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Daytripper :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
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geschrieben von StefanS am Mittwoch, 09. Oktober 2013 (3328 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht
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Comics aus Brasilien auf der Buchmesse 2013 – und auf dem heimischen Lesetisch?


DaytripperSüdamerika. Kaffee. Fußball-Zauberer. Karneval. Und was ist mit Comics? Spontan fällt dazu Mafalda des Argentiniers Quino ein! Dessen Nachbarland Brasilien ist Gastland der Frankfurter Buchmesse 2013 und so erhält Daytripper, der Zwillingsbrüder Fábio Moon und Gabriel Bá, einen weiteren Aufmerksamkeitsschub. Dabei kann Panini Comics bereits damit locken, dass es sich bei Daytripper um den „Gewinner des Eisner Award für die beste abgeschlossene Serie in 2011!“ handelt. Große Erwartungen, die auch tatsächlich erfüllt werden?



Erst mal gibt’s auf dem Cover ein Lob von Gerard Way. Den dicken Buchdeckel aufgeschlagen. Es folgen zwei volle Seiten mit 16 Lobpreisungen des Werkes. Umgeblättert und die Seite mit dem Vorwort von Craig Thompson gelesen. Danach geht es endlich los und die Leser dürfen sich selbst eine Meinung von diesem Buch bilden, das „eine ehrliche Meditation über Sterblichkeit“ ist, wie es der Habibi-Autor zusammenfasst.
Sterblichkeit, ausgerechnet im ohnehin schon Depressionen verursachenden Herbst – warum müssen von der Kritik gelobte Werke immer so schrecklich ernst und traurig sein? Könnte man denken. Besser: Einfach frei machen von solchen Gedanken, am besten sämtliche Lobeshymnen, erst nach der Lektüre lesen und die Brüder Moon und Bá beim Zaubern beobachten. Ganz ohne Ball, dafür mit Stift und Papier.

Mit „Entführt“ von Hernán Migoya und Joan Marín hat Panini übrigens eine weitere Graphic Novel mit Südamerika-Bezug im Herbstprogramm. Erzählt wird eine Comic-Reportage aus Peru.
Daytripper
Es gibt passende und unpassende Vergleiche, um Daytripper zu beschreiben. Ein Vergleich zu „Watchmen“ (1986/1987) erscheint mir äußerst abwegig! Viel treffender: Wäre es ein Musik-Album, dann hätte es Gemeinsamkeiten mit „OK Computer“ (1997) von Radiohead. Einerseits melancholisch, andererseits beflügelnd – Kunst, die etwas bewirkt und verändert und nach der sich die Rezipienten reicher fühlen, weil sie ein wenig gewachsen sind.

Ursprünglich erschien „Daytripper“ in zehn US-Heften. In dieser Form würde es wahrscheinlich eine etwas andere Wirkung entfalten, als in dem hochwertigen Hardcover-Band, der nun auf Deutsch vorliegt. Erzählt wird die Geschichte des Journalisten Brás de Oliva Domingos. Als wir ihn kennenlernen ist er 32 Jahre alt und nicht recht glücklich mit der Richtung, die sein Leben eingeschlagen hat. Er schreibt, das war genau sein ersehnter Traum. Aber statt dem großen Ziel, viel beachtete, wichtige Romane zu verfassen oder doch wenigstens als Journalist etwas zu bewegen, hängt er in einer etwas bedrückenden Position fest. Brás muss für seinen Arbeitgeber, eine lokale Zeitung, Nachrufe schreiben. Das ist der Ansatz für „Daytripper“: Kapitel für Kapitel / Heft für Heft stirbt Brás. Mal mit 32, mal in jüngeren, mal in späteren Jahren. An verschiedenen Todesursachen.

Ist Daytripper eine Art „Lola rennt“(1998)? In dem Film von Tom Tykwer durchlebt Lola (Franka Potente) immer wieder den gleichen Tag, wobei kleine Veränderungen große Veränderungen bewirken. Nun erinnert das an die Chaostheorie, an „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (1993) und zahlreiche andere Beispiele. Aber die Stimmung von „Daytripper“ ist eine ganz andere. Hier spielen sicher auch Südamerika-Bilder der Leser eine Rolle. So haben „Das Geisterhaus“ der Chilenin Isabel Allende (1982) und „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ (1985) des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez zweifellos die Vorstellung Südamerikas in Deutschland geprägt. Sicher auch „Die Vermessung der Welt“ (2005) von Daniel Kehlmann und die Comic-Abenteuer von Corto Maltese und Milo Manara, zumindest diejenigen Storys, die dort spielen.
Daytripper
Im Bonusteil, bei den Skizzen, am Ende des Buches steht ein Ausspruch, der mindestens schon mal den visuellen Reiz, einen Kern von „Daytripper“, perfekt trifft: „ Daytripper ist fest in der Realität verankert, aber das Schwierige war nicht, eine Welt zu erschaffen, die real aussah. Nein, das Schwierigste war, eine Welt zu erschaffen, die sich real anfühlte.“. Und genau das gelingt den Brüdern aus São Paulo ganz hervorragend! Es wirkt nicht nur so, als erfahren wir hier etwas vom authentischen Leben in Brasilien, es fühlt sich wirklich so an, als wären wir selbst dort! Die Farben, das Meer, die Stimmung – höchst beeindruckend! Wäre es „nur“ eine Reisereportage, es wäre bereits ein großer Wurf. Aber die Gedanken über das Leben, den Tod und den Kaffee werden zu einem faszinierenden Kunstwerk, das Spuren hinterlässt! Es ist kein allumfassendes Buch über Brasilien. Wir sehen keine Armenviertel. Sozialen Unruhen werden nicht thematisiert. Das Zusammenleben verschiedener Hautfarben wird nur angedeutet, Bráses bester Freund ist schwarz und wirkt mit seinen Rasterlocken, wie aus der Karibik, während der hellhäutige Brás sich ab und an wie ein Tourist aus Europa oder den USA fühlt, weil er weiß ist. Aber es geht in „Daytripper“ nicht um Weltpolitik und Kolonialismus, sondern um sehr intime, persönliche Momente im Kreise von Familie und Freunden. Traurige, nachdenkliche und auch freudige Momente. Ein Comic mit Zeit für stille Szenen, für wunderschön melancholische Momente am Meer und pulsierendes Leben in einem öffentlichen Café.
Daytripper
Neben „Der Kartograph“ von Jiro Taniguchi und „Jimmy Corrigan“ von Chris Ware ist „Daytripper“ einer der Comics 2013, die mit gesundem Selbstbewusstsein im Regal neben García Marquez und Allende stehen werden. Ihr macht uns stolz Comic-Leser zu sein! Obrigado Fábio Moon & Gabriel Bá!


Wertung: 92 %

Daytripper
Text & Zeichnungen: Fábio Moon & Gabriel Bá
Kolorierung: Dave Stewart
Lettering: Datagrafix
Übersetzung aus dem Englischen: Bernd Kronsbein
Originalausgabe: Daytripper 1-10 (2013)
260 Seiten, Hardcover, farbig
Extras: Vorwort von Craig Thompson, sieben Seiten Skizzen
2013 Vertigo / Panini Comics, 24,99 €
ISBN 978-3-86201-660-0


Am Besten kauft man sich das Band beim Comichändler seines Vertrauens
...jedoch... Daytripper kann man auch gerne hier kaufen.

(c) der Abbildungen mit freundlicher Genehmigung: 2013 Gabriel Bá & Fabio Moon / Vertigo / DC Comics / Panini Comics

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