Nicolas Mahler und Thomas Bernhard: Alte Meister :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
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geschrieben von M.Behringer am Donnerstag, 23. Februar 2012 (2558 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Tragikomische Literaturadaption


Alte MeisterDie Umsetzung von Literatur als Comic floriert. Während bisher jedoch vor allem Romanklassiker adaptiert wurden, liegt nun bei Suhrkamp eine Graphic Novel von Thomas Bernhards Komödie 'Alte Meister' vor. Illustriert wurde die Vorlage vom Österreicher Nicolas Mahler, der für seinen reduzierten Strich und seinen lakonischen Humor bekannt ist. Da stellt sich berechtigterweise die Frage: passt das zusammen? Gegenfrage: wieso nicht? Schließlich besitzen beide einen ausgeprägten Sinn für Humor.

Reger hat es sich zur Gewohnheit gemacht jeden zweiten Vormittag in das Wiener Kunsthistorische Museum zu gehen. Er nimmt stets gegenüber von Tintorettos Gemälde 'Weißärtiger Mann' Platz, obwohl (oder gerade weil) er es nicht leiden kann. Dort sinniert der kauzige und gut beleibte Musikkritiker über die Kunst und sein Leben. Der schlanke und hochgewachsene Atzbacher, ein Privatgelehrter, ist so etwas wie sein (einziger) Freund. Doch plötzlich verlangt Reger von Atzbacher etwas Ungewöhnliches und begründet dies mit einer ausschweifenden Kritik gegen die Malerei und Wien.

Bernhards Komödie zielt darauf ab, den Wert von klassischer Kunst (oder Kultur allgemein) im Vergleich zum Menschen zu relativieren. Alle Kultur bedeutet in dem Moment nichts mehr, in dem man allein ist beziehungsweise diese nicht teilen kann. Die Vorlage ist durch das Stilmittel der Wiederholung charakterisiert, das bisweilen an die Grenzen der Belastbarkeit des Lesers gehen kann. Diese sich wiederholenden Gedanken fehlen in Mahlers Adaption jedoch vollständig. Das kann nun als gute oder als schlechte Nachricht gewertet werden. Die Werktreue geht verloren, aber vielleicht gewinnt der Text gerade dadurch noch ein neues Publikum.

Alte Meister

Die Essenz der Vorlage überträgt Mahler dennoch in seinen Comic, den er in seinem typisch reduzierten Strich umgesetzt hat. Der Zeichner wechselt ganzseitige mit kleinteiligen Panels ab. Ganz leicht ist die Umsetzung von abstrakten Gedanken allerdings nicht. Zwar kann Mahler in einigen Szenen mit guten Einfällen punkten, aber insgesamt steht die Illustration, die nicht immer zum Text passt, hinter dem Text zurück. Die Figuren haben lange Nasen und (fast) keine Augen. Die Umgebung und die Kunstwerke werden nur angedeutet. Die Illustrationen weisen neben Schwarzweiß noch Gelb als Farbe auf, wodurch die Bilder etwas an Plastizität gewinnen.

Alte Meister

Wer keine Lust hat die Vorlage zu lesen und sich mit der destillierten Essenz begnügt, der kann getrost zur Comicadaption greifen. Ein Ersatz der Vorlage ist Mahler jedoch nicht gelungen und nur selten ergänzt er den Text mit neuen oder guten Ideen. Das Original hat immerhin über 300 Seiten und die Graphic Novel dagegen nur knapp über die Hälfte. Das Buch erscheint als Klappenbroschur, dessen Umschlag gefällig mit Spotlack gestaltet wurde. Man darf gespannt sein, ob Suhrkamp künftig noch mehr Comics im Gewand der Graphic Novel veröffentlichen wird.


Alte Meister
Von Thomas Bernhard und Nicolas Mahler
Klappenbroschur, 160 Seiten
Suhrkamp 2011


Am Besten kauft man sich das Band beim Comichändler seines Vertrauens
...jedoch...
Alte Meister kann man auch gerne hier kaufen.

Alte Meister

Nicolas Mahler Video im Interview zu Alte Meister"



(c) der Abb.: Surkamp-Verlag und Nicolas Mahler
 
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