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geschrieben von StefanS am Samstag, 05. Dezember 2015 (1954 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Den subtilen und den großen Horror einer Schreckensherrschaft auf den Punkt gebracht



Sophie SchollNach ihrer Comicbiographie über Willy Brandt von 2013 widmen sich Zeichnerin Ingrid Sabisch und Autor Heiner Lünstedt 2015 einer anderen wichtigen Person der jüngeren deutschen Geschichte: der Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus Sophie Scholl. Gleichermaßen geht es auch um ihren Freund Fritz Hartnagel, der erst aus Pflichterfüllung und Überzeugung in der Wehrmacht dient, dann aber zunehmend Zweifel bekommt.

Wie schon beim Comic über Willy Brandt sorgt ein erster Blick auf Sabischs Zeichnungen nicht für Begeisterungsstürme. Für sich betrachtet sind die einzelnen Bilder zum Großteil schlicht und zweckmäßig gehalten. Als Bildfolge gelesen funktionieren diese Zeichnungen dann allerdings hervorragend – also keine voreiligen Schlüsse ziehen und erst mal einige Seiten lesen.

Für Willy Brandt standen den Beiden 112 Seiten zur Verfügung, für Sophie Scholl und ihre Widerstandsgruppe junger Münchner Studenten, Weiße Rose, sind es nur 56 Seiten. Die Geschichte basiert auf Briefwechseln zwischen Scholl und Hartnagel.

Der Comic beginnt mit einer schönen und opulenten Zeichnung einer idyllischen Straße im Ulm des Jahres 1937. Der Ulmer Münster überragt die Häuser, alles wirkt friedlich und idyllisch. Mit Hartnagel tritt eine Seite später der erste Uniformierte auf, aber auch er wirkt mit seiner Höflichkeit, der besonnenen Art und seiner Korrektheit sympathisch. Der Schrecken und das Unrecht enthüllen sich erst Stück für Stück. Scholl will studieren, muss aber erst als Erzieherin Pflichtdienst leisten, um an der Universität aufgenommen zu werden. Das widerstrebt ihr, weil sie nach Höherem strebt und ihr die Gängeleien nicht gefallen. Die Schikanen werden zunehmen härter, Familie Scholl gerät ins Visier der Gestapo und Hartnagel erlebt immer stärker den Schrecken des Krieges. Pläne werden geschmiedet und Flugblätter gedruckt, um das Volk davon zu überzeugen, dass Hitler Deutschland in den Ruin führt.

Sophie Scholl

Als Leser begleiten wir Sophie Scholl nur wenige, aber eben die entscheidenden Jahre, ihres Lebens. Vermutlich wären mehr Seiten hilfreich gewesen, um noch einen informativeren und überzeugenderen Comic erschaffen zu können. Allerdings finden Sabisch und Lünstedt überzeugende Szenen, um pointiert darzustellen, in welcher Welt die Anhänger der Weißen Rose lebten und was sie dazu brachte dagegen aufzubegehren. Völlig nachvollziehbar ist etwa die Wut von Scholl, als ein unansehnlicher Mann in brauner Uniform den Studentinnen in einer Rede zum 470-jährigen Bestehen der Ludwig Maximilumsuniversität 1943 einbläut, welchen Stellenwert sie im NS-Staat haben: Gebärmaschinen zu sein, um Soldaten zu „produzieren“, höhere Bildung überflüssig. Die Primitivität, Brutalität und das halbgare Weltbild des Regimes wird auch deutlich, wenn Hartnagels Kameraden tumbe Propaganda-Parolen abspulen und auch der berüchtigte Richter Freisler mit seinen Schauprozessen helfen, zu verdeutlichen wie unerträglich das Leben in der Diktatur war.

Sophie Scholl

Dennoch bleibt eine Distanz. Die Geschichte wirkt unterkühlt, sehr sachlich, selten emotional. Eine Liebesgeschichte über zwei attraktive Widerstandskämpfer – was für ein Potential so einer Story hat und welche Massen sie begeistern kann, zeigt im Kino gerade der Abschluss von Die Tribute von Panem: Mockingjay 2. Ein etwas schiefer Vergleich, denn mit einer gerade weltweit angesagten Schauspielerin wie Jennifer Lawrence glänzt jeder Film. Wie hätte man den historischen Fakten treu bleiben und trotzdem das teils etwas wie ein Comic für Schulkassen wirkende Ergebnis ansprechender gestalten können? Bei Willy Brandt wurde der SPD-Politiker im Jeanshemd mit Ukulele und Fluppe im Mundwinkel aufs Cover gesetzt – was auch nicht reichen dürfte, um heutige Teenager vom Hocker zu hauen, dennoch erzeugte der Comic einen stärkeren Sog und wirkte emotionaler und aufwühlender.

Vermutlich wirft die NS-Zeit bis heute viel zu viele Fragen auf, um sie in nur einem Buch erschöpfend behandeln zu können. Der Comic Sophie Scholl erinnert an mutige, anständige Deutsche, deren Geschichten in Erinnerung gehalten werden müssen. Dazu leisten Ingrid Sabisch und Heiner Lünstedt einen guten Beitrag und das ist schon viel wert. Spannend und interessant ist der Comic obendrein.

Wertung: 78 %

Sophie Scholl
Text: Heiner Lünstedt
Zeichnungen: Ingrid Sabisch
56 Seiten, Hardcover, farbig
Extras: Nachwort von Dr. Hildegard Kronawitter, illustriert mit drei Skizzen von Ingrid Sabisch
2015 Knesebeck, 19,95 Euro
Format: 22.0 x 29.0 cm,
ISBN 978-3-86873-807-0


Am Besten kauft man sich das Comic beim Comichändler seines Vertrauens
...jedoch...
die Sophie Scholl Biografie kann man auch gerne hier kaufen

Sophie Scholl


Leseprobe zu Sophie Scholl

(C)opyright der Abbildungen: Knesebeck GmbH & Co. Verlag KG, 2015
Illustrationen Copyright: 2015 Ingrid Sabisch
Text Copyright: 2015 Heiner Lünstedt beruhend auf einem Briefwechsel von Sophie Scholl
 
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