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geschrieben von M.Behringer am Dienstag, 29. Mai 2012 (3288 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Biographie über einen KZ-Boxer



Der Boxer – Die Überlebensgeschichte des Hertzko HaftBoxen und Holocaust? Was haben diese beiden unterschiedlichen Bereiche miteinander zu tun? Sehr viel. Es ist zwar ein weitgehend unbekanntes Phänomen, aber Sportveranstaltungen waren in Konzentrationslagern eher die Regel. Nicht nur Boxen, auch Fußball oder Handball wurde von KZ-Häftlingen zum Amüsement der perfiden Nazis gespielt, die unterhalten werden wollten. Der deutsche Comicautor Reinhard Kleist hat sich nach 'Cash' und 'Castro' eine weitere Biographie vorgenommen. Mit 'Der Boxer – Die Überlebensgeschichte des Hertzko Haft' hat er sicherlich das bisher brisanteste Einzelschicksal herausgegriffen.

Der Boxer – Die Überlebensgeschichte des Hertzko Haft

Der Jude Hertzko Haft lebt 1939 in Belchatow und verdingt sich im besetzten Polen als Schmuggler. Er verliebt sich in Leah Pablanski, aber als die beiden heiraten wollen, opfert sich Haft bei einer Untersuchung der Nazis für seinen Bruder auf und landet deswegen in einem Arbeitslager bei Poznan. 1941 wurde Haft in einem Viehwagon nach Auschwitz deportiert. Trotz aller Schikanen, Entbehrungen und Qualen behält er seine kräftige Statur, weswegen ihn dort ein sympathisierender SS-Aufseher zum Boxer ausbildet. Haft muss fortan vor den Wachmannschaften an Schaukämpfen auf Leben und Tod teilnehmen: der Verlierer wird ermordet. Die Kämpfe fanden im Konzentrationslager Jaworzno (nördlich von Auschwitz) statt. Nach 76 Kämpfen wurde das Lager in Jaworzno wegen der heranrückenden Roten Armee aufgelöst und die Häftlinge auf Todesmärsche geschickt. Erst im April 1945 gelang es Haft zu fliehen.

Kleist hat die Lebensgeschichte des Hertzko Haft nach dem Buch 'Eines Tages werde ich alles erzählen' vom Sohn des Boxers Alan Scott Haft adaptiert. So beginnt und endet die Biographie auch mit der Perspektive des Sohnes, der erst spät vom Vorleben seines jähzornigen Vaters erfur und diese dann aufschreiben sollte. Der Hauptteil der fesselnden Geschichte wird aus der Sicht von Hertzko Haft erzählt. Kleist stellt den jüdischen Boxer als zähen Mann dar, der sich an seiner Liebe festklammert, um den unmenschlichen Bedingungen im Konzentrationslager zu trotzen.

Der Boxer – Die Überlebensgeschichte des Hertzko Haft

Der Holocaust nimmt am meisten Raum in 'Der Boxer' ein. Anhand von Hafts Einzelschicksal wird authentisch veranschaulicht, welchen Gräueln die Juden ausgesetzt waren. Kleist spart nichts aus, verfällt aber auch nicht in einen Voyeurismus. Das liegt vor allem an seinen reduzierten Zeichenstil, der oftmals vieles nur andeutet. Die schwarzweißen Illustrationen enthalten harte Kontraste und entwickeln eine dynamische Bildsprache. Der Hintergrund wird oft nur durch grobe Striche angedeutet, was aber trotzdem Eleganz besitzt. Ansonsten ist Kleists Stil realistisch, was die historische Authentizität unterstreicht.

Mit 'Der Boxer' ist Kleist eine mitreißende, jedoch nicht trivialisierende Biographie vor dem schrecklichsten Kapitel der deutschen Geschichte gelungen. Das Beispiel von Hertzko Haft, der nach Auschwitz eine Karriere als Boxprofi in den USA begann, wird vom Comicautor authentisch in Szene gesetzt. Endlich hat sich mit Kleist auch ein deutscher Comicautor ausführlich mit dem Holocaust auseinandergesetzt. Das Buch enthält als Zusatzmaterial Skizzen von Kleist und den interessanten Essay 'Boxen im KZ', der vom Sportjournalisten Martin Krauß verfasst wurde.

Der Boxer – Die Überlebensgeschichte des Hertzko Haft


Der Boxer – Die Überlebensgeschichte des Hertzko Haft
Von Reinhard Kleist
Hardcover, 176 Seiten
Carlsen 2012


Am Besten kauft man sich das Band beim Comichändler seines Vertrauens
...jedoch...
Der Boxer kann man auch gerne hier kaufen.

(c) der Abb.: mit freundlicher genehmigung: Carlsen Verlag + Reinhard Kleist
 
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