-Verlag-Crossover „Papa Dictator vs. Nettmann“, schreibe an einem Roman und arbeite an einer Serie mit abstrakter Landschaftsmalerei.

Familienjuwelen

CRS: Sag mal Nettmann, erinnerst Du dich eigentlich noch an unsere erste (und einzige) Rezension von Kiezpatrouille von 1997?

Nettmann: Na sicher, jede Nacht denke ich noch daran. Nee, mal im Ernst, ein Satz hat sich für immer bei mir festgesetzt: „…manches sollte lieber im Untergrund vermodern…“, oder so ähnlich. Da war ich damals schon ziemlich beleidigt. Mein Verleger Dirk Baranek war erstaunlicherweise viel entspannter und hat nur über die verletzte Eitelkeit des Künstlers den Kopf geschüttelt. Heute kann ich darüber lachen und eure Kritik war zum Teil auch berechtigt, das Buch hatte schon so seine schwachen Seiten. Beim Kelleraufräumen hab ich vor ein paar Jahren noch eine ganze Kiste voll weggeschmissen... Leider habt ihr das nächste Cartoonsammelbüchlein von mir, „Bomben und Rosinen“, dann nicht mehr angeschaut und besprochen. Das ist nämlich wirklich gut. Wirklich.

CRS: Vielen Dank für die Antworten und weiterhin viele Erfolg mit eurem neuen Comic-Kunstwerk! :-)

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(c)opyright der Abbildungen, mitt freundlichen Grnehmigung: Nettmann, Joris Bas Backer, Jaja Verlag 2018
 
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