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geschrieben von aksal am Freitag, 22. Oktober 2010 (4765 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Ein grafisches Meisterwerk aus dem deutschen Silver Age

von Gerhard Schlegel Dietrich von Bern Ursprünglich in Fix und Foxi Extra Taschenbuch 71 bis 80, in den 80er Jahren erschienen, veröffentlicht der Cross Cult Verlag diese hervorragende Serie erstmals komplett in 3 Büchern. Das Szenario von Peter Wiechmann ist solide und relativ nah an dem wohl ältesten Sagenstoff der Germanen, von dem es diverse Versionen gibt, von der wohl ursprünglichen Thidrekssaga (Dietrichsage) bis zu Gustav Schalk. Erzählt wird im 1. Band die Lebensgeschichte von Dietrich von Bern, wie er zu seinem Schwert und seinen Gesellen kommt und die Schlacht gegen die Polen an der Seite des Hunnenkönigs Etzel.

Wiechmann überarbeitete seinen eigenen Text neu, fast überall wurden der Satzbau umgestellt, wobei ich kein Verbesserung erkennen konnte. In der Sprechblase Nr. 218 vom Juli 2010, wurde das erste Kapitel von Dietrich von Bern faximile abgedruckt und man kann den Text schön vergleichen, wenn man die relativ unbekannten Originalhefte nicht besitzt.

Dietrich von Bern

Vorbild für die Serie war sicher Foster´s Prinz Eisenherz, der ja schon unter Wiechmann in den 70ern in Primo lief. Wie bei Eisenherz wurde auf Sprechblasen verzichtet, entweder um die Sagengeschichte in ein vermeintlich anspruchsvolleres Gesamtbild zu setzten oder um Eisenherz-Leser für sich zu gewinnen. Beides sind vernünftige Überlegungen für einen erfolgreichen Dietrich Comic. Mich stört der viele Text, oftmals für meinen Geschmack zu überladen, was bei Foster funktioniert kann mich bei Wiechmann nicht wirklich in die Geschichte hineinziehen, er will einen Roman erzählen und hätte vielleicht doch lieber einen modernen Comic (wie Andrax) daraus machen sollen.

Dietrich von Bern

Der Spanier Rafael Méndez liefert die fantastischen Zeichnungen und das ist keine Übertreibung, dieser Comic ist grafisch mit das Beste was im weitesten Sinne als "realistische" deutsche Produktion gelten kann. Sicherlich haben die Figuren mit ihren Riesenflügel-Helmen einen unfreiwillig komischen 70er-Jahre-Touch, aber wenn man sich Jack Kirbys Thor ansieht ist das vollkommen in Ordnung, wenn auch fern ab jeglicher Realität. Seine Darstellungen der Wälder, Rüstungen, Pferde und auch der Gesichter ist briliant und bestehen hervorragend auch im Einfarbdruck (hier wieder ein angenehmes dunkles Braun). Mir persönlich hat die einfache, aber saubere, poppige Colerierung aus den Originalen auch gut gefallen, aber der Cross Cult Druck wirkt wertiger.

Dietrich von Bern

Drei wenig informative Sekundär Artikel sind zwischen die Geschichten gestreut, die Peter Wiechmann wohl selber geschrieben hat. Ich würde mir wünschen das Herr Wiechmann, bei allem Respekt vor seinen wirklich großen Leistungen, sich etwas zurücknehmen würde und die Zusatzinformationen von Aussenstehenden schreiben lassen würde, denn die Hintergründe zu dem Buch und der Gestalt Dietrichs sind wirklich spannend und sollten nicht zur reinen Selbstdarstellung verkommen und wenn es um Geschichte geht, sollten die Beiträge den Intellekt der Leser etwas ernster nehmen, der Band wird mit seinen 22 Euro wohl nicht an ein Kinderpublikum verkauft. Bis in die 80er Jahre wurde allgemein geglaubt das Dietrich von Bern und Theoderich (geb.471 und gest. 526) , König der Goten mit Sitz in Ravenna, Italien ein und die Selbe Person seien. Der wirkliche Dietrich war allerdings eher ein Rheinfranke, Etzel (Attila) nicht der König der Asiatischen Hunnen, sondern der germanische Großkönig Attala von den Hunen/Hünen (daher kommt noch die Redewendung "hünenhaft", weil diese Germanen besonders groß waren), Bern nicht Verona sondern ein Ort bei Bonn, mit Roma-Burg ist Trier gemeint etc... was für den Sekundärteil des Buches sicher informativer gewesen wäre, da Wiechmann, entstehungszeitlich bedingt natürlich von der Dietrich-Goten Theorie ausgehen mußte. Interessant dazu ist andererseits, das Wiechmann´s Text, Etzels Mongolischen Reiter aus der Steppe Asiens mit ihren todbringenden Pfeilen beschreibt, Rafael Méndez aber immer vermeintlich germanische Ritter mit Lanzen und Schwertern zeichnet, das ist etwas verwirrend und geht wohl auf mangelnde Informationen für den Zeichner zurück, was aber ironischer Weise wohl realistischer ist.

Ähnlich wie bei Eisenherz hat Wiechmanns Dietrich kaum Bezug zur realen Geschichte, aber der Comic soll ja auch kein Histroriencomic á la Alix sein sondern fantastische Unterhaltung.

Dietrich von Bern

Fazit: Ein sehr schönes Buch, das wegen der sensationellen Zeichnungen und der Thematik in jede bessere Comicsammlung gehört.

Ich halte Dietrich, neben Andrax, für die schönste Wiechmann Serie.

Mir ist aufgefallen, das nicht alle Comicläden diese Bände vorrätig haben, das sollten diese schleunigst nachhohlen und sich ein paar Bände ins Schaufenster legen. Jeder der den Band in der Hand hält und sich die Zeichnungen ansieht, wird bebeistert sein!!!!!

Auch die Aufmachung dieses wichtigen Projektes von Cross Cult ist wie immer perfekt!

Dietrich von Bern


Dietrich von Bern 1 - Ruhm
Text: Peter Wiechmann, Zeichnungen: Rafael Méndez
Hardcover, 200 Seiten, s/w, A5
Cross Cult, 22,00EUR


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Dietrich von Bern

(c) der Abb.: Cross Cult und Rafael Méndez

 
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