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Bin Laden enthüllt : Ein Comic-Attentat auf Al-Kaida :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!
31.05.2026, 01:46 Uhr
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geschrieben von Micha am
Mittwoch, 15. September 2010
(2430 Aufrufe)
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Islamismus entschleiert
2016. Mitten in der Nacht erhält Präsident Obama endlich den Anruf, dass Osama von US-Truppen gefasst wurde. Sofort werden zwei CIA-Agenten geschickt, um ihn zu verhören. Und Bin Laden erzählt sein ganzes Leben, angefangen bei seiner Zeugung, wobei endlich auch die anderen, wesentlich freundlicher aussehenden Spermien seines Vaters gezeigt werden, die es leider, leider nicht geschafft haben. Das kann nur ein Comic!
Geschrieben wurde dieser von dem algerischen Journalisten Mohamed Sifaoui, der 1999 ein Attentat knapp überlebte und seither von Frankreich aus über die Machenschaften der Islamisten berichtet. Der 43jährige gläubige Muslim möchte mit diesem Comic nicht nur neue Leserschichten erreichen, sondern auch Bin Laden vermenschlichen – wobei er sich hauptsächlich dem Stilmittel der Denkblase bedient: Einerseits zeigt Sifaoui darin Bin Ladens Hintergedanken während er große Reden schwingt, andererseits ganz menschliche Triebe wie Geltungsdrang oder Sex: „Hübscher Hintern – schade, dass ich schon vier Frauen habe...“
Fairerweise werden die westlichen Politiker genauso durch den Kakao gezogen, am schönsten der stets nach Brezeln fragende G.W.Bush. Der Humor ist mitunter notgedrungen makaber, aber nie respektlos den Opfern gegenüber.
Gezeichnet wurde der Band von dem französischen Vielzeichner Philippe Bercovici, der hierzulande einzig durch die seit 1981 laufende Gagserie „Die kranken Schwestern“ (Les femmes en blanc, Text von Raoul Cauvin, bislang 31 Alben) bekannt ist. Bercovici ist seit Jahrzehnten eine Stütze des Spirou magazine mit bis zu 3 gleichzeitig laufenden Serien (noch zu nennen wären „Le Boss“ und „Cactus Club“) und berühmt dafür, einmal eine komplette Ausgabe der wöchentlich erscheinenden Comiczeitschrift (Nr. 3183) allein gezeichnet zu haben. Sein hauchdünner Strich erscheint flüchtig (was ja auch zu Bin Laden passt), ist aber gut beobachtet und stellt die Grausamkeiten nicht überflüssig blutig dar.
Negativ fällt inhaltlich im Band nur die Schmähung des französischen Sensationsjournalisten Thierry Meyssan auf, der sich seinerzeit mit einem Buch, in dem er die Anschläge des 11. September als US-Komplott darstellt, eine goldene Nase verdient hat. Auch wenn Meyssans Arbeitsweise tatsächlich zweifelhaft zu sein scheint, hat das doch mit Bin Laden nur am Rande zu tun und wirkt wie eine kleinliche Rache des Enthüllungsjournalisten Sifaoui.
Einen dicken Minuspunkt bekommt aber mal wieder die Übersetzung. Gut, das Wortspiel im Titel lässt sich nicht ins Deutsche retten – das im Französischen verwendete Wort für „enthüllt“ bedeutet wörtlich übersetzt „entschleiert“ und spielt auf Burkas an. Aber wenn man liest, wie bei einem Stammtischgespräch nach den Anschlägen auf das World Trade Center jemand „ich habe gehört, es war ein gewisser Ben Machin“ sagt, ergibt das für den Leser zunächst mal überhaupt keinen Sinn. Wenn man aber weiß, dass Bin Laden im Französischen „Ben Laden“ genannt wird und „Machin“ kein arabisches, sondern französisches Wort ist (ausgesprochen: „maschäng“), das soviel bedeutet wie „Dings“, versteht man auch ohne Kenntnis des Originaltextes, dass da eigentlich „ich habe gehört, es war ein gewisser Bin Dingsbums“ hätte stehen müssen, und wird anschließend sehr misstrauisch bei Textstellen, die man nicht kapiert. Ist das eine Kostenfrage, dass man sich keine vernünftigen Übersetzer leistet? Ich habe nicht mal den Namen des/der Übersetzer/in im Impressum gefunden.
Miserabel ist auch die Übertragung comicspezifischer Stilmittel. Wenn sich Bin Ladens Vater aus Freude über ein raffiniert eingefädeltes extrem lukratives Geschäft die Hände reibt und im Original als Erikativ „frotte frotte“ dabeisteht, was WÖRTLICH „reib reib“ heißt, dann DARF man das einfach nicht als „klapp klapp“ übersetzen – wer klappt schon seine Hände in der Situation? Und wenn der kleine Osama bei der Nachricht, dass er gerade durch den Tod seines Vaters umgerechnet 300 Millionen Dollar geerbt hat, in Gedanken schon die Registrierkasse „ka-tsching!“ klingeln hört, dann ist die deutsche Übertragung in „Hurra!“ einfach unangemessen. Immerhin werden gängige französische Redewendungen nicht wörtlich, sondern durch entsprechende gängige deutsche Redewendungen übersetzt.
Trotz der schlechten Übersetzung und einiger doch sehr zotiger Gags ist „Bin Laden enthüllt“ ein sehr unterhaltsames und informatives weil gut recherchiertes Buch, von dem Sifaoui hofft, dass die Islamisten beim Lesen explodieren – vor Lachen. Inzwischen liegt in Frankreich vom Team Sifaoui/Bercovici auch ein zweites Werk vor, diesmal über Irans Achmadinedschad, und zurzeit arbeiten sie an einem Band über... unsern Papst Benedikt XVI.! Da sind wir ja mal gespannt.
Bin Laden enthüllt : Ein Comic-Attentat auf Al-Kaida
von Mohamed Sifaoui und Philippe Bercovici,
104 Seiten, Hardcover,
Eichborn Verlag, 16,95 Euro
Bin Laden enthüllt : Ein Comic-Attentat auf Al-Kaida kannst Du gerne hier kaufen.
(c) der Abb.: Eichborn und Autoren
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