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geschrieben von StefanS am Sonntag, 29. Juni 2014 (1482 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Der Grabenkrieg im Westen als Krimi-Kriegsreportage-Mix



Mutter KriegBei Splitter erschien 2014 mit „Im Westen nichts Neues“ eine illustrierte Ausgabe des weltberühmten Anti-Kriegs-Romans von Erich Maria Remarque. „Mutter Krieg“ zeigt den Krieg an der Westfront aus französischer Sicht und geht dabei einen ganz anderen Weg als Tardi in „Elender Krieg 1914-1919“ und erzählt eine Kriminalgeschichte. Ist das eine gute Idee?



Ist denn das Thema Erster Weltkrieg allein nicht schon ergiebig genug? Braucht es wirklich eine Kriminalgeschichte über einen Frauenmord? Das ist wohl die zentrale Frage bei „Mutter Krieg“. In jedem Fall ist es interessant die Kriegstoten einem „gewöhnlichen“ Verbrechen gegenüberzustellen, um die unvorstellbaren Dimensionen des industrialisierten Abschlachtens von 1914 bis 1918 zu verdeutlichen.

Die Geschichte beginnt 1935. Roland Janvier blickt zurück auf seine Zeit an der Front. 1916 sollte er einen Mordfall an der Front aufklären. Wir begleiten Roland und andere französische Soldaten durch die Schützengräben der Westfront. Kurze Passagen widmen sich dem Luftkrieg, an anderer Stelle nehmen wir in einem Panzer Platz. Beklemmend ist es dabei nicht nur in den Kriegsschauplätzen, sondern auch in den Lazaretten, bei der Fahrt in den Heimaturlaub, bei dem die ausgehungerten Frontkämpfer auf gut situierte Zivilisten treffen, und auch nach Kriegsende.

Mutter Krieg

Tardis „Elender Krieg“ erzählt ganz ohne Dialoge eine etwas arg konstruiert wirkende Geschichte. „Mutter Krieg“ erfüllt da eher die Erwartungen an eine herkömmliche Story. Es gibt eine Hauptfigur, die wir durch die Handlung begleiten, somit entsteht eher eine Bindung und der Kniff mit dem Kriminalfall ist durchaus originell. Solch eine starke Wirkung wie Remarques „Im Westen nichts Neues“ entfaltet dieser Comic allerdings ganz und gar nicht.

Es sind eher die kleinen, grausamen Szenen, die beeindrucken und deutlich weniger, die etwas langweilige, mühsam zu verfolgende Geschichte über die Morde. Wenn aus Flugzeugen tödliche Nägel abgeworfen werden, wenn Gas eingesetzt und die Soldaten sich tief in Höhlen verkriechen bekommt man ein extrem starkes Bild dafür, dass mit diesem Krieg nicht, wie von der Propaganda behauptet, die Zivilisation verteidigt wurde, sondern Europa in die Steinzeit zurückgeworfen wurde – obwohl die Höhlenmenschen wohl noch keinen Kosten-optimierten Massenmord mit „Menschmaterial“ kannten. Wem nützt so ein Krieg außer den Rüstungskonzernen? Diese Fragen werfen die Comics zum Thema von Tardi, Eickmeyer und Maël und Kris auf – und diese Fragen sind deutlich relevanter und spannender als die nicht recht überzeugende Handlung dieses Werkes.

Der Comic ist ein richtig schwerer Klotz! Splitter legt ein großformatiges, edel gestaltetes Hardcover vor, dem es leider an Bonusmaterial fehlt.

Zeichnerisch überzeugt das Album. Farblich ähnelt es Tardis Ansatz, allerdings gehen hier nicht helle Farben der Friedenszeit in durchgängig graue Szenarien der Kriegszeit über, sondern es bleibt optisch abwechslungsreicher und in geringen Rahmen auch „bunter“.

Mutter Krieg

Soziale Unruhen, die fragwürdige Rolle der Kirche (Slogans wie „Gott mit uns“ und das Verklären des Gemetzels als „heiliger Krieg“), der Umgang mit Deserteuren, die übelsten Verstümmelungen und viele weitere Facetten des Ersten Weltkrieges behandeln sowohl Tardi und „Mutter Krieg“. Beide konzentrieren sich dabei fast komplett auf den Westen, obwohl der Krieg eben auch im Osten in Russland, im Osmanischen Reich und anderswo stattfand. Trotz seiner distanzierten Erzählweise bleibt nach „Elender Krieg“ großes Mitgefühl und Traurigkeit für die vergeudeten Leben. Bei „Mutter Krieg“ wird trotz mehr Versuchen beim Leser Gefühle auszulösen eher Langeweile aufkommen, zumindest streckenweise.

In Tardis „Elender Krieg“ wird eindeutiger Stellung gegen die Absurdität des Krieges bezogen, da werden dann klar Namen genannt wie: Krupp, Fiat, Schneider, Renault und damit beantwortet wem Kriege wohl am meisten nützen. „Mutter Krieg“ bleibt da deutlich zurückhaltender und ist weniger politisch. Mit beißendem Spott weist Tardi darauf hin, was für leicht zu findende Ziele die Franzosen mit ihren knallroten Hosen auf den Schlachtfeldern waren – die Realität ist tatsächlich bereits verstörend genug, da braucht es nicht noch Zutaten wie Krimi-Elemente und eine Liebesgeschichte.

„Mutter Krieg“ ist ein sehenswerter Comic zum Ersten Weltkrieg.

Wertung: 70 %

Mutter Krieg
Original: NOTRE MÈRE LA GUERRE - INTÉGRALE
Text: Kris
Zeichnungen und Farben: Maël
Lettering: Sven Jachmann
Übersetzung aus dem Französischen: Marcel Küsters
256 Seiten, Hardcover, farbig, Format: 32,2 x 23 x 2,6 cm
2014 Splitter Verlag, 39,80 Euro (Österreich: 40,90 Euro)
ISBN 978-3-86869-757-5


Am Besten kauft man sich das Comic beim Comichändler seines Vertrauens
...jedoch...
Mutter Krieg kann man auch hier bestellen

Mutter Krieg




(c) der Abbildungen mit freundlicher Genehmigung: Splitter Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld 2014
 
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