MÄX: "Rechte Schergen in Schweizer Bergen" :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv !

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03. Sep 2010
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Mystery/Krimi: MÄX: "Rechte Schergen in Schweizer Bergen"

Mystery/Krimi

Ein Schweizer mit Comic-Premiere beim Epsilon-Verlag


MÄX: Stefan Tobler Falk alias TOBI (Jahrgang 1967) lebt in St. Gallen und arbeitet als freier Zeichner, Autor und Lehrer. Als Cartoonist und Texter veröffentlicht er im Satire-Magazin „Nebelspalter“ Beiträge zu gesellschaftlichen und politischen Themen. Aber seine Leidenschaft gilt vor allem dem Comic-Zeichnen. Beim Epsilon Verlag erschien sein MÄX-Abenteuer „Rechte Schergen in Schweizer Bergen“, das in ZACK 114-117 vorveröffentlicht wurde.

Persönlich betrachtet sich TOBI als Geschichten-Erzähler: „Ich fühle mich mit Schriftstellern aller Art verbunden und könnte mir gut vorstellen, meine Storys in Romanform zu veröffentlichen. Wer in Bildern denkt - schreibt besser! Im folgenden Beitrag geht es daher vor allem um die Tätigkeit von TOBI als Comic-Zeichner und natürlich um MÄX.
Der Comic „MÄX – die kuriosen Abenteuer des Demetrius Gebhard Meier“ ist als Wiederbelebung des Familiencomics zu verstehen. TOBI wollte mit MÄX einen Comic schaffen, der für Kinder wie auch für Erwachsene gleichermaßen interessant ist. Entstanden ist ein satirischer Abenteuercomic mit gesellschaftlichem Bezug. TOBI selbst bezeichnet den Comic als „sozialkritischen, pseudowissenschaftlichen Abenteuercomic mit satirischer Komponente“.

MÄX:

Das Interview:

Was war dein Beweggrund, neben der Lehramttätigkeit noch etwas völlig anderes wie Cartoons und Comics zu machen?

TOBI: Es sind viele verschiedene Beweggründe: Vom Spaß über Stressbewältigung bis hin zur Hoffnung auf eine relative finanzielle Unabhängigkeit.

Hast du das Comic-Zeichnen autodidaktisch gelernt oder hast du eine spezielle künstlerische Ausbildung (z. B. im Rahmen der Lehrerausbildung) absolviert?

TOBI: Die künstlerische Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule war rudimentär. Die Lizenziatsnote durften wir unter dem Stichwort "pädagogisch wertvolle Selbsteinschätzung" selber definieren. Im Übrigen hatten die Lehrkräfte die Tendenz, die Studierenden in fixe Kategorien einzuordnen. Ich gehörte zur Kategorie "Sportler". Dass ich künstlerisch tätig bin, wusste nur gerade mein Deutschlehrer. Ich habe mir das Comic - Zeichnen also selber beigebracht.

Gibst du irgendwelche Zeichenkurse?

TOBI: Im Rahmen des üblichen Unterrichtes erteile ich diverse Zeichenkurse: vom Portraitieren, über das Karikaturen- Zeichnen bis hin zum Comic - Zeichnen. Unser erster Kurs startet definitiv im Juli.

Mehr Infos unter: www.tics.ch



Gibt es Comic-Autoren-Vorbilder für dich?

TOBI: Zeichnerisch haben mich die europäischen Autoren meiner Jugend geprägt: Hergé, Morris, Uderzo, Franquin. In Sachen Storytelling begeistern mich Autoren wie Baru (Autoroute du soleil) oder Jean van Hamme (Thorgal).


Ist MÄX dein erster Comic oder gab es bereits andere Storyversuche? Ist MÄX als One-Shot oder Serie angelegt?

TOBI: Bisher habe ich kurze Comics im Rahmen der Deutschschweizer- Subkultur - Szene veröffentlicht. Die MÄX-Abenteuer sind als Serie konzipiert. Jeder Band ist eine in sich abgeschlossene Abenteuergeschichte. Allerdings erzähle ich auch eine übergeordnete Handlung, welche sich über die einzelnen Alben erstreckt. Diese beschreibt Mäx’ Alltag und hinterlässt keinen Zweifel, dass das wirkliche Leben das eigentliche Abenteuer ist.

MÄX:

Was war für dich die Initialzündung, einen Comic zu zeichnen?

TOBI: Zu Beginn stand ein prägendes Schlüsselerlebnis: Ich fühlte mich von meiner (damaligen) Chefin gemobbt. Damals sagte ich mir: Ich möchte etwas schaffen, das nicht durch einen vermeintlich objektiven Qualitätsraster und dessen Interpretation beurteilt wird. Du musst wissen: Qualität bleibt in Schulen letztlich immer eine Frage der Interpretation bzw. der Sympathie. Wer etwas anderes behauptet, verdient sein Geld entweder im Qualitätsmanagement oder ist naiv.


Was war zuerst da, deine Idee zu MÄX oder die Verbindung zum Epsilon-Verlag?

TOBI: Meine Idee zu MÄX war zuerst da. Ich bin durch Zufall zum Epsilon - Verlag gestoßen.
Die Möglichkeit zur Veröffentlichung hat mir (zum Teil) den Glauben an das Glück des Tüchtigen zurückgegeben.


Serienheld ist der Schriftsteller „MÄX“ oder vollständig: Mäx Demetrius Gebhard Meier“. Er gerät in seinem ersten Abenteuer in verbrecherische Machenschaften wie Rassismus, Menschenhandel und verbotene Experimente…

TOBI: Das Abenteuer „Rechte Schergen in Schweizer Bergen“ ist kein einfacher Anti - Nazi - Comic. Er handelt vielmehr von Fremdenfeindlichkeit und gesellschaftlicher Borniertheit. Trotz des ernsten Themas habe ich versucht, das Ganze von der humoristischen Seite anzugehen. Ich habe versucht, meine Geschichte ohne Belehrungen oder mahnenden Zeigefinger zu erzählen. Letztlich befasst sich die Story mit gesellschaftlicher Heterogenität und davon, wie wir mit ihr umgehen. Somit hat die Geschichte allgemeine Gültigkeit und beschränkt sich nicht nur auf die Schweiz.

MÄX:

Wie entstand die Story-Idee zu MÄX? Gibt es einen realen Aufhänger?

TOBI: Es gibt keinen realen Aufhänger. Eigentlich studiere ich immer an Ideen herum. Es gibt Leute, die behaupten, dass ich deswegen sehr „kreativ“ Auto fahre. Allerdings habe ich schon immer über den heimischen Gartenzaun geblickt. Ausgrenzung ist ein globales Thema. Sie bietet sich als Stoff an.


Wie würdest du MÄX stilistisch einordnen?

TOBI: Formal gesehen ist „Mäx – die kuriosen Abenteuer des Mäx Demetrius Gebhard Meier“ im Semi - Funny – Stil gezeichnet. Allerdings bediene ich mich in einzelnen Sequenzen der Erzähltechnik japanischer Mangas. Außerdem stehe ich in der Tradition der „Ligne claire“. Eigentlich befinde ich mich immer noch in einer künstlerischen Entwicklungsphase.


Beschreibe doch bitte kurz die wichtigsten Protagonisten der Serie und deren Rolle. Stand der „Personenstamm“ von Beginn an fest oder gab es Änderungen?

TOBI: Hauptfigur ist der Schriftsteller Mäx Demetrius Gebhard Meier. Mäx ist ein absoluter Anti-Held: Ein Vorwärtsparker, Comicsockenträger und Warmduscher. Zusammen mit seiner Partnerin Ilona besteht er die haarsträubendsten Abenteuer. Dabei scheitert er im täglichen Leben kläglich.
Ilona ist nicht immer logisch, doch pragmatisch veranlagt. Sie verdient ihre Brötchen als Tierärztin (ursprünglich als Zahnärztin) und liebt Mäx auf Grund seiner grenzenlosen Gutmütigkeit. Zwischen ihnen steht allerdings Schnucki, Ilonas Hund.
Schnucki ist der Prototyp des überflüssigen, bestenfalls störenden Hundes: Von Ilona offen verwöhnt – von Mäx still gehasst.
Schließlich sind da noch Mäx’ Kollegen: Derb, laut und fröhlich sind sie in meist angetrunkenem Zustand zu jeder Schandtat bereit.
Der Personenstamm stand von Anfang an fest. Er beschränkt sich allerdings auf wenige Figuren. Ich wollte dem Comic die Möglichkeit zur Weiterentwicklung geben.

MÄX:

Beschreibe bitte die einzelnen Phasen bis zum fertigen Band. Hast du zunächst das komplette Szenario geschrieben? Wie hast du den Band arbeitstechnisch umgesetzt?

TOBI: Zu Beginn stand die Einsicht, dass ich - im Falle eines Erfolges - keine Lust habe, ein Leben lang Pferdehintern und Schwerter zu zeichnen. Es war mir wichtig, ein Konzept zu entwickeln, welches mir alle Möglichkeiten offen lässt, mich also in keiner Art und Weise einschränkt. Bald war mir klar, dass sich die Geschichten in der heutigen Zeit, in einem kurios, absurden Rahmen abspielen sollten.
Dann habe ich die Figuren entwickelt. Sie sollten authentisch sein und dennoch einen ausgeprägten Charakter haben. So habe ich an Personen aus meinem persönlichen Umfeld gedacht. Mäx beispielsweise hat stark autobiographischen Charakter. Ilona hat etwas von meiner Ehefrau.
Anschließend habe ich eine Art Plot geschrieben. Dieser war eine Beschreibung des eigentlichen Handlungsstrangs und umfasste nicht mehr als eine halbe A4 - Seite.
Des Weiteren habe ich den Plot in 46 Sequenzen aufgeteilt, welche den 46 Seiten des Albums entsprachen. Dann habe ich die Dialoge entworfen.
Erst dann habe ich zu zeichnen begonnen. Dies fiel mir leicht. Das ganze Album war bereits in meiner Vorstellung vorhanden!


Die Schweiz hat eine sehr aktive Comic-Künstler-Szene. Hast du Kontakte? Gibt es Künstlervereine oder ähnliches? Welche Comic-Verlage oder Comic-Magazine gibt es? Welches sind die größten Comic-Events?

TOBI: Die Comicszene in der Schweiz ist in der Tat sehr vielfältig. Meine Kontakte sind ziemlich lose und gehen auf jene Zeit zurück, als ich noch mehr Zeit fand, am kulturellen Leben teilzunehmen.
Erwähnt werden müssen in diesem Zusammenhang die Künstlergruppen um Norbert Feldmann (Swisscomic, www.swiss-comic.ch) und Sascha Tittmann (Sequenz, www.sequenz.net). Es gibt etliche Gruppen, welche aber untereinander geringen Kontakt pflegen. Der bekannteste Deutschschweizer Comicverlag ist die Edition Moderne um David Basler (www.editionmoderne.ch). Er ist auch der Herausgeber des Magazins Strapazin. Die größten Comic- Events sind das Luzerner Comicfestival Fumetto, die Züricher Comicbörse um René Lehner und diverse Veranstaltungen in der Alten Kaserne in Winterthur.
Schließlich gibt es noch das Sismics Festival de Bande Dessinée in Sierre (Wallis).


Hast du in deiner Jugend Comics gelesen? Wenn ja, welche? Liest du auch heute noch Comics?

TOBI: Ich habe jegliche Art von Comics gelesen: Asterix, Lucky Luke, Tim und Struppi, Walt Disneys Taschenbücher, Marvel Comics, DC Comics etc. Ich bin eigentlich durch Comics literarisiert worden – ebenso meine Kinder. Heute lesen wir jegliche Art von Literatur - von Comics über Belletristik bis hin zum Sachbuch. Das Buch gehört in unserer Familie zum Alltag.

MÄX:

Was machst du, wenn du mal nicht in der Schule bist oder an Comics und
Cartoons arbeitest?

TOBI: Ich gehe ins Fitnessstudio. Im Winter fahre ich Ski. Bis vor wenigen Jahren war ich ein ganz passabler Stürmer im örtlichen Fußballverein.


Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit MÄX!

TOBI: Danke!



MÄX: "Rechte Schergen in Schweizer Bergen" kannst Du gerne auch hier kaufen.
geschrieben von M.Hüster am Dienstag, 09. Juni 2009 (925 Aufrufe)
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