10 Fragen an Veronika Mischitz zu Kleiner Vogel Rot :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
20.10.2018, 03:41 Uhr
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geschrieben von Maqz am Donnerstag, 01. April 2010 (3372 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Welche Alternative gibt es zur Freiheit?

Veronika Mischitz Sich selber beschreibt sie so: Diplom-Biologin. Freischaffende Illustratorin. Comiczeichnerin. Vintage Fan. Saftschubse aus Leidenschaft. Kinogänger. Leseratte. Musiknerd. Schminkmädchen. Bewegungslegastheniker. Wir selber finden, dass Veronika Mischitz mit ihrem Comic namens "Kleiner Vogel Rot" (zusammen mit Autor Christopher Bünte) ein erstaunliches Grafic Novel Debut hingelegt hat. Da wollten wir bei der Künstlerin doch mal kurz nachfragen...

ComicRadioShow: Hallo Veronika, dein "Kleiner Vogel rot" wurde auch ausserhalb der Comicszene hochgelobt. Zurecht?

Veronika Mischitz: *Lach* Gegenfrage: Ist es möglich, daß ein deutsches Independentcomicdebut in Deutschland auch ausserhalb der Comicszene Aufmerksamkeit erregt? Ich halte das ja fast für ein Ding der Unmöglichkeit...leider. Aber Lob empfinde ich als sehr positiv und auf jeden Fall gerechtfertigt, denn in diesem Buch stecken viel Herzblut, große Gedanken, starke Bilder und eine Botschaft, die heute so aktuell ist wie vor 60 Jahren.
Veronika Mischitz
CRS: Gibt es für Dich Länder, in der "Kleiner Vogel Rot" niemals erscheinen könnte, aber unbedingt sollte?

VM: Eine schwierig zu beantwortende Frage, ohne ins Politisch-Polemisierende abzugleiten. Wir alle wissen ja, wie die Zensurmechanismen totalitärer Staaten funktionieren. Also gibt es eine ganze Reihe an Ländern, in denen ein Buch, das sich mit der Freiheit des Individuums auseinandersetzt, nicht erscheinen könnte. Die Gefahr der zunehmenden Einmischung des Staates in die privaten Belange seiner Bürger sehe ich aber auch in den „freien Demokratien". Wir als mündige Bürger sollten uns sehr genau überlegen, wie viel Handlungsgewalt wir an die Regierungen abtreten wollen. Wie viele Überwachungskameras brauchen wir an öffentlichen Plätzen? Wie viele Daten dürfen erhoben und wozu dürfen sie genutzt werden? Ich finde es immer wieder erschreckend, was wir heute schon achselzuckend durchgehen lassen. Insofern – wenn ich mal so hoch greifen darf – sollte „Kleiner Vogel Rot" (und im Übrigen jedes andere Werk, das sich mit diesem Thema befasst...) weltweit erscheinen.

CRS: Sind schon internationale Sprach-Versionen geplant?

VM: Die Übersetzung ins Englische wurde kürzlich abgeschlossen. Ende März werden wir das Buch dann auf der Comicmesse in London vorstellen.

Veronika Mischitz Kleiner Vorgel Rot in English

CRS: Nun führen Geschichten mit dem Thema "Den Widerstand wagen" heutzutage bei uns oft zu hilflosen Schulterzuckungen. Hast Du Diesen Comic auch gemacht, um auch daran etwas zu ändern?

VM: Das wäre wohl ziemlich vermessen, oder? In erster Linie erzählen wir unsere Geschichte, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wir bieten Einblicke in das Leben der Figuren, stoßen ein paar Türen auf und laden den Leser an vielen Stellen ein, gedanklich anzuknüpfen und das Gelesene für sich weiterzuentwickeln und zu bewerten. Im Idealfall bleiben die Figuren und Bilder auch nach der Lektüre in den Köpfen der Leser lebendig. Wenn jemand durch unseren Comic für das Thema sensibilisiert wird, so ist das eine wunderbare und wertvolle Sache, aber keinesfalls einkalkuliert.

CRS: Welche Reaktionen hast Du in den Begegnungen mit den Lesern zu "Kleiner Vogel Rot" erhalten? Fanden z.B. viele das Ende zu "konsequent"?

VM: Die Leserreaktionen waren durchweg positiv. Wir haben scheinbar, sowohl mit unserer Bildsprache als auch mit der Geschichte an sich, den richtigen Ton getroffen. Wenn ein Leser vor mir steht und erzählt, dass er von den Traumsequenzen regelrecht „verzaubert" wurde oder ich eine Buchbesprechung lese, in der der Kern des Buches wunderbar verstanden und aufgegriffen wurde, möchte ich den Leuten am liebsten heulend um den Hals fallen. Wenn sich tatsächlich mal jemand kritisch über das Ende geäußert hat (was bisher nur zweimal der Fall war), dann tatsächlich eher dahingehend, dass es nicht konsequent genug ist ... *lach* Ich persönlich finde das Ende gut so wie es ist, denn es stellt die nötige Balance wieder her.

CRS: Nun kommt der Titel mit Hardcover, Bonus-Bildern und -Texten aufwändig in den Handel. Wie verkauft er sich denn so? Und an wen?

VM: Nun, für ein Debut und eine zwerchfelluntypische Publikation verkauft es sich überraschend gut, darf aber gerne noch ein bisschen zulegen. Man orientiert sich ja immer nach oben. An wen es sich verkauft, kann ich gar nicht so genau sagen, da mittlerweile ein Großteil der Verkäufe über Vertrieb und Amazon abgewickelt wird. Auf Messen spricht das Buch ganz unterschiedliche Menschen an, Junge, Alte, Studenten, Mütter, andere Zeichner, Comicfans... genau so soll es ja auch sein.

CRS: Was war für Dich am Wichtigsten bei der Visualisierung von Christophers Geschichte?

VM: Für mich als Zeichnerin war es enorm wichtig, die nötigen Freiheiten zu haben. Viele Elemente des Comics waren nicht im Skript vorgesehen, sondern haben sich mit dem Fortschreiten der Geschichte entwickelt. Dazu zählen z.B. alle Traumsequenzen. Auch Erzähltempo und die Bildkomposition waren mir überlassen, was ich Chris gar nicht hoch genug anrechnen kann. Er ist ein wunderbarer Autor, der die Stärken des Zeichners kennt und anerkennt und mit dem man sehr produktiv arbeiten kann.
Persönlich hat mich an der Geschichte besonders der Umgang der Figuren mit ihrer Situation interessiert. Was löst das Leben in einem totalitären Regiem in den einzelnen Menschen aus? Warum kann sich der eine arrangieren und der andere nicht? Was treibt die Menschen an? Lässt sich darauf überhaupt eine befriedigende Antwort bzw. ein Modell finden?

Veronika Mischitz und Stefan Dinter von Zwerchfell

CRS: Wie kam es zu den vielen Bildern anderer Zeichner zum Comic in der Künstlergalerie?

VM: Oh, das war mein Wunsch. Ich liebe Künstlergalerien, weil ich es interessant finde, wie andere Zeichner an das Thema oder den Figurenkosmos herangehen. Viele der Zeichner sind gute Bekannte, einige sind sehr gute Freunde, alle sind bewundernswerte Künstler, also wollte ich sie mit ins Boot holen.

CRS: Und wie wird es weitergehen? Soll es ein "Kleiner Vogel Rot 2" geben?

VM: Das dürfte sich wohl als schwierig erweisen... eine Fortsetzung ist nicht geplant :D

CRS: Wo können wir demnächst ein Album von Dir persönlich signieren lassen?

VM: Am 08. Mai werde ich anlässlich des Gratis Comic Tags im Terminal Entertainment in Frankfurt mein Unwesen treiben und natürlich bin ich auch während des Comicsalons in Erlangen (03. – 06. Juni) am Stand von Zwerchfell und Jazam! anzutreffen.

CRS: Was treibt Dich gerade aktuell um?

VM: Ich bin eigentlich immer dabei, meine Karriere als Illustratorin voranzutreiben, nach neuen Betätigungsfeldern und interessanten Projekten Ausschau zu halten. Mit Chris Bünte sind aktuell zwei neue Comicprojekte in Planung, die Adaption eines Literaturklassikers und eine eigene Geschichte. Mehr darf ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht verraten.

CRS: Veronika, vielen Dank für das Gespräch! :-)

Ich habe zu danken :D




Mehr:

Der Blog von Veronika Mischitz

Leseprobe von "Kleiner Vogel rot"

Kleiner Vogel Rot kann man gerne auch hier kaufen.


Veronika Mischitz

(c) der Abb.: Veronika Mischitz und Zwerchfell

 
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