Robert Crumb an der TU Dortmund zu Gast :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
25.04.2018, 00:50 Uhr
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geschrieben von Maqz am Mittwoch, 29. Oktober 2008 (2348 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht
Robert Crumb ist als Vater der amerikanischen Untergrund-Comics im Mainstream der amerikanischen Gegenkultur zu populärem Ruhm gelangt und wird inzwischen auch von der Kunstwelt geadelt. Auf Einladung der Technischen Universität Dortmund hält er sich im Rahmen des Gambrinus Programms, mit dem hervorragende internationale Wissenschaftler und Künstler eingeladen werden, in der letzten Oktoberwoche in Dortmund auf.


Am 28.10.2008 hielt er im Museum am Ostwall einen Vortrag über seine Arbeit; am 29. und 30.10. wird er in Seminaren an der Universität auftreten. Der Besuch Robert Crumbs, der sich am liebsten in einem kleinen Dorf in Südfrankreich seiner Arbeitet widmet, wurde von der Dortmunder Amerikanistik-Studentin Marnie Westerhoff vermittelt, die in ihrer Dissertation an einer Gesamtdarstellung von Crumbs Werk arbeitet. Traditionell erforderte die Lektüre von Comics nur wenig Intellektualität. Besonders in den 50er Jahren standen sie im Verruf, durch ihren minimalen Anspruch an die Aufmerksamkeitsspanne besonders Kinder in ihren zweifelhaften Bann zu ziehen und kulturell kurzzuschalten. Der durchaus ironisierend gebrauchte Hinweis "nur für erwachsene Intellektuelle", der auf Crumbs Heften und Büchern prangt, weist in eine ganz andere Richtung. Die Untergrund-Comic-Szene elektrisierte mit populären Charakteren wie Fritz the Cat, Angelfood McSpade und Mr. Natural die Hippie-Gegenbewegung und reflektierte deren Paranoia kritisch. So finden sich in Crumbs Oeuvre dieser Epoche neben triebhafter Obsessionen auch Themen wie die feministischen und schwarzen Emanzipationsbewegungen, das Wettrüsten und die Angst vor dem nuklearen Krieg, Kritik an Kapitalismus und Moderne. Kontrovers waren seine Comics dabei immer. Von konservativen wie linken Gruppierungen gleichermaßen kritisiert und gepriesen, verweigerten sich die sperrigen Comic-Strips und satirischen Karikaturen manipulativer Vereinnahmung.
Trotz zeitweiliger Verbote seiner Comics haben die Figuren von R. Crumb die amerikanische Kultur entscheidend geprägt. Dabei umspannt die Bandbreite seines Oeuvres nicht nur die Populärkultur und politische wie soziale Zeitgeschichte, sondern auch Crumbs Passion zur Old time Musik der 20er Jahre, deren regionale Vielfalt aus Crumbs Sicht noch nicht von der monopolistischen Musikindustrie vereinheitlicht wurde. Liebevoll gestaltet er Cover für Bands, die dieses musikalische Erbe weiterhin lebendig halten, zuletzt für die East River String Band.
In ihren kollaborativen "Dirty Laundry Comics" waschen Robert Crumb und seine Frau Aline Kominsky-Crumb auf höchst unterhaltsame Weise ihre schmutzige Wäsche in aller Öffentlichkeit und führen damit, gewissermaßen als Comic-Version des Reality-TV, ein Peepshow-Element in diese visuelle Literatur ein. Aline, selbst Comicbuch-Autorin, hat mit ihrem stark autobiografisch motivierten Zugang das jüngere Werk ihres Mannes mit geprägt, der seine eigene existentielle Sinnsuche nicht nur in imaginierte Charaktere einschreibt, sondern auch sich selbst als Comic Figur künstlerisch reflektiert. Neben der Illustration einer kommentierten Einführung zu Kafka, dem sich Crumb in seiner existentiellen Dramatik und Absurdität tief verbunden fühlt, markiert seine noch nicht publizierte Comic-Buch Ausgabe der Genesis Crumbs neuestes Werk.
Einiges mag sich innerhalb der 40 Jahre seines Schaffens auf formaler und inhaltlicher Ebene verändert haben. Seiner Vorliebe für stramme Beine und wohlgenährte Hintern, die in ihren ausladenden Dimensionen auch alternden Männern noch genügend Spielraum bieten, ist der Comic-Zeichner Crumb allerdings immer treu geblieben.


Quelle: http://www.idw-online.de/pages/de/news285805

 
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