Interview mit Peter „Rudi“ Puck :: Comic Radio Show :: Comics erfrischend subjektiv, seit 1992!  
23.09.2018, 04:08 Uhr
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geschrieben von M.Hüster am Montag, 03. März 2008 (7994 Aufrufe) druckerfreundliche Ansicht

Ich bin dann mal weg


Immer Ärger mit Rudi! Und hier ein weiteres Gespräch aus unser Comiczeichner-Interviewserie. Viel Spaß dabei! Eure CRS Chefred!

CRS: Hallo Peter! Leider gibt es von dir in letzter Zeit keinen neuen Rudi mehr! Daher die brennende Frage für alle Rudi-Fans zuerst: Was hat dich dazu bewogen, in Bezug auf Rudi eine Auszeit vom Comic-Schaffen zu nehmen?


Peter Puck: Ich hatte irgendwann das Gefühl, dass ich eine Pause brauche. Ich mache Rudi jetzt seit über 20 Jahren. (Fast) jeden Monat eine Rudi-Seite. Und solche Seiten macht man nicht mal eben mit links so nebenher. In Rudi steckt so ziemlich alles was ich drauf habe! Die Produktionszeit pro Seite beträgt ca. 10-14 Tage. Denk- und Kreativarbeit am Limit. Im Ernst! Diese ständige Produktionsmühle und der dauernde Termindruck wurde mir allmählich zu viel. Ich musste die Maschine mal anhalten und eine "Kreativpause" einlegen. Und die geht jetzt schon länger als ich anfangs gedacht hatte.
Immer Ärger mit Rudi!
Zur Zeit ist es so, dass mir der Rudi irgendwie fehlt und ich auch ein schlechtes Gewissen habe, weil ich meine Leser enttäusche und trotzdem überwiegt gerade die Erleichterung, dass ich diesen Druck los bin!
Von Rudi allein kann ich nicht leben. Ich mache schon immer nebenher Auftragsarbeiten, und die bringen im Verhältnis schlicht und einfach mehr Schotter (Im deutschen Comicmarkt auch nur ein durchschnittliches Einkommen zu erzielen ist nicht so einfach, dabei ist Rudi in Relation eine sehr erfolgreiche Serie!).
In letzter Zeit habe ich einige große Aufträge bekommen, die ich allein schon aus finanziellen Gründen machen und wegen des Aufwands den Rudi hinten anstellen musste. (Tja, Freunde, tut mir leid Eure Illusionen zerstören zu müssen, aber auch der göttliche Peter Puck muss für jede Autoreparatur und jede Dose Ravioli bezahlen! ;)
Peter Puck
Ich sitze also auf jeden Fall nicht zuhause und glotze Löcher in die Raufaser, sondern bin ziemlich ausgelastet. Rein rechnerisch müsste ich jetzt ja zwei Wochen im Monat Zeit haben, aber irgendwie haut das nicht hin! Aber mit Mathematik hatte ich schon immer Probleme!
Ich habe eins beschlossen: Bevor ich das inhaltliche und zeichnerische Niveau zurückfahre und flache Langweiler-Rudis produziere, lass ich’s lieber ganz bleiben. Das ist besser für Rudi, die Fans und mich.


CRS: Wann wird es wieder neue Rudi-Storys von dir geben?

Peter Puck: Wie’s weitergeht, weiß ich momentan selber nicht. Ich warte mal ab, wie sich die Dinge so entwickeln, mehr kann ich zur Zeit nicht sagen …
Aber wenigstens ist Rudi ja durch die Neuedition weiterhin präsent und einige lang vergriffene Alben sind jetzt wieder käuflich zu erwerben. Nur eins noch: Nicht traurig sein! Dann lest Ihr eben die alten Rudis noch mal und kapiert vielleicht dann auch die schwierigeren Gags! OK?

CRS: Guter Aufhänger: die alten Gags. Deine bisherigen Rudi-Alben werden in der Ehapa Comic Collection (ECC) alle in einer sehr schön kolorierten Edition neu aufgelegt. Wie kam es zu dem Deal zwischen dir und ECC?


Peter Puck: Eines Tages klingelte es an der Tür und da standen einige freie Mitarbeiter von ECC aus Russland und die haben mich in langen Gesprächen davon überzeugt, dass ein Verlagswechsel ...
Also gut, die Wahrheit: Die ECC-Leute fanden Rudi schon immer brauchbar und ich bin schon immer mit ihnen klar gekommen, wir kennen uns auch schon sehr lange, auch aus ihren Stuttgarter Zeiten. Als der Wechsel anstand, war ECC für mich die erste Wahl.
Immer Ärger mit Rudi!
CRS: Du hast es ja Dank des ECC-Vertrags geschafft - oder wie du selbst mal gesagt hast: „Werden Sie Comic-Zeichner und machen Sie Millionen mir faden Witzen und schlecht gezeichneten Männchen! Es winken Sex, Geld, Ruhm und unbeschreiblicher Luxus !!!" Wie kommst du mit deinem neuen Leben klar?

Peter Puck: Dadurch, dass ich jetzt meine Zeit nicht mehr mit wirtschaftlich ertragsmageren Comicgeschichten verplempere, sondern lukrative Auftragsarbeiten global agierender multinationaler Großkonzerne annehme, habe ich noch mehr Geld und unbeschreiblichen Luxus zu verkraften.
Aber im Ernst: Das neue Leben ist gar nicht so neu! Ich sitze weiterhin jeden Tag am Zeichentisch und produziere Cartoons und Comics, nur das diese eben im Auftrag entstehen und nicht an eine breite Öffentlichkeit gehen und: besser bezahlt sind.
Peter Puck

CRS: Wie bist du mit deiner Verlagsbetreuung und der Umsetzung der Rudi-Neuauflage in der ECC zufrieden?

Peter Puck: Sehr! Die Zusammenarbeit läuft problemlos und stressfrei und auf einer menschlich sehr angenehmen Ebene. Die Neuedition ist schön geworden. Es gibt ein paar Kleinigkeiten, die mich stören, das sind technische Probleme, die ich selber verbockt habe.
Die Farbe und das große Format tun Rudis Lesbarkeit sehr gut, ein echter Mehrwert auch für Leser, die die alten Bände schon kannten. Und die zusätzlichen Bonusmaterial-Infos zu den Hintergründen und Entstehungsgeschichten kommen auch sehr gut an.


CRS: Zuletzt waren deine Comic-Arbeiten in einer Ausstellung in der Studiengalerie der PH Ludwigsburg zu sehen. Sehr schöne Idee, die Rudi und dem Bekanntheitsgrad deutscher Comics nur förderlich sein kann. Wer kam auf die Idee?
Beispiel
Peter Puck: Das war eine Anfrage der PH, die in ihrer Studiengalerie regelmäßig Arbeiten verschiedenster Künstler und Richtungen präsentiert. Außerdem habe ich dort auch einen ganztägigen Comicworkshop für die Studierenden gegeben.

CRS: Back to the roots: Wie bist du damals zum Comic-Zeichner geworden und wo und wann hatte Rudi seine Premiere? (Für die Comic-Fans, die noch nicht soviel über Rudi wissen)

Peter Puck: Comicfiguren habe ich schon immer gezeichnet, im Kindergarten, in der Schule, im Studium. Aber nie ganze Seiten oder gar Geschichten. Ich habe zusammen mit Edgar Rehberger, der heute Journalist im Stuttgarter Raum ist, studiert. Er war damals schon als Sportjournalist für das Stuttgarter Stadtmagazin '‚live' (heute ‚lift‘) tätig und hat gesehen, was ich so in meine Aufschriebe kritzelte. Er hat vorgeschlagen, dass ich mal irgendeine komplette Einseitenstory machen soll um sie dem Magazin anzubieten.
An einem Nachmittag im Jahre des Herrn 1985 entstanden zwei Figuren, die ich Rudi und Freddy nannte (in Anlehnung an die ‚Rude Boys‘ des Ska und weil ich vorher schon mal eine Figur entwickelt hatte, die Rudi Mentär hieß - und an Freddy Quinn, weil es die Zeit des New Wave war und ironische Anklänge an die 50/60er cool waren...)
Der kleine Peter konnte damals nicht ahnen, dass dieser Nachmittag sein weiteres Leben bestimmen würde...
Peter Puck
CRS: In deinen Comics erscheint Rudi nicht selten als mies gelaunter Pessimist, während sein Freund Freddy den Alltag viel lockerer nimmt. Ist dieser Unterschied bewusst von dir so gewählt worden? Erkennst du dich in einem der beiden Helden wieder? Welcher entspricht eher deinem Naturell?

Peter Puck: Ich bin Rudi ... und ich wäre gern Freddy! Dass die beiden so gegensätzlich gestrickt sind, war ursprünglich nicht geplant, das hat sich so entwickelt. Anfangs waren Rudi und Fred recht ähnliche Charaktere. Aber sehr bald hat sich diese klassische Dichotomie eines Komikerduos herausgebildet, die einfach interessanter ist und vielseitigere Möglichkeiten bietet. Figuren entwickeln übrigens in länger laufenden Serien immer irgendwie ein Eigenleben, ein interessantes Phänomen.
Jedenfalls ist die miese Laune Rudis nicht zufällig und unbegründet, sondern resultiert aus seiner illusionslosen und analytischen Weltsicht. Rudi ist nicht blöd, er durchschaut die Dinge. Er ist weniger Pessimist als Realist.
Peter
CRS: Es geht immer sehr turbulent und emotional zu in den Geschichten, die Rudi auf seinen Reisen, in Kneipen, bei Orgien, in Fußgängerzonen, mit rechten Hooligans oder auf Autobahnen erlebt. Vor allem gibt es immer wieder dralle Damen im Leben von Rudi und Freddy. Hast du das alles selbst knallhart recherchiert? :-)


Peter Puck: Schön wär’s! Ich führe leider ein fades und ereignisloses Langweilerleben am Zeichentisch! Heute naturgemäß noch mehr als früher in den 80ern. Da bin ich doch noch öfters persönlich auf die Typen getroffen, die dann in meinen Storys aufgetaucht sind.

CRS: Wie erlebst du deine Festival-Auftritte? Eher stressig oder mehr angenehm? Wirst du weiterhin trotz Kreativpause signieren? Wo können dich die Rudi-Fans ggf. als nächstes wieder treffen?

Peter Puck: Beides! Festivals sind sehr anstrengend: wenig Schlaf, viel Alkohol und den ganzen Tag und dreiviertel der Nacht auf Achse und quatschen. Am letzten Tag sind alle komplett gebraten und sehr heiser, aber es ist traumhaft! Man lernt einen Haufen erstaunlich netter Leute kennen, vor allem auch Kollegen - auch aus dem Ausland, was besonders interessant ist! Comiczeichner haben ja in der Regel wenig Kontakt untereinander, jeder werkelt in seiner Stadt / seinem Land vor sich hin: ein einsamer Job! (seufz)
Natürlich werde ich weiter signieren, wenn das jemand möchte und meine unverschämten Honorarforderungen erfüllt!

CRS: Vielen Dank für das Interview! Bleibt die Hoffnung auf neue Rudi-Comics ...


(c) Abbildungen: ECC + Peter Puck
 
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