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geschrieben von Micha am Freitag, 07. Mai 2010 (3494 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

"Meisterwerk" ist noch untertrieben


Blankets In Nord-Michigan lauten die vier Jahreszeiten „Frühwinter“, „Winter“, „Spätwinter“ und „nächster Winter“. Wem der letzte Winter zu lang war, sollte mal dorthin fahren, wie es der etwa 18jährige Craig tut. Er besucht die gleichaltrige Raina, die er einige Wochen zuvor auf dem Kirchen-Schnee-Camp kennengelernt hatte. Die gegenseitige Anziehung ist groß, doch Craig kämpft mit den Erfahrungen seines bisherigen Lebens: Aufgewachsen in einer fundamentalistisch-christlichen Familie (sein Vater findet Umweltschutz unnötig, da Jesus ja ohnehin bald wiederkommt) ist er mit Schuldgefühlen und Ängsten belastet. Dabei ist die Landschaft von weißem Schnee wie von einer unschuldigen Bettdecke (engl.: blanket) überzogen.

Es gibt Bücher, die mit jeder Auflage dicker werden, obwohl sich die Seitenzahl nicht ändert. War die Erstauflage von „Blankets“ 2004 bei Speed gerade 2,8 cm dick, füllte die Zweitauflage schon etliche Regalmillimeter mehr. Die opulente Carlsen-Neuauflage bringt es auf nicht weniger als 5,8 cm im Hardcover, ein 1,6 Kilo schwerer Klotz. Und zwischen den Buchdeckeln bekommt der Leser einiges an Tiefe geboten.

Blankets

Selten ist eine Liebesgeschichte so elegant, anrührend und kitschfrei erzählt worden wie in dieser autobiographischen Graphic Novel von Craig Thompson. Immer wieder springt er von den Zeitebenen der Haupthandlung zu Kindheits- und Jugenderlebnissen und setzt sie miteinander in Beziehung. Die Charaktere (auch der Nebenfiguren) sind lebensnah in ihrer Widersprüchlichkeit. Während Craig zuhause in Kleidung und Interessen ein schulgemobbter Außenseiter ist und darunter sehr leidet, fühlt er sich an Rainas Schule, wo die Jugendlichen ihm sehr ähneln, „vollkommen austauschbar“ - und ist auch unzufrieden.

Auch zeichnerisch ist Thompson ein Meister, der mit dem Pinsel umgehen kann wie kaum ein anderer. Gerade mit halbtrockenem Pinsel erzielt er wunderbare Effekte, die andere Zeichner nicht einmal in Erwägung ziehen würden. Ich habe ihn einmal auf einer Messe zeichnen sehen dürfen und kann heute noch kaum glauben, was ich da gesehen habe: eine Sicherheit in der Handhabung seines künstlerischen Arbeitsgeräts, dass man sich die Augen reibt.

Die nur dem Comic eigenen Stilmittel setzt Thompson sicher und abwechslungsreich ein. Er hält sich nicht sklavisch an einen bestimmten realistischen oder stilisierten Zeichenstil, sondern variiert die Figuren je nach Erzählsituation und vermeidet damit etwa die Steifheit realistisch gezeichneter frankobelgischer Comics.
Blankets
Während Thompson in normalen Erzählsituationen Seitenaufteilungen mit klassisch rechteckigen Panels verwendet, entwirft er für emotionalere Situationen Layouts mit fließenden Übergängen ohne Panelränder oder schwarzem Hintergrund und wechselt auch mal zu expressionistischen Bilddarstellungen. Die Vielfalt seiner Stilmittel geht so weit, dass mitunter das Weglassen der Seitenzahlen in Szenen mit besonderer emotionaler Nähe unter den Figuren als bewusst eingesetztes Ausdrucksmittel zu finden ist. Welcher andere Comic kann das aufweisen?

Im Vergleich zur Speed-Ausgabe ist bei Carlsen nicht nur deutlich dickeres Papier verwendet worden, es hat auch einen weniger hellen Farbton und ist weniger glatt. Die Schneeszenen wirken dadurch nicht so beißend kalt wir bei Speed, und Thompsons Zeichnungen kommen etwas weicher rüber. Ob man das besser oder schlechter findet, ist Ansichts- und Gewöhnungssache. Der Text ist umfangreich überarbeitet worden, was allerdings meist keinen großen Unterschied macht. Mitunter ist der neue Text aber doch ausdrucksstärker und nur selten eine Verschlechterung.
Dramatisch verbessert aber hat sich das Lettering. Bei Speed war es ein Computerlettering mit etwas seltsamem Schriftbild, das ingesamt recht steril wirkte, obwohl Matthias Rottler auch hin und wieder versucht hat, die Lettern etwas ausdrucksvoller in die Szenen einzupassen. Bei Carlsen gibt es ein echtes Handlettering von Hartmut Klotzbücher, das sich wesentlich organischer in die Seiten einfügt. Darüberhinaus sind viele Soundwörter eingedeutscht worden, was im Zusammenspiel mit den deutschen Dialogen natürlicher wirkt. (Allerdings hätte man das „doot doot“ aus dem Telefonhörer auch zu „tuut tuut“ machen sollen als nur ö-Pünktchen hinzuzufügen und das seltsame Geräusch „dööt dööt“ zu erzeugen.)

Blankets

Einziger Kritikpunkt ist für mich, dass – wie allerdings auch in der amerikanischen Originalausgabe - „Blankets“ auf dem Einband als „illustrierter Roman“ bezeichnet wird. Das wird dem Werk nicht gerecht, obwohl der Erzählbogen in der Tat der eines Romans ist. „Blankets“ ist aber kein Text, dem man ein paar Bilder zugefügt hat, sondern die Bilder SIND die Erzählung, die ihrerseits durch Texte unterstützt werden. „Graphischer Roman“, mithin „Graphic Novel“, würde besser passen, denn diese Bezeichnung legt mehr Gewicht auf den eher graphischen Charakter des Werks, und immerhin steht „Graphic Novel“ auch auf dem Titel.

"Blankets" ist Pflichtlektüre für alle, die das Medium Comic begeistert.


Blankets
von Craig Thompson,
592 Seiten, Hardcover,
Carlsen Verlag, 38 Euro


Das neue "Blankets" kannst Du hier kaufen.

Hier berichteten wir zum ersten Mal über Blankets

Das erste Blankets" kannst Du hier kaufen.

Das englische Original schließlich Blankets" kannst Du hier kaufen.


Blankets Leseprobe der Carlsen Neuauflage


Blankets

(c) der Abb.: Carlsen Verlag + Craig Thompson
 
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