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geschrieben von jochen am Dienstag, 02. Dezember 2008 (4365 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Ein Amerikaner sieht Berlin


Ein Amerikaner sieht Berlin Berlin 1929, die amerikanische Band Cocoa Kids trifft in Berlin ein. Die farbigen Musiker wollen versuchen mit Jazz, diesem neuartigen Musikstil, hier ihren Erfolg suchen und Geld verdienen. Sie sind nur ein Teil des vielfältigen Nachtlebens Berlins das man in diesem Band zu Gesicht bekommt. Die Stadt ist unruhig, die Auseinandersetzungen der politischen Lager werden heftiger.

So beginnt "Bleierne Stadt", der zweite Teil der Berlin-Trilogie von Jason Lutes. Wiederum schafft es der Autor und Zeichner eine packende Geschichte darzubringen. Wer will kann sie wunderbar einordnen in einen historischen und soziologischen Gesamtkontext. Wer das nicht will liest einfach einen der besten Comic-Romane der letzten Zeit.

Ein Amerikaner sieht Berlin
Der Journalist Kurt Severing und die Kunststudentin Marthe Müller bilden wie im ersten Band das Zentrum der Handlung. Aber auch die Geschichte anderer Personen wird fortgeführt und ganz nebenbei mit weiteren, auch historischen, Personen und Geschehnissen zusammengebracht. Lutes schafft es dabei zu überraschen, so beispielsweise zum richtigen Zeitpunkt erst den Namen von gewissen Charakteren zu nennen, so das man als Leser diese zuerst als Mensch und nicht als historisch Person wahrnimmt.

Vielleicht bedarf es des Blickes eines Außenstehenden wie des Amerikaners Jason Lutes um eine solche Geschichte ohne zu viel historischen Ballast zu erzählen. Wir wissen alle wie die Weimarer Republik endet, die Menschen damals und somit auch die handelnden Personen in diesem Band wussten
es natürlich nicht. Lutes schafft es die verschiedenen Charaktere in ihren Taten und ihren Motiven glaubhaft darzustellen. Ja, denkt man, so könnten sie damals gedacht und gehandelt haben. Als Leser bekommt man hier einen Einblick in die damaligen Erlebnisse von letztendlich sehr normalen Menschen (was immer man darunter verstehen will).
Ein Amerikaner sieht Berlin
Das ist so sicherlich auch schon Buchautoren gelungen, aber Lutes hat und nutzt die zusätzlichen Möglichkeiten des Comics, eben nicht nur zu berichten sondern auch zu bebildern. Die heruntergekommen Mietkasernen mit ihren dunklen Hinterhöfen von damals sind eben doch was anderes als der heutige renovierte Altbaubestand. Anstatt von einer Einraumwohnung mit Bett, Schrank und Waschgelegenheit nur zu lesen bekommen wir sie in ihrer Einfachheit und Spärlichkeit dargestellt. Das verschafft uns heutigen Lesern einen anderen Zugang, ohne vorgeprägte Bilder der damaligen Zeit sehen wir mit frischen Augen auf unsere Geschichte.

Neben der Fähigkeiten des Erzählers Lutes sind auch die des Zeichners Lutes hervorzuheben. Im Grunde ein sehr realistisch gezeichneter Comic. Er nutzt einen sehr europäischen geprägten Zeichenstil, so nennt er auch Hergé den wohl größten visuellen Einfluss auf seine Arbeit. Mit klarem Linien wird die Handlung dargestellt, die ausführlich recherchierten Hintergründe sorgen für Atmosphäre.
Die klare Seitengestaltung und Erzählweise bricht Lutes manchmal, hier scheint er eher von Eisner inspiriert zu sein. Als Beispiel sei die Musik-Sequenz am Anfang des Bandes erwähnt mit dem Solo eines der Cocoa Kids erwähnt, man kann fast den Rhythmus sehen. Aber auch andernorts nutzt Lutes gerade die Sequenzen ohne Text um Stimmung zu erzeugen.
Ein Amerikaner sieht Berlin
Die deutsche Ausgabe ist in zumindest einem Aspekt der amerikanischen Originalausgabe überlegen. Die Entscheidung Berliner Dialekt für die, vereinfacht gesagt, Menschen der Arbeiterklasse zu nutzen bringt dem Comic eine zusätzliche Wirkung. Zwar ist auch im Original eine leicht unterschiedliche Sprache der verschiedenen Klassen festzustellen, aber nicht in dieser Konsequenz und Vielfalt.
Ein Amerikaner sieht Berlin
Auf der anderen Seite verlieren die englischsprachigen Dialoge der Cocoa Kids in der Übersetzung etwas. Auch das Schnitty, der lokale Manager der Band, Englisch mit einem gewissen deutschen Akzent spricht ist schwerlich zu übersetzen. Aber dieser Nachteil ist zu verschmerzen gegenüber dem gewonnen Berliner Lokalkolorit. Vielleicht sollte trotzdem ein Verlag sich nach
dem dritten Band von Berlin in ein paar Jahren an eine gemischtsprachige Gesamtausgabe wagen...


Berlin - Band 2 - Bleierne Stadt
Von Jason Lutes
208 Seiten, s/w
Carlsen, 14 Euro



Berlin 2 kannst Du gerne hier kaufen.

Berlin 1 kannst Du gerne hier kaufen.


LESEPROBE zu: Berlin - Band 2 - Bleierne StadtEin Amerikaner sieht Berlin



(c) der Abb.: J. Lutes und Carlsen
 
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