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29.06.2017, 14:30 Uhr
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geschrieben von M.Behringer am Mittwoch, 20. Juni 2012 (1897 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Zwischen Martial Arts und Drama



Wie hungrige WölfeKampfsport und Jirō Taniguchi – wie passt das zusammen? Der Meister von Gekigas (dt. 'Bilderdrama') hat sich vor allem durch ruhige Alltagsgeschichten mit tiefsinnigen Themen einen Namen gemacht. Aber das war nicht immer so. Zu Beginn der 1980er Jahre zeichnete er beispielweise Boxer- und Samurai-Mangas. Zuvor illustrierte der Japaner auch Hard Boild-Thriller. Und in jüngster Vergangenheit setzte er sich oft mit dem Bergsteigen auseinander. Demnach ist es doch nicht ganz so überraschend, dass Taniguchi mit 'Wie hungrige Wölfe' einen Roman über Kampfsport adaptiert hat. Die Vorlage stammt vom Autor Baku Yumemakura. Taniguchi hatte bereits mit dem Bergsteiger-Epos 'Gipfel der Götter' einen Roman Yumemakuras als Gekiga adaptiert.

Tanba Bunshichi ist ein Karatekämpfer und ein so genannter Dojo-Yaburi. Als freier Amateur, der keinem Verein oder Verband angehört, fordert er Profikämpfer unterschiedlichster Kampfsportarten zum blutigen Kräftemessen heraus. Erst mit dem Nachwuchs-Catcher Kajiwara hat er einen ebenbürtigen Gegner gefunden, dem er in einem ausdauernden Kampf knapp unterliegt. Bushichi arbeitet fortan hart an sich und vermischt seine bisherigen Kampftechniken mit den Wrestling-Techniken. Er will um jeden Preis gegen Kajiwara gewinnen.

Wie hungrige Wölfe

Yumemakura inszeniert ein packendes Kampfsport-Drama mit einem faszinierenden Protagonisten. Die Story ist durchaus brutal, aber der Fokus liegt trotz der entscheidenden äußeren Handlung vor allem auf dem Innenleben des Protagonisten. Ein neutraler Erzähler beschreibt deshalb nicht nur das Geschehen, sondern auch die Gedanken und Gefühle Tanbas, der von Willensstärke und Besessenheit angespornt wird. 'Wie hungrige Wölfe' wird zudem nicht streng linear, sondern auch mit Rückblenden erzählt, wodurch sich auch einzelne Spannungsbögen zwischen den Kapiteln ergeben.

Die Figuren sind noch an den typischen Manga-Stil angelehnt, während der Hintergrund wie in der ligne claire einen detailreichen Realismus aufweist. Die schwarzweißen Zeichnungen enthalten für Taniguchis Verhältnisse viel Dynamik. Dies gelingt ihm durch eine Schraffurtechnik im Hintergrund der Kampfszenen, die an Speedlines erinnern. Die Bilder werden von Muskelmassen und ineinander verschlungenen Körpern dominiert – die beim Kampf, aber auch beim expliziten dargestellten Sex, aufeinanderprallen. Körperlichkeit ist deshalb ein starkes Leitmotiv.

Wie hungrige Wölfe

'Wie hungrige Wölfe' unterscheidet sich inhaltlich doch stark von anderen Taniguchi-Arbeiten. Dennoch stehen wie in seinen Bergsteiger-Geschichten auch hier das Exzessive und das Extreme im Vordergrund. Also nichts für schwache Nerven, aber auch nicht kopflos: Martial Arts meets Graphic Novel. Für Taniguchi-Liebhaber ist auch dieses Buch ein Muss. Ansonsten sollten auch Fans von Darren Aronofskys Wrestling-Drama 'The Wrestler' einen Blick in 'Wie hungrige Wölfe' werfen.


Wie hungrige Wölfe
Von Baku Yumemakura und Jirō Taniguchi
Softcover, 288 Seiten
schreiber&leser shodoku 2012



Am Besten kauft man sich das Band beim Comichändler seines Vertrauens
...jedoch...
Wie hungrige Wölfe kann man auch gerne hier kaufen.

Wie hungrige Wölfe

(c) der Abb., mit freundlicher Genehmigung: Schreiber und Leser Verlag + Autoren
 
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