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geschrieben von jochen am Samstag, 10. April 2010 (6289 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Kleines Püppchen, freches Bübchen


Pinocchio Beim Avant-Verlag ist mit "Pinocchio" eine Adaption des Kinderbuch-Klassikers erschienen. Der Autor Winshluss, oder seine Arbeit, ist vielen vielleicht durch die Filmversion von Persepolis bekannt, diesen Comic hatte er zusammen mit der Autorin federführend adaptiert. Die Geschichte von Pinocchio ist von Winshluss nun nicht ganz so werkgetreu umgesetzt worden. Das Ergebnis ist allerdings einer der beeindruckensten Comics des Jahres.

Vorneweg kurz zur deutschen Ausgabe dieser annähernd 200 Seiten umfassenden Geschichte. Wunderbar verarbeitet, ein massives Buch mit dicken und wertigen Papier, auf dem die Zeichnungen und Farben richtig zur Geltung kommen. Diese Qualität hätte nicht jeder Verlag zu einem Preis von 30 Euro produziert bekommen. Allein wegen der Buchausstattung muss man diesen Comic auf jeden Fall mal in den Händen gehalten haben.

Pinocchio

Man kann eine Rezension zu diesem Band fast nicht schreiben ohne mit der mehr als hundert Jahre alten ursprünglichen Geschichte des italienischen Autors Carlo Collodi zu vergleichen. Im Detail überlasse ich das aber gerne anderen Rezensenten. Und das jetzt nicht nur, weil die Version von Pinocchio an die sich der Rezensent so halbwegs erinnert die japanische Zeichentrick-Fernsehserie ist welche er in der Kindheit wahrgenommen hat. Auch dabei kann von einer werkgetreuen Umsetzung sicherlich nicht gesprochen werden, allerdings haben die Änderungen dann doch in gegensätzlicher Richtung zur Version von Winshluss stattgefunden. Jetzt muss ich nur irgendwie die Titelmelodie zur Fernsehserie wieder aus meinem Ohr kriegen.

Der Ton des Comics wird schon auf den ersten Seiten sehr schnell deutlich. Wir sehen ein Giftmüllfass das im Meer 'verloren' wird, einen Alkoholiker, der mit seine Katze Russisch Roulette spielt, und schließlich den Ingenieur der einen kleinen Roboter baut (Pinocchio ist hier also aus Metall und nicht mehr Holz, der Zeit angepasst). Direkt nach erfolgreicher Frankenstein-artiger Belebung der Maschine macht er sich auf den Weg zum Militär um Dollarnoten nicht nur in den Augen zu haben. Pinocchio ist hier also eine Killermaschine, mit einer feuerspuckenden Nase versehen, was die Frau von Gepetto beim leidenschaftlichen Spiel mit Pinocchio zu spät feststellt.

Pinocchio

Grandios wie im Laufe der Erzählung die ersten beiden Kurzgeschichten mit der Geschichte Pinocchios und seines Erschaffers Geppetto verknüpft werden. Es scheint überhaupt so, dass alles was auftaucht und erstmal nicht unbedingt mit der Geschichte zu tun hat, am Ende es doch tut. Mögend auch die Überschneidungen mit der Geschichte Pinocchios kurz sein. Und so passt es, dass ein ehemals Blinder eine Symbiose mit einem einäugigen Wurm eingeht (dieser war vorher Aufseher der ausgebeuteten Kinder in der Spielzeugfabrik die Pinocchio bei seinem Überlebenskampf in die Luft sprengt), und später als geläuteter Gläubiger-Fanatiker einen Pinguin zum Selbstmordattentat anstiftet. Wobei der Pinguin in Begleitung des am Südpol gestrandeten Gepettos, und letztendlich auf Grund des am Anfang verklappten Giftmüllfasses, in der Stadt der Geschehnisse eintrifft. Das klingt jetzt etwas merkwürdig, ist aber innerhalb der Geschichte ganz einfach und logisch aufgebaut. Und immer wieder für Überraschungen gut. Mit derbem schwarzen Humor, von dem man öfters geradezu überrumpelt wird und nicht weiß ob einem das Lachen nicht besser im Halse stecken geblieben wäre.

Man kann viel in dem Comic entdecken und interpretieren, in jedweder Hinsicht. Das Winshluss Erlebnisse Pinocchios in Anlehnung an Luke Skywalker oder Superman inszeniert, das in der Geschichte Kinderausbeutung und -missbrauch thematisiert werden, sowie Fanatismus sowohl religiöser als auch politischer Natur, darüber kann man, oder werden andere, viel nachdenken, analysieren und schreiben.

Pinocchio

Auch der eigentliche Comicaspekt ist bemerkenswert, die Hauptstränge der Geschichte werden ohne Worte erzählt, aber man vermisst diese nie. Die Zeichnungen sind so ausdrucksstark, dass man sich die Geschichte auf Grund dessen selber betextet. Interessant das nur zwei Teilstränge, Jimmy Wanze und der Russisch-Roulette-Spieler vom Anfang, mit Worten versehen sind, wobei das beides Monologe sind. Sowie Interaktionen stattfinden wird nur in Bildern erzählt. Diese sind dabei sehr vielfältig gestaltet. Meist angelehnt an klassische amerikanische Comics von vor mehr als 50 Jahren, auch in der Kolorierung, so grandios hätten die Comics damals aussehen können, wenn sie nicht so billig gedruckt und produziert worden wären. Dazwischen aber auch Passagen die an Underground-Comics aus den USA erinnern. Auch alleine wegen der Grafik ist der Comic sehenswert.

Alles in allem überrascht es dann auch nicht, das beim Comic-Festival in Angoulême der Band 2009 als bestes Album des Jahres ausgezeichnet wurde.


Pinocchio
von Winshluss
192 Seiten, gebunden, vierfarbig
Avant-Verlag, 29,95 Euro


Pinocchio kann man gerne auch hier kaufen.


Bilder zu Pinocchio

Infos zum Zeichner


(c) der Abb.: Avant Verlag + Winshluss
 
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