René Lehner im Interview :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
26.03.2017, 00:43 Uhr
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geschrieben von Maqz am Donnerstag, 01. Oktober 2009 (5298 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Comics Digitalis Helvetica


René Lehner René Lehner ist schweizer Comiczeichner. Und das schon ziemlich lange! Wir haben ihn schon 'mal hier in unserem 269ten Artikel (von derzeit 3088) vor seeehr langer Zeit vorgestellt. Angesichts der etwas angestaubten Infos, haben wir ihn heuer mal wieder angeschrieben (zur Zeit, als er sich jetzt endlich mal bei uns registriert hat!) um nachzufragen, wie es ihm geht und was er gerade so treibt. Hier das Interview dazu.

ComicRadioShow: Servus René! Wie geht's Dir denn so?
René:: Gut, obwohl der warme Sommer zu Ende ist und die Nächte wieder länger werden. Wir Schweizer sind ja Südländer und mögen's eigentlich warm.

CRS: Für die, die sich die Mühe nicht machen wollen unser erstes Portrait von Dir noch mal durchzulesen: Was muss man heutzutage von Dir wissen?
René: Nach wie vor zeichne ich fleissig da und dort, obwohl man nicht viel von mir hört. Und das ist auch gut so. Neu ist vielleicht, dass ich mich jetzt ganz dem digitalen Zeichnen verschrieben habe. Papier und Bleistift sind passé und ich bin nicht traurig darüber.
René by René
CRS: Was hat sich eigentlich seit der Zeit des Portraits (es stammt aus dem Jahre 1998) bei Dir verändert?
René: Seither sind keine neuen Bücher mehr von mir gezeichnet worden, denn es ist im hierzulande fast unmöglich, einen Verleger zu finden der sich für einen deutschsprachigen Künstler einsetzt oder mit dessen Büchern Geld verdient. (Das liegt natürlich auch daran, dass es mir nie gelungen ist, einen Bestseller zu schreiben.) Dafür zeichne ich immer noch diverse Comicstreifen-Serien für Schweizer Medien und gelegentlich was für die Werbung. Dann habe ich mich als Jugendbuchautor versucht und einen ersten Roman geschrieben. Das war eine völlig neue Erfahrung für mich. Bisher habe ich Geschichten immer mit Bildern erzählt, jetzt musste ich lernen, Geschichten dem Leser schreibend schmackhaft zu machen.

CRS: Wenn du deine Popularität mal in der Schweiz mit der in Deutschland vergleichen möchtest: Wo mag man Dich mehr (und lieber) lesen? Und warum?
René: Ich sehe mich natürlich überall gern gedruckt, aber man kennt mich doch sehr viel besser in der Schweiz. Wir haben hier eine tolle Comicszene, in der jeder jeden kennt und sich auch immer wieder trifft. Die Möglichkeiten zu veröffentlichen sind aber leider auch hier merklich kleiner geworden. Deshalb suche ich neue Wege in die Welt durch das Internet (www.humbug.ch). Meine aktuelle Comicserie DON CANELONI (www.zampano-online.com) erscheint auch auf englisch und wir von Zampano versuchen, amerikanische Leser anzusprechen.

René Lehner

CRS: Wie muss man sich als Nichtkenner die Schweizer Comicszene vorstellen? Wer sind die Stars, wer die (heimlichen) Helden?
René: Der große Star der deutschsprachigen Schweiz, Mike van Audenhove, ist leider kürzlich verstorben. Mit Trauer stellen wir Zeichner der älteren Generation fest, dass langsam die ersten Freunde wegsterben und wir wirklich älter geworden sind. Ein anderer Star, David Boller, ist vor kurzem aus den USA in die Schweiz zurückgekehrt und bereichert mit seinem Zampano und Comiczeichenkursen die Schweizer Szene. Aktiv und kreativ sind auch Zeichner wie Thomas Ott, Boris Zatko, Alex Macartney oder Franz Zumstein. Regionale Bestseller kreieren zum Beispiel das Zeitungsstreifen-Duo Jaermann/Schaad, die in der Schweiz jeder kennt. Dann finden sich eine große Anzahl toller Zeichner um David Baslers Strapazin und um das Luzerner Comicfestival, die beide inzwischen internationalen Kultstatus erreicht haben.

René Lehner

CRS: Ist Popularität überhaupt wichtig für Dich?
René: Absolut unwichtig. Ich brauche sie höchstens, um finanziell zu überleben. Ansonsten habe ich gern meine Ruhe und konzentriere mich ganz auf meine Arbeit. Wichtig sind mir aber immer mehr Arbeitskollegen, mit denen ich mich austauschen kann. Dazu gibt's hier immer wieder mal Partys, Ausstellungen und Events, wo man zusammensitzt und sich amüsiert.

CRS: Was ist derzeit Dein Lieblings-Projekt?
René: Zurzeit konzentriere ich mich auf DON CANELONI, vor allem weil ich ihn ganz digital zeichne
und damit neue Möglichkeiten entdecke und viel lernen kann. Ich verwende dazu ein Zeichentablett WACOM CINTIQ und die Software MANGA STUDIO EX. Eine neue Erfahrung für mich.

René Lehner

CRS: Sind Comiczeichner in der Schweiz eigentlich gut angesehen?
René: Inzwischen haben wir Comiczeichner einen guten Ruf und man berichtet auch immer wieder über uns. In meiner Jugend war das ganz anders und alles was damals mit Comics zu tun hatte, war verpönt. Leider sinkt inzwischen die Achtung vor den Comics bei den Redaktionen wieder und wenn gespart werden muss, werden schnell die Comics rausgeschmissen.

CRS: Welche Schweizer Comiczeichner sollten wir Deutschen deine Meinung nach eigentlich (ausser Dir) noch so lesen?
René: Die Namen die ich schon aufgezählt habe, sollte man unbedingt kennen. Man kann aber in der Schweiz immer wieder unerwartet talentierte Schmuckstücke entdecken. Zum Beispiel Matthias Gnehm oder Daniel Bosshart. Wer eines der Schweizer Comicfestivals (Luzern, Lausanne, Murten) oder die Zürcher Börse besucht, wird immer wieder erstaunt über die kreative Vielfalt sein.

CRS: Wenn Du zurückblickst auf dein langes Leben als Zeichner (u.a. in Spanien oder Hamburg), was vermisst Du?
René: Die tolle Zeit in Hamburg Anfang der 90er-Jahre war schon toll und wild. Der Comic schien aufzublühen, von überall her strömten Zeichner nach Hamburg (Scheuer, Schultheiss, Sperzel, Kesen usw.), man traf sich oft und gern, es wurde gefeiert, nächtelang diskutiert und viel gearbeitet. Tolle Projekte entstanden (Der Comic-Strich, Kellerausstellungen überall usw.) und alle hofften wir, dass sich das Medium Comic nun endlich durchsetzen würde. Leider ist nichts daraus geworden.

Der Schrecken des Sports

CRS: Was und/oder Wer hat Dich eigentlich zum Zeichnen gebracht und danach in die Welt hinaus getrieben?
René: Der Wunsch Geschichten zu erzählen, Menschen zu unterhalten und in andere Welten einzutauchen, hat mich schon immer fasziniert. Wären die Umstände andere gewesen, hätte ich das vielleicht mit Filmen ausgelebt oder hätte Romane geschrieben. Aber die Comics waren es schliesslich - vor allem die frankobelgischen Serien -, die mich fürs ganze Leben eingenommen haben. Und ich bin bis heute froh darüber. Ich fühle mich als Comic-Entertainer.

CRS: Hast Du noch etwas mit der COMIXENE zu tun, oder würdest Du wieder etwas mit der Zeitschrift zu tun haben wollen?
René: Ich habe sehr enge Kontakte zu Martin Jurgeit und eine enge Freundschaft mit Andreas C. Knigge. (Meine Wohnung in Hamburg ist in seinem Haus auf St. Pauli.) In der Oktoberausgabe der COMIXENE ist sogar wieder ein Bericht von mir drin.

René Lehner

CRS: Warum hast Du eine Lichtensteiner URL (http://www.comic.li)? Wegen der Steuern? ;-)
René: Schön wär's. Leider waren die .ch und die .de-Adressen bereits vergeben, obwohl ich sehr, sehr früh mit dem Internet angefangen habe. Computer haben mich schon von Anfang an begeistert und ich war einer der ersten mit Comics im Internet. Aber leider habe ich damals die zukünftige Dimension unterschätzt und die comic.ch-URL zu spät reservieren wollen.

CRS: Auf www.humbug.ch widmest Du dich intensiv dem Thema digitales Zeichnen. Warum, und was steckt dahinter?
René: Meine Liebe zum Computer ist nach wie vor ungebrochen und die vielfältigen Möglichkeiten damit faszinieren mich. Das Comicprogramm vereinfacht mir die Arbeit einfach sagenhaft. Ein Beispiel: Wenn ich ein Zimmer zeichnen muss, in dem sich meine Figuren bewegen, musste ich früher die Fluchtlinien ausmessen, damit alles perspektivisch stimmte. Ich habe dazu lange Lineale gebraucht und auf meinem Pult die Fluchpunkte mit Nadeln gesetzt und die Lineale daran gehalten. (Ich mag's halt gern detailliert und stimmig.) Mit meinem Programm heute setzte ich Horizont und Fluchtpunkte rasch und einfach mit der Maus. Zeichne ich dann los, stimmt jeder Pinselstrich in seiner Perspektive perfekt. Es ist einfach toll. Die Panelrahmen richte ich in ein paar Sekunden ein, alle Blasen und Texte sind in wenigen Minuten druckreif platziert. Ganz zu schweigen von den Vorteilen beim Kolorieren. Auf Zampano werde ich in den nächsten Wochen einen detaillierten Erfahrungsbericht über die Entstehung meines digitalen Comics' verfassen.

René Lehner

CRS: Was bedeuten Dir diese Flipbook-Comics und werden Sie vom Publikum angenommen?
René: Die Flipbooks habe ich in dieser Form erst kürzlich entdeckt. Ich habe den Flash- und Html-Code für 45 Dollar gekauft, ihn meinen Wünschen und der deutschen Sprache angepasst und mache jetzt damit meine ersten Heftchen. Demnächst will ich eine eigene Geschichte im passenden Format nur für die Flipbooks zeichnen. Ich kann dabei sogar leichte Animationen innerhalb der Panels verwenden. Ob sie allerdings ankommen, kann ich noch nicht sagen. Ich persönlich finde diese Art, Comics zu lesen einfach die angenehmste. Man muss nicht rumscrollen und nicht dauernd ranzoomen, um den Text lesen zu können.

René Lehner

CRS: Angesichts deiner Online-Aktivitäten siehst Du deine Zukunft im selbst kreierten und online vertriebenen Web-Comic?
René: Ganz eindeutig. Du brauchst heute keinen Verlag mehr, der eh nicht viel für einen deutschen Zeichner unternimmt. Wichtig ist, dass man bei amazon und den anderen Internet-Buchhandlungen gelistet ist. Dann kümmert man sich selber um die Werbung. Dafür geben deutsche Verlage ja sowieso nicht viel aus, wenn man nicht Isabel Kreitz oder Ralf König heißt. Dafür ist man frei und muss nicht mit dem Buchhandel teilen. Mein Schweizer Kollege Boris Zatko hat damit gut verkauft - ist jetzt zwar von einem "richtigen" Verlag abgeworben worden. Für manche ist diese Selbstveröffentlichung also mehr ein Sprungbrett. Im Grunde haben wir vor dreissig Jahren dasselbe gemacht mit Fanzines, die wir mit dem Fotokopierer oder dem Umdrucker selber gemacht und auf dem Schulhof verteilt haben.

CRS: ...oder ist es "nur" ein weiterer Vertriebsweg für deine gedruckten Comics.
René: Ein Vertriebsweg, der immer wichtiger wird, und der jungen Zeichnern eine erste Möglichkeit zu veröffentlichen bietet.

René Lehner

CRS: Cool wäre natürlich jetzt die Aussage, dass Comics gar nicht Dein Hauptbroterwerb ist und Du dein Geld mit Briefe frankieren und Käsewenden verdienst. Ist das etwa so?
René: Ich kenne kaum einen deutschsprachigen Zeichner, der von seiner Comicarbeit leben kann. Wären da nicht immer wieder Werbearbeiten, wären so gut wie alle Comiczeichner hierzulande verhungert. Zum Glück habe ich einen kleinen Rätselverlag, der Rätsel für Schweizer Medien produziert und sechs eigene Hefte am Kiosk hat. Dies gibt mir die Grundlage, mein Comicschaffen unbekümmert und frei ausleben zu können. Mein Rätselverlag lässt mir auch viel Zeit, mich dem Zeichnen zu widmen. Ich bin vor ein paar Jahren durchs Verkaufen von Comic Strips an Zeitungen fast zufällig zum Lieferanten von Rätseln an Zeitungen geworden. Ein Glücksfall für mich.

René Lehner

CRS: Ist der Oscuro-Comic nun dein Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit der "Nouvelle Ligne Claire"?
René: Vielleicht. Ich habe damals mit diesem Zeichenstil keinen Erfolg gehabt und es hat mich auch immer gestört, dass es nicht mein eigener ist, sondern sehr stark von Chaland beeinflusst ist. Mein neuestes Buch ist mehr ein Abschluss, ein Fazit über die Jahre "Nouvelle Ligne Claire". Ich habe ein letztes Mal alle meine Arbeiten zwischen zwei Buchdeckel packen wollen. Vielleicht denke ich in ein paar Jahren wieder anders. Mit DON CANELONI versuche ich inzwischen doch recht bewusst, meinen Stil weiter zu entwickeln. Ich will nicht mehr zu den Knollnasen-Figuren zurück, aber auch nicht zum Semifunny. Dafür mehr Realismus. Wohin das führt, weiß ich nicht.

CRS: Und was wird aus Billy Body und Fred Flamingo?
BILL BODY erscheint noch immer in einigen Zeitungen - zum Glück nicht mehr täglich -, Fred Flamingo ist aber leider gestorben. Ich habe kürzlich versucht, eine neue Geschichte zusammen mit dem Zeichner Nils Oskamp in Frankreich zu verkaufen, aber es ist uns nicht gelungen.

CRS: Was haben wir überhaupt in der nächsten Zeit von Dir zu erwarten?
Sicher immer wieder Comics und sicher auf allen digitalen Wegen. Zurzeit habe ich das iphone im Auge, denn ich glaube fest daran, dass wir uns eines Tages Bücher, Zeitungen und auch Comics auf einen angenehmen, gut lesbaren Reader laden werden. Und dazu wird garantiert Animation gehören, die mich auch immer wieder beschäftigt. Früher mit den BILL BODY-Trickfilmen, heute mit Flash-Animationen.

René Lehner

CRS: Gibt es schon eine Oscuro-Signiertour (die vielleicht auch schon durch Deutschland führt)?
René: In der Schweiz signiere ich am Comicfestival in Murten und an der Zürcher Comicbörse. Aber in Deutschland ist nichts geplant. Ich unternehme wenige Verkaufsanstrengungen für dieses Buch. Es ist mehr ein Geschenk an mich selber. Es sind einfach meine liebsten Arbeiten und sie liegen mir am Herzen.

CRS: Sollten wir Deine erotischen Comics in diesem Interview überhaupt erwähnen, oder wird's dann zu peinlich?
René: Bitte nicht. Humor und Erotik waren bei mir immer vertreten und schon mein erstes Buch (RENÉ) im Volksverlag war voller Sex und Erotik. Das wird auch in Zukunft nicht anders sein.

CRS: Was machst Du gleich nach diesem Interview?
René: Ich schau schnell bei ComicRadioShow rein, was es Neues gibt.

CRS: René, vielen Dank für das Gespräch!
René: Gern geschehen.

René

Mehr René gibt's auf:
www.humbug.ch
www.comic.li
www.zampano-online.com


 
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