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Im Land der verlorenen Erinnerung :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
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geschrieben von M.Behringer am Sonntag, 01. Januar 2012 (3282 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht
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Dystopische Fabel gegen Unterdrückung und für die Macht der Fantasie



Im Land der verlorenen ErinnerungenWeiße Leere. Darauf folgen drei Panels aus der Ego-Perspektive, die eine bandagierte Hand in einem Krankenbett zeigen. Die Eröffnungsszene ist die einzige Seite, die auf weißem Papier gedruckt wurde. Dann folgt ein schwarzes Loch und die Perspektive schwenkt zur Zimmerdecke und zeigt einen am Kopf Bandagierten. Die dreieckigen Ohren deuten darauf hin, dass es sich um ein Tiermenschen handelt. Diese Szene ist wie alle nachfolgenden auf schwarzem Papier gedruckt worden. Willkommen in der dystopischen Fabelwelt von Carl Norac und Stéphane Poulin!

Die Bildergeschichte ist bei Jacoby & Stuart erschienen. Das Verlagshaus verlegt neben Belletristik, Sachbüchern, Pop-Up-Büchern oder Kinder- und Jugendbüchern nun auch Graphic Novels, wenn man denn den Verlagsangaben blind vertrauen möchte. 'Im Land der verlorenen Erinnerung' ist auf der Homepage jedenfalls in der Kategorie Jugendbuch aufgelistet. Und betrachtet man das Buch genauer, wird es schwer, es richtig einzuordnen. Neben stummen, sequentiellen Panelabfolgen gibt es auch viele Einzelbilder, großformatige Momentaufnahmen, die einen Erzähltext visualisieren, was weniger ein Comic als eine Bildgeschichte wäre.

Inhaltlich dreht sich die phantastische Geschichte um ein Tierwesen, das nach einem Unfall seine Erinnerung verloren hat und am Kopf und an den Händen bandagiert ist. Die Persönlichkeit ist damit äußerlich und innerlich ganz verschwunden, was die Parallele zu H. G. Wells Romanfigur aus 'The Invisible Man' (dt. 'Der Unsichtbare') bekräftigt. Orientierungslos irrt der Bandagierte durch eine von Hunden totalitär regierte Albtraumstadt, in der das Träumen verboten ist und Jagd auf Katzen gemacht wird. Wehmütig sehnt sich der Gedächtnislose nach Frieden und Freiheit. Dafür will er kämpfen.

Im Land der verlorenen Erinnerungen

Norac hat ein beeindruckendes Genre-Crossover aus Anti-Utopie, Fabel und Phantastik realisiert. Der Autor verwendet zahlreiche Symbole, die konkrete soziale oder politische Bezüge enthalten, und postmoderne Zitate. Der mitunter poetisch anmutende Erzähltext ist meist neben den Panels oder großzügig auf einer Extraseite angebracht. Darunter leidet zwar die Einheit von Text und Bild, aber dafür ist der Text stets gut lesbar – an einigen Stellen ist er sogar zu groß geraten für meinen Geschmack.

Neben dem inhaltlich stark moralischen Impetus steht meines Erachtens eine sprunghafte Erzählstruktur. Text und/oder Bild wirken oft wie mosaikartige Momentaufnahmen oder schlaglichtartige Episoden. Einerseits fügt sich dieses Erzählschema hervorragend in die Perspektive des Gedächtnislosen, dessen Wahrnehmung wohl ähnlich gestrickt ist. Andererseits ist es für den Leser schlichtweg nicht immer flüssig zu lesen beziehungsweise nicht immer einfach der Erzählung zu folgen.

Im Land der verlorenen Erinnerungen

Poulins Artwork besteht aus magisch kolorierten Hochglanzbildern. Das aufwendige und glatte Papier verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Der Stil kann als Hommage an den magischen/phantastischen Realismus der Malerei umschrieben werden. Das heißt, dass der Hintergrund und das Szenario realistisch gestaltet sind, aber um magisch-phantastische Wesen oder Elemente erweitert wird. Hier blitzt der Kopf eines Einhorns in einer Spiegelung auf, dort erhebt sich ein Hundemensch in die Luft oder der Bandagierte verschmilzt mit einer Mauer. Im Unterschied zur Fantasy liegt diesen phantastischen Aspekten jedoch eine starke symbolische Bedeutung zugrunde.

Die Kombination von Prosa und stummen Illustrationen ist vielleicht für manche Leser gewöhnungsbedürftig. Auch die mosaikhafte Erzählweise dürfte nicht jedermanns Geschmack sein. Dennoch: Wer sich erst einmal darauf eingelassen hat, der wird mit einer beeindruckenden Atmosphäre belohnt. Vor allem Liebhaber der Anti-Utopie werden zweifelsohne ihren Gefallen an 'Im Land der verlorenen Erinnerung' haben. Insgesamt kann das Buch vielleicht auch als dystopische Variante zu Shaun Tans 'Ein neues Land' angesehen werden.


Im Land der verlorenen Erinnerung
Von Carl Norac und Stéphane Poulin
Hardcover, 128 Seiten
Verlagshaus Jacoby & Stuart 2011


Am Besten kauft man sich das Band beim Comichändler seines Vertrauens
...jedoch...
Im Land der verlorenen Erinnerung kann man auch gerne hier kaufen.


Trailer zu Im Land der verlorenen Erinnerung


(c) der Abb.: Verlagshaus Jacoby & Stuart + Autoren

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